DIE H@LL9000 - REPORTAGE: 

Spielwarenmesse Nürnberg 2008

   

Nürnberg, 7. und 8. Februar 2008: In Nürnberg ticken die Uhren anders als in Essen. Während sich der Besucher in Essen mit fertigen Produkten an den Spieletisch begibt, kann man in Nürnberg nur aufgebaute Exemplare anschauen. Oft genug handelt es sich auch nur um Handmuster, weil für die endgültige Produktion noch ein Glied in der Kette fehlt. So kann zum Beispiel die endgültige Formulierung der Spielregel noch ausstehen, oder bestimmte Spielsteine müssen noch hergestellt werden.

Doch als Spieler kommt man gar nicht nach Nürnberg. Bei der Spielwarenmesse handelt es sich um eine reine Händlermesse. Das Geschehen dreht sich hauptsächlich um das Geschäft und das Füllen der Auftragsbücher. Die dritte Gruppe neben den Ausstellern und Händlern ist die der Journalisten. Leicht erkennbar gekennzeichnet wird man durch die offen zu tragenden Ausweise, die gleichzeitig die Eintrittskarten darstellen: Die Aussteller erhalten grüne Karten, die Besucher mit Händlerausweis sind an der gelben Farbe zu erkennen, die Journalisten werden mit Rot abgestempelt. Ob diese Farbgebung in den Ampelfarben eine tiefere Bedeutung hat?!


Messepanorama
 
Welche Trends sind in Nürnberg auszumachen? Bei vielen Verlagen wird auf Bewährtes gesetzt. Bestehende Titel werden aufgegriffen und mit Erweiterungen oder neuen Mitgliedern innerhalb einer ausgerufenen Spielefamilie verstärkt. Bei Kosmos trifft man etwa auf die Namen Entdecker, Ubongo und Einfach Genial. Weitere Reihen werden auf dem Markt etabliert - gerne mit bekannten Zugpferden. So erscheint bei Ravensburger Hase und Igel erneut, das im Jahr 1979 als erstes Spiel des Jahres ausgezeichnet wurde. Eingegliedert wird es in die Reihe "Unsere besten Familienspiele" und gesellt sich zu Titeln wie Sagaland und Maulwurf Company. Dem Käufer soll hiermit eine Orientierung gegeben werden: Kennt er bereits einen Titel der Reihe? Die weiteren Erscheinungen derselben Reihe versprechen einen ähnlichen Anspruch, denselben Spielspass und auch dieselbe Qualität der Ausstattung. Im Massenmarkt recherchiert der Kunde eben nicht im Vorfeld, welches Spiel in Frage käme. Seine Entscheidung wird vor Ort im Geschäft getroffen - spontan! Um hier zu punkten, werden die Veröffentlichungen vermehrt mit äußerlichen Anhaltspunkten versehen. Dass hier auch Einfachheit und ein schneller Einstieg suggeriert werden sollen, kommt vor allem bei der neuen Reihe Easy Play von Schmidt Spiele zum Ausdruck.

In dieselbe Kategorie fällt die Verbindung von Spielen mit Literatur. Erfolgreiche Bücher sind ein vielversprechender Aufhänger für Spiele. Der Sieger des Deutschen Spielepreises hat dies vorgemacht: Die Säulen der Erde und die zugehörige Erweiterung sind ein großer Erfolg! Kein Wunder, dass sich im Programm des Kosmos-Verlags weitere Titel mit Buchbezug finden. Neben Die Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Vernes finden sich auch viele erfolgreiche Kinderbuchtitel, die etwa auf Veröffentlichungen von Cornelia Funke basieren. Auch die anderen Verlage sind nicht untätig. Der Amigo-Verlag etwa erweitert seine Liste der Spiele zu Lauras Stern und den Wilden Fußballkerlen um neue Titel. Und bei Ravensburger wurde Der Name der Rose als Neuerscheinung für die Spiel '08 in Essen angekündigt. Obwohl noch nicht einmal der Name des Autors auf dem Schachtelentwurf zu sehen war, werden die Erwartungen an diesen Titel in der Spiele-Szene sicher hoch geschraubt werden.

