Was
hat sich bei euch geändert seit unserem letzten Interview im Dezember 2005?
Zuallererst muss ich sagen, dass Gerrit Vagedes leider nicht mehr bei uns ist. Dadurch änderte sich bereits zu
Beginn des Jahres 2006 einiges für LudoArt. Für mich war es ein neuer
Anfang unter eigener Regie. Wir haben vor einigen Jahren mit vier Leuten begonnen.
Dann waren wir zu Zweit. Da Gerrit immer noch ein sehr guter Freund ist, sehe
ich der Zukunft mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Jetzt,
alleine für LudoArt verantwortlich zu sein ist eine große Herausforderung
für mich.
Unter anderem wird Martin Götz, langjähriger Freund und Co-Autor von
Marquis, immer unentbehrlicher für den Verlag. Ich arbeite
daran, Martin für den LudoArt Verlag als Spieleredakteur aus seinem
Architektur-Büro abzuwerben.
Wie kam es, trotz oben genannter Umstände, zu
einer derart aufwendigen Messepräsentation?
Für
2 Neuheiten braucht man mehr Platz, als für eine Neuheit. Das heißt, ein
größerer Messestand musste her. Zum anderen wollte ich den Stand nicht so kühl
gestalten. Weiße Plastikstühle, weiße Stellwände und weiße Tische sind mir
zuwider. Die Leute sollten den Eindruck haben in einem gemütlichen Café in
Wohnzimmeratmosphäre unsere Spiele zu testen. Das hat sehr gut funktioniert. Es
gab wohl kaum einen anderen Stand der medienwirksamer war, als der von Ludoart.
Hinzu kam, dass jeder Mitarbeiter, passend zu den Neuheiten, als Gangster oder
Chinese kostümiert war. Das alles hat nicht nur dem Publikum gefallen, sondern
uns selbst auch viel Spaß gemacht. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle all
meinen Mitarbeitern herzlich danken, ohne die das alles in dieser Form nicht
möglich gewesen wäre.
Warum sollten es unbedingt 2 Neuheiten sein?
In erster Linie, um Zeit und Kosten zu sparen. Den ganzen
Messeaufwand hat man auch, wenn man nur ein Spiel macht. In zweiter Linie war
es mir wichtig ein deutliches Signal zu setzen, in welche Richtung LudoArt zukünftig
geht: Es ist der Verlag für das besondere Spiel, oder das besondere Geschenk.
Bei LudoArt gibt es keine Massenware. Das bezieht sich diesmal nicht nur auf
das außergewöhnliche Spielmaterial. Zu dem Spiel Gangster.
Die Bosse von Chicago kann man auch ein edles Buch erwerben, also etwas
Besonderes, was über den normalen Spielbereich hinausgeht.
Mit der zweiten Neuheit Fragile wurde das mittlere Preissegment
eingeführt. Damit wurde das gesamte Sortiment abgerundet. So ist nun für
jeden Geldbeutel etwas dabei:
Edel (Marquis, Gangster) (Holzschatulle 180x180mm) für ca. 30 Euro,
Noch edler (Fragile) (Holzschatulle 300x300mm) für ca. 50 Euro,
Am edelsten (Meisterdiebe), (Black Elephant (Holzschatulle 410x410mm)) für
ca.100 Euro.
Was ist das Besondere an Gangster. Die Bosse von Chicago ?
Da
sind zum einen die echten Patronen aus schwerem Metall. Zum anderen
hat das Spiel einen sehr authentischen Hintergrund. Die Gangster, mit denen
wir es zu tun haben, hat es alle tatsächlich gegeben. Die Holzschachtel
ist randvoll mit schönem Material gefüllt. Zudem liegt dem Spiel eine
stilechte Zeitung bei, in der einige Gangster näher beschrieben werden.
Für alle, die sich dann ernsthaft mit den Hintergründen und Beziehungsfäden
des Gangstermilieus auseinandersetzen möchten, sei das bereits erwähnte
Buch Gangster. Die Bosse von Chicago näher ans Herz gelegt.
Das Spiel selbst kommt mit einfachen und sehr klaren Regeln aus und wird auf
den ersten Blick
oft von den Vielspielern unterschätzt. Es entpuppt sich
dann aber schnell zu einem knackigen Strategiehäppchen, das spätestens
nach 30 Minuten die 2-4 Spieler nach Revanche schreien lässt. Die kunstvollen
Illustrationen des Gerichtszeichners Robert Nippoldt geben dem Spiel eine reizvolle
und erfrischende Note, im Vergleich zu herkömmlichen Spielillustrationen.
Das macht mich nicht nur als Autor des Spiels, sondern gerade auch als Verleger
sehr Stolz. Nähere Spielbeschreibung auf
www.ludoart.de
Was ist das Besondere an Fragile ?
