Rezension/Kritik - Online seit 05.03.2012. Dieser Artikel wurde 3475 mal aufgerufen.

Die Gnome von Zavandor

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Autor: Torsten Landsvogt
Illustration: Klemens Franz
Verlag: Lookout Games
Rezension: Lotte Schüler
Spieler: 2 - 4
Dauer: 60 - 90 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2011
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 1359
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Die Gnome von Zavandor

Spielerei-Rezension

Spielerei Frühjahr 2012:

Die Minen von Zavandor sind erschlossen, die Zwerge haben ihre Clans erweitert, jetzt sind die Gnome dran. Jeder, der in die Rolle eines solchen Gnoms bei Die Gnome von Zavandor schlüpft, sollte sich des besonderen Wissens bewusst sein, das z. B. J. R. Tolkien diesem Volk nachsagte; denn Wissen und kluge Spielzüge braucht man, um als Gnom nach Siegpunkten zu schürfen.
Sechs Schürfgebiete mit je vier Schürfrechten stehen zur Verfügung. Jedes persönlich erkaufte Recht gibt zum Rundenbeginn Einkommen. Das sind die bekannten vier Edelsteine Zavandors, also Amethyste usw. Der Ertrag der Schürfrechte ist noch geheim, nur der Preis ist bekannt: wiederum Edelsteine in verschiedener Kombination. Und es sind immer zwei Schürfgebiete zur Erschließung freigegeben.
Man kann für die Edelsteine Schürfrechte besorgen, Karten mit Artefakten (die helfen beim Erwerb neuer Steine) und Schmuckstücke. Gewinner ist, wer als Erster 16 – 20 Siegpunkte erreicht, abhängig von der Spielerzahl.
Das sieht einfach aus, ist es aber nicht. Erste Tücke – man hat nur drei Aktionen pro Runde.
Zweite Tücke - man muss erst mal ein paar Edelsteine kaufen, um an irgendwelche Karten zu kommen. Und die Preise für den Kauf von Edelsteinen können sehr schnell sehr hoch steigen. Das ist gut für den Verkauf – vier pro Zug sind erlaubt - aber ganz schlecht für den Kauf – ebenfalls vier pro Zug sind erlaubt. Je nach Spielweise bewegt sich der Preis zwischen 1 - 15 Goldtalern.