Das Fazit des Messeberichts aus Essen stellte fest: "Essen 2007 ist ein Schlaraffenland für Freunde komplexer Spiele. Gute Familienspiele haben wir nur wenige gesehen." Um das Fazit der Nürnberger Messe auf den Punkt zu bringen, könnte man schreiben: "Nürnberg 2008 ist ein Schlaraffenland für Familienspiele. Spiele für Freunde komplexer Spiele haben wir nur wenige gesehen." Ganz stimmt dies natürlich nicht. Für die Liebhaber anspruchvoller Titel versprechen etwa Toledo von Kosmos oder Stone Age von Hans im Glück interessant zu sein. Vor allem muss sich aber herausstellen, ob die neuen Titel im Familienbereich halten, was die Verlage versprechen. Die Entwicklung der letzten zwei Jahre deutet jedoch darauf hin, dass die Kluft zwischen den Veranstaltungen in Essen und in Nürnberg weiter aufklafft.


Messerundgang

 

Wie schafft man es, sich an zwei Messetagen einen Überblick über weit mehr als 100 Neuheiten zu verschaffen? Da muss man schon eine gezielte Auswahl treffen. Einige der mitgezählten Titel stellen Neu-Auflagen dar, oder werden in Nürnberg erneut präsentiert, nachdem sie bereits in Essen vorgestellt wurden. Der Blick auf diese Spiele kann entsprechend kürzer ausfallen und dient hauptsächlich der Überprüfung, ob sich etwas geändert hat. Eine weitere Gruppe an Spielen fällt weg, wenn man sich auf bestimmte Altersgruppen konzentriert. Die gesamte Sparte der Kinderspiele etwa steht nicht in meinem Fokus. Dennoch bleibt eine Fülle an Spielen, um einen anspruchsvollen Terminplan zu gestalten.

Bei den meisten Verlagen werden Termine mit den Pressereferenten vereinbart. Nur bei den kleineren Verlagen kommt man ohne vorherige Anmeldung zum Zug. Ein solcher Termin besteht aus einem Überblick über die Neuheiten mit kurzer Erklärung des Spielablaufs. Nach der Entgegennahme der Pressemappe werden Informationen ausgetauscht und es ist Platz für Fragen aller Art über Spiele, Verlagsprogramm, Vertrieb, Zusammenarbeit mit Autoren und Grafikern.

Als Einstieg stand ein Besuch beim Winning Moves Verlag auf dem Programm. Der Trend zu Bewährtem lässt sich auch hier beobachten: Die zugkräftigsten Titel des Verlags sind TransAmerica und Cartagena. Aus letzterem Titel wird nun eine Serie ins Leben gerufen. Nach dem bereits 2001 erschienen Spiel und seinem Nachfolgetitel Cartagena 2 (Essen 2006) brechen die Spieler nun zur Goldinsel auf. Für Essen 2008 ist der vierte Titel angekündigt. Bemerkenswert ist die Verpflichtung namhafter Autoren. Für die Goldinsel wurde Rüdiger Dorn beauftragt, die angekündigte Meuterei wird voraussichtlich von Michael Rieneck stammen. Auch die bestehenden beiden ersten Titel sollen grafisch in die Reihe eingefügt werden. Die andere Neuerscheinung des Verlags heißt Vineta und dreht sich um eine untergehende Insel in der Ostsee. Sie stammt von brasilianischen Autoren.

Viel Zeit konnte man am Kosmos-Stand verbringen. Die Menge der Neuerscheinungen ist überwältigend. Neben einer Reihe von Veröffentlichungen, die mit bekannten Namen arbeiten, sind aus meiner Sicht drei Titel hervorzuheben. Bei Toledo von Martin Wallace sammeln die Spieler Stahl und Edelsteine, um wertvolle - und vor allem siegpunktbringende - Schwerter herzustellen und im so genannten Alcazar beim Herrscher abzuliefern. Interessant scheint hier vor allem der Mechanismus für Auseinandersetzungen zu sein: Mit Fechtduellen wird um bereits besetzte Felder auf dem Weg zum Alcazar gekämpft. Keltis stellt die Umsetzung des Zwei-Personen-Dauerbrenners Lost Cities in ein Spiel mit bis zu vier Personen dar. Die kurze Erklärung auf der Messe machte neugierig und versprach eine gelungene Ausweitung des Spielkonzepts. Für die spielerische Umsetzung des Romans Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Vernes ist Rüdiger Dorn verantwortlich. Die drei Protagonisten der Geschichte werden von allen Spielern bewegt. Dabei werden Fundstücke eingesammelt, die letztlich über den Sieg entscheiden.
Bei den Kinderspielen sticht Fluss der Drachen heraus: Der Spielplan bietet Platz für einen mit Wasser gefüllten Kanal. Mit Hilfe eines Strohhalms wird das Schiff fortbewegt, um am Flussufer Edelsteine einzusammeln.
Insgesamt haben die Literatur-Umsetzungen einen neuen Trend gesetzt. Eine Vielzahl von Aspekten trägt zum anhaltenden Erfolg bei. Zunächst ist der Bekanntheitsgrad zu nennen. Der Name eines millionenfach verkauften Buches lenkt die Aufmerksamkeit auch auf ein gleichnamiges Spiel. Der Absatz auch über Buchgeschäfte wendet sich an eine breitere Käufermasse. Und im Vergleich zu den kurzlebigen Filmen mit ihren häufig verschobenen Start-Terminen halten sich erfolgreiche Bücher wesentlich länger und zuverlässiger auf dem Markt.

