DIE H@LL9000 - REPORTAGE: 

Spieleverlag:

Ludoart ist ein junger, neuer Verlag  aus Lübeck. Sein Markenzeichen: Optisch ansprechende Spiele mit sehr hochwertigem und edlem Material. Erstmalig machte Ludoart auf der Nürnberger Spielwarenmesse mit auf sich aufmerksam! Wir wollten etwas mehr über Ludoart erfahren...


Die Macher in Person


Bevor wir zum Verlag und seinem Programm kommen, wollen wir etwas über die Menschen erfahren, die hinter Ludoart stecken. Ludoart besteht aus 4 Personen: 
Das sind Gerrit Vagedes, Nils Reinke, Hanno Schwede und Frank Czarnetzki.

Hier die 4 Macher im Detail: 

Name: Gerrit Vagedes

Jahrgang: 1981
Ausbildung: -
Ausgeübter Beruf: Ludoart - fulltime
Bisheriger ausgeübter Beruf: 
Student
Familienstand: ledig
Hobbys: spielen (Ach!), lesen...

Name: Nils Reinke

Jahrgang: 1979
Ausbildung: Kom. E. Inf.
Ausgeübter Beruf:
Ludoart - fulltime
Bisheriger ausgeübter Beruf:
Hardware-Entwickler
Familienstand: ledig
Hobbys: Tabletops, programmieren, 
lesen, arbeiten...


Name:
Hanno Schwede
                     

Jahrgang: 1970
Ausbildung: Industrieelektroniker
Ausgeübter Beruf: Ludoart & Student Mikrosystemtechnik
Familienstand: ledig
Hobbys: spielen, lesen


Name:
Frank Czarnetzki ( Czarnè )

Jahrgang: 1967
Ausbildung: Kommunikationsdesign
Ausgeübter Beruf: Ludoart / Spieleautor / Designer / Illustrator
Familienstand: ledig
Hobbys: Aikido, Theater, lesen...


Welche Spiele spielt Ihr selbst sehr gerne?

Im Moment bleibt uns nicht viel Zeit zum spielen, da wir sehr mit unseren eigenen Produktionen beschäftigt sind. Ansonsten zieht es uns natürlich eher zu den strategischen-, als zu den glücksbetonteren Spielen.


Entstehung und Zielsetzung von Ludoart


Wer war der Hauptinitiator von Ludoart und woher stammt die Entscheidung, einen eigenen Spieleverlag zu gründen? Wann entstand der Gedanke und in welchem Zeitraum wurde dieser umgesetzt?

Wir haben uns gesucht und gefunden. Das Wichtigste war für uns alle, dass man sich gut versteht und dass jeder seine Aufgaben kennt. Jeder respektiert die Kompetenz des Anderen. Nur so kann es funktionieren. Der Grundgedanke, einen Verlag zu gründen, steckte in jedem von uns, bevor wir uns trafen.

Wieso "Ludoart". Was ist Euer Konzept - Eure Zielrichtung bzw. Zielkäufergruppe?

LudoArt setzt sich zusammen aus den Wörtern Spiel und Kunst. Es ist ein leicht einprägsamer Name, der edel klingt. Unser Konzept ist es, schöne Spiele zu machen, mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Zum einen wollen wir natürlich die Sammler ansprechen, da besonders die Spiele im obersten Preissegment keine besonders hohen Auflagen haben. Zum anderen sind es jegliche Leute, die gutes Material und edles Design zu schätzen wissen und auf der Suche nach „dem Besonderen“ sind, sei es als Geschenk oder für sich selbst, ganz gleich welche Altersgruppe.

Versteht Ihr Eure doch recht preisintensiven Produkte in erster Linie als Spiele oder vielmehr als Kunstobjekte?


Foto: Prototyp von Piratengold

In erster Linie sind es Spiele. Sogar sehr gute Spiele. Denjenigen, die unsere Produkte „nur“ als Kunstobjekte betrachten, entgeht einiges. Ein gutes Spiel besteht nicht nur aus seiner Spielregel, sondern im Wesentlichen aus seinem Aufforderungscharakter. Das beste Spiel verstaubt in den Regalen, wenn es optisch nicht ansprechend gestaltet wurde. Wir gehen noch einen Schritt weiter: Wir wollen Spiele auch zu einem haptischen Erlebnis machen. Dabei beweisen wir allerdings, das Gutes nicht teuer sein muss. Piratengold z.B. kostet nur 29,90 € und der Käufer bekommt dafür ein wunderschönes Spiel mit aufwändigen Schiffen aus Holz und doppelseitig geprägten Dukaten aus Messing.

