DIE H@LL9000 - REPORTAGE: 

Sphinx-Spiele

Wer im Oktober 2001 die Spielemesse in Essen besuchte, evtl. auch bei unserem Gewinnspiel mitmachte, stieß hierbei sehr wahrscheinlich auf den Messestand eines neuen Verlags. Die Rede ist von SPHINX-SPIELE, ein Verlag aus Dossenheim, einem Vorort von Heidelberg. Gleich mit 3 eigenen Spielen präsentierte sich der neue Verlag.

Hinter dem Namen Sphinx-Spiele steckt eine Person: Mitte 30, Bart, lange schwarze Haare, hat jede Menge Energie und nennt sich Henning Poehl

Wir haben uns ein wenig mit ihm unterhalten:


Technische Daten

Name: Henning Poehl
Jahrgang: 1966
Ausbildung: Dipl. Biologe
Ausgeübter Beruf: Dipl. Biologe und mehr
Wohnhaft in: Dossenheim
Familienstand (Kinder): verheiratet 2 Kinder
Hobbys: Vögel beobachten, Spielen


Henning der Spieler

Seit wann ist Spielen Dein Hobby?

Schwer zu sagen, eigentlich schon immer. Aber mit 21 hab ich mich wohl erst angefangen mich so richtig intensiv mit dem Spielmarkt zu beschäftigen.

Welche Art von Spielen spielst Du am Liebsten?

Alle - bis auf Geschwindigkeitsspiele. Am liebsten mag ich eigentlich die Abwechslung, dabei mag ich genauso komplexe Spiel wie einfache. Am liebsten mag ich aber Spiele, die viel Interaktion bieten, wenig mag ich Spiele, wo jeder vor sich hinspielt.

Welche Spiele gehören zu Deinen Lieblingsspielen?

Spieleautor: Henning PoehlDemontowers, Robo Rally (englisches Original), Versailles 1682, Diskwars (englisches Original), Blood Bowl, Intrige, Quo Vadis, Cosmic Encounter (von Hexagames), Wucherer (das Original von 2F-Spiele), Mixtur, das sind wohl meine Top-Ten. Wobei die Reihenfolge beliebig austauschbar ist.
Unerwähnt blieben hier meine Spiele, die ich alle sehr gut finde und immer wieder gerne spiele und die auch zu meinen Favoriten gehören.
Im Übrigen findet man auf meiner Homepage auch Spieletipps zu allen im Handel noch erhältlichen Spielen, die ich gut finde und die man in meinem Shop auch erwerben kann.

Gibt es einen Favoriten aus dem Spielejahrgang 01/02? Und weshalb?

Die letzten Jahrgänge fand ich eher schwach. Meist waren nur Erweiterung zu bestehenden Spielen erwähnenswert oder "Remakes" alter Spiele und die zählen nicht so richtig. Die besten Spiele der letzten Jahre sind in meinen Augen "EVO" und "Ohne Furcht und Adel" und dann natürlich meine Spiele, sorry, ist aber wirklich meine Meinung. Aber wenn ich von meinen Spielen nicht überzeugt wäre würde ich sie auch nicht machen.

Welches ist Deine letzte Anschaffung?

"Kupferkessel" und "Das Tal des Mammuts" hab ich so ziemlich gleichzeitig gekauft.


Henning: Autor und Biologe

Seit 2001 existiert Dein Verlag Sphinx-Spiele, mit dem Du Oktober 2001 gleich 3 Spiele auf den Markt brachtest. Mich würde interessieren, wie das alles entstanden ist. Wann hattest Du zum ersten mal die Idee ein eigenes Spiel zu erfinden?

Schwer zu sagen. Man geht ja manchmal lang mit Ideen schwanger und bis man dann anfängt. Aber ca. vor 4 Jahren 1997 hab ich wohl das erste mal an einem Prototypen gebastelt und mit Freunden ausprobiert.

Was war Dein erstes spielbares Spiel und was ist daraus geworden? Was ist ein spielbares Spiel?

Meine erste Idee ist ein Brettspiel und liegt noch in meiner Schublade. Es ist ein Strategiespiel in dem Vögel in einem Park ihre Jungen aufziehen müssen. Dazu müssen sie ihre Jungen mit Würmern versorgen, welche sich aber zu wehren versuchen. Vom Mechanismus funktioniert das Spiel schon, es ist aber nach meiner Ansicht noch nicht witzig genug - nun ich arbeite dran.
Als Nebenprodukt wurde aus dieser Idee ein ganz anderes Spiel geboren: "Auweier", welches ja jetzt bei mir erschienen ist.
Als zweites Spiel an dem ich gearbeitet habe, habe ich noch "das Dorf der Dämonen" in der Schublade. Ebenfalls ein Brettspiel, bei dem die Spieler versuchen müssen ein von Dämonen verseuchtes Dorf von den Dämonen zu befreien.
Man kann es zwar schon spielen, aber es "prickelt" noch nicht so richtig. Ich werde noch dran feilen.