Und weiter ging es zum nächsten Verlag mit einem Riesenprogramm. Bei Schmidt Spiele konnte man viele alte Bekannte wie Abalone und Ligretto wieder treffen. Eine neue Heimat haben die Monstermaler von Andrea Meyer, Marcel-André Casasola Merkle und Friedemann Friese und Hossa von Andrea Meyer gefunden. Mit der Reihe Easy Play soll ein Massen-Publikum zum Spiel mit leichtem Einstieg angeregt werden. Die kleine Schachtelgröße erlaubt einen günstigen Preis. An Ubongo erinnert Code Omega, das überdies vom selben Autor stammt, dem Schweden Grzegorz Rejchtman. Im Vertrieb von Schmidt Spiele neu aufgenommen wurde Adlung.
Weiterhin nutzen Drei Magier Spiele und Hans im Glück die bewährte Zusammenarbeit. Letzterem Verlag werden im Laufe dieses Messerundgangs sogar zwei Besuche abgestattet. Bei den Drei Magiern erschien mir Serendipity als abstraktes Legespiel zumindest einen zaghaften Blick wert zu sein. Auf einem zunächst verdeckten Plan werden nach und nach farbige Sechsecke umgedreht, die zu möglichst großen gleichfarbigen Flächen zusammenfinden sollen.

Ein langes und informatives Gespräch mit Phalanx-Redakteur Uli Blennemann setzte einen Kontrapunkt zu den Besuchen bei den großen Verlagen. Die Aufteilung zwischen Redaktion und Presse-Arbeit gibt es bei einem Kleinverlag nicht. Die Diskussion über das Spieleprogramm kann daher viel ausgiebiger ins Detail gehen als mit den Pressereferenten. Ein paar Infos zum Organisatorischen: Auf der Suche nach einem Vertriebspartner arbeitete Phalanx in der Vergangenheit zunächst mit Amigo und Kosmos zusammen. Seit kurzem ist der Verlag in den Vertrieb von Pro Ludo aufgenommen worden. Natürlich kam die Sprache auch auf die Neuheiten: Das vorgestellte Spiel Sultan richtet sich an bluff-freudige Familienspieler. Wer am Basar die wertvollsten Edelsteine erhandelt, darf die Tochter des Sultans heiraten. Kurzfristig geändert wurde der Plan hinsichtlich der zweiten Neuheit. Es erscheint nicht - wie zunächst geplant - Weites Land von Klaus-Jürgen Wrede, sondern Golden Age von Leo Colovini und Giuseppe Bau, das thematisch im 17. Jahrhundert in den Niederlanden angesiedelt ist. Das Erscheinungsdatum ist mit Mai 2008 angegeben.

Einen herzlichen Empfang gab es bei Pia und Joe Nikisch am Stand von Abacus. Zunächst plauderte Pia ein wenig aus dem Nähkästchen und berichtete von der überwältigenden Menge an Anfragen zu Zooloretto nach dem Titelgewinn zum Spiel des Jahres. Sowohl im Vertrieb als auch bei der Presse-Arbeit kam es zu einem nie zuvor erlebten Arbeitsaufkommen. Die Freude über den roten Pöppel kann dies aber nur minimal schmälern. Bleiben wir gleich bei Zooloretto, denn als Nachfolgetitel wurde Aquaretto vorgestellt. Dieses kann eigenständig gespielt werden und bietet einige neue Spielelemente. Eine Kombination mit Zooloretto ist jedoch auch möglich. In diesem Fall muss auf jedem Transporter je mindestens ein Plättchen aus beiden Spielen aufgeladen werden, bevor man ihn auswählen darf. Für zwei Zocker bietet die zweite Neuerscheinung Shanghaien Bluff und Würfelspass. Der Clou: Die erwürfelten Mannschaftskarten bringen dem in dieser Farbe stärkeren Spieler nur so viel Punkte, wie der Gegner ausliegen hat!