Welche Erfahrungen habt Ihr auf Eurer ersten Messe, der Nürnberger Messe 2004, gemacht und welches Feedback habt Ihr dort erhalten?

Wir hatten durchweg positives Feedback. Viele bewunderten unseren Mut, zu dieser denkbar ungünstigen Zeit einen Verlag zu gründen. Aber wann ist schon der richtige Zeitpunkt ?! Es gab viele internationale Vertriebshändler, die starkes Interesse bekundeten. Über die nötigen Kontakte können wir also nicht klagen. Da wir aber bei unseren 3 Eigenproduktionen erst einmal nur Prototypen präsentierten, werden die meisten Händler von den in ein paar Wochen lieferbaren Spielen positiv überrascht sein. Es war in erster Linie ein Werbeauftritt, der besagt, da gibt es einen neuen Verlag aus dem kühlen Norden mit heißen Spielen. 


Netzwerk und Arbeitsweise von Ludoart


Wie stellt es sich bei den Produkten von Castor-Fiber, Zoch und DLV dar? Produziert Ihr diese Spiele selbst oder seid Ihr hier nur eine Vertriebspartnerschaft eingegangen?

Ob wir eine Produktion übernehmen oder nicht, hängt von der Nachfrage und Vorrätigkeit des jeweiligen Produkts ab. Bei den oben Genannten handelt es sich um Vertriebspartnerschaften.

Ihr arbeitet mit den Vorwerker Behindertenwerkstätten in Lübeck zusammen. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen und wie sieht diese aus? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Die Vorwerker-Behindertenwerkstatt hat den Vorteil der räumlichen Nähe zum LudoArt-Verlag, da dieser ebenfalls in Lübeck ist. Warenkontrolle und lange Lieferzeiten sind also kein Problem. Da die Werkstätten schöne Spielereien anfertigen und eher mit der Produktion als mit dem Vertrieb ihrer Produkte beschäftigt sind, gab es für uns den Anlass, einige Produkte mit in unser Programm aufzunehmen. Außerdem ist es hier eher möglich, in kleinen Stückzahlen zu produzieren. Somit ist jedem gedient.

Einige der Spiele werden ja von Euch z.T. als neues Spiel (Piratengold, Black Elephant) oder als Neuauflage (Agadir; auf der Nürnberger Spielwarenmesse noch unter "Bazar der edlen Steine" vorgestellt) produziert. Diese Spiele sind in einer sehr edlen Ausstattung. Produziert Ihr diese Spiele selbst?

Ja, wir produzieren und finanzieren diese Spiele alle selbst.

Hohe Auflagen binden bei so aufwendigen Produkten doch recht viel Kapital. Wie hoch sind Eure Auflagen? Oder fertigt Ihr Auftragsbezogen? Welche Erwartungen habt Ihr an den Absatz dieser Spiele?


Foto: Prototyp von Agadir

Wer spricht hier von hohen Auflagen?

Bei unseren Spielen, mit den jeweiligen Auflagen, machen wir uns keine Sorgen, diese nicht loszuwerden, zumal sich diese Spiele auch über einen längeren Zeitraum gut verkaufen lassen.

Von einer bestimmten Erwartungshaltung kann nicht die Rede sein, da man von Erwartungen früher oder später nur enttäuscht wird. Wir lassen uns viel lieber überraschen, um dann gegebenenfalls flexibel auf den Markt zu reagieren. 

Einige sogar teilweise namhafte Verlage haben anfänglich den Fehler gemacht ihre Spiele nicht redaktionell von einem Spieleprofi zu überarbeiten. Wie ist das bei Piratengold der Fall gewesen? Fand hier eine fundierte, redaktionelle Überarbeitung statt?

