DIE H@LL9000 - REPORTAGE: 

22. Spielautorentreffen in Göttingen

Prototypen unter der Lupe!


Einleitung Autoren und Spielemacher Prototypen unter der Lupe!

Rolf Braun hat sich einige der vielen vorgestellten Prototypen etwas genauer angeschaut. Hier eine kleine Auswahl an Spielen, die natürlich rein subjektiv, teilweise zufällig und keinesfalls vollständig ist:


Beginnen möchteich mit meinem persönlichen Favoriten: 
Stefan Dorra
, der uns schon mit so wunderbaren Spielen wie ‚Medina‘ oder ‚Linie 1‘ beglückte, zeigt uns seinen Prototyp von ‚Steinbruch‘. In Norditalien bauen 2-4 Spieler Städte an Steinbrüchen und Burgen, Städte werden mit Tempeln aufgewertet. Ein einfaches, aber anspruchsvolles, strategisches Bauspiel mit einer kleinen Ärgerkomponente, dass nach spannenden 45-60 Minuten mit einer Wertung endet. Ein typisches Dorra-Spiel, wie wir es lieben. 

Der junge, kleine Verlag Kronberger-Spiele zeigt uns das Spiel Tom Tube. Das bereits veröffentlichte Spiel von Roland und Tobias Goslar ist ein anspruchsvolles Lege- und Bewegungs-Spiel für zwei Spieler, welches in 20-30 Minuten gespielt ist. Das Hauptziel für beide Spieler ist es den eigenen Astronauten von seiner Basis zu den beiden gleichfarbigen Solar-Modulen und wieder in die Basis zurück zu ziehen. Durch die Anordnung der Module kreuzen sich die Wege beider Astronauten mehrfach. Unterwegs müssen außerdem wertvolle Steine eingesammelt werden. Eine ausführliche Kritik erscheint bei uns demnächst.

‚Zwiebeln‘ heißt das witzige Kartenspiel von Bernhard Weber (rechts), der bereits 1996 mit ‚Downtown‘ den 1. Platz beim Autorenwettbewerb belegte. Zwei Spieler platzieren Tomaten, Mais, Möhren,... und natürlich Zwiebeln in Körbe und ergattern damit Punkte, sofern sie noch in die Körbe passen sonst gibt’s Abzug. Die Verteilung diese Gemüse unterliegt einem gewitzten Mechanismus mit einigem Dilemma.

Thorsten Gimmler (links), der dieses Jahr mit ‚Odins Raben' nur knapp einen Platz auf der Auswahlliste Spiel des Jahres verpasst hat, zeigt uns ‚Die Berater des Königs'. Es ist schnelles Mehrheiten-Spiel mit Aufträgen, bei dem die Spieler in 30- 45 Minuten die Gunst der 6 Berater des Königs auf ihre Seite ziehen wollen. Es gilt die Ziele der anderen zu erahnen und natürlich zu verhindern, aber das eigene nicht zu vernachlässigen.

Nach Fette Autos stellt Heinrich Glumpler sein neues Spiel ‚Feurio‘ vor. 1-4 Spieler (ja es gibt auch wieder eine Solo- Spielvariante) versuchen einen Waldbrand zu löschen - oder sagen wir lieber einzudämmen. Wassereimerketten müssen gebildet werden, um ans Feuer heranzukommen. Je heftiger das Waldfeld brennt auf dem die Spieler ihre Feuerwehrleute platzieren desto einträglicher, nur darf die Eimerkette nicht von Wassernachschub abgeschnitten werden.

Ein Autoren-Kollektiv aus Pfandfindern stellt das Spiel ‚Backpack‘ vor. 3-4 Spieler ab 10 Jahren versuchen bei Zeltlageratmosphäre Kinder bei Laune zu halten. Ist in meiner Pfandfindergruppe die Motivation nicht mehr so hoch kommt es vor das die Kinder sich einer anderen Gruppe anschließen. Mit Süßigkeiten oder anderen Attraktionen können diese dann auch wieder zurückgewonnen werden, um Zelte zu bauen und als beste Gruppe das Spiel zu gewinnen.