Mit
Fragile war ich sehr lange beschäftigt. Inspiriert wurde ich
von dem Computer-Spielklassiker Sokoban aus den 80er Jahren. Da
darf man mit seinem Arbeiter nur Kisten schieben und nicht ziehen!
Dabei handelte es sich um ein 1 Spieler-Solo-Spiel, in dem man mit diesem Handicap
Rätsel lösen musste. Das ist jetzt 25 Jahre her. Es wundert mich,
dass vor mir noch kein Autor dieses witzige und anspruchsvolle Thema für
den Brettspielbereich salonfähig gemacht hat. Selbstverständlich ist
Fragile nun nicht mehr mit Sokoban vergleichbar, denn
es waren noch einige Tricks notwendig, um dem Spiel den nötigen Kick für
mehr Spieler zu geben. In meinem Spiel können nun 2 - 4 Spieler
gegeneinander
antreten, wobei ich hier auch die Möglichkeit biete, das Spiel als Solospiel
zu spielen. Fragile ist zusätzlich mit kniffligen Rätseln
ausgestattet. Es handelt sich um ein reines Strategiespiel, wobei das Thema
allerdings nicht aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil, macht es den Spielern mächtig
Spaß mit den großen chinesischen Hafenarbeitern die massiven, detaillierten
Fragile Kisten aus Holz über den Kai von Shanghai in die Lager zu
schieben. Ab 3 Spielern hat man zudem die Möglichkeit, das Spiel mit einer
kleinen Glückskomponente zu spielen. Auf diese Weise haben auch die kleineren
Strategen sehr viel Spaß mit dem Spiel.
Zum Design sei noch erwähnt, dass sich sämtliches Spielmaterial in
dicker Holzwolle befindet, wie es sich für Kisten mit fragiler Fracht
gehört. Nähere Spielbeschreibung und weitere Bilder auf
www.ludoart.de
Was können wir in Zukunft von LudoArt erwarten?
In naher Zukunft gibt es noch einige Überraschungen,
was die Verkaufspreise von LudoArt - Spielen angeht. Manche Händler treiben
eine derartige unseriöse Preispolitik, dass Ludoart gezielt etwas dagegen
unternehmen wird. LudoArt bietet hochwertige Spiele in kleinen Auflagen an.
Wir werden in Zukunft nur noch mit Händlern zusammenarbeiten können,
die unsere Produkte wertschätzen und die Spiele nicht weit unter dem von
uns empfohlenen Verkaufspreis herausgeben. Alle Leute, die z.B. schon irgendwo
ein Fragile für 36 Euro und weniger bestellt haben, oder dieses
noch vorhatten, müssen sich in extremer Geduld üben. Unsere Spiele
werden nämlich vorrangig an die Händler
ausgeliefert, die den Vorteil
darin sehen. Da wir, wie oben erwähnt, in geringer Auflage produzieren,
bleibt dann am Ende schon mal vorzeitig nichts mehr übrig. Es ist nicht
so, dass wir den Spielern unsere Spiele für diesen Preis nicht gönnen
würden, aber das hohe Niveau unserer Spiele schließt leider auch
das preisliche Niveau für Designartikel nicht aus. Hätte LudoArt Fragile
für 36 Euro selbst direkt auf der Messe angeboten, so wäre Fragile
längst ausverkauft. Ihr seht! - für solche Preise brauchen wir keinen
Händler. Wir selbst kämen jedoch nie auf den Gedanken unsere Produkte
mit solch geringer Wertschätzung zu verschleudern. Irrwitzigerweise begrüßen
viele seriöse Händler unsere Vorgehensweise, weil wir Ihnen langfristig
einen größeren Gewinn garantieren möchten, ohne dabei von anderen
Händlern unterboten zu werden.
Der Anlass liegt auch darin begründet, dass sich Kunden zu Recht über
die zu große Preisspanne von LudoArt-Spielen beschweren. Das ist einfach
auf Dauer gesehen bei hochwertigeren Produkten Geschäftsschädigung.
Wir stellen uns dabei eine freundschaftliche Einigung mit jedem Händler
vor, der LudoArt vertreiben möchte. Selbstverständlich können
wir auch den von uns erwünschten Verkaufspreis über erhöhte Händlerpreise
einfordern, wovon wir aber vorerst absehen möchten.
LudoArt behält sich deshalb in erster Konsequenz
vor, sein nächstes Spiel in limitierter Erstauflage (wie z.B. Black Elephant),
nur noch direkt zu vertreiben.
In naher und ferner Zukunft werden wir weiterhin hochwertige
Spiele mit dem Schwerpunkt Strategie entwickeln und versuchen unseren
Vertrieb im Ausland gezielt zu fördern. Zwei Neuheiten pro Jahr bleiben
dabei vorerst unser angestrebtes Ziel.
Bis demnächst und liebe Grüsse
Czarnè
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