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Spielziel/ Einleitung: |
Auf der Reeperbahn nachts um halb zwei ist die Party im vollen Gange. Auch Schampus-Charly und seine Herzensdame Brilli-Lilli samt ihrer beiden Bodyguards sind unterwegs - noch können sie sich nicht entscheiden, wo sie einkehren und weiterfeiern. Welcher Lokalbesitzer schafft es, sie in ihr Etablissement zu locken? |
Beschrei- bung: |
Mit dem Titel werden Treffpunkt und Uhrzeit des Geschehens als Ausgangsposition vorgegeben - schauen wir uns ein wenig genauer an, wie es vor Ort aussieht: Schampus-Charly und Brilli-Lilli sind bereits eingetroffen und sehen sich um. Um sie herum haben bereits die Rote Lola und der Blonde Hans begonnen, ihr Unterhaltungsprogramm abzuspulen. Die beiden Bodyguards von Brilli-Lilli, deren Namen auf ihren üppigen Brilliantenschmuck zurückzuführen ist, haben die Lage im Griff und stehen um die anderen Personen herum. Jede Einflussnahme durch das Ausspielen von Karten findet auf genau eine Person statt (bei den Bodyguards dürfen auch beide bewegt werden - die Kartenart ist jedoch dieselbe) und führt dazu, dass diese bewegt werden - entsprechend gibt es vier Kartensorten. Nur Schampus-Charly bewegt sich in seinem eigenen Bereich - er wird nur gezogen, falls sich am Ende einer Spieleraktion auf dessen Lokaleingang Personen befinden. Für jede dieser Personen wird Schampus-Charly ein Feld in Richtung dieses Lokals gelockt. Für die anderen Personen sind einige Sonderregeln zu beachten: Brilli-Lilli wird etwa immer von ihren beiden Bodyguards eingerahmt, muss sich also immer zwischen diesen befinden. Befindet sich die Rote Lola zwischen dem eigenen Lokal und Brilli-Lilli, dürfen die Karten der Roten Lola als Joker eingesetzt werden. Wählt ein Spieler die Sonderfunktion des Blonden Hans, spielt oder tauscht er keine Karten und zieht stattdessen eine der Figuren zum Blonden Hans - nur die Rote Lola muss sich auf ihre eigene Performance konzentrieren und lässt sich von Hans nicht beeinflussen. Sobald Brilli-Lilli oder Schampus-Charly das Lokal eines Spielers betritt, endet das Spiel mit dessen Sieg. Wogt das Spiel die ganze Zeit ohne einen Spielsieg hin und her, so tritt das Spielende auch ein, wenn der Kartenstapel zum zweiten Mal aufgebraucht wurde - in diesem Fall gewinnt der Spieler, der Brilli-Lilli näher an sein Lokal locken konnte. |
Fazit: |
Die Beschreibung ist für ein Spiel dieser Spieldauer relativ lang ausgefallen - geschuldet ist dies den nicht sofort eingängigen Bewegungsregeln. Auch wenn man dieses Spiel seinem Gegenüber erklärt, muss dies einigermassen wortreich stattfinden und wird zunächst einige fragende Blicke nach sich ziehen. Leicht zu merken sind die Spielregeln damit nicht, wobei die thematische Einkleidung hier durchaus hilfreich ist und durch die Rollen der einzelnen Figuren anschaulich untermalt wird. Dennoch gelingt es dem Verlag, die Spielregel gut verständlich darzustellen, so dass hier keine zusätzlichen Steine in den Weg gelegt werden - die Aufbereitung der Regeln ist lobenswert. Zum Lernen der Regeln ist die eher ungewöhnliche, absolut jugendfrei dargestellte Thematik also schonmal gut geeignet. Auch das Material unterstützt nicht nur das Flair der Schickeria als Gäste und der Schausteller rund um die Lokale. Die Figuren sind rollenbezogen so prägnant gestaltet, dass sie intuitiv erkennbar und gut unterscheidbar sind. Die Zuordnung der Karten und deren Funktion ist völlig problemlos. Das Spiel und sein im Grunde abstrakter Mechanismus hätten im Prinzip in tausenderlei anderem Gewand erscheinen können - die Wahl des vorliegenden Schauplatzes setzt nicht nur neue thematische Akzente, sondern kann auch vom Verständnis und der Einprägsamkeit her als gelungen bezeichnet werden. Einige Sonderregeln sind zu beachten, um die Mächtigkeit solcher Optionen in Grenzen zu halten, so zum Beispiel die Bedingung, dass Brilli-Lilli immer zwischen ihren Bodyguards stehen muss. Es ist unbedingt empfehlenswert, nach den ersten ein, zwei Partien nochmal in der Spielregel zu überprüfen, ob man auch alle Sonderregeln korrekt angewendet hat! Die Partien können sehr unterschiedlich verlaufen und erfordern nicht nur eine genaue Beobachtung des Gegners, sondern auch eine flexible Reaktion auf dessen Züge - sonst kann man mal recht überraschend vor die Tatsache eines gegnerischen Spielsiegs gestellt werden. Hier merkt man mit steigender Erfahrung, dass viele der Sonderregeln regulierend eingreifen: Zum Beispel ist der Einsatz von Karten der Roten Lola als Joker für andere Figuren nur erlaubt, falls diese dem Spieler näher steht als Brilli-Lilli - wer hier die siegbringende weibliche Protagonistin bereits weit angelockt hat, kommt mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit in den Genuss von Lolas Unterstützung. All diese Elemente machen also insgesamt einen fein austarierten Eindruck. Hieraus entsteht ein hoher Spielreiz bei einer recht flotten Spieldauer - die auf der Schachtel angegeben 20 bis 30 Minuten haben wir nahezu immer deutlich unterschritten. Die Motivation einer erneuten Partie ist dementsprechend hoch, und so bietet Auf der Reeperbahn nachts um halb zwei einen anhaltenden Spielreiz über viele immer wieder unterschiedlich verlaufende Runden hinweg. Die Schachtelreihe Spiele für zwei von Kosmos wird damit um ein empfehlenswertes Spiel mit ungewöhnlicher Thematik bereichert und erhält hiermit von mir eine ganz klare Empfehlung. |
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