 

Bei Günter Cornett (links), der mit seinem 2er-Spiel ‚Kahuna' einen fast schon Klassiker geschaffen hat, geht's nun ums Goldschürfen. ‚Nuggels' heißt sein neues 2er-Spiel bei dem trotz Würfel starterisches Geschick im Vordergrund steht. Goldreihen werden abgebaut, aber Punkte gibt's, wenn in einem Gebiet alle Goldvorräte abgebaut sind. Das Trickreiche an Nuggels ist, dass die eigenen Gebiete sich mit den Gebieten des Gegners überschneiden. Hier heißt es listig an passender Stelle Gold zu schürfen und schnell dem Gegner ein Gebietsteil weg zu schnappen.

Christward Conrad entwickelte das Spiel "Packeis", bei dem es um das Verschieben und Fusionieren/Schlucken von Eisschollen geht, auf welchen man versucht die Oberhand zu gewinnen. Ein Spiel welches einigen Testern in Prototyptests bereits sehr gut gefiel. Hier stellt Christward Conrad das Spiel Stefan Brück von Alea vor. 

Den 1. Platz beim Hippodice Autorenwettbewerb 2003 gewann Thomas Rauscher (rechts) mit ‚Aquädukt‘. 3-6 Spieler ab 10 Jahren entwickeln das Aquäduktsystem im frühen römischen Reich. Landgüter an hoffentlich ertragreichen Wasserstrassen können erworben werden. In den Provinzen werden Präfekte gewählt, die wiederum den Verlauf des Aquäduktbaus bestimmt.

 

Kinder und Erwachsene müssen auf die Arbeit oder in die Schule und anschließend zur Freizeit – Touristen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. ‚City Bus‘ (links) heißt das Spiel, welches uns Manfred Kopp präsentiert. Ein strategisches Transportspiel, bei dem 2-5 Spieler Haltestellen zu eigenen, verschieden langen Buslinien platzieren müssen, die natürlich Betriebskosten verursachen, aber bei entsprechender Auslastung satten Gewinn einfahren.

Im Jahre 2020 gilt es Einfluss zu nehmen in den Ländern Europas – Wahlkämpfe müssen geführt werden – Regierungsprogramme werden verabschiedet um schließlich ‚Europakanzler‘ zu werden. ‚Europakanzler‘ heißt dann auch das Politik-Spiel von Simon Haas für 2-6 Spieler, in dem in 1 bis 2 Stunden intrigiert, koaliert und regiert wird.

 

Eine Versteigerung der besonderen Art stellt uns Martina Hellmich (rechts) in ihrem Spiel ‚Licence to Send‘ von. Radiolizenzen verschiedener Wertigkeiten müssen ersteigert werden, wobei der Wert mit der Anzahl der Lizenzen aus der gleichen Frequenzgruppe überproportional ansteigt. So stecken die 4-6 Spieler immer wieder in dem angenehmen Dilemma, für begehrte Lizenzen gute Einnahme zu haben, andererseits will man der Gegnerin auch nix gönnen.


"Old Town" durften wir schon in einer früheren Version testen, welche seit dem kontinuierlich weiterentwickelt wurde.  

Die Wäscherei lag gegenüber dem Richter steht auf einer Karte zu ‚Old Town‘. Stefan Riedel (links) liefert ein faszinierendes Deduktionsspiel für 2-5 Spieler, bei dem die Informationen aber nicht geheim gesammelt werden, wie wir es bei Spielen dieser Kategorie kennen. Nein – Informationen werden ausgespielt und bringen Punkte, wenn die Information die Lage einiger Häuser in Old Town genügend konkretisiert. Da sich Informationen aber durchaus auch wiedersprechen können muss der richtige Zeitpunkt zum spielen abgepasst werden, damit die Information gut und einträglich, aber nicht schon veraltet ist.

‚Flusskönig‘ heißt das Logistik-Spiel von H. Georg Rausch (rechts). Das Spielfeld zeigt variabel aufgebaut einen Fluss. 3-5 Spieler ab 11 Jahren befahren diesen Fluss mit ihren Schiffen. Es müssen Aufträge erfüllt werden – Güter rechtzeitig abgeholt und abgeliefert werden. Dazu müssen Kontore errichtet werden, Schleusen befahren und die Schiffe neu ausgerüstet werden. Ob wir uns auf das Spiel bei NMG-Spiele oder bei einem anderen Verlag freuen dürfen steht noch nicht fest.