Der Autor von Piratengold, J.Jay Bommer, hat wirklich ein sehr gutes Spiel geliefert. Selbstverständlich haben wir noch redaktionelle Arbeit geleistet, die allerdings eng mit dem Autor verbunden war. Unsere Redaktion ist der Meinung, dass oft die namhaften Verlage sich anmaßen, alles besser zu machen als der Autor. Das ist völliger Nonsens. Im Gegenteil: Durch Marketingstrategien (die oftmals sowieso nicht aufgehen) wird alles zurechtgebogen, so dass der Kunde am Ende ein völlig künstliches Spiel aus verschiedenen Einzelteilen vor sich liegen hat. Da kann man nicht gerade von langfristiger Kundenbindung sprechen. Außerdem möchten wir, dass ein Autor mit Stolz sein Spiel präsentieren kann und sich darin wiederfindet. Wir hoffen, es in dieser Hinsicht besser zu machen, da dies ebenfalls mit Professionalität verbunden ist.


Ludoart-Spiele einzeln betrachtet


AGADIR

"Agadir": Ihr habt Euch entschieden "MarraCash" in einer edlen Holzausstattung wieder herauszubringen? Wenn man bedenkt, dass das Spiel "MarraCash" bereits in vielen Spielregalen steht, ist es da nicht ein großes Risiko ein Spiel mit gleichem Mechanismus für 120 Euro am Markt anzubieten?

„MarraCash“ war ein spielerisch wunderbares Spiel, das in unseren Augen unter der Gestaltung gelitten hat. Dieses Schicksal kann leider jedem noch so ausgezeichneten Spiel  widerfahren (Der Name Agadir stammt von der gleichnamigen Ortschaft, nicht weit von Marrakesch entfernt).

Wir haben in enger Zusammenarbeit mit Stefan Dorra das Regelwerk überarbeitet und auf das Nötigste reduziert. Unserer Meinung nach bietet das Spiel in der jetzigen Form einen leichteren Einstieg und damit verbunden, einen schnelleren und höheren Spielwert als die damalige Version. Die neue Ausstattung mit unzähligen Halbedelsteinen, in einer edlen Holz-Schatulle hebt den Spielwert über den besonderen haptischen Reiz noch hinaus....

Wir sind der festen Überzeugung, dass einige Spieler, Sammler und Liebhaber schöner Spieler die 120€ für dieses brillante Spiel gerne bezahlen werden. Wichtiger für uns ist aber, dass wir der Meinung sind, dass „Agadir“ auch noch in einigen Jahren gerne und oft aus dem Regal geholt wird und somit keine Staubschicht ansetzen wird.

Wie ist der Kontakt Stefan Dorra entstanden? Wie hat sich die Zusammenarbeit dann gestaltet? Entstand die Ausstattung in gegenseitiger Abstimmung oder habt Ihr das in völliger Eigenregie durchgeführt?

Der Kontakt zu Stefan Dorra wurde auf dem Spieleautorentreffen in Göttingen geschlossen und auf den Spieletagen in Essen vertieft.

Die Ausstattung entstand zunächst in Eigenregie. Bei einem Treffen, bei dem wir den Prototypen vorgestellt haben, konnte man jedoch sehen, dass wir damit genau seinen Nerv getroffen haben. 
Die Zusammenarbeit klappte hervorragend und wir konnten von seiner großen Erfahrung in der Spieleszene profitieren.

Grundsätzlich klären wir sämtliche Detailfragen, Regeländerungen und Ausstattungsmerkmale eines Spiels in enger Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Autor.

"Piratengold" ist ein neues Spiel von einem neuen Autor. Da Euer Verlag vorab noch nicht bekannt war, ist nicht anzunehmen, dass es sich hierbei um eine Einsendung eines Spieleautors handelt. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?  

Das Spiel konnte bereits 2003 beim Göttinger Autorentreffen begutachtet werden. Illustriert von Harald Lieske war es bereits dort schon schön anzusehen. Das Spiel sollte ursprünglich in einem anderen Verlagsprojekt erscheinen, das dann aber leider nicht den Weg an die Öffentlichkeit gewagt hat. Als wir davon Kenntnis erhielten, haben wir  einfach mal zugegriffen und Autor und Illustrator kontaktiert.  Wir waren also zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

"Black Elephant" ist von Frank Czarnetzki (Czarné), der erstmalig 2003 durch ein Spiel bei Haba auf sich aufmerksam machte. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande? Das Spiel wirkt eher abstrakt. Wie schätzt Ihr den Markt für abstrakte Spiele ein?

