DIE H@LL9000 - REPORTAGE: 

3. regionales Spieleautorentreffen in Berlin
Ein Bericht von Rolf Braun 

Berlin: Am 31.8.2003 war es mal wieder so weit: 

Andrea Meyer und Günter Cornett luden zum dritten regionalen Spieleautorentreffen, auch liebevoll "East of Göttingen" genannt ein. Gastgeber war auch diesmal Uniplay e.V. Von 11-18 Uhr präsentierten 16 Autoren ihre Spiele zum Testspielen. Es wurde kritisiert, Anregungen gegeben oder einfach nur gespielt. 

Die Spiele, die es zu sehen gab, waren in den verschiedensten Prototyp Stadien zu begutachten: 

Vom fast ungestesteten 2 Wochen alten Erst-Prototypen, über den seit 6 Jahren weiterentwickelten und nun in Version Nr. 20 vorliegenden Prototypen, bis hin zum fertigen Prototypen, der bereits im Druck ist und in Essen gespielt und gekauft werden kann.

Andrea Meyer (Ad acta) eröffnete die Vorstellungrunde, indem sie alle Autoren dazu aufforderte kurze Worte zu sich und ihren Spielen zu verlieren. Das Transparent '20 Jahre ......‚ irritiert...

Beginnen möchte ich mit der am weitersten - aus dem Schwarzwald - angereisten Autorin, Gerda Beutel. Mit ihren Spiel ‚Abenteuer Hausbau' zeigt sie uns ein Strategiespiel für 2-4 Personen. Spielfiguren laufen in einen (fast) rechteckigen Spielplan im Kreis. Hypotheken, Ereigniskarten, Bankfelder. 
Der erste Eindruck, drängt mir den Vergleich mit Monopoly auf. Doch hier täuscht die auch noch unvollkommene Optik. Das Spiel simuliert den Bau des Eigenheims, indem Maueren, Dachdecker, Elektriker und weitere Handwerker angeworben werden müssen, um den Rohbau, Fenster, Türen und alles was so ein Haus braucht fertig zu stellen. Geld spielt als Mittel zum Zweck natürlich eine wichtige Rolle, wenn auch am Schluss nur das fertige Haus zählt, besondere Extras (nur in der Profiversion) wie Balkon, Wintergarten oder Garage versprechen zusätzliche Punkte. Bereit 6 Jahre entwickelt Gerda Beutel bereits an ihren hier in der etwa 20. Version vorliegendem Spiel. Die Motivation zu diesem Spiel gab übrigens ihr eigener Hausbau, wer hätte das gedacht?
Handwerker spielen auch bei Neuland von Tobias Stapelfeld aus Hamburg ein Rolle. Hier fängt alles aber etwas früher in der Geschichte an. Die Spieler müssen die Zivilisation und ihr Wirtschaftssystem erst aufbauen. Auf einem sechseckigen Spielfeld in Siedlermanier aus Sechsecken verschiedener Landschaftstypen werden mit Hilfe von Jägern, Schmieden, Mienenarbeitern und einigen mehr Waren produziert, die wiederum von anderen weiterverarbeitet werden bis die Spieler die siegpunktbringenden Zivilisationsfortschritte, wie eine Bibliothek oder Kathedrale entwickeln. 2-6 Spieler können in 90-120 Minuten ihre eigenen Zivilisationen entwickeln. Der fünfte bzw. sechste Spieler sollte aber nur bemüht werden wenn alle bereits geübt sind, da hier der Zivilisationsfortschritt breiter und höher angelegt ist und den Mitspielern mehr abverlangt wird.
Martina Hellmich (unten) präsentiert ihren neuersten Prototyp ‚Die Macht und der Narr' ein spannendes Zweierspiel, bei dem beide Spieler Einfluss auf verschiedene Figuren wie König, Dame, Wächter gewinnen muss. Die verschieden Figuren zu kontrollieren ist nicht nur zum gewinnen des Spiel notwendig, auch haben die einzelnen Figuren speziellen Eigenschaften, die wiederum zum gewinnen weiteren Einfluss benutzt werden kann. Der Machtkampf selbst geschieht über Karten, die meist verdeckt gespielt werden. Um nicht dem Zufall zum Opfer zu fallen hat jede ihren eigenen Kartensatz.

