DIE H@LL9000 - REPORTAGE:


Games Day 2005

Am Sonntag, dem 28. August 2005, fand im Gürzenich in Köln der 7. Games Day statt. 

Mit etwa. 3 000 Besuchern war dieser auch in diesem Jahr wieder ein Riesenerfolg, zu welchem bestimmt auch die Lokalität ihren Teil beitrug (der Gürzenich ist ein altes Gemäuer,  das einfach wunderbar zu dieser Atmosphäre der Fantasie und des Kämpfens passt).

Für ein Eintrittsgeld von 15 Euro hatte dieses Ereignis seinen Besuchern auf alle Fälle eine Menge zu bieten. Beim Games Day steht eigentlich nicht das Präsentieren von Neuheiten im Vordergrund, sondern die Zurschaustellung von Ideen, einesteils jener der GW-Mitarbeiter, andererseits die der Besucher. Hauptsächlich geht es also ums Betrachten sowie das Sammeln von Ideen und Eindrücken.  

Folgende Wettbewerbe liefen:


Games Workshop Dresden 
präsentierte sich mit eigenem 
Banner.
  • Banner-Wettbewerb der einzelnen Games-Workshop-Läden
    (und das sind in Deutschland immerhin schon 34)

  • Spieltische mit besonderen Szenario-Aufbauten
    (dieser Wettbewerb läuft zwischen 23 ausgewählten GW-Läden)

  • Golden Demon: die am schönsten bemalten Modelle werden prämiert, seien es Einzelfiguren, Einheiten, Monster oder Fahrzeuge - und dies jeweils in den Bereichen Fantasy und 40.000; außerdem zum Themenbereich Herr der Ringe und ein Bereich für freie Fantasie

  • Wettbewerb der Young-Bloods (für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren)

  • Schönste Gewandung (ja – auch Verkleidete sieht man hin und wieder durch die Hallen wandeln!)

Die wundervoll gestalteten Tische der Games Workshop-Läden waren aber nicht nur zum Bewundern aufgestellt worden – an jedem dieser Tische wurde auch gespielt – und von diesem Angebot wurde auch eifrigst Gebrauch gemacht. In diesem Jahr wollte ich die Entscheidung über den schönsten Tisch nicht fällen, denn das Niveau war um einiges höher als die Jahre davor. Der Pressesprecher erklärte diesen Umstand damit, dass in den Jahren davor jeder GW Shop einen Tisch stellen musste. Da es mittlerweile so viele Läden gibt, dass platzmäßig nicht mehr alle ausstellen können, mussten die Läden vorher schriftlich darum ansuchen, einen Tisch stellen zu dürfen. In dieser Bewerbung mussten sie schon beschreiben, wie sie sich ihren Tisch ungefähr vorstellten und welches Thema er haben würde. So konnte von vornherein zwischen guten und weniger guten Ideen gewählt werden und das Ergebnis hat sich wahrhaftig gelohnt.  


Cirith Ungol

Sturm auf Lothlorien

Zum Thema „Der Herr der Ringe“ möchte ich besonders den Tisch von GW Erfurt mit dem Motto „Sturm auf Lothlorien“ hervorheben. Er hatte einen Überfall der Orks auf den Wald von Lothlorien zum Thema. Die Bäume waren ca. 40 cm hoch und die Spieler konnten ihre Modelle auf verschiedenen Ebenen in jedem Baum bewegen. Ebenfalls zu „Der Herr der Ringe“ hatten die Bastler aus Stuttgart einen 2 m hohen Wachturm von Cirith Ungol gebaut. In dem Turm und auf den Wehrgängen kämpften die Orks und Uruk-Hai darum, wer von ihnen das Mithril-Kettenhemd des Hobbits seinem Herrn und Meister bringen dürfe.  

Von den Warhammer 40000-Tischen fand ich jenen mit dem Motto „Dawn of War“ (rechts) sehr gelungen. Die Mitarbeiter aus Düsseldorf und Wuppertal erschufen eine Kathedrale und die Ruinen der umliegenden Häuser. In den Gräben und Stellungen versuchten Imperiale Truppen mit Unterstützung der Blood Ravens einen Überfall der Orks abzuwehren. Ein Spiel der etwas anderen Art konnte man am Tisch von GW Hamburg bestreiten. Bei „Das Offizierspatent“ ging es darum, als Kadett der Imperialen Armee einen Zug durch verschiedene Sektionen zu führen und am Ende das Rangabzeichen eines Leutnants zu erhalten.

Im Bereich Warhammer-Fantasy berichte ich als nächstes vom Tisch die grüne Flut im Hof des Fürsten (links). Die Ruhe des Vampirfürsten Kurt von Carstein wurde von dem Überfall der Goblins auf seine Burg gestört. Die Bastler aus Dresden erschufen hier ein paar tolle Häuser und eine Stadtmauer, bei der kein Detail fehlte. Sogar der dazugehörige Belagerungsturm vor den Stadtmauern war sehr gelungen! Dann war da noch ein Spieltisch von mindestens doppelter Größe. Hier hatten sich die Krieger des Khorne vorgenommen, die Köpfe der mächtigsten der Echsen ihrem Gott zu opfern. Die Chaoskrieger sind in eine fantasievoll gestaltete Stadt der Echsen eingedrungen und versuchten, dort Trophäen für ihren Gott zu erobern.


