DIE H@LL9000 - REPORTAGE: 

Nachrichten aus Essen
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Essen, 19. Oktober 2007: Auch heute verfolgten uns logistische Probleme. Während der Messe waren zwar nun alle gesuchten Spiele vorhanden. Das frisch eingetroffene Container wurde sogar von Miss Canada vorgestellt. Diese ist zusammen mit ihren Bekannten des kanadischen Valley Games Verlages angereist. Beim Italiener nach der Messe wurde uns jedoch leider vorgeführt, wie man leckeres Essen nur langsam zum hungrigen Spieler bekommt. Direkt leidtragend ist bedauerlicherweise dieser Bericht, der nun mit Eile und übermüdet spät nachts geschrieben wird.


Messepanorama
 

Der Freitag begann mit einer echten Neuigkeit. Was vorher nur gemunkelt wurde, hat sich nun bestätigt: Die Spiel-des-Jahres-Jury hat mit Udo Bartsch ein neues Mitglied.

Doch nun wirklich zu den Spielen. Der neue Verlag Chili Spiele fiel uns schon gestern auf und heute nahmen wir uns Zeit, dessen Debüts zu spielen. Der Ableger von Zoch ist auf Spiele mit hochwertigem Material spezialisiert, die wahrscheinlich im Massenmarkt nicht bestehen können.

Beim Bauspiel die Aufsteiger geht es darum, seinen Poeppel am höchsten klettern zu lassen. Dabei darf er immer nur kleine Stufen einer Farbe überwinden. Der anfänglich kompakte Cubus wandelt sich im Laufe des Spiels zu einem hohem schmalem Turm. Das Spiel ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein hochtaktischer Spaß.

Cobra ist eine einfache Mischung aus Geschicklichkeits- und Bluffspiel, bei dem aus angeschrägten Bauteilen Schlangenkörper aus Körben herauswachsen. Jeder versucht, seine geheim zugeloste Farbe in die punkteträchtigen Schlangen zu verbauen.

Dagegen ist Neue Heimat wieder ein reines Versteigerungsspiel. Wer auf der Suche nach Spielen abseits des Massenmarktes ist, sollte dem Stand auf jeden Fall einen Besuch abstatten und zumindest eine Partie Aufsteiger spielen.

Der französische Verlag Ferti Games hat Rainer Knizias En Garde wieder aufgelegt. Die Fechter sind aus Zinn und das Duell findet auf einer dreidimensionalem Bühne statt. Das Spiel sieht toll aus und funktioniert - ob man 28€ für 30 Sekunden realistischen Fechtkampf ausgeben will, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

 

 

Schließlich machten wir noch einen kleinen Ausflug in die Steinzeit. Beim Kartenspiel Fackel und Keule gilt es gemeinsam mit Speer, Fackel und Axt auf Jagd zu gehen. Bei der Aufteilung der Beute darf man aber wieder egoistisch sein. Und wenn die Jäger auf Grund fehlender Jagdwaffen kein Tier erlegen, schlagen sie sich mit Keulen gegenseitig den Kopf ein. Der Spieler mit den meisten Jagd und Kampftrophäen gewinnt. Ein typischer Absacker und als solcher auch gut, leider gibt es schon viel zu viele Spiele in dieser Kategorie. Das Thema könnte aber ein Kaufgrund sein.


Spieleindrücke

 

Welches Spiel fehlt in dieser Folge: Antike, Imperial, ....? - Richtig: Auch bei Hamburgum kommt das Aktionsrondell von Mac Gerdts wieder zur Anwendung. Diesmal geht es um den Kirchenbau in Hamburg. Da Geld bekanntlich nicht glücklich macht, wollen bis zu 5 Kaufleute nicht nur reich, sondern auch selig werden. Deshalb wetteifern sie um die größten Kirchenspenden in der Hansestadt. Dafür rotieren sie zwischen Werft, Kirchenbaustellen, Produktionsstätten, Kontoren und dem Rathaus umher. Es gilt Waren zu produzieren und zu verkaufen, um Geld zu bekommen, mit dem Baumaterialien für neue Handelsschiffe, Handelshäuser und Kirchengebälk gekauft werden können. Wer dann spendet, dem wird auch gegeben, denn im Gegenzug für eine Beteiligung am Kirchenbau gibt es viele Siegpunkte. Hamburgum ist ein reines Aufbau- und Wirtschaftsspiel. Wer diese mag, wird es gerne spielen. Im Vergleich zu seinen Vorgängern spielt es sich noch schneller und eingängiger. Auch dank des Themas und der guten Spielregel ist Hamburgum bisher unser eindeutiger Messefavorit.