Nahezu druckreif kommt ‚Booster' daher. Sein Autor, der Kommunikationberater Patrik Pohl (rechts) verrät, die Inspiration zu diesem Spiel aus dem Film ‚Rollerball' gezogen zu haben. In diesem abstrakten Strategiespiel - oder ist es doch eher ein Ärger oder Rennspiel - versuchen die Spieler ihre Figuren (Eagles und Falcons) immer weiter in die Mitte des elyptisch gestalteten Spielplans zu bringen. Wer es glücksabhängiger mag kann Booster mit Farbwürfeln spielen. Kenner und Strategen lassen diese einfach weg.

 

Mit dem neuen Arbeitstitel ‚Streetgang' zeigt uns Günter Cornett (oben) einen überarbeiteten Prototyp mit neuem Thema. Das auf den ersten Blick einfach konzipierte Spiel, birgt neuerdings gleich drei eigentlich verschiedene Spiele in sich. Diese sind je für 2-3 Spieler spielbar und sind - wie wir es von Günter gewohnt - mit einer gehörigen Portion Taktik versehen.

‚Terraforma' heißt der erst wenige Monate alte Prototyp von Leif Busse. Die Spieler fliegen durchs All, um Planetenrechte zu erweben. Diese haben verschiedene Eigenschaften die für den Menschen mal teil gut, teil weniger gut oder auch sehr ungünstig sind. (Wer will schon einen Planeten, auf dem die vierfache Gravitation als auf der Erde herrschen.) Ist die Auswahl der Planeten in einem System noch hoch, so gilt dies auch für die Preise. Der letzte Planet ist dann aber auch umsonst, aber dieser Planet muss da schon heftig terraformiert werden.

Holger Marckwardt (oben) fordert uns auf, der beste Pirat zu werden. Und was zeichnet diesen aus? Viele Papageien (auf der Schulter) natürlich. Auf einem quadratischen Spielfeld fliegen Papagieren längs und quer über den Ozean und deren 9 Inseln. Die Piraten in ihren Schiffen versuchen durch geschickte Navigation möglichst viele Papageien zu fangen. Dazu werden 6-8 Navigationskärtchen aufgedeckt, die je nach Windrichtung verschiedene Fahrtrouten angeben. Jetzt heißt es sich schnell für eine zu entscheiden. Ein großer Spaß, doch wem RoboRally schon zu kompliziert ist, der sollte auch nicht versuchen hier bester Pirat zu werden.

 

Das Geheimnissvolle, das Heilige, Schöpfer und Beschützer - das ist Wankan Tanka, das Geheimniss der Indianer, aber auch das Spiel, welches Thomas Odenhoven (unten) präsentiert. 2 - 4 Spieler als Indianerstämme siedeln ihre Indianer möglichst dort an, wo die Lebensbedingungen und damit der Siegpunktertrag besonders hoch ist. Und das ist besonders in der Spielfeldmitte der Fall, aber dort ist leider auch die Wahrscheinlichkeit am höchsten das Eisenbahngesellschaften, wiederum in Form der Mitspieler ihren Bahnlinien bauen und die Indianer-Siedlungen niederwalzen. Dies kann nur verhindert werden, indem vorher strategisch Plätze gewählt wurden oder die geheimnisvollen Kräfte des Wankan Tanka Unterstützung bringen. 