Man kann das Dilemma eventuell umgehen, indem man einen Tauscher erwirbt und dann billigen Ramsch einkauft, in teure Steine verwandelt und dann mit Gewinn verkauft. Das hat aber ebenfalls Tücken, nämlich den Verbrauch von Aktionen. Der Erwerb eines Tauschers kostet eine, der Einsatz kostet eine und ist nur für maximal 2 Steine möglich, der Verkauf kostet noch eine. Das war’s dann für diese Runde, und die anderen haben inzwischen munter Schürfrechte und Artefakte erworben.
In jeder neuen Runde sehen die Kurse anders aus, denn die Preise ändern sich zu Beginn, und nur zu Beginn. Ein Anzeiger wird zwar bei jeder Transaktion auf der Kurstafel verschoben, zeigt aber in die Zukunft. Für die aktuelle Runde bleibt der Preis stabil – damit lässt sich rechnen und planen. Und man kann auch schon die zukünftige Preisentwicklung berücksichtigen.
Gucken wir uns diese an: Jede Kauf- und Verkaufsaktion von Edelsteinen bewegt den Anzeiger um eine Stelle, egal, wie viele Steine dabei eingesetzt werden. Jeder Kartenkauf dagegen erhöht die Preise pro eingesetztem Edelstein. Noch nicht klar? Also: Ich kaufe Karte oder Schürfrecht und zahle z. B. drei Amethyste und einen Rubin. Damit steigt der Amethystpreis um drei Schritte, der Rubinpreis steigt um einen Schritt. Wenn viel gekauft wird, steigen die Preise schnell bis zum Anschlag, also auf 15 Gold je Stein.
Gnome scheinen etwas gierig zu sein, denn sie sind nur sehr zögerlich, die Preise für ihre Schätze sinken zu lassen. Das tun sie bei jedem Verkauf, immer einen Schritt, und bei jedem Schürfen (Einkommensphase) um einen Schritt pro Stein. Da alle Schürfrechte offen liegen, kann man ganz gut die zukünftige Entwicklung abschätzen.
Gnome von Zavandor ist ein gnadenloses Optimierungsspiel. Es verzeiht kaum einen ungeschickten Zug. Und man muss höllisch aufpassen, dass man sich nicht selber rauskickt. Das geht ganz leicht, indem man zu Beginn sein Startvermögen für den Erwerb von Steinen raushaut (dann sind sie noch erschwinglich). Man will ja unbedingt ein paar nette Artefakte den anderen vor der Nase wegschnappen. Wenn dann nicht eine der drei „Alchemat“-Karten dabei ist (geben 10, 12 oder 18 Gold zu Beginn jeder Runde) oder wenigstens ein Emeromobil (gibt Rabatt beim Edelsteinkauf), hat man selber die Preise so hochgepuscht, dass man von weiteren Einkäufen nur noch träumen kann. Es reicht dann nicht mal für ein Schürfrecht.
Frustriert kann man nur noch die Kompensation von 4 Gold fürs Passen einstreichen – ein lächerlicher Betrag bei Edelsteinpreisen im zweistelligen Bereich.
Wenn dagegen viel geschürft wird, können die Preise auf ein erträgliches Niveau sinken. Das wird in jeder Spielrunde unterschiedlich laufen. Daher muss man gut planen und Kurse, Mitspieler und die eigenen Möglichkeiten sehr genau beobachten. Grübelpausen sind unvermeidlich, können aber teilweise schon während der Grübeleien der Mitspieler absolviert werden.
Gemein wird es, wenn ein angepeiltes Kaufobjekt von der Nase weggeschnappt wird – also genau gucken, welche Edelsteine die Vorgänger ausliegen haben. Und man sollte beachten, dass oft zu Rundenbeginn andere Schürfgebiete mit anderen Preisen freigegeben werden.
Zum echten Problem können die „Alchemat“-Karten werden. Wenn einer Glück hat und zwei davon erwischt, dann haben die anderen kaum eine Chance. Derjenige streicht zu Beginn jeder Runde Gold ein, (30 Gold in einer meiner Runden) wofür die anderen etliche Aktionen opfern müssen. Und die Preise für die Artefakte und Schmuckstücke entsprechen nicht unbedingt deren Wert, da der Edelsteinmarkt wilden Schwankungen unterliegen kann. Anders als bei den vorherigen Zavandor-Spielen kann Amethyst sehr viel wertvoller werden als Rubin. Bei kritischem Hingucken schleicht sich ein Gefühl von Unausgewogenheit ein.
Siegpunkte gibt es für Artefaktkarten und Schürfrechte, hauptsächlich für die Schmuckstück-Karten. Die sind unverzichtbar fürs Gewinnen, sollten aber erst gegen Ende gekauft werden.
Gnome von Zavandor eignet sich für Spieler, die Optimierungsspiele mögen. Es gibt keine Versteigerungen und die meisten Informationen liegen offen. Dennoch kann der Zufall mächtig zuschlagen – muss aber nicht. Der Spielverlauf ist vor allem von der eigenen Spielweise und derjenigen der Mitspieler abhängig. Und die spielen niemals kooperativ – leider.

Rezension Lotte Schüler

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

H@LL9000-Bewertungen

Die Gnome von Zavandor: 6 H@LL9000-Bewertungen, Durchschnitt: 4,5 4,5

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.03.12 von Lotte Schüler
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.11.11 von Michael Andersch - Intelligent verwobene Mechanismen, gute Mischung aus Spieldauer und Spieltiefe. Das permanente Ändern der Kurstabelle nervt etwas.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.11.11 von Roland Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.11.11 von Claudia Schollenberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.03.12 von Clemens Schollenberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.03.12 von Silke Hüsges

Leserbewertungen

1 Leserbewertung

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.03.12 von Andreas Odendahl

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