Rezension/Kritik - Online seit 08.10.2015. Dieser Artikel wurde 3921 mal aufgerufen.

Crazy Coconuts

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Autor: Walter Schneider
Illustration: Vincent Kim
Verlag: Pegasus Spiele
Rezension: André Beautemps
Spieler: 2 - 4
Dauer: 10 Minuten
Alter: ab 5 Jahren
Jahr: 2015
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
4,8 4,8 Leser
Ranking: Platz 564
Crazy Coconuts

Spielziel

Es war im Jahre 2013, als ich zum ersten Mal von den fliegenden Kokosnüssen hörte. Doch als ich mit eigenen Augen sah, was diese seltsamen Affen treiben, war es schon zu spät: Sämtliche Plastikprimaten waren bereits in andere Besitzerhände geflüchtet. Korea Board Games hatte am Messestand nur noch ein Lächeln für mich übrig.

Geknickt und bar jeder Hoffnung schlich ich nach Hause. Was für einen Sinn sollte ein weiteres Leben ohne dieses Spiel denn haben?

Das dachte sich wohl auch ein Mitarbeiter des Hauses Pegasus und er sorgte dafür, dass es - zumindest in hiesigen Gefilden - wieder jede Menge Humanoidverwandte mit der Lizenz zum Schleudern zu erwerben gibt. Schnell noch die passende Hintergrundmusik aus der alten Liederfibel aufgelegt und die ganze Affenbande brüllt: "Wo ist die Kokosnuss? Wo ist die Kokosnuss?"

Ablauf

Ein Plastikaffe mit ausgestreckten Armen und übereinanderliegenden Handflächen bildet für jeden Teilnehmer das Hauptspielgerät. Dieser wird so vor einem platziert, dass man ihm immer in die Augen sehen kann (ganz wichtig für die Steuerung). Außerdem darf sich das Äffchen nicht über eine rote Linie am Rand des persönlichen Spielplans hinaus bewegen.

Jenseits des Spielplans stehen Becher in den Farben gelb und rot. Von oben sieht das Ganze ein wenig wie die Startaufstellung beim Poolbillard aus, zumindest bei drei teilnehmenden Nuss-Schleuderern. Die roten Becher sind in zweiter Reihe eingeordnet, das heißt, in jedem roten Becher steckt zunächst noch ein gelber Becher drin.

Ein Spieler beginnt, indem er aus dem gemeinsamen Kokosnussvorrat (keine Angst, alles nur in Maßstabsgröße) die schönste auswählt, seinem Affen in die Hand drückt, diesen ausrichtet, viel Glück wünscht und durch Herunterdrücken und Loslassen der Arme die Kokosnuss in Richtung der Becher schleudert. Bleibt die Hartschalenfrucht in einem Becher liegen, ist dieser erobert und wird sofort auf dem eigenen Spielplan platziert.

Dummerweise ist auch dieser Becher ab dem Moment ein lohnenswertes Ziel, zumindest für alle anderen Affen. Landet eine Kokosnuss in einem Becher, der bereits auf dem Tableau eines Spielers abgestellt ist, wird dieser an den Schleuderer weitergegeben.

Nur wenn die Kokosnuss in einem roten Becher landet, darf der erfolgreiche Schütze sein Glück sofort ein zweites Mal versuchen. Auch rote Becher werden dem eigenen Tableau einverleibt und können von dort ebenso wieder gestohlen werden.

Wenn der Schuss in der gähnenden Leere des unendlichen Nichts landete, passiert genau das: Nichts.

Sobald ein Spieler eine kleine Pyramide von sechs Bechern in der Staffelung 3-2-1 auf seinem Plan errichtet hat, endet das Spiel und der Dschungelkönig im Kokosnussschleudern steht fest. Sollten alle Kokosnüsse in Bechern gelandet sein, ohne dass ein Spieler die Becherpyramide vervollständigen konnte, werden die in den Bechern auf dem eigenen Tableau enthaltenen Kokosnüsse gezählt und summiert. Die höhere Summe bestimmt dann den ranghöchsten Affen.

Fazit

Hochkomplexe, ineinander verzahnte Mechanismen? Fehlanzeige! Herausfordernde Strategielösungen? Gibt es nicht! Taktische Meisterleistungen? Kommen nicht zur Anwendung! Spielspaß? Riesig!

Wieder einmal hart an der Grenze zum Spielzeug haben diese Affen einen hervorragenden Aufforderungscharakter, wenn man das Spielmaterial einmal aufgebaut hat. Die Plastikprimaten sehen niedlich aus und spätestens sobald auch nur eine Vollplastik-Kokosnuss (erhältlich in der Modefarbe braun) geschleudert wird, hat man die Aufmerksamkeit der Umstehenden für sich. Die bisherigen Belastungen durch die Tests hat sämtliches Material gut überstanden. Je nach Zielgenauigkeit und Spielort kann man zusätzliche Erkenntnisse über den Zustand des Raumes unterhalb der Möbelstücke gewinnen, da man so manches Mal einigen verirrten Wurfgeschossen dorthin nachspüren muss.

Die Spielregeln selbst sind auf derart niedrigem Niveau, dass die Einstiegshürde von Crazy Coconuts von jedem durch Kriechen überwunden werden kann. Der Mehrgewinn durch Hinzunahme von Sonderkarten, mit denen in der Regel der Versuch eines Mitspielers ein bisschen schwieriger gestaltet werden kann, ist Geschmackssache. In den meisten Runden sorgte das reine ungestörte Schleudervergnügen für den größten Spaß.