Beim Stand von Queen Games hätte man eine Überraschung erleben können - wenn es nicht ein paar Tage vor der Messe eine Vorabinformation bei spielbox.de gegeben hätte. Denn Queen engagiert sich neuerdings auch im Kinderspielbereich. Zwei Titel firmieren unter dem neuen Logo Queen Kids. Bei der Haselnuss Bande kommen Magnete zum Einsatz. Im Spielplan sind Vertiefungen für das nussige Futter. Die Tierfiguren sammeln dieses ein, indem sie sich über die entsprechenden Felder bewegen und das Futter mit ihrem Magneten anziehen. Die Verwendung von Magnetismus in Spielen zieht sich durch verschiedene Verlagsprogramme und wird uns im Laufe dieses Messerundgangs verschiedentlich wieder begegnen.
Mit Batavia erscheint neben den Kinderspielen auch ein großer Titel. Die Grafik von Michael Menzel erinnert vom Grundcharakter her an Jenseits von Theben. Thematisch geht es um die fünf Ostindien-Kompanien, die Kontore für verschiedene Handelsgüter errichten. Wer sich am geschicktesten engagiert und die richtigen Kontore eröffnen kann, erwirtschaftet die meisten Siegpunkte. Bei Batavia handelt es sich um eine Neuauflage von Moderne Zeiten (Jumbo 2002). Dieser Vorgänger hatte einige Probleme mit den Spielregeln - auf die überarbeitete Version bei Queen Games bin ich jedoch gespannt. Die redaktionelle und auch grafische Bearbeitung macht einen vielversprechenden Eindruck.

Der letzte offizielle Termin des Donnerstags führte zum Heidelberger Spieleverlag. Das Thema Vertrieb wird auch hier groß geschrieben. Unter dem Dach der Heidelberger wurden viele Kleinverlage auf- und ins Vertriebsprogramm übernommen. Für die Neuheitenschau bedeutete dies jedoch, dass der Presse-Referent mehrfach zu hören bekam: "Habe ich schon gesehen", "habe ich schon gespielt", oder gar "habe ich schon rezensiert". Denn ausgestellt waren viele Spiele, die durch ihre Verlage bereits in Essen vorgestellt worden waren wie zum Beispiel Agricola. Weitere der Namen sind Czech Games Edition mit Galaxy Trucker und Sechsstädtebund, Matagot mit Khronos und Utopia, Valley Games mit Container. Letzterer Verlag plant in 2008 eine Neuauflage von Titan. Ein Grafikmuster war bereits zu sehen. Das Verlagsprogramm der Heidelberger wird komplettiert mit den Fantasy Titeln wie Descent, World of Warcraft, Der Eiserne Thron, u.v.m.

Im Vertriebsprogramm der Heidelberger ist jetzt auch alea zu finden. Mit Wie Verhext! erscheint das vierte Spiel in der mittelgroßen Box, die mit Louis XIV ihren Anfang nahm. Diesen Titel konnte ich abends nach der Messe spielen. Zentrales Spielelement ist die Wahl aus 5 von 12 Charakterkarten am Anfang einer Runde. Jeder Charakter hat eine bestimmte Eigenschaft wie zum Beispiel Trankzutaten zu erhalten oder diese in die siegpunktbringenden Tränke umzusetzen. Der Pfiff ist jedoch die Übernahme eines Charakters: Hat hinter mir ein anderer Spieler denselben Charakter auf der Hand, übernimmt und deaktiviert er damit meinen. Die richtige Auswahl der Charaktere, sowie die geschickte Wahl der Reihenfolge führt zum Erfolg. Denn einen vermeintlich begehrten Charakter spielt man natürlich nicht vorne aus, sondern übernimmt ihn, wenn man selbst hinten sitzt. Der Anspruch dieses Spiels ist auf der alea-Skala mit 2 von 10 angegeben, was meines Erachtens gut getroffen ist. Wer sich auf einen solch lockeren Spielspass einlassen mag, sollte durchaus eine Partie riskieren.