Häuser werden an ertragreichen Hex-Feldern platziert. Kirchen werden errichtet. Doch von welchem Haus in welche Kirche gegangen wird kann sich im Laufe des Spiels immer wieder verändern. Im Spiel ‚Lass die Kirche im Dorf‘ von Harald Mücke (links) ist alles dynamisch, auch wenn es nicht den Anschein hat. Der Spielplan entsteht erst während des Spiels. Felder dürfen gedreht werden, um die eigene Versorgung zu vergrößern oder den Gegner abzuschneiden oder sein Haus gar zu entfernen.


In ‚Hansegold‘ wetteifern 2-4 Spieler um die attraktivsten Angebote der Küstenstädte. Gebäude können errichtet werden, um Siegpunkte oder strategische Vorteile zu erreichen. Angeheuerte Piraten machen dem Gegner das Leben schwer. Mit ca. 3 Stunden Spieldauer gehört dieses nicht gerade ausstattungsarme Spiel zu den aufwendigsten Spielen. Obwohl Dirk Barsuhn (rechts) damit nicht im Trend liegt, hat ‚Hansegold‘ beim Hippodice Autorenwettbewerb 2003 den 2. Platz belegt.

‚Olumpus‘ stand auf dem T-shirt von Volker Cullmann (links) und so heiß auch sein Spiel, ein einfaches Lauf-, Würfel- und Abenteuerspiel für 2-4 Spieler ab 8-10 Jahren. Die drolligen kleinen Zwerge müssen sich den Weg durch Land Karmak bahnen, um schließlich als Erster den Olympus-Turm zu erreichen. Auf dem Weg dorthin stehen die Zwerge, die alle verschiedene Fähigkeiten besitzen, immer vor der Entscheidung nehme ich den riskanten oder den sicheren Weg.

Bei "Merkantilismus" von Andreas Steding geht es darum Waren zu produzieren. Deren Wert ändert sich ständig durch Angebot und Nachfrage. Nur von Mitspielern ertauschte Waren bringen Siegpunkte, eigene Überschüsse verfallen. Spielbar ist es mit 3-6 Spielern ab 12 Jahren und unterhält über ca. 90 Minuten Spielzeit. 
Andreas Steding erhielt damit den 3. Platz im
Hippodice Autorenwettbewerb 2003.


Ungewöhnlich ist das Thema des Spiels ‚Ölpest‘ von Peter Schutz. Beide Spieler versuchen das auf dem Meer schwimmende Öl einzudämmen und mit ihren Schiffen abzupumpen. Die (Wind-)Richtung in der sich das Öl ausbreitet wird bei jedem Spielzug neu ausgewürfelt. Bei wem das Öl zuerst angelangt ist verliert das Spiel. In 30 min Spielzeit können 2 Spieler ab 8 Jahren ein Gefühl für Öl-Katastrophen entwickeln.

Last not least sei noch Marco Teubner (rechts) erwähnt, der mit seinem‚ ,Wildschwein Willis wilde Wühlerei‘ nicht nur Friedeman Friese in der Namensgebung Konkurrenz macht, sondern mit diesem Spiel auch den Förderpreis für Nachwuchs-Autoren gewinnen konnte. Dieser Preis umfasst ein Praktikum im Spielarchiv in Marburg, in einem Spieleverlag und eine Spielefachgeschäft.

Boats, Planes and Trucks, so zuminderst ist der englische Untertitel zum neuen Spiel von Corné van Moorsel (links). ‚Transport‘ so der Arbeitstitel des Logistik-Spiels, welches in Essen 2003 die Nachfolge von ZooSim bei Cwali antreten wird. 2-4 Spieler müssen auf den 5 Inseln verschiedenfarbige Waren zu den gleichfarbigen Plätzen transportieren.


Einleitung Autoren und Spielemacher  Prototypen unter der Lupe!

 

Dies ist eine Reportage der
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