Blood Bowl Tisch 

Als Blood Bowl Fan muss ich noch von den Bastlern aus Essen erzählen. Sie schufen auf ihrem Spieltisch nicht nur ein Blood Bowl Stadion, sondern auch eine Ogergrube, in der man nach den Regeln des White Dwarf eine Ogerkeilerei austragen konnte. Außerdem konnten die Spieler noch in einer Arena ein Zauberduell ausfechten.

Das absolute Highlight war das riesige Szenario auf der Bühne von insgesamt 12 m². Hier konnte man sehen, welchen Schaden eine Warpblitzkanone der Skaven an den Stadtmauern der Echsenmenschen anrichtet, oder wie die Massen der Skaven die Mauern erstürmen, um nur einige Beispiele des gigantischen Diaramas (gestaltet übrigens von GW Frankfurt) zu nennen.


Gigantisches Diarama aus Frankfurt 

Eine Ecke war wieder dem Speed-Painting vorbehalten – hier versuchten viele Personen gleichzeitig, in möglichst kurzer Zeit Figuren brauchbar zu bemalen. Und wer meint, dass das Malen ein ruhiger Zeitvertreib sei, der täuscht sich gewaltig, denn in dieser Ecke wurde definitiv der meiste Krach gemacht.

Im Raum des White Dwarf Studios saß der Besuch aus England– in der Warhammer-Welt bekannte Namen wie Gav Thorpe, Markus Trenkner, Graham McNeill und Gary Morley standen den Interessenten Rede und Antwort, zeigten anhand von Beispielen Näheres zu ihren Tätigkeiten bei GW und verteilten auf Wunsch eifrigst Autogramme. Wann kann man schon mal einem Figurendesigner wie Gary Morley über die Schulter schauen, wenn er mit seinem Zahnarztwerkzeug seine Tricks vorführt und verrät. Außerdem konnte man hier die Entstehung der Armee der Waldelfen verfolgen. Von den ersten Graphiken und Skizzen bis hin zu den fertigen Figuren wurde alles ausgestellt. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch einen Blick auf einen Gussrahmen für Klankrieger und Langbärte werfen. Das neueste Spiel zu der Herr der Ringe „Die Minen von Moria“ war ebenfalls zu sehen. Außerdem waren die neuesten Modelle der Space Marines ausgestellt.


Eine Besucherin als Dunkelelfin

Viele Clubs und Spielervereinigungen waren ebenfalls mit ihren privaten Spieltischen, ihren Armeen oder ihren Geländestücken vertreten. Dort hatte man auch die Gelegenheit, in Spiele wie Blood Bowl, Raumflotte Gothic, Nekromunda und ähnliches reinzuschnuppern. Auch bot sich hier immer wieder die Möglichkeit zum Anschauen, Tipps einholen, Mitspielen, Kontakte knüpfen usw.

 

Was natürlich auch nicht fehlen durfte, war der Gelände-Bastelstand. Hier wurde den Interessierten Schritt für Schritt vorgeführt, mit welchen oft recht einfachen Mitteln die tollsten Gebäude und Geländeteile hergestellt werden können.

 

Bei den Verkaufsständen von Sabertooth Games, Warp Artefacts, Black Library und natürlich Forge World konnte man sich Spiele mit historischen Schlachten, Bücher (die von der Warhammer- und Warhammer 40000-Welt handeln), Sammelkarten und vieles mehr anschauen.

 

Für das Echtzeit-Strategiespiel „Dawn of War“ mit der neuesten Erweiterung „Winter Assault“ standen etliche PCs zur Verfügung. Hier konnten die Besucher versuchen, die Imperialen Truppen erfolgreich in die Schlacht zu führen.
 


Beim diesjährigen Golden Demon Wettbewerb wurde in 
11 Kategorien verschiedene Miniaturen prämiert.

Noch einige Worte zum Unternehmen Games Workshop: Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, deren Umsätze sich oft in die falsche Richtung entwickeln, steigert GW seine Umsätze schon seit einigen Jahren immer wieder beachtlich. Höhere Umsätze erfordern natürlich irgendwann auch größere Produktionskapazität – deshalb wurde vor kurzem als zweites Standbein auch eine Produktionsstätte in Memphis errichtet.

Außerdem will Games Workshop wieder in den Bereich Rollenspiel einsteigen – das englische Regelbuch dazu mit über 250 Seiten gab es auf dem Games Day bereits zu kaufen. Und es wird auch überlegt, ältere Spiele, die nicht mehr produziert werden und bei deren Entwicklung GW einst auch mitwirkte, wieder neu aufzulegen. Vielleicht können wir uns ja auf ein neues Talisman oder Hero Quest freuen?


...und so sieht ein 
glücklicher 
Gewinner aus...

Eine Sache an der Veranstaltung finde ich persönlich immer wieder schade: Der Games Day ist zwar vordergründig keine Verkaufsmesse, aber natürlich kann man dort fast alle Produkte käuflich erwerben. Wäre es nicht möglich, bei einem derartig riesigen Event endlich einmal so etwas wie einen Messe-Rabatt zu gewähren – und wenn es nur symbolische 3 % wären? Irgendwie kennt man diese Verfahrensweise von jeder Veranstaltung, bei der man Eintrittsgeld bezahlen muss – und auch die GW-Fans würden sich über ein besonderes „Messe-Schnäppchen“ einfach doppelt freuen.

In Summe ein rundum erfolgreicher und erlebnisreicher Tag. Denn wo sonst bietet sich dem Table-Top-Fan die Möglichkeit, mit über 3 000 Gleichgesinnten zusammen zu sein, zu diskutieren und zu fachsimpeln?

 

Sandra Lemberger & Frank Schwarz