DIE H@LL9000 - REPORTAGE: 

Spielautorentreffen in Göttingen

Göttingen, 26. Mai 2002:

Ob es nun das 20. oder 21. Autorentreffen in Göttingen gewesen sein mag, die Redner sprachen vom 20. Treffen (irgendwie erinnere ich mich jedoch, dass man bereits letztes Jahr vom 20. Treffen sprach) ist sicher nicht so wichtig. In jedem Fall fand diese Veranstaltung, durchgeführEnz

t durch das Kulturamt Göttingen und Reinhold Wittig (Edition Perlhuhn) in bekannter Tradition statt. Kleinere Änderungen zu den Vorjahren gab es dennoch, denn die Öffnungszeiten am Samstag wurden verlängert auf 10:00 bis 22:00 Uhr. So hatten Autoren der Spieleautorenzunft (SAZ), Verlagsvertreter und die Presse mehr Zeit Kontakte zu knüpfen, Prototypen kennen zu lernen und Gespräche zu führen. In diesem Jahr kostete die Veranstaltung zum ersten Mal Eintritt. Für 10 Euro gab es dann eine geschnitzte Kastanie mit einem Elefantensymbol, welche von Landsleuten aus aus Namibia angefertigt wurden. Man tat also mit diesem Obolus auch etwas gutes. In dieser Form soll es nun zukünftig immer eine Form von Eintrittskarte geben.


Die neue Eintrittskarte: Der Kastenienelefant aus Namibia.
Das Obergeschoss blieb dieses Jahr leer, dafür nutzte man Tische im Hauptveranstaltungsraum. 
Um Punkt 14:00 Uhr machte Reinhold Wittig seine Ansprache und hielt sich hierbei erfrischend kurz. Auch die darauf folgende Rede der Stadtvertretung begrenzte sich auf das Notwendigste.
Im Anschluss daran wurde der "Inno-Spatz" für ein Lebenswerk verliehen. Dieser Preis ging in diesem Jahr an einen Menschen, der sich mindestens seit den Siebzigern nachweislich aktiv mit Spielen beschäftig. Er hat die Spielezeitschrift "Pöppelrevue" ins Leben gerufen (welche leider im Dezember 2001 eingestellt wurde, er beschäftige sich mit Postspielen, ist Autor diverser Spiele und ist vor allem in den letzten Jahren der Spieleszene im Internet mehr als ein Begriff geworden, DIE Spielewebsite im Internet betreut, die Spielbox-Online (ehemalig KMW-Spielpl@tz). Die Rede ist von Knut Michael Wolf
kurz KMW.
Jury-Mitglied Wiegald Herold durfte die Laudatio halten und er hielt sie sehr ausführlich.  Das Zwar war der Inhalt, das Schaffen von KMW in all den Jahren sehr beeindrucken und interessant, dennoch wies die Rede gewisse Längen auf, so dass zumindest eine Person ins Reich der Träume gerufen wurde und erst wieder wach wurde, als sie mit dem Schnarchen die Aufmerksamkeit eines ganzen Teilbereichs der Hörerschaft auf sich gezogen hatte, was ihr sichtbar peinlich war.
Just in dem Moment als Knut seine Reden halten wollte, klingelte sein Handy. Peinliche Sache, dachten sicher viele. Er ging ans Telefon und fing an am Mikrofon sich mit dem Telefonpartner zu unterhalten. "Du, das ist jetzt ganz schlecht!. Ich stehe hier auf der Bühne in Göttingen und werde gerade für mein Lebenswerk ausgezeichnet!". 


KMW hebt seine Trophäe, den "Inno-Spatz" 
auf, der munter auf dem Boden umher springt.

Und gleich bimmelt das Handy!
Eine wahrlich erfrischende Rede

Bald wurde allen klar, das war kein Zufall, sondern eine sehr originelle Form einer Dankesrede.
Erfrischend, spritzig, lustig und kreativ. Der anschließende Applaus ließ erkennen, dass der gesamte Saal hinter dieser Auszeichnung stand.

Im Anschluss an die Laudatio lud die SAZ  alle neuen und alten Mitglieder zu einem Willkommens-Umtrunk ein, wo auch Anke Jung als das 300. Mitglied gekürt wurde. 
Bereits zu diesem Anlass konnten erste Gesprächskontakte zwischen den Autoren geknüpft und Erfahrungen ausgetauscht werden. 


Um 16:00 Uhr fand, wie jedes Jahr der Workshop mit den Verlagsvertretern statt, in welchem sich die Verlage vorstellten, ihre Vorstellungen bezüglich Prototypen und Kontaktaufnahme nannten und sich den Fragen der Jungautoren stellten. Leider waren in diesem Jahr weniger Redakteure vertreten, so dass man nur einen Teil der Verlage kennen lernen konnte.

Erstmalig wurde von einem Kreis erfahrener Autoren eine Art Patenschaft angeboten, so dass Jungautoren die Möglichkeit hatten von den erfahren Kollegen zu lernen.

Der Rest der Veranstaltung lief ohne Programm ab. Autoren stellten ihre Ideen vor und man kam miteinander ins Gespräch.

