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Erschienen in: Fairplay 79 (April bis Juni 2007)
Alhambra iacta est
Zugegeben: Der Untertitel ist irreführend. Weder wird die Alhambra geworfen, noch ist sie gefallen. Wer nämlich entweder seine Asterix-Hefte präsent hat, oder auf andere Weise seine Kenntnisse der Phrase mit alea et cetera auffrischt, stößt auf diese beiden möglichen Bedeutungen. Sehr wohl Einzug in die ALHAMBRA hält aber der im Untertitel zum Spieletitel abgewandelte Würfel. Oder vielmehr insgesamt 8 Würfel. Was wurde ihnen wohl auf die sechs Seiten gedruckt? Denken Sie an das Naheliegende, so liegen Sie vermutlich richtig. Denn was finden wir in der ALHAMBRA des Dirk Henn in sechs verschiedenen Ausprägungen vor? Tatsächlich: Die Gebäudearten, über Pavillon und Serail bis hin zum Turm.
In kniffelartiger Manier stehen im eigenen Spielzug drei Würfelwürfe zur Verfügung, in denen beliebig viele Würfel herausgelegt oder nochmals gewürfelt werden dürfen. Ziel ist es, von einer Gebäudesorte möglichst viele Würfel zu sammeln. Der Clou ist, dass man nach dem ersten oder zweiten Wurf bereits aufhören kann, um eine bessere Position zu erzielen. Stellt man das Ergebnis eines Mitspielers nur ein, muss man sich hinter ihn einreihen. Man sieht sich also einer an CAN'T STOP erinnernden Entscheidung ausgesetzt: Aufhören oder doch weitermachen? Werfen wir einen kurzen Blick darauf, wie weit uns unser Würfelglück tragen muss: Nach den eigenen drei Würfelwürfen folgen reihum die der Mitspieler, um eine Würfelrunde zu vollenden. Drei bis fünf dieser Runden braucht es bis zur Auswertung der Gebäudekategorien. Und weiter geht diese Würfelei, bis man nach fünf Auswertungen schliesslich am Ende des langen Würfelweges angekommen ist. Zwischendurch finden drei Wertungen statt, deren Erklärung ich mit Verweis auf das Mutterspiel abhandele. Eine locker bis zu dreistellige Anzahl an Würfelvorgängen haben wir gemeinsam durchzustehen.
Aber wenden wir uns weiteren Spielelementen jenseits des mechanischen Zufallsgenerators zu: In der Gebäudeauswertung werden in jeder Sparte Ausschüttungen an die beiden besten Würfler der aktuellen Runde verteilt. Der bessere von beiden hat die Wahl zwischen zwei für die Wertungen maßgeblichen Gebäudepunkten oder einem dieser Punkte plus einem Bonusplättchen. Der Zweitbeste erhält die jeweils andere Auszahlung. Die Bonusplättchen sorgen etwa für zusätzliche Siegpunktausschüttungen oder einmalige Modifikationen beim Würfeln. Das ist durchaus gelegentlich so interessant, dass man lieber selbst zugreift und dem anderen die zwei wertungsträchtigen Schritte überlässt. Nicht selten muss man sich zwischen zwei Optionen entscheiden, die etwa gleich wertvoll sind. Zu einem nervenzerfetzenden Dilemma möchte ich dies nun wahrlich nicht erheben, aber diese Zutat fügt dem signifikanten Glücksanteil durchaus eine Prise Taktik hinzu.
Keine Frage: Es handelt sich hier um ein Würfelspiel und die Assoziation zu KNIFFEL ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Bis zum nächsten eigenen Zug kann man nichts, aber wirklich nichts, beeinflussen - auch vorzudenken ist nicht möglich, da ja der erste eigene Würfelwurf abzuwarten ist. Der läßt sich partout nicht von der Notwendigkeit, am besten mal in der Sparte Garten zu punkten, beeinflussen. Wenn nun etliche Serails im initialen Wurf locken, und auch in dieser Gebäudeart noch etwas zu holen ist, möchte ich den sehen, der dann doch auf die Gärten würfelt....
Nicht ganz klar ist ferner die Zielgruppe dieses Spiels: Familien, denen ALHAMBRA zu kompliziert ist? KNIFFEL-Fans auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, die sie aber vermutlich denn doch überfordern wird? Diese werde ich mit einem in der FAIRPLAY abgedruckten Text wohl kaum erreichen. Ihnen als Fachspieler gestehe ich zunächst: In beherzter, flotter Runde sorgt ALHAMBRA – DAS WÜRFELSPIEL durchaus für gelegentliche Emotionen, die dem Kniff mit dem Positionsverlust bei gleichem Ergebnis zu verdanken sind. Für eine Empfehlung reicht es insgesamt dennoch nicht, dafür ist der Ablauf zu monoton, das Thema zu krampfhaft übertragen, das Glückselement zu hoch. Hinsichtlich der einleitenden Fragestellung nach Wurf oder Fall bleibt zu konstatieren: Ein großer Wurf liegt nicht vor, das Thema sollte man allmählich fallen lassen. (Kathrin Nos - 09.09.2007)
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