Rezension/Kritik - Online seit 10.02.2015. Dieser Artikel wurde 3508 mal aufgerufen.

Schraube Locker

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Autor: Daniela Lächner
Christian Stöhr
Illustration: Mark Robitzky
Verlag: AMIGO Spiel + Freizeit GmbH
Rezension: André Beautemps
Spieler: 2 - 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
1,5 1,5 Leser
Ranking: Platz 3568
Schraube Locker

Spielziel

Roboter rennen im Kreis und würfeln wie verrückt? Und freuen sich diebisch, wenn sie zwei einsame Muttern zu ihren Schrauben finden? Dafür wird sich kräftig geärgert, wenn man mal etwas geschenkt bekommt? Oder getauscht? Um es frei nach einem Comic-Helden aus einem kleinen gallischen Dorf zu sagen: Die spinnen, die Roboter! Oder, wie es bei uns heißt: Bei denen ist wohl eine Schraube locker!

Ablauf

In der Mitte wird ein Stapel heraussortierter Bonuskarten platziert. Darum herum werden 6 in etwa gleich große Stapel durch die anderen Karten gebildet, wobei die Vorderseiten nach oben zeigen. Jeder stellt eine Spielfigur an einen beliebigen Außenstapel.

Wer an der Reihe ist, würfelt mit allen Würfeln und beginnt, im Uhrzeigersinn die Würfel auf die Stapel zu verteilen. Auf den Karten sind Würfelsymbole abgebildet, je Karte eine Augenzahl. Können nun passende Würfel platziert werden, muss dies bei den ersten Karten in Laufrichtung erfolgen, bei weiteren ist die Ablage optional, sobald ein Stapel nicht passend bedient werden kann. Kann man seine Figur mindestens einen Stapel weiterbewegen (weil dort ein Würfel platziert ist), hat man die Wahl, nicht genutzte Würfel erneut zu würfeln oder bis zu dem Stapel zu ziehen, auf dem der letzte lückenlos platzierte Würfel liegt. Die Anzahl weiterer Würfe ist auf maximal 2 begrenzt.

Die oberste Karte des Stapels, neben dem man landet, muss genommen werden. Dies bringt entweder Punkte in der Endwertung oder kann als Sonderfunktion eingesetzt werden, z. B. um Würfelwürfe zu wiederholen oder einen Würfel direkt passend zu machen. Ist auf der Karte ein Geschenk abgebildet, darf diese Karte an einen anderen Mitspieler weitergegeben werden, der wie bei amtlichen Zustellungen die Annahme nicht verweigern darf. Diese Karten bedeuten Punktverluste am Ende. Andere Karten mit einem Punktwert von 0 dürfen ebenfalls verschenkt werden. Zum Ausgleich für das großzügige Geschenk darf man sich eine Karte aus der Auslage des beschenkten Spielers aussuchen. Für diese beiden Vorgänge muss sich allerdings die Spielfigur mindestens eines anderen Spielers nach der eigenen Bewegung am gleichen Stapel befinden.

Muttern und Schrauben in zueinander passender Anzahl auf Karten sind geschützt und können nicht mehr aus der Auslage entfernt werden. Außerdem bringen diese Kombinationen noch Bonuspunkte. Hat man es geschafft, alle sechs Würfel auf alle Außenstapel zu verteilen und somit den Stapel zu umrunden, wird der eigenen Auslage zusätzlich eine Bonuskarte vom mittleren Stapel hinzugefügt.

Sobald ein Stapel komplett verbraucht ist, endet das Spiel. Nun werden die Punkte der eigenen Auslage addiert und für jede Kombination aus Mutter und Schraube ein Bonuswert hinzugezählt. Siegender Roboter ist derjenige mit der höchsten Punktzahl.

Fazit

Kann es wirklich Freude bereiten, wenn man ständig im Kreis läuft und dafür würfelt wie nix Gutes? Es kann.

Eine gewohnt gute Kartenqualität und Würfel mit einem hohen Haltbarkeitswert auch bei häufiger Benutzung werden leider ein wenig hintergangen durch die Vintage-Plastik-Pöppel aus Spielesammlungen der 70er Jahre. Da die Schachtelgröße ohnehin vom Standardmaß der Amigokartenspiele abweicht, hätte man sich hier etwas Stimmigeres als eine kleine Roboterfigur oder wenigstens Moderneres als Meeples gewünscht. Sei es drum, insgesamt liegt kein größerer Beanstandungsgrund beim Material vor.

Die Spieldauer von unter einer halben Stunde ist grundsätzlich korrekt angegeben. Es ist eher wahrscheinlich, dass diese unterboten wird, wenn in einer Partie häufig vom gleichen Stapel Karten genommen werden. Kurzweil hat hier also die Betonung auf der ersten Silbe.

