Rezension/Kritik - Online seit 15.02.2016. Dieser Artikel wurde 3088 mal aufgerufen.

Titus Tentakel

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Autor: Leo Colovini
Verlag: HABA - Habermaaß GmbH
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 4
Dauer: 15 Minuten
Alter: ab 4 Jahren
Jahr: 2015
Bewertung: 2,0 2,0 H@LL9000
Ranking: Platz 3096
Titus Tentakel

Spielziel

Piraten lieben Gold - das ist ja mal eine Tatsache. Und Piraten lieben Schätze - auch eine Tatsache. Und natürlich lieben Piraten gefährliche Abenteuer - was heißt: ein Goldschatz, bewacht von einem riesigen Kraken ... das ist dann wohl ein Ort, an dem Piraten am liebsten sesshaft werden würden. Willkommen bei Titus Tentakel!

Ablauf

Aufbauen muss man bei Titus Tentakel nicht viel. Lediglich einmal kurz den Spielplan hochheben, Figuren, Würfel und Goldmünzen rausholen und dann kann es losgehen. Jeder führt eine Bande von zwei Affenpiraten an, die versuchen müssen, um den Kraken Titus herum zu schippern, zur Insel zu gelangen und sich dort eine Goldmünze zu schnappen. Dazu würfelt man den Farbwürfel und setzt eines seiner Schiffe auf das nächste freie Feld dieser Farbe.

Ist kein Feld davon mehr frei, fährt man direkt bis zur Insel und klaut mit piratenmäßigem Grinsen eine Goldmünze. Dann fängt man mit dem Schiff wieder vom Anfang an.

Würfelt man rot, hat man Titus den Kraken geweckt. Man bewegt zuerst eines seiner Schiffe auf das nächste freie rote Feld und lässt dann Titus' Tentakel ausfahren. Dazu haut man kurz und kräftig auf den roten Blasebalg in der Mitte des Spielplans und ZACK!!! schießen Titus' Tentakel seitlich heraus. Trifft so ein Tentakel ein Schiff und stößt es von der Laufstrecke, muss es wieder von vorne anfangen.

Glücklicherweise kann man Titus' Tentakel ausrichten, bevor man sie ausfahren lässt, und somit sicher gehen, dass kein eigenes Schiff getroffen wird. Und es gibt zwei Stellen auf dem Plan, an denen man sein Schiff hinter einer kleinen Pappmauer verstecken kann, um dort vor den glitschigen Gliedmaßen sicher zu sein.

Wer sich drei Mal erfolgreich an Titus und seinen Tentakeln vorbeigeschlagen hat und zuerst drei Goldmünzen erbeuten konnte, wird der neue König der Piraten und Freibeuter.

Fazit

Haba erfindet sich neu ... zumindest teilweise. Bei dieser neuen Spielereihe gibt es kein Haba-Gelb mehr und auch beim Material hat sich einiges geändert. Plastik statt Jute, sozusagen. Qualität wird aber immer noch groß geschrieben bei Haba. Alles sehr durchdacht in der Packung: keine langwierigen Aufbau- oder Einsteckarbeiten, schöner stabiler Spielplan, leicht verständliche Regeln und ein sehr anständig verarbeiteter Tentakel-Titus.

Soweit so gut. Oder so schlecht. Denn trotz der ganzen tollen Aufmachung und Verarbeitung krankt Titus Tentakel an vielen Stellen.

Was an Titus Tentakel nicht so gefällt:

