Die Würfel sind gefallen. Bei so manchem Spieleverlag ist dies wörtlich zu nehmen. Wie sonst ist zu erklären, dass wir immer öfter eine Fülle an Würfeln in den Spielschachteln vorfinden? Gerade die letzten beiden Jahre bescherten uns Spielern doch so einige Strategiespiele, welche durch das Hinzufügen von Würfeln ein Glückselement erhalten haben.
So auch bei ALEA IACTA EST. Gleich 40 farbige Würfel finden in der Schachtel Platz. Das ist allerdings auch der einzige Teil des Spielmaterials, welcher einen passenden Platz hat. Provinzen und Senatskarten verheimlichen uns bis dato noch ihr Zuhause in der übersichtlichen Alea-Kiste. Das Material wirkt, als wäre es nach dem Entwurf des Schachteleinsatzes noch einmal erweitert worden?!
Die an Asterix angelehnte Grafik ist sehr angenehm und klar, allerdings wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Zwei Materialfehler führen sicherlich nicht zum Rückruf, stellen allerdings einen Kritikpunkt dar: Die viel zu kleinen Repete!-Marken sind schnell aus dem Auge verloren. Erheblich störender in unseren Runden waren jedoch die Grafiken auf den Senatskarten. Diese sind auch nach mehreren Runden immer noch nicht selbsterklärend und so ist derjenige, der die Auswahl aus mehreren dieser Karten hat, wieder ein Weilchen mit dem Erklärbogen beschäftigt. Dies stört den Spielfluss erheblich und hätte durch eine kurze Beschreibung auf der Karte selbst schnell aus der Welt geschafft werden können.
Das Ärgern der Mitspieler kommt in diesem Spiel nicht zu kurz, Interaktion ist also durchweg gegeben, auch wenn immer nur ein Spieler am Zug ist. Die taktischen Möglichkeiten sind jedoch relativ eingeschränkt. Deshalb ist die Sparte "Anspruch" auf der Schachtel korrekterweise auch als sehr niedrig angegeben.

Der Ablauf der Würfelrunden gestaltet sich in allen 5 bis 6 Runden gleich. Die Wertung am Ende des Spieles ist jedoch sehr gelungen, weil eine Provinz nur dann Siegpunkte bringt, wenn man auch die richtigen Patrizier hineinsetzen kann. Andererseits bringen diese auch nur dann Punkte, wenn sie in farbig passenden Provinzen untergebracht werden. Durch das geschickte Ausnutzen der Senatskarten ist es den Spielern möglich, viele Sonderpunkte zu machen. Jedoch hat auch Fortuna immer ein Wörtchen mitzureden, denn in jedem Bereich von
ALEA IACTA EST spielen das Karten- und Würfelglück nicht unwesentliche Rollen.
Im Spiel mit zwei oder drei Spielern wird der Templum aus dem Spiel genommen. Da dieser erst im Spiel zu viert hinzukommt, ändert sich ab dieser Spielerzahl die Taktik grundlegend. Selbst ein geübter Spieler unterschätzt gelegentlich die Tragweite dieser Änderung. Allerdings trägt diese Ausweitung zu mehr Abwechselung bei.
Eine Partie endet bei erfahrenen Spielern nach ca. 30 Minuten. Bei Anfängern können die ersten Runden allerdings auch schon einmal die doppelte Zeit dauern.
Alles in allem ein kurzweiliges Spiel, welches neben nicht zu übersehender Materialmängeln (s. o.) durch einen einfachen und leicht zu erlernenden Mechanismus aufwartet. Alea – bisher der totsichere Tipp für Vielspieler - wird seiner Zielgruppe untreu und versucht zwischen Vielspielern und Familien eine Brücke zu schlagen. Allerdings bleibt die Gefahr, zwischen diesen beiden Stühlen sitzen zu bleiben.
(Randolph Betten - 01.07.2009)