Bei Darjeeling kommt der Verkaufserlös mit Verzug an. Und Indien ist China und China ist Indien. Bevor die Auflösung dieser merkwürdigen Gleichung kommt, erst ein paar Worte zum Spiel: Zunächst sammelt man auf dem Spielfeld Teekisten ein. Eine halbe, zwei halbe oder drei halbe Kisten sind auf einem Plättchen zu finden. Durch Zusammensetzen mit früher gesammelten Plättchen kann man diese Kisten vervollständigen und schließlich verkaufen. Wer nun verkauft, setzt Kisten seiner Farbe in der höchsten Siegpunktkategorie ein. Weitere Verkäufe führen zur Abwertung und Wanderung in niedrigere Kategorien. Erst wenn man wieder an der Reihe ist, darf man sich diese Siegpunkte tatsächlich gutschreiben. Die Kombination aus Reise-Spiel, bei dem der optimale Weg zum Kistensammeln gesucht wird, und dem Wirtschaftselement, mit dem der richtige Verkaufszeitpunkt zu wählen ist, hat durchaus interessante Ansätze. Der hohe administrative Aufwand während des Spiels (Nachfüllen der Kistenplättchen, Siegpunkte nehmen, Siegpunkt-Kategorien anpassen) ist nicht zu unterschätzen und lenkt ein wenig vom Spielgeschehen ab. Ansonsten spielte sich Darjeeling durchaus leichtgängig. In der Kategorie Familienspiel kam es bei uns und den von uns befragten Messebesuchern durchweg recht gut an. Und was hat es nun mit Indien und China auf sich? Die Kistenplättchen werden zu einem Spielplan ausgelegt, der die Form eines Tee-Landes hat. In der mehrsprachigen Anleitung wurde die entsprechende Abbildung sprachenabhängig falsch beschriftet.

Nun endlich zu Container. Jeder Spieler ist nicht nur Eigner eines Containerschiffs, nein er ist auch Containerfabrikbesitzer, Containerlagerhallenbesitzer und möchte viel Geld mit dem Endlagern von Containern auf einer Containerlagerinsel machen. Der Weg eines jeden Containers geht von der Produktion über den Verkauf ins Lagerhaus eines anderen Spielers zur Verschiffung auf die Insel durch wiederum einen anderen Mitspieler. Auf der Insel angekommen werden, die Container versteigert. Zwei der Aktionen Schifffahrt, Produktion, Fabrikkauf, Lagerhallenkauf oder Containerkauf (Fabrik -> Lagerhaus oder Lagerhaus -> Schiff) darf man in seinem Zug machen. Am Spielende wird Geld gezählt, nachdem die Container auf der Insel nach einem pro Spieler individuellen Schema ausbezahlt wurden. Das klingt nicht nur verwirrend, das ist es auch, denn jeder Container wechselt meist drei mal den Besitzer bevor er ankommt. Deshalb ist es schwer, gezielt zu agieren. Am Ende der Probepartie saßen wir etwas ratlos um den Tisch und fragten uns: Ist das kontrollierbar oder nur eine willkürliche Containerverschiebung? Eine weitere Partie muss folgen, um das zu klären.


Zu guter Letzt
 

Vor ein paar Spielen müssen wir heute aber auch warnen: Bei Cat Attack gibt es zwar viele niedliche Miezekatzen, das Spiel ist jedoch ein Katze ärgere dich Clon übelster Art. Zu allem Überfluss steht dabei noch was von Strategie auf der Schachtel. Für die unerschrockenen, die auch dieses Machwerk unbedingt spielen wollen, empfehlen wir folgende Variante: Beim Ziehen der Kätzlein, Piepmätze, Mäuschen und Autos muss der aktive Spieler immer passende Geräusche machen. (Piep, piep, piep, Miau, Miau, Wrummmm.) Auch die flinken Feger fielen bei uns durch. Aus einem Satz Würfel muss möglichst schnell ein Zauberspruch kombiniert werden, um einen Wettflug zu gewinnen. Einen ähnlichen Mechanismus gibt es schon bei Bongo, das mit deutlich weniger Brimborium auskommt.

In der Spielergunst der Fairplay-Scoutaktion und beim Hall9000 Spielebarometer kommen so langsam die ersten glaubwürdigen Ergebnisse: Agricola (Entwicklungsspiel im Mittelalter), Hamburgum und Linq (assoziatives Wortspiel) sind die momentanen Messefavoriten. Von Linq versuchen wir morgen noch zu berichten. Agricola wird von uns wahrscheinlich erst nächste Woche im Spieleurlaub auf Langeoog ausprobiert. Zumindest ein Foto möchten wir euch aber nicht vorenthalten.

Kathrin und Peter Nos