 

 

Bei der Preisverleihung des Förderpreises für Nachwuchsautoren am Sonntag waren wir nicht mehr dabei. Diesen erhielt (inkl. € 2.500) Frank Czarnetzki. 

Unsere Fotosammlung gespickt mit einigen Kommentaren und Erläuterungen: 

Reinhold Wittig (Edition Perlhuhn) kann schon auf eine lange Laufbahn in der Spieleszene und viele Auszeichnungen zurückblicken.

Er ist Hauptinitiator des jährlichen Spieleautorentreffens in Göttingen. 

 

 

Stefan Dorra (rechts) bei einem Testspiel mit Jürgen Valentiner-Branth (Schmidt-Spiele) und Uwe Mölter (Amigo). 

Von Stefan Dorra kennen wir u.a. Land Unter, Medina, Linie 1, Hick Hack in Gackelwack und Alles im Eimer. 

Tom Werneck (Spielearchiv, Verfasser des Leitfadens für Spieleerfinder u.v.m.) Fritz Gruber (Kosmos) und Jean du Poël (Historien-Spieleverlag und Autor von Carabande) schnappen vor der Halle etwas frische Luft.

 

Michael Schacht (links) im Gespräch mit Bernd Brunnhofer vom Hans im Glück-Verlag

Michael Schacht  kennen wir u.a. von Spielen wie Kardinal & König, Knatsch, Don, König der Diebe und ganz neu Dschunke

Stefan Brück, der Macher der Marke ALEA. Viele Spiele hätten seinen Namen auf der Schachtel verdient! Auch die Alea-Neuheit 2002 Puerto Rico trägt mitunter seine Handschrift. 

Kinderspielverlage im gemeinsamen Gespräch. Markus Nikisch (Autor von Alibi u.a.) Redakteur bei Haba steht der Frauenpower von Kosmos-Klee  gegenüber 
Das Team Annaberg: Christward Conrad (l.o.), Bernhard Weber (r.o.), Jens-Peter Schliemann (l.u.) und Marcel-André Casasola-Merkle (r.u.). Sie machen im Auftrag für Winning Moves die redaktionelle Überarbeitung von Spielideen. 

 

Rainer Stockhausen (links), Autor der Spiele Freibeuter, Dolce Vita und "Die sieben Weisen" im Gespräch mit Uwe Walentin, Chefredakteur der Marke Eurogames. Von Eurogames kam nahezu zeitgleich zum Autorentreffen die Spieleneuheit "Armada" auf den Markt. 
Günther Burkhardt, mit unter bekannt durch Spiele wie Manitu, Vom Kap bis Kairo, Kupferkessel Co.

Ich hatte das Vergnügen in seinem Spiel "Die Pyramiden von Jaguar" gegen ihn persönlich antreten zu dürfen und ging natürlich gnadenlos unter. Zumindest konnte ich mich mit dem Argument, dieses Spiel zuvor noch nicht gespielt zu haben, ein klein wenig herausreden :-).

 

Kaum wieder zu erkennen: Dr. Reiner Knizia ohne Anzug und Bart.  
Einer der wenigen Spieleautoren, die ihr Hobby zum Beruf machten und davon auch leben können. Spiele wie Euphrat & Tigris, Der Herr der Ringe, Ra, Tadsch Mahal, Traumfabrik und vieles mehr gehen auf sein Konto.

Seit einigen Jahren lebt Reiner Knizia in England.

Reinhard Staupe´s "Speed", erschienen bei Adlung Spiele,  ist wohl DAS Zweipersonen-Geschwindigkeitsspiel. 

Seit 2001 ist er als Produkt-Manager bei Amigo-Spiele tätig (zuvor bei der Berliner Spielkartenfabrik). 

 

Claudia Hely und Roman Pelek. Hier bekommt der Begriff "Vielspieler" neue Dimensionen. Roman ist seit Ende letzten Jahres als Spielekritiker für die Spielbox tätig und auch im Forum der Spielbox-Online sehr aktiv. 
Corné van Moorsel aus den Niederlanden hat unter seinem Einmann-Verlag Cwali bereits einige Spiele herausgebracht, u.a. Titicaca und ganz neu StreetSoccer, das Fußball-Spiel. 

Mit ihm zusammen testeten wir seinen neuen Prototyp zu einem Spiel, welches wahrscheinlich im Herbst erscheinen wird. 

 

Der Bambus-Spieleverlag: Volker Schäfer und Günter Cornett. Wir hatten sie letztes Jahr bereits im Interview. Auf dem Treffen verschenkten sie unzählige Exemplare des Spiels Twilight, welches endlich im Herbst unter dem Namen "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" neu herausgebracht wird. Unsere Empfehlung: Kaufen! 
Henning Poehl hatte 2001 in Essen mit seinem Sphinx-Spieleverlag sein Debüt. 
Das Thema Paarungverhalten beschäftigt den Dipl. Biologen immer wieder. Zuerst waren es Vögel bei seinem Spiel "Auweier" und im Herbst erwartet uns ein Spiel mit und um Böcke (siehe auch unsere Reportage). 