Hast Du eines Deiner Spiele bei einem Verlag angeboten oder bist Du gleich den Weg des Eigenverlags gegangen?

Ich bin gleich den Weg des Eigenverlages gegangen. Das hat viele Gründe. Aber der wesentlichste war, dass ich wollte, dass die Spiele so wie ich sie entwickelt habe auf den Markt kommen, ohne dass jemand sie an "den Markt" anpasst.

Wann kam zum ersten mal die Idee einen eigenen Verlag zu gründen? Wie entwickelte sich das bis zum heutigen Tag?

Die Idee kam mit zum ersten mal Mitte 1999, seit dem verfolge ich das Ziel ziemlich gradlinig. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit der Entwicklung und auch noch voller Pläne. Aber es ist nach meiner Meinung zu Früh eine Entwicklung nach 3 Monaten auf dem Markt zu beurteilen. Ich denke nach der Spiele-Messe Essen 2002 kann ich mehr sagen.

Du bist ja von Haus aus Diplom Biologe. In wie weit beeinflusst dies Deine Spiele?

Wesentlich! Das war ein weiterer Grund für mich einen Eigenverlag zu gründen. Nun, als Biologe habe ich mir schon immer biologische Spiele gerne angeguckt und musste leider gestehen, dass diese meisten in der Gestaltung unattraktiv ökohaft und von der Spielbarkeit meistens furchtbar belehrend sind.
Gewöhnlich machen sie (zumindest mir) keinen Spaß. Ich hab mich gefragt, ob das nicht anders lösen kann. Nun, ich versuche nun meine Ideen zu verwirklichen, ob es ankommt wird die Zeit weisen.


Sphinx-Spiele und dessen Ziele

Für was steht Sphinx-Spiele? Wie kamst Du auf den Namen? Was bedeutet er für Dich?

Sphinx-Spiele leitet sich von einer Briefspielwelt ab die ich Jahrelang geführt habe. Man könnte nun fragen, warum meine Welt Sphinx hieß. Auf jeden Fall hat mich meine jahrelange Beschäftigung mit dieser Spielwelt mich nachhaltig geprägt. Außerdem steckt für mich in der Sphinx etwas geheimnisvolles.
Da es zumindest in meinen biologischen Spielen etwas Wissen zu entdecken gibt, fand ich den Namen auch ganz passend.

Möchtest Du eine bestimmten Themenbereich von Spielen abdecken? Welche Hauptzielsetzung verfolgt Sphinx-Spiele?

Ja, biologische und skurrile Spiele. Beide Bereiche werden von den anderen Verlagen nur schlecht abgedeckt.
Ich will also Spiele rausbringen, die sich nicht nach einer bestimmten Welle auf dem Markt richten.
Biologische Spiele weil ich Biologe bin und skurrile Spiele, weil ich eine Vorliebe für "schräge" Sachen habe.


Die aktuellen Spiele

Kommen wir auf die aktuellen Spiele zu sprechen. Vielleicht kannst Du sie kurz thematisch anreißen und den thematischen Hintergrund erklären.