Mit vielen grafischen Beispielen hilft einem die gut geschriebene Spielregel, schnell in das Geschehen hineinzufinden. Allerdings komme auch ich so langsam in ein Alter, wo die Größe der Schrift entscheidend dazu beiträgt, wie schnell man den Text gelesen und begriffen hat. Sind die Hauptpunkte in angemessener Größe dargestellt, ergießen sich Details in sagen wir mal herausforderndem Format. Durch die hier nach wie vor zum Einsatz kommende Analogtechnologie kann ich so oft ich will Daumen und Zeigefinger auf dem Papier auseinanderziehen, es wird nichts größer. Wem das Original also nicht ausreichend lesbar erscheint, dem empfehle ich den digitalen Seitensprung auf die Homepage des Herstellers, der auch für dieses Spiel die Anleitung als PDF zum Download bereithält.

Eigentlich könnte man dieses Spiel auch mit Schülern der Grundschulklassen 2 spielen, da diese den Zahlenraum von 1 bis 6 beherrschen. Aber eigentlich soll man auch mehr Schwarzbrot essen, und die Anforderung, die Sonderfunktionen der Karten richtig einsetzen zu können, lässt die Altersangabe von 8 Jahren doch als Mindestalter angemessen erscheinen.

Ich gestehe, im Vorfeld der Testspiele keine besonders großen Hoffnungen auf ein positives Feedback gehabt zu haben bei dieser Mixtur aus Würfel- und Kartensammelspiel mit nicht allzu schwierigem Mechanismus und einem Thema, das nicht besonders ansprechend wirkt. Ich wurde enttäuscht.

Völlig unterschiedliche Konstellationen an Anzahl und Spielerfahrung haben allesamt positiv auf dieses Angebot reagiert. Niemand hat das Machwerk auf ein goldenes Podest gehievt und ist per Nacktraupe drumherum getanzt, aber Spielspaß, angemessene Spieldauer und Lust auf erneutes Umkreisen der Kartenstapel wurden allenthalben attestiert. Zum gleichen Urteil bin auch ich gelangt, denn die Geschenke sind hier doch völlig unweihnachtlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern im Gegenteil aus purer Boshaftigkeit überreicht. Auch ein Tausch löst singuläre Freude allein auf Seiten des Initiators aus, der Tauschpartner ist häufig "not amused". Diese sehr wertvollen Komponenten als einzig interaktive Möglichkeit bringen Leben in das Spiel.

Durch die Regelvorgabe, Geschenke oder Täusche nur dann durchführen zu können, wenn man am gleichen Stapel wie mindestens ein Mitspieler landet, kann es passieren, dass dieses Kernelement im ungünstigsten Fall nicht genutzt wird. Aus diesem Grund haben wir oft die Regeln abgewandelt (s. Regelvarianten). Weitere Abweichungen sind dem Regelwerk bereits angehängt, auch deren Beschreibungen sind den Regelvarianten zu entnehmen.

Man muss also selbst gar keine Schraube locker haben, um bei diesem Spiel auf seine Kosten zu kommen. Es genügt vollkommen, wenn man das von den anderen Teilnehmern annimmt, erst recht, wenn sie einem wieder einmal die wertvollste Karte der eigenen Auslage weggetauscht haben.

Rezension André Beautemps

Regelvarianten

Zur Vermeidung der Frustration bei Erarbeitung von Karten mit dem Wert 0 (Tausch) oder einem negativen Wert (Geschenke), ohne diese nutzen zu können, wurde folgende Regelmodifikationen in Testrunden vorgenommen:

Bei Erwerb einer solchen Karte darf deren Funktion sofort genutzt und die Karte an einen beliebigen Mitspieler weitergegeben werden.

Im Regelwerk von Amigo sind zwei weitere Änderungen beschrieben, die das Spielgeschehen und -verhalten verändern:

  • Eine Regel sieht die Möglichkeit vor, nicht alle unplatzierten Würfel pro Wurf verwenden zu müssen.
  • Eine weitere Option ist die Erlaubnis, ein benötigtes Ergebnis auch durch mehrere summierte Würfel abdecken zu können. So kann eine geforderte 6 beispielsweise auch mit 2 Würfeln der Werte 2 und 4 abgedeckt werden.

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H@LL9000-Bewertungen

Schraube Locker: 2 H@LL9000-Bewertungen, Durchschnitt: 4,0 4,0

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.12.14 von André Beautemps
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.04.15 von Monika Harke

Leserbewertungen

Schraube Locker: 2 Leserbewertungen, Durchschnitt: 1,5 1.5

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.08.15 von Harry Borchardt - Eigentlich mag ich Würfelspiele. Hier sprang der Funke jedoch nicht über. Ich fand es langweilig.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.01.16 von DaLi - überflüssig - Spaßfaktor=0

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