Der neue Boss von LudoArt

November 2006: Sichtbar größer und mit perfekter Ausstattung präsentierte sich der LudoArt-Verlag auf der Spiel 2006 in Essen. Auch überraschte LudoArt sein Publikum dieses Jahr gleich mit 2 Neuheiten. Verlagschef Frank Czarnetzki (Czarnè) sprach mit uns über die neuen Spiele, die neue Preispolitik, sowie über die neue Verlagsstruktur.


Was hat sich bei euch geändert seit unserem letzten Interview im Dezember 2005?

Zuallererst muss ich sagen, dass Gerrit Vagedes leider nicht mehr bei uns ist. Dadurch änderte sich bereits zu Beginn des Jahres 2006 einiges für LudoArt. Für mich war es ein neuer Anfang unter eigener Regie. Wir haben vor einigen Jahren mit vier Leuten begonnen. Dann waren wir zu Zweit. Da Gerrit immer noch ein sehr guter Freund ist, sehe ich der Zukunft mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Jetzt, alleine für LudoArt verantwortlich zu sein ist eine große Herausforderung für mich.
Unter anderem wird Martin Götz, langjähriger Freund und Co-Autor von „Marquis“, immer unentbehrlicher für den Verlag. Ich arbeite daran, Martin für den LudoArt – Verlag als Spieleredakteur aus seinem Architektur-Büro abzuwerben.

Wie kam es, trotz oben genannter Umstände, zu einer derart aufwendigen Messepräsentation?

Für 2 Neuheiten braucht man mehr Platz, als für eine Neuheit. Das heißt, ein größerer Messestand musste her. Zum anderen wollte ich den Stand nicht so kühl gestalten. Weiße Plastikstühle, weiße Stellwände und weiße Tische sind mir zuwider. Die Leute sollten den Eindruck haben in einem gemütlichen Café in Wohnzimmeratmosphäre unsere Spiele zu testen. Das hat sehr gut funktioniert. Es gab wohl kaum einen anderen Stand der medienwirksamer war, als der von Ludoart. Hinzu kam, dass jeder Mitarbeiter, passend zu den Neuheiten, als Gangster oder Chinese kostümiert war. Das alles hat nicht nur dem Publikum gefallen, sondern uns selbst auch viel Spaß gemacht. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle all meinen Mitarbeitern herzlich danken, ohne die das alles in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.

Warum sollten es unbedingt 2 Neuheiten sein?

In erster Linie, um Zeit und Kosten zu sparen. Den ganzen Messeaufwand hat man auch, wenn man nur ein Spiel macht. In zweiter Linie war es mir wichtig ein deutliches Signal zu setzen, in welche Richtung LudoArt zukünftig geht: Es ist der Verlag für das besondere Spiel, oder das besondere Geschenk. Bei LudoArt gibt es keine Massenware. Das bezieht sich diesmal nicht nur auf das außergewöhnliche Spielmaterial. Zu dem Spiel „Gangster. Die Bosse von Chicago“ kann man auch ein edles Buch erwerben, also etwas Besonderes, was über den normalen Spielbereich hinausgeht.
Mit der zweiten Neuheit „Fragile“ wurde das mittlere Preissegment eingeführt. Damit wurde das gesamte Sortiment abgerundet. So ist nun für jeden Geldbeutel etwas dabei:
Edel (Marquis, Gangster) (Holzschatulle 180x180mm) für ca. 30 Euro,
Noch edler (Fragile) (Holzschatulle 300x300mm) für ca. 50 Euro,
Am edelsten (Meisterdiebe), (Black Elephant (Holzschatulle 410x410mm)) für ca.100 Euro.


Was ist das Besondere an „Gangster. Die Bosse von Chicago“ ?

Da sind zum einen die „echten“ Patronen aus schwerem Metall. Zum anderen hat das Spiel einen sehr authentischen Hintergrund. Die Gangster, mit denen wir es zu tun haben, hat es alle tatsächlich gegeben. Die Holzschachtel ist randvoll mit schönem Material gefüllt. Zudem liegt dem Spiel eine stilechte Zeitung bei, in der einige Gangster näher beschrieben werden. Für alle, die sich dann ernsthaft mit den Hintergründen und Beziehungsfäden des Gangstermilieus auseinandersetzen möchten, sei das bereits erwähnte Buch „Gangster. Die Bosse von Chicago“ näher ans Herz gelegt. Das Spiel selbst kommt mit einfachen und sehr klaren Regeln aus und wird auf den ersten Blick oft von den Vielspielern unterschätzt. Es entpuppt sich dann aber schnell zu einem knackigen Strategiehäppchen, das spätestens nach 30 Minuten die 2-4 Spieler nach Revanche schreien lässt. Die kunstvollen Illustrationen des Gerichtszeichners Robert Nippoldt geben dem Spiel eine reizvolle und erfrischende Note, im Vergleich zu herkömmlichen Spielillustrationen. Das macht mich nicht nur als Autor des Spiels, sondern gerade auch als Verleger sehr Stolz. Nähere Spielbeschreibung auf www.ludoart.de


Was ist das Besondere an „Fragile“ ?