Geeignet für Revanchepartien ist dieses Spiel auf jeden Fall. Die Spieldauer variiert je nach Geschicklichkeit der Spieler, und eine Runde ist in der Regel spätestens nach 15 Minuten beendet. Gern wird die Spielzeit schon mal auf ein Drittel reduziert, wenn ein Affenarmbeuger gerade einen Lauf hat. Obwohl man dann gerne für eine sofortige Umsetzung einer Revanche plädiert, ist der Frust der nicht siegreichen Spieler sehr überschaubar. Für ein derartiges Spiel ein absolutes Muss, wird dieses Kriterium von Crazy Coconuts locker erfüllt.

Das Einstiegsalter, um im Wettstreit der Errichtung von Becherpyramiden mitspielen zu können, wird nur durch die eigenen taktilen und motorischen Fähigkeiten festgelegt. Wer Geduld, ein möglichst leeres Zimmer und die Muße hat, die ca. 2 cm großen Kokosnüsse oft einzusammeln, kann durchaus auch Vorschulkindern einige Übung im Umgang mit Schleuderaffen verschaffen. Und, wer weiß schon, wofür man das im Leben später mal brauchen kann.

Auf jeden Fall dann, wenn man auch im zweistelligen Altersbereich die Hartschalenfrüchte fliegen lässt. Es handelt sich bei dieser Art Geschicklichkeitsspiel nicht um eine revolutionäre Neuerfindung, das zielgenaue Werfen von Gegenständen findet sich sowohl im Sportbereich (Boule, Darts, Basketball...) als auch auf den Spielbrettern der Geschichte (Klassiker: Hüpf mein Hütchen) in vielfacher Varianz wieder. Die Umsetzung, wie sie zunächst in Korea und später dann in Friedberg (Firmenzentrale Pegasus) in bunten Schächtelchen der Welt weitergegeben wurde, ist sehr gelungen und macht in allen Zusammensetzungen Spaß.

Die Begrenzung der Anzahl der Spielteilnehmer nach oben auf maximal vier kann durch Zusammenlegen von mehreren Spiel-Exemplaren ausgehebelt werden, dies ist aber nur bedingt ratsam. Es dauert sehr viel länger, bis der einzelne Spieler seinen nächsten Versuch unternehmen kann und der Becheraufbau zum Spielbeginn will wohl überlegt und austariert sein. Die Zweiervariante, die als eigenständiges Spiel noch in Korea produziert wurde, kann für eine Turnieraustragung bestens genutzt werden. Natürlich eignet sich auch das Material der Pegasus-Ausgabe für ein Duell.

Fassen wir also zusammen: Das Spiel hat keinen besonderen Anspruch, enthält nichts wirklich Neues, eine Partie ist schnell durchgespielt und ohne besondere Alphabetisierungskenntnisse zu bewältigen. Es kann also nur noch einen einzigen Punkt geben, der dieses Spiel annähernd attraktiv macht: den Spielspaß. Dieser ist in der Tat so gewaltig, dass man während der Konzentrationsphase, in der ein Affe auf ein Ziel ausgerichtet wird, die Welt kurz bittet, drei Schritte zurückzutreten und sich ruhig zu verhalten, damit man endlich diesen verdammten roten Becher erwischt! FEUER!!!

Rezension André Beautemps

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H@LL9000-Bewertungen

Crazy Coconuts: 4 H@LL9000-Bewertungen, Durchschnitt: 5,0 5,0

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.06.15 von André Beautemps - Kein Anspruch, Riesenspaß: Wem diese Eigenschaftskombi zusagt, muss es einfach mal ausprobieren!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.07.15 von Christoph Schlewinski - Ein Spiel, das ein allen möglichen Alterskombinationen unglaublichen Spaß macht. Und das Zeug hat, das nächste Looping Louie zu werden.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.10.15 von Monika Harke - Macht einfach nur Spaß! Die Sonderkarten braucht man nicht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.03.16 von Edgar Ameling - Das Spiel ist nichts für Taktikfüchse, sondern eher was für Familienspieler, die einfach nur Riesenspaß haben wollen. No-Brainer mit sehr hohem Unterhaltungswert.

Leserbewertungen

Crazy Coconuts: 5 Leserbewertungen, Durchschnitt: 4,8 4.8

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.10.15 von Jörn
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.10.15 von Oliver Müller - Zu Beginn ganz schön schwierig, die Kokosnüsse in den Bechern unterzubringen; hier bedarf es einiger Übung (zumindest bei uns). Man sollte sich darauf gefasst machen, das ständig jemand unter tischen und Bänken herumkrabbelt, um "Blindgängern" nachzuspüren. Wer damit leben kann, erhält einen tollen No-Brainer für launige Runden!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.10.15 von Waiko - Nichts gegen reine "Ballerspiele". Aber zum Absackerkultspiel a la LOOPING LUI fehlt es dann doch an eigenständiger Originalität. Letztlich austauschbar und belanglos. Aber schon auch unterhaltsam.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.11.15 von Andreas Freye - Superlustiges Kinderspiel was auch den Eltern Spaß macht! Zudem sehr wertige Komponenten und gut durchdachte Kokosnüsse, die tatsächlich nicht wegrollern.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.02.16 von Hans Huehnchen - Nimmt man das Wertungsformular wörtlich, bekommt man ein Problem: "Ein echtes Wahnsinns-Spiel" - nein. "Jederzeit wieder" - Auf jeden Fall. Also, eigentlich keine 6 Punkte, aber irgendwie doch.

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