‚Fernalutx' heißt ein Prototyp den uns Andrea Meyer (links) zeigt. Auf einer Insel müssen die Spieler Landschaftstypen (z.B. Sand) festlegen und für den Tourismus nutzbar machen. (z.B. Strandbad) Verschiede Aufgabenkarten geben den Spieler Anreiz die Landschaftsgestaltung nach ihren Bedürfnissen zu gestalten, um möglichst viele Punkte abzusahnen. Die verschiedenen Ziele sind doch meist konträr und somit nicht immer leicht die Bedingungen öfters zu erfüllen. Beliebte oder leicht zu erfüllende Aufträge sind im preis meist recht teuer, so dass sich der Aufwand manchmal nicht lohnt. Etwas Glück gehört schon auch dazu, aber geschickte Planung und ein gutes Bauchgefühlt lässt die meisten Punkte absahnen.
Dies ist nach 6 Jahren nun etwa die bereits fünfte Version die wirklich fertig ist, verrät Thorsten Gimmler (unten) über ‚Gangster'. Mal wurde es anspruchsvoller, dann wieder einfacher und jetzt doch wieder in anspruchsvoller Einfachheit. Als Gangster fahren die 2-5 Spieler durch die Stadt - war es New York oder doch Chicago? Sie laden in verschiedenen Gebäuden ihre Klötzchen ab, um bei den verschiedenen Wertungen die meisten Punkte abzusahnen. Ein Mehrheitenspiel also? 
Ja und nein, den nicht immer erhält der Gangster mit den meisten Klötzchen die meisten Punkte. Um also in einem Gebäude nun genau zweiter zu werden bedarf es schon einer gewissen zeitlichen und örtlichen Planung, welche die Pläne der Mitspieler natürlich nicht außer Acht lassen darf. Auch wenn der Führende gerne Lieblingsfeindbild ist, kann es mitunter schwierig sein diesem zu schaden, ohne die eigenen Interessen aus dem Blick zu verlieren.

In der Walpungisnacht spielt das Spiel von Olaf Hartmann (oben). In ‚Hexen' müssen die 2-5 Spieler ihre 4 Hexen möglichst schnell einmal im Kreis fliegen lassen. Der erste Blick erinnert doch sehr an Mensch ärgere dich nicht, doch hier darf nicht (vom Besen) geschmissen werden. Nein die fremden Hexen (auch die eigenen) können dazu verwendet werden, um noch schneller zu sein, das die gegnerische Hexe dabei auch die ungeliebter Flugbahn geschoben wird ist ein umso schönerer Ärgeranteil. Auch findet sich bei ‚Hexen' kein Würfel, sondern Karten. Jeder hat seinen eigenen Kartenstapel - jeder den gleichen - und so ist der Glücksanteil nur darauf beschränkt welche Karte wann nachgezogen wird. Hat einer alle vier Hexen im Ziel, kann immer noch ein anderer die Nase vorn haben, sofern er sein bisher erfolgreichen Hexen ‚besser' im Ziel platziert hat.

Autos brennen, Scheiben gehen zu Bruch, Randalierer stürmen aus besetzten Häusern. Wannen rasen aus Polizeikasernen. Autonome gegen Polizisten - Straßenkampf - ‚1. Mai Berlin' so heißt das realistisch inszenierte Spiel von David Steppeler (rechts). Seit etwa einen Jahr entwickelt er nun schon an seinem Erstlingswerk, in dem besagte zwei Parteien als Teams gegeneinander streiten. Wer sich an ‚Junta' satt gespielt hat oder die Regeln nicht ganz verstanden hat oder wer ‚Mai 68' nie spielen durfte weil er es nicht kennt, darf sich freuen. Ob er selbst verlegen will oder doch einen ‚alternativen Verlag' findet, steht wohl noch nicht fest, aber wenn am 1.Mai in Berlin alles ruhig ist, steht fest das alle ‚1. Mai Berlin' spielen.

Last but not least gab uns auch Friedemann Friese (links) die Ehre. Sein druckreifes Spiel - ach ne, des is ja schon in Druck - heißt jetzt doch nicht Fisos Fluch, auch nicht Flucht, sondern F******* F****. Mehr soll hier noch nicht verraten werden, außer das man sich vor dem Monster in Acht nehmen muss und das Friedemann einen würdigen Nachfolger zu FFF geschaffen hat, der uns in Essen und auch noch lange danach begeistern wird.

11.09.03:
Hier die Preview



 

Dies ist eine Reportage der
HALL 9000 - Spiele, Spaß und Freizeitgestaltung im Rhein-Neckar-Raum
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