Abgerundet wurde der Messetag mit einem spontanen Abstecher zum Hans im Glück Verlag. Die meisten Verlage sind auf Präsentation ausgerichtet. Vor allem bei den größeren muss man sich am Empfang anmelden und wird von einer Messe-Hostess durch einen Rundgang mit den aufgebauten Neuheiten geführt. Bei Hans im Glück fühlt man sich eher an Essen erinnert. Für den gestressten und mit Informationen abgefüllten Messebesucher ist das wie eine Oase. Zwei Spieletische mit den Neuheiten Stone Age und Die Hängenden Gärten sind aufgebaut. Als Ausklang des Messetags konnte ich Stone Age anspielen. Dieses Spiel stammt von Michael Tummelhofer, der bereits mit Sankt Petersburg einen richtigen Kracher gelandet hat. Auch Stone Age macht einen richtig guten Eindruck. Reihum schickt man seine Steinzeitmenschen auf den Spielplan. Dort können sie Rohstoffe einsammeln, sich vermehren, Werkzeuge heranschaffen, Ackerbau betreiben oder jagen gehen, sowie Rohstoffe in Karten mit Aktionen einsetzen oder siegpunktbringende Hütten bauen. Die Rohstofferträge werden ausgewürfelt. Für jede eingesetzte Figur wird ein Würfel genommen. Die erwürfelte Gesamtzahl gibt an, wie viele Rohstoffe resultieren. Von den Messe-Neuheiten steht dieser Titel bei mir ganz vorn auf der Liste der Spiele, auf die ich mich freue!

Nach dem mit Terminen rappelvoll gepackten Donnerstag standen am Freitag nur noch vier weitere Verlage auf dem geplanten Programm. Los ging es beim Zoch-Verlag. Die für Spieler interessanteste Neuheit ist sicherlich Suleika des französischen Zoch-Partners Gigamic. Auf dem in Quadrate unterteilten Spielplan bewegen alle Spieler die Spielfigur des Wesirs. Vor ihr legen die Spieler ihre Teppiche aus, die jeweils zwei Felder des Plans ab- und dabei auch Teppiche der Mitspieler überdecken. Betritt der Wesir einen Teppich, so erhält dessen Besitzer eine finanzielle Ausschüttung, die von der Größe der entstandenen Teppichfläche abhängt. Wer auf diese Weise das meiste Geld sammeln konnte, gewinnt das Spiel. Gegenüber der französischen Ausgabe wurde Suleika von Zoch in eine Rahmengeschichte eingebettet. Das Spiel erscheint damit weniger abstrakt. Bei den weiteren Neuheiten von Zoch handelte es sich um Kinderspiele: Neben einer Jubiläumsausgabe zu Zicke Zacke Hühnerkacke kommt mit Fladderadatsch ein weiteres Spiel mit Kackhäufchen ins Programm, das zugleich eine weitere Begegnung mit dem Thema Magnetismus darstellt. Unter den Feldern mit Fotomotiven sind metallene Plättchen versteckt. Tritt der Fotograf bei seiner Motivjagd auf ein solches Feld, sorgt der unter der Figur angebrachte Magnet für einen unliebsamen Kontakt mit der Kacke.