Albrecht Werstein (Das Hornberger Schießen, Die Perlen der Scherzerade) ist für den Zoch-Verlag tätig und hat wieder einige neue Ideen im Koffer. Wir dürfen uns bereits jetzt auf eine interessante Neuheit im Herbst freuen.
Andreas Wetter, von ihm kennt man u.a. San Francisco, ein engagierter Mensch in der Spieleszene. Ihm ist z.B. Mitinitiator, dass die Öffnungszeiten des Autorentreffens verlängert wurden. Zudem stellte er sich als Pate für Jung/Neu-Autoren zur Verfügung.

 

Ein Ärgerspiel mit optischen Augenfänger. Gerd Deininger und Andreas Michaelis, u.a. auch bekannt durch das im Jahr 2000 bei Queen-Games erschienene Silberzwerg, ließen für ihre Familienspielidee "Pinguin" extra Pinguine aus Fimo herstellen. 

 

Harald Bilz betreibt den Heidelberger Spieleverlag, welcher auch viele Kleinverlage vertritt. Aus seiner Feder stammt u.a. Ein Arsch kommt selten allein. In Kürze erwartet uns eine neue Serie von Kartenspielen in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Spielkartenfabrik (siehe auch unser Messebericht der Nürnberger Spielwarenmesse)

 

Siehst Du, geht doch 
auch mit offenen Augen!

Zwei auf einen Streich, Christoph Cantzler und Andrea Meyer. 

Christoph Cantzler hat schon unzählige Kinderspiele entwickelt, hat jedoch mit Erwachsenenspielen noch keinen Durchbruch geschafft.  

Andrea Meyer betreibt den Verlag Bewitched-Spiele. Einige werden sicher das Sing-Spiel "Hossa" kennen. Im Herbst wird wird uns "Ad Acta" erwarten, ein Behörden-Spiel für 2-4 beamtentaugliche Menschen mit Durchblick. 

Eine vielseitige Karriere hat Knut-Michael Wolf zu bieten. Spieleautor, Chefredakteur, Webmaster der Spielbox-online u.v.m. Seit 25 Jahren ist Knut nun fest in der Spieleszene verwurzelt.

 

Brigitte und Wolfgang Ditt, Betreiber der Website Pöppelkiste, Siedler-Freaks und nun auch Spieleautoren: 

Im Frühjahr 2002 erschien zum ersten Mal ein Spiel bei  Kosmos: Nautilus.

Und noch eine Spielewebsite: Michael Weber und Gerlinde Rode von der Website Reich der Spiele schauten sich ebenfalls auf dem Autorentreffen um.

Bernd Eisenstein, hier mit Frau Conny, ist Spieleautor,  Gewinner des Hippodice-Wettbewerbs 2002 und Spielekritiker bei H@LL9000. 
Stephan Riedel bastelt seit geraumer Zeit mit seinem Clicker Verlag an diversen Ideen. 

Zwei seiner Ideen lagen bereits bei uns auf dem Spieltisch. 

Wir planen demnächst mehr darüber zu berichten.

Ralf Burkert hatte mit dem Spiel "Die Magier von Pangea", erschienen bei Queen-Games sein erstes Coming-out und präsentiere nun weitere Ideen. 
Georg Rausch präsentierte erneut seine Historienspielsammlung von NMG-Spiele für Menschen, die gerne mal 6-8 Stunden gemeinsam an einem Spiel verbringen. 

Thilo Hutzler ist mit seinem Spiel "König Laurin" erschienen 2002 bei Piatnik, ganz frisch mit dabei und hofft natürlich darauf zukünftig weitere Spiele bei Verlagen unter bringen zu können.
Uwe Himmelreich, Autor des Spiels Kreuzweise und Mitbegründer des Unternehmens Good Ideas. Hier stellte er sein neues Spiel "Pferdemist" vor. 

Werner Blum stellte bereits im Herbst 2001 sein Spiel "Topper 1-2-3" vor und hofft mit diesem Spiel auf einen großen Durchbruch.
Auch Frankreich ist vertreten. Spieleautor Valery Fourcade hat bereits bei 2 französischen Verlagen Spiele herausgebracht: Attakube (TF1-Games) und Shendo (La Mèche Rebelle Editions). Nun hofft er natürlich auch in Deutschland seine Spiele vermarkten zu können.

Jonny Ebsen kommt aus Dänemark und lebt seit fast 2 Jahren in Deutschland. Mit "Pro Manager" hat er eine neue, sehr taktische Fußball-Idee! .. 

Fazit: 

Wie auch schon letztes Jahr, hat es wieder viel Spaß gemacht, die vielen bekannten Gesichter zu sehen und neue unbekannte Gesichter kennen zu lernen. 

Dies war unser Bericht, vor allem zu den Menschen auf dem Autorentreffen in Göttingen. Details über die dort vorgestellten Spiele, könnt Ihr dem Bericht von Reich der Spiele entnehmen.

Mit verspielten Grüßen
Frank Gartner

 

Dies ist eine Reportage der
HALL 9000 - Spiele, Spaß und Freizeitgestaltung im Rhein-Neckar-Raum
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