  • Die Boote der Piraten: Sie sehen niedlich aus und begeistern sofort die Kinder, sind aber viel zu klein und haben nicht genug Stellfläche. Ein mittelschwerer Stoß gegen die Schachtel bringt alle Piraten in Seenot, und man stellt sie ständig wieder auf. Aber nicht nur ein Stoß schmeißt sie um. Weit häufiger passiert das durch:
  • Den Kraken aktivieren: Einfach nur auf den roten Blasebalg drücken reicht nicht aus, damit Titus seine Tentakel ausfährt. Man muss schon leicht draufhauen. Aber da die Schiffe sehr instabil stehen, fallen einige bei jedem zweiten, dritten Draufhauen garantiert um. Und das ist nicht wirklich Sinn der Sache, denn die Gefahr sollen ja die herausschnellenden Tentakeln sein - und nicht die zu kleinen Schiffe.
  • Die Dauer des Spiels: 10 bis 15 Minuten soll es laut Regel dauern. Das kann auch klappen, wenn man zu viert spielt. Dann werden im Verlauf einer Partie genug Farbfelder belegt, damit man viele Schiffe überspringen kann. Sobald man aber zu dritt oder zweit spielt, sind die 15 Minuten Spieldauer kaum noch zu halten. Das Grundproblem - unabhängig von der Spieleranzahl - ist: Jeder versucht natürlich, die Schiffe mit den Tentakeln zu treffen, die kurz davor sind, sich eine Goldmünze von der Insel zu holen. Da das relativ häufig passiert, ist es eine sehr deprimierende und ärgerliche Angelegenheit, andauernd von vorne anfangen zu müssen. Das zieht die Spieldauer teilweise quälend in die Länge.
  • Der Spielplan: Sehr schön, dass man nicht viel aufbauen muss. Aber auch sehr schade, dass Titus' Blasebalg so dominant in der Mitte des Spielplans eingebaut ist, dass kleine Kinder schwer daran vorbeischauen können. Die Schiffe sind zu klein und verschwinden fast hinter Titus' rotem Körper. Deshalb wird der Plan oft gedreht - und die Schiffe kentern.
  • Die Tentakel: Die sehen wirklich wie kleine rote Tentakel aus, inklusive Saugnäpfen. Leider kann man diese Details nur bewundern, wenn man sie manuell herauszieht. Im Spiel sieht man von ihnen lediglich einen roten Schatten, weil sie zu schnell raus- und wieder reinfahren.
  • Die Geschichte: Wieso müssen es Affenpiraten sein? Denkt man bei Affen nicht automatisch an Klettern und Lianen? Wenn man sich schon für diese Tierart entscheidet, wieso dann nicht Mechanismen einbauen, die typisch für sie sind? Aber so ist es völlig irrelevant, ob Affen, Menschen oder Nilpferde die Piraten sind.

Natürlich finden Kinder Titus Tentakel auf Grund der Ausstattung und der Grafik erst mal toll - mindestens eine bis drei Partien lang. Aber dann geht bei 90 Prozent die Begeisterungskurve steil bergab. Was auch kein Wunder ist, denn die Möglichkeit, kurz vor dem Ziel ständig wieder rausgeschmissen zu werden, ist für Kinder ein Killer. Dazu kommen noch die Diskussionen, ob das Schiff jetzt durch die Tentakel vom der Strecke geworfen wurde oder weil man Titus zu kräftig bedient hat.

Wieso man bei einem Spiel, bei dem es wichtig ist, möglichst viele Felder zu überspringen, keine zwei Personen-Variante einbaut, ist mir nicht klar. Vier Schiffe sind einfach zu wenig, um hier irgendwas gebacken zu bekommen. Zu zweit ist Titus Tentakel leider kaum zu spielen. Aber selbst zu dritt wird es schwierig. Nur zu viert kann man es spielen. Aber auch nur bedingt: Denn für die Zielgruppe ist selbst ein Spiel zu viert eine frustrierende Angelegenheit. Ältere Kinder haben weniger Probleme damit, kurz vor dem Ziel rausgeschmissen zu werden. Aber die Altersspanne, in der Titus Tentakel für ältere Kinder nicht zu "kindergartenmäßig" ist, ist leider sehr klein.

Das ist alles sehr schade, denn obwohl Haba mit Titus Tentakel das Rennspiel nicht neu erfunden hat, ist der Krake dennoch eine sehr schöne Idee und dazu noch stabil und gut verarbeitet. Das hätte alles sehr spannend für Kinder werden können. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Verlag beim nächsten Spiel in dieser Reihe mehr Mühe gibt.

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

1 H@LL9000-Bewertung.

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.09.15 von Christoph Schlewinski - Eine Partie zu zweit bekommt einen Punkt, zu dritt zwei Punkte und zu viert schwache drei Punkte. Macht im Schnitt zwei Punkte.

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