Und bereits beim nächsten Stand begegnete man erneut einem Spiel mit magnetischen Elementen. Der Ravensburger Verlag hat Fluch der Mumie zu bieten. Der senkrecht zwischen den Spielern aufgestellte Plan bietet zwei Sichten auf das Geschehen. Auf der einen Seite bewegt sich die von einem der Spieler verkörperte Mumie. Dieser sieht die Figuren der Mitspieler nicht. Trifft die Mumie jedoch bei ihrer Bewegung durch die Grabgänge auf die Schatzsucherfigur eines Spielers, wird diese auf der anderen Spielplanseite vom dortigen magnetischen Gegenstück der Mumienfigur hörbar angezogen und muss damit eines von drei Leben aushauchen. Auf der Spielerseite sieht man daher das Unheil auf sich zukommen - und versucht, während der eigenen Züge so schnell wie möglich bestimmte Zielfelder zu erreichen.
Das weitere Programm der Ravensburger hält neben einigen Neuauflagen und Erweiterungen noch das abstrakte Spiel BLOX des KRAG Teams (Wolfgang Kramer, Hans Ragan, Jürgen Grunau) bereit. Dieses könnte für den Familienbereich interessant sein. Mit Hilfe farbiger Handkarten bewegt man sich auf einem Spielplan, um Türme mit den richtigen Farbkombinationen abzubauen und mit dem erhaltenen Material neue zu errichten. Hitverdächtig war die Vorstellung dieses Spiels. Gerade begonnen hatte diese für Messebesucher, die wohl eher aus dem Händlerumfeld stammten (gelbe Karte! Siehe Einleitung). Elementare Spielprinzipien wurden ausführlich dargestellt. Der Hammer war dann folgende Erläuterung: "Wenn Sie einen Turm abbauen wollen, müssen Sie sich neben ihn bewegen. Wie Sie sehen, gibt es für die Bewegung keine Würfel. In diesem Spiel werden stattdessen Karten verwendet." Mal abgesehen von dem tiefen Bedauern, in diesem Moment zwecks genaueren Zitats nicht das Diktiergerät eingeschaltet zu haben, musste ich mich ein wenig konzentrieren, um nicht loszuprusten. Vielleicht war ich auch einfach nur von den zahlreichen anderen Eindrücken weich geklopft.....

Bei Amigo führte der Besuch der Neuheitenschau nur zu zwei Stationen. Die anderen Neuheiten enthalten die bereits im Messe-Panorama erwähnten Lizenzprodukte von Lauras Stern und den Wilden Fußball Kerlen. Zwei Neuerscheinungen der Gelben Reihe sind dem Kinderspielbereich zuzuordnen. Neuauflagen gibt es mit der Jubiläumsausgabe von Elfenland und Die sieben Siegel im komprimierten Schachtelformat. Bereits im Vorfeld beim Hall9000-Spieleabend konnte ich drei Titel testen: Lobo 77, Pingu Party und Six sind lockere, kurze, nicht wirklich anspruchsvolle Kartenspiele. Einen genaueren Blick erhielt während des Rundgangs zunächst Horus, das allerdings erst zu Essen 2008 erscheinen wird. Mit Elementen, die entfernt an Carcassonne erinnern (Plättchen ziehen und anlegen, Mehrheiten auf Flächen bilden) entsteht eine Landschaft rund um den Nil. Die Aufmachung machte einen recht abstrakten Eindruck. Die zweite genauere Betrachtung fiel auf Dino Detektive. Bei der Bewegung über den Spielplan werden Teile von Dinosaurier-Skeletten gesammelt. Wer die meisten Dinos komplettiert, gewinnt das Spiel. Erwähnenswert ist die Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Senckenbergmuseum.

Bevor der Weg zurück zu Hans im Glück führte, war noch der Termin bei Huch zu absolvieren. Ein weiterer Verlag mit einer Vielzahl an Vertriebspartnern stand damit auf dem Programm. Im eigenen Verlagsprogramm sind neben einigen Kinderspieltiteln zwei Spiele zu erwähnen. Die Welt der guten Küche erscheint mir zwar spielerisch eher banal zu sein und ist im Bereich Quiz einzuordnen. Die Ausstattung ist jedoch Aufsehen erregend: Der Spielplan wird durch einen echten Villeroy & Boch Teller aus Porzellan gebildet. Wie der Spiele-Erklärer versicherte, wurde auf eine bruchsichere Verpackung besonderen Wert gelegt. Und wer das gute Stück lieber in die Vitrine oder den Küchenschrank stellen mag, kann für den Spielplan auch auf eine Papp-Variante zurückgreifen. Dieser Titel erhielt den ToyAward in der Sparte Trend & Lifestyle. Bei Fauna muss man Tiere nach Gewicht, Länge, Lebensraum und Schwanzmaß einschätzen. Das Bemerkenswerte an diesem Wissensspiel ist der Autor, auf den man bei kurzer Betrachtung des mit "F" beginnenden Spieletitels sogar kommen kann: Die Rede ist von Friedemann Friese.
Wenden wir uns noch den Kleinverlagen im Huch-Vertrieb zu. Neben den bereits aus Essen bekannten Spielen Cuba und Hamburgum stellte Peter Eggert am Stand von Huch die beiden Titel Neuland und Change Horses vor. Neuland ist eine Wiederauflage des bereits 2004 erschienenen Spieles. Bei Change Horses versucht man, die Pferde der Mitspieler zuerst ins Ziel zu bringen. Das neue Ystari-Spiel Metropolys dreht sich rund um Städteplanung. An den prestigeträchtigsten Orten werden Bauwerke platziert. Sowohl auf das Pferderennen als auch auf den Städtebau bin ich durchaus neugierig, wobei auch Neuland wegen der Überarbeitung in Regeln und Grafik sicher einen zweiten Blick wert ist. Weitere Vertriebspartner sind Tenki Games aus Italien und Cocktail Games aus Frankreich.