Czarnè ist Mitbegründer des LudoArt-Verlags. Er ist verantwortlich für Spieleredaktion, Design und Illustration. Da lag es sehr nah, ihn auch als Autor mit in unser Programm aufzunehmen. „Black Elephant“ war eines der Spiele, mit dem Czarnè den Nachwuchs-Autorenförderpreis 2002 in Göttingen erhielt. Zum Spiel: „Black Elephant“ ist in unseren Augen kein abstraktes Spiel. Zwar werden gerade die 2 Personen – Strategiespiele immer wieder gerne mit den abstrakten Klassikern in Verbindung gebracht, um die kühle Logik hervorzuheben, es ist aber gerade das in sich schlüssige Thema, welches dem Spiel die Atmosphäre verleiht. Wir müssen uns keine Holzstämme oder Elefanten vorstellen, da es tatsächlich kleine Bambusstäbe sind und es 24 detaillierte Elefanten gibt. Vieles bemerkt man aber erst, wenn man das Spiel einmal gespielt hat. Zur Frage: Nein, abstrakte Spiele haben in Deutschland keine wirkliche Chance, es sei denn, sie haben etwas „Besonderes“. Und/Oder sie nennen sich „Black Elephant“ und sind abstrakt, ohne abstrakt zu sein.


Visionen für die Zukunft


Natürlich möchten unsere Leser sicher gerne wissen, wie man an Ludoart-Spiele herankommen kann.  Wie sehen Eure Vertriebswege aus? Wo gibt es Eure Spiele zu kaufen (in Deutschland, aber auch im Ausland)?


Foto: Prototyp von Black Elephant

Der schnellste und einfachste Weg ist, unsere Homepage unter www.LudoArt.de zu besuchen. Dort sind alle Artikel mit den empfohlenen Verkaufspreisen aufgelistet. Jeder Händler erhält auf Anfrage unseren 24-seitigen Katalog mit ca. 60 Produkten. Die meisten unserer Spiele sind nur im ausgesuchten Spielwarenladen zu haben. Für unsere Eigenproduktionen werden wir eine Händlerliste auf unserer Homepage führen, wo sich v.a. Endkunden darüber informieren können, woher sie unsere Spiele beziehen können. Sollte Euer Spielwarenhändler in der Nähe keine LudoArt – Artikel führen, so weiß er bestimmt noch nichts von uns. Dann müsst ihr ihn direkt darauf hinweisen.
Natürlich versenden wir auch ins Ausland, allerdings laufen gerade konkrete Gespräche mit Vertriebspartnern in verschiedenen Ländern.

Unsere Adresse:
LudoArt-Verlag , Mühlenstraße. 15 ; 23552 Lübeck ; 
Tel: 0451 / 70 72 505 ; Fax: 0451 / 70 72 504

Wie geht es weiter? Wie sehen Eure Pläne für die nächste Zeit aus? Wird man Euch in Essen sehen? Was erwartet uns dort?

In Essen werden wir selbstverständlich vertreten sein, wir werden dort den Spielern einen Einblick in unsere faszinierende Spielewelt geben .

Zu unseren weiteren Plänen und Vorhaben: Im Moment wollen wir ermöglichen das jeder Spieler, sein LudoArt Spiel beim Fachhändler seine Vertrauens erwerben kann.

Im Bezug auf Neuerscheinungen bleiben unsere konkreten Pläne erstmal geheim, also lasst Euch überraschen.


Vielen Dank, dass Ihr uns einen Einblick in Euer Schaffen gegeben habt. In jedem Fall habt Ihr, gerade in der doch recht schweren Zeit, einen mutigen Schritt gewagt. Wir hoffen und wünschen Euch, dass dieser Mut belohnt wird und Ihr zukünftig ein solides Standbein der Spieleszene darstellen werdet.  

Die Redaktion

 

Dies ist eine Reportage der
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