Auweier: Jeder Spieler spielt ein Vogelmännchen und versucht mit möglichst vielen Weibchen möglichst viele Eier zu produzieren. Da ich das Design selber gemacht habe wirkt es ein bisschen wie ein Kinderspiel, obwohl es ein Kartenstrategiespiel ist.
Vorlage für das Spiel war das Brutverhalten der Heckenbraunelle, einen unscheinbaren Vogel den es überall in Deutschland gibt, den aber keiner kennt, weil er so unscheinbar ist. Für das Spiel muss man nichts über Biologie wissen, nur wer Lust hat kann den Hintergrund zum Spiel in der Anhang der Regel und auf meiner Webseite lesen.
Die Vampirconnection: Hier spielt jeder Spieler einen Vampiren. Gemeinschaftlich überfällt man ein Dorf. Wenn das Dorf ausgelöscht ist hat der Vampir gewonnen der die größte Blutbank besitzt. Nebenbei kann man sich noch mit verschiedenen Karten gegenseitig ärgern, wie z.B. Vampirjägern mit denen man den Anderen Vampiren Holzpflöcke ins Herz rammen kann.
Hintergrund war für mich die Vampirfilme der 60'er Jahre, die ich damals mit Genuss gesehen habe und die heute doch oft eher eine lächerliche Wirkung haben. Ich wollte einfach mal die sämtlichen klassischen Elementen dieses Film-Generes umsetzen. Und ich bin der Meinung es ist mir gut gelungen.
siehe auch unsere Rezension
Integralis, die große Keilerei in einer Buchbinderei: Jeder Spieler ist hier der Leiter eines Arbeiterteams und versucht mit diesem einen Auftragsberg in einer Budchbinderei abzuarbeiten und die verschieden hohe Prämien zu kassieren. Leider gibt es nur vier Maschinen um die Aufträge zu erledigen und an jeder Maschine dürfen nur Arbeiter eines Teams stehen. Man muss also im Spiel ständig versuchen die Arbeiter anderer Teams von den Maschinen weg zu kriegen und seine Arbeiter ran zu kriegen.
Es gibt viele Mittel das zu erreichen, doch schreckt man vor nichts zurück so  wird bestochen und sogar sabotiert. In diesem Spiel wird der schwierige Alltag in einer Industriebuchbinderei dargestellt.

Ein Ausblick auf den Herbst

Welche Spiele erwarten uns im Herbst 2002?

Null-Bock (ein Kartenspiel): Ein schnelles Stickartenspiel bei dem die Spieler versuchen mittels Hirschböcken möglichst viele Hirschkühe zu fangen. Diese Spiel gibt die Rot-Hirschbrunft wieder. Das reizvolle an dem Spiel ist das es zwei Ebenen gibt, wo sich das Geschehen abspielt. Einmal die Tischmitte, wo sich die Hirschkühe versammeln und einmal der Platz vor den Spielern, wo man abseits vom zentralen Geschehen auch noch Karten (Hirschkühe) erwerben kann. Ich bin froh, dass ich nun eine Graphikerin habe, die nun auch für eine gute Graphik in meinen Spielen sorgt. So dass man je nach Wert ganz unterschiedliche "Macho"-Böcke hat. Auch die Kühe sind vom feinsten.
Entwurf zum Spiel Die Monstermacher Die Monstermacher (Ein Karten-Würfelspiel): Jeder Spieler spielt einen Dr. Frankenstein und möchte sein eigenes Monster zusammennähen. Dazu muss man auf der Suchen nach entsprechenden Leichenteilen die verschiedensten Gräber plündern. Die Beutestücke muss man dann zusammen nähen. Wer sein Monster als erstes fertig hat hat gewonnen.


Flatsch (Ein Karten-Brettspiel):
"Flatsch" ist das Geräusch das man hört, wenn ein Auto über eine Kröte fährt. Nun jeder Spieler hat fünf Kröten, die versuchen über eine Straße zu kommen. Außerdem gibt´s Autos, mit den man die Kröten platt fahren kann (möglichst natürlich nur die anderer Spieler) und Naturschützer, die sich vor die Autos werfen könne (sie werden dabei unter Umständen auch überfahren). Es ist ein satirisches Spiel zum Thema Naturschutz (Auch ich war schon oft Kröten sammeln, weiß also wovon ich spreche).


Weitere Pläne

Wie sehen Deine weiteren Pläne aus? Möchtest Du auch Spiele anderer Autoren verlegen oder in erster Linie Deine eigenen? Wie stellst Du die die weitere Zukunft von Sphinx-Spiele bzw. Dir in der Spieleszene vor?

Grundsätzlich bin ich bei guten Ideen für alles offen. Ich spiele im Moment auch mit dem Gedanken Lizenzen für sehr Schräge Spiele im Ausland zu kaufen. Erste Verhandlungen hab ich auch schon geführt.
Der Sphinx Spieleverlag soll nicht nur meine eigenen Spiele produzieren, obwohl er jedes Jahr mindesten ein biologisches Thema von mir auf den Markt bringen wird.
Ziel soll es sein, mindestens drei Spiele im Jahr heraus zubringen. Ich beabsichtige nicht ein Großverlag zu werden, ich möchte Spiele mit einer Auflage von 1.000 bis 2.000 Produzieren und diese aber auch gut verkaufen.
Mein Ziel ist es eine gute Adresse für außergewöhnliche Spiele zu werden.


Vielen Dank, Henning für dieses interessante Interview! 
Wir hoffen auf noch viele gute Spiele aus Deinem Verlag! 

Frank Gartner

 

Dies ist eine Reportage der
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