Nach diesen Terminen lag zum Abschluss ein zweiter Abstecher beim Hans im Glück Verlag nahe. Tatsächlich konnte so der Messebesuch einen spielerischen Abschluss erhalten. Denn zum Glück bot sich die Möglichkeit, auch die zweite Neuheit zu testen. Die Hängenden Gärten bestehen aus Karten mit sechs Feldern. Einige dieser Felder sind mit unterschiedlichen Symbolen bepflanzt und müssen auf bestehendem Untergrund abgelegt werden. Ziel ist es, zusammenhängende Flächen gleicher Symbole zu bilden. Bei einer Mindestgröße von drei kann man eine solche Fläche werten und erhält ein, oder bei besonders großer Fläche sogar zwei Punkteplättchen. Die Sammlung dieser Plättchen bestimmt bei Spielende deren Wert, der meist nach Menge gleicher Plättchen gestaffelt ist. Nach und nach wird also die Auswahl gezielter getroffen. Das Spiel endet nach einer festen Rundenzahl. Grundsätzlich ist das Spielprinzip ziemlich abstrakt. Auf eine zweite Partie bin ich durchaus gespannt. Neugieriger bin ich jedoch auf die erste vollständige Partie Stone Age.


Und dann war da noch......
 

...der Gang durch die anderen Messehallen. Die Brett- und Gesellschaftsspiele nehmen in Nürnberg nur einen Bruchteil der Ausstellungsfläche in Anspruch. In den weiteren Hallen gibt es Modellbau und Miniatureisenbahnen zu betrachten, Outdoor-Spielzeug und Bastelbedarf, Lernspiele und alles rund um Puppe und Bär, bis hin zu Karnevalsbedarf und Aktionsspielen. Das Messe-Flair ist international, und so trifft man etwa auf viele Asiaten. Ein wenig Zeit vor dem ersten Termin am Freitag konnte ich mit einem kurzen Abstecher in diese Hallen verbringen. Neben den zum Teil richtig skurril erscheinenden Spielsachen kann man kulturelle Erfahrungen sammeln. Die Beobachtung zweier Japaner, die sich gegenseitig unter unterschiedlich tiefen Verbeugungen ihre Visitenkarte überreichen, ist ein ungewohntes Schauspiel für uns ungeschliffene Europäer.

Der erste Eindruck beim Besuch der Halle mit den Holzspielwaren und Kunsthandwerk war der Schwall von Weihrauch-Geruch, der einem entgegenweht. In dieser Halle war Haba untergebracht. Wer Termine sowohl hier als auch bei anderen Spielverlagen hat, muss recht weite Wege quer über das Messe-Gelände zurücklegen. Auch Ravensburger ist nicht in der Halle mit den anderen Spieleverlagen untergebracht. Wie bereits in den Vorjahren fand man diesen Stand in der Halle der Mehrbranchengruppe.

Nun heißt es wohl abwarten. Nur wenige Neuheiten sind bereits erhältlich, darunter hauptsächlich solche von Verlagen wie Amigo, Schmidt und Ravensburger. Manche Spiele sind wie in den Vorjahren noch nicht fertig produziert. Erst nach und nach wird man also die ersten nachhaltigen Eindrücke sammeln können.

Zwei Tage bin ich nun über die Messe getrabt und konnte dabei viele Spiele nur anschauen und wenige selbst testen. Die Ausbeute scheint mir insgesamt besser zu sein als im vergangenen Jahr. Im Vergleich zu Essen muss man zwar genauer suchen, um anspruchsvollere Titel zu finden. Zum Glück gibt es jedoch trotzdem einige Spiele, auf die man gespannt sein darf.

Kathrin Nos


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