DIE H@LL9000 - REPORTAGE: 

Spielen im Kindergarten Pusteblume

   

Wiesloch, 19. Januar 2008: Zu einem Spielenachmittag lud die Wieslocher Kinderkiste e.V. in den Kindergarten Pusteblume ein. Über die Vorstandstätigkeit von Freunden kamen wir dazu, als Spiele-Erklärer mitzumachen.

Einiges an Vorbereitung war zu leisten. Zuerst musste sichergestellt werden, dass genügend Spiele zur Auswahl standen. Aus privatem Fundus kamen die ersten Spiele zusammen. Der Bestand an Rezensionsexemplaren von H@LL9000 stand ebenfalls zur Verfügung. Komplettiert wurde dies mit Leihgaben und auch Spenden. Haba, Amigo und Ravensburger trugen hierzu ebenso bei wie der örtliche Spielzeug Laden Neusser. Insgesamt 55 Spieletitel waren vorhanden und boten so genügend Auswahl. Die Eltern konnten sich eine Liste mitnehmen, auf denen alle Spiele verzeichnet waren.

Um möglichst viele Familien zu erreichen, wurde die Einladung im Vorfeld an die Lokalpresse gegeben. Das hat sich gelohnt: Unter den etwa 50 Besuchern waren einige Familien, die über diese Ankündigungen zu uns gestoßen waren.


Was wurde gespielt?
 
Pünktlich zu Beginn um 14:30 Uhr trafen die ersten Besucher ein. Die vier Spiele-Erklärer hatten während der gesamten drei Stunden eine Menge zu tun. Von Anfang an mussten Schildi Schildkröte und seine Kumpels losarbeiten und die ersten Rennen bestreiten. Diese Spiele-Sammlung bietet unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Sie kann also mit den Kindern mitwachsen. Beim Spielenachmittag leistete sie besonders mit den jüngeren Kindern gute Dienste in der einfachsten Renn-Variante.


Auch Der schwarze Pirat war von Anfang an praktisch mit Beschlag belegt. Hier wurden vor allem die älteren Kinder angesprochen, denn der Umgang mit dem Blasebalg und die Menge der Regeln setzt schon etwas mehr voraus. Nicht nur die Fünfjährigen hatten viel Spaß bei der Schatzsuche und beim Entern. Auch die mitspielenden Eltern waren mit Feuereifer bei der Sache. In Spielerkreisen wurde seinerzeit die Auszeichnung von Der schwarze Pirat als Kinderspiel des Jahres 2006 durchaus kritisch gesehen. Denn der innovative Pustemechanismus kam bereits kurz zuvor bei Akaba zum Zug, das viele als prämierungswürdig angesehen hatten. Bei unserem Spielenachmittag wurde Der schwarze Pirat ganz ohne diese Vergleichsmöglichkeit vorgestellt - und die unvoreingenommenen Familien zeigen ganz klar: Der blaue Pöppel ist hochverdient!

Und wo wir schon bei den prämierten Spielen sind: Auch die Geistertreppe - Kinderspiel des Jahres 2004 - wurde einige Male erklommen. Wie beim schwarzen Pirat konnten auch hier groß und klein zuerst neugierig gemacht und dann begeistert werden.

Die Spiele für Kinder ab fünf Jahren decken ein Spektrum ab, das viel breiter ist als man zunächst annehmen möchte. Die Qualität der angebotenen Titel hat stark zugenommen und bringt Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters an einen Tisch. Dabei spielen alle gleichberechtigt mit, und die Erwachsenen müssen sich nicht künstlich zurücknehmen. Die beiden oben genannten Titel haben dies beim Wieslocher Spielenachmittag unter Beweis gestellt.

Kindergartenkinder sind im Alter zwischen 3 und 6 Jahren. Gerade die jüngeren dieser Kinder sind erst auf der Schwelle vom freien Spiel zum Regelspiel. An Spiele für diese Zielgruppe sind andere Ansprüche zu stellen. Meist werden die Erwachsenen spielerisch kaum gefordert. Für sie geht es mehr darum, die Kinder an den geregelten Ablauf heranzuführen. Mit diesen kleineren Kindern kam der Obstgarten hervorragend an. Gemeinsam spielen alle Spieler gegen den gefräßigen Raben. Damit ist selbst der mögliche Frustfaktor beim Verlieren abgefedert.



Dauerbrenner in den Kaufhäusern oder Spielzeug-Ladenketten sind Titel wie Lotti Karotti, Plitsch Platsch Pinguin oder Max Mäuseschreck. Mancher Vielspieler mag ob der Plastikschlacht in diesen Schachteln davonrennen. Kinder jedoch sind fasziniert von der bunten Ausstattung und den "Gimmicks" wie dem Käsestück, in das man bei Max Mäuseschreck seine Maus hineinwerfen kann. Zufällig purzelt sie auf irgendeinem Feld der Laufstrecke wieder heraus und stellt sich als Stehaufmäuschen wieder aufrecht hin. Wer zuerst seinen Käse aus 5 Stücken zusammengesammelt hat, gewinnt. Natürlich erhält und verliert man diese Stücke unterwegs nach Belieben. Das Material und der spielerische Umgang damit stehen ganz klar im Mittelpunkt.





Ein weiterer Hit im Spieleraum war übrigens die Ecke zum Toben. Als Räumlichkeit standen der Essraum und der Turnraum des Kindergartens zur Verfügung, deren Zwischenwand herausgenommen wurde. Während an der einen Seite das Spieleregal aufgebaut war, konnte an der anderen Seite gehüpft, gebalgt und getobt werden. Manche Spielerunde wurde etwas gesprengt, weil ein Kind plötzlich einen unbändigen Bewegungsdrang verspürte, aufsprang und davoneilte. Andererseits waren sie für die Eltern stets in Blickreichweite, so dass sich diese in der Zwischenzeit noch gerne das eine oder andere Spiel zeigen ließen. Aber auch umgekehrt konnten Kinder neugierig gemacht und an die Spieletische zurückgelockt werden.


Fazit
 

Was bleibt als Eindruck zurück? Zunächst erstmal: Die drei Stunden gingen wie im Flug vorüber! Erst nach dem Aufräumen merkten wir, wie anstrengend es eigentlich insgesamt war. Gelohnt hat es sich auf alle Fälle. Die Kinder mussten zum Aufbruch überredet werden, und viele Eltern äußerten sich begeistert und fragten bereits nach einer Wiederholung.

Bemerkenswert ist sicherlich, dass in manchen Spielerunden mehr die Eltern als die Kinder mitmachten. Ersteren ging es mehr darum, Entscheidungshilfen für zukünftige Einkäufe zu erhalten. Die Investition von 30 oder mehr Euro in ein Spiel wird durchaus gescheut. Da möchten die Schenkenden schon das Gefühl haben, dass das Geld gut angelegt ist. So ist es ein großer Erfolg, wenn bei solchen Veranstaltungen auch die Erwachsenen begeistert werden können. Sie sind nicht nur die Käufer, sondern auch die Mitspieler.

Wenn ein Kind an einem Nachmittag fröhlich gespielt hat, ist dies gut. Wenn Vater, Mutter oder auch Großeltern den Anreiz mitnehmen, sich mit Kindern über viele Spielerunden und -stunden zu beschäftigen, so ist dies noch viel besser.

Kathrin und Peter Nos