Mit „Fragile“ war ich sehr lange beschäftigt. Inspiriert wurde ich von dem Computer-Spielklassiker „Sokoban“ aus den 80er Jahren. Da darf man mit seinem Arbeiter nur Kisten „schieben“ und nicht ziehen! Dabei handelte es sich um ein 1 Spieler-Solo-Spiel, in dem man mit diesem Handicap Rätsel lösen musste. Das ist jetzt 25 Jahre her. Es wundert mich, dass vor mir noch kein Autor dieses witzige und anspruchsvolle Thema für den Brettspielbereich salonfähig gemacht hat. Selbstverständlich ist „Fragile“ nun nicht mehr mit „Sokoban“ vergleichbar, denn es waren noch einige Tricks notwendig, um dem Spiel den nötigen Kick für mehr Spieler zu geben. In meinem Spiel können nun 2 - 4 Spieler gegeneinander antreten, wobei ich hier auch die Möglichkeit biete, das Spiel als Solospiel zu spielen. „Fragile“ ist zusätzlich mit kniffligen Rätseln ausgestattet. Es handelt sich um ein reines Strategiespiel, wobei das Thema allerdings nicht aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil, macht es den Spielern mächtig Spaß mit den großen chinesischen Hafenarbeitern die massiven, detaillierten Fragile – Kisten aus Holz über den Kai von Shanghai in die Lager zu schieben. Ab 3 Spielern hat man zudem die Möglichkeit, das Spiel mit einer kleinen Glückskomponente zu spielen. Auf diese Weise haben auch die kleineren Strategen sehr viel Spaß mit dem Spiel.
Zum Design sei noch erwähnt, dass sich sämtliches Spielmaterial in dicker Holzwolle befindet, wie es sich für Kisten mit „fragiler Fracht“ gehört. Nähere Spielbeschreibung und weitere Bilder auf
www.ludoart.de

Was können wir in Zukunft von LudoArt erwarten?

In naher Zukunft gibt es noch einige Überraschungen, was die Verkaufspreise von LudoArt - Spielen angeht. Manche Händler treiben eine derartige unseriöse Preispolitik, dass Ludoart gezielt etwas dagegen unternehmen wird. LudoArt bietet hochwertige Spiele in kleinen Auflagen an. Wir werden in Zukunft nur noch mit Händlern zusammenarbeiten können, die unsere Produkte wertschätzen und die Spiele nicht weit unter dem von uns empfohlenen Verkaufspreis herausgeben. Alle Leute, die z.B. schon irgendwo ein „Fragile“ für 36 Euro und weniger bestellt haben, oder dieses noch vorhatten, müssen sich in extremer Geduld üben. Unsere Spiele werden nämlich vorrangig an die Händler ausgeliefert, die den Vorteil darin sehen. Da wir, wie oben erwähnt, in geringer Auflage produzieren, bleibt dann am Ende schon mal vorzeitig nichts mehr übrig. Es ist nicht so, dass wir den Spielern unsere Spiele für diesen Preis nicht gönnen würden, aber das hohe Niveau unserer Spiele schließt leider auch das preisliche Niveau für Designartikel nicht aus. Hätte LudoArt „Fragile“ für 36 Euro selbst direkt auf der Messe angeboten, so wäre „Fragile“ längst ausverkauft. Ihr seht! - für solche Preise brauchen wir keinen Händler. Wir selbst kämen jedoch nie auf den Gedanken unsere Produkte mit solch geringer Wertschätzung zu verschleudern. Irrwitzigerweise begrüßen viele seriöse Händler unsere Vorgehensweise, weil wir Ihnen langfristig einen größeren Gewinn garantieren möchten, ohne dabei von anderen Händlern unterboten zu werden.
Der Anlass liegt auch darin begründet, dass sich Kunden zu Recht über die zu große Preisspanne von LudoArt-Spielen beschweren. Das ist einfach auf Dauer gesehen bei hochwertigeren Produkten „Geschäftsschädigung“. Wir stellen uns dabei eine freundschaftliche Einigung mit jedem Händler vor, der LudoArt vertreiben möchte. Selbstverständlich können wir auch den von uns erwünschten Verkaufspreis über erhöhte Händlerpreise einfordern, wovon wir aber vorerst absehen möchten.

LudoArt behält sich deshalb in erster Konsequenz vor, sein nächstes Spiel in limitierter Erstauflage (wie z.B. Black Elephant), nur noch direkt zu vertreiben.

In naher und ferner Zukunft werden wir weiterhin hochwertige Spiele mit dem Schwerpunkt „Strategie“ entwickeln und versuchen unseren Vertrieb im Ausland gezielt zu fördern. Zwei Neuheiten pro Jahr bleiben dabei vorerst unser angestrebtes Ziel.

Bis demnächst und liebe Grüsse
Czarnè