Rezension/Kritik - Online seit 21.09.2026. Dieser Artikel wurde 480 mal aufgerufen.

Volle Kanne!

Direktlinks zu den Rezensionsblöcken
Verlag: Nürnberger Spielkartenverlag
Rezension: Kathrin Walther
Spieler: 1 - 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2025
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
Ranking: Platz 5177
Volle Kanne!

Spielziel

Wer keinen grünen Daumen hat, für den können sich Pflanzen manchmal anfühlen wie ein Buch mit sieben Siegeln. Obwohl man gefühlt alles für das Wohlbefinden der grünen Gewächse getan hat, lassen sie die Blätter hängen. Bei der Suche nach der Ursache kommen viele Ursachen in Frage: Liegt es vielleicht an zu viel oder zu wenig Licht? Brauchen sie mehr Dünger oder war vielleicht die Wassermenge nicht passend?

Um zu viel oder zu wenig Wasser geht es auch bei Volle Kanne! Richtig gießen lässt Punkte sprießen!, denn auch hier sind die Pflanzen ziemliche Mimosen, was die passende Wassermenge angeht. Nur wer beim Würfeln die verschiedenen Ansprüche von Kaktus, Glücksklee, Ranken und Co am besten erfüllt, kann sich am Ende über einen blühenden Prachtgarten und ganz viele Siegpunkte freuen!

Ablauf

Bei Volle Kanne! handelt es sich um ein klassisches Roll & Write-Spiel, entsprechend benötigt jeder Spieler neben einem Stift ein Blatt vom Spielblock sowie einen der hellblauen Wasserwürfel. Da sich das Spiel in zwei Varianten spielen lässt, müssen sich alle Spieler einigen, ob mit der Vorderseite und Version A oder aber mit der Rückseite und Version B gespielt wird. Der Spieler mit dem grünsten Daumen wird zum Startspieler und bekommt zusätzlich den dunkelblauen Wasserwürfel. Anschließend kann es auch schon losgehen.

Alle Spieler würfeln gleichzeitig ihre hellblauen Würfel, der aktive Spieler wirft zusätzlich mit dem dunkelblauen Würfel und kann entscheiden, ob er einen seiner beiden Würfel erneut würfeln möchte. Sobald das Endergebnis des dunkelblauen Wasserwürfels feststeht, addiert jeder das Ergebnis seines hellblauen Wasserwürfels mit dem des dunkelblauen Würfels zusammen und trägt es in ein freies Wassertropfen-Feld ein.

Auf Seite A befinden sich insgesamt 3 Bereiche mit je drei Blumenreihen, die sich in der Anzahl ihrer Wassertropfen-Felder unterscheiden. Gibt es im obersten Bereich nur ein Tropfen-Feld pro Reihe, befinden sich im mittleren Bereich zwei und im dritten Bereich drei Felder. Die Gießkanne am Anfang einer Reihe gibt an, wie viel Wasser die Blumen der jeweiligen Reihe benötigen. Zeigt die Gießkanne beispielsweise eine 4 an, müssen die beiden Würfel zusammenaddiert die Summe 4 ergeben, es sind also eine 1 und eine 3 oder zwei 2en notwendig, um die richtige Wassermenge in das Tropfenfeld eintragen zu können. Entsprechend höher sind die Werte im zweiten und dritten Bereich, wo direkt zwei Summen eingetragen werden müssen, die dann zusammen im zweiten Bereich die Werte 14, 15 und 16 und im dritten Bereich die Werte 24, 25 und 26 ergeben müssen. Gelingt es einem den Wert genau zu treffen, darf man sich im runden Feld eine +5 eintragen und zusätzlich das kleine Würfelsymbol direkt neben dem Punktekästchen einkreisen.

Trifft man den Wert nicht genau, gibt es keine Pluspunkte, stattdessen wird die Differenz (egal ob nach oben oder unten abgewichen wird) als Minuspunkte im Punktekästchen notiert. Sind beispielsweise 14 Tropfen gefordert und im jeweiligen Kästchen wird eine 17 eingetragen, müssen im Punktekästchen -3 Punkte notiert werden. Das kleine Würfelsymbol darf nicht eingekreist werden. Gelingt es einem, in einem Bereich alle Werte genau zu treffen und hat alle drei Würfelsymbole eingekreist, wird ein Bonus freigeschaltet, der jeweils einmal in einem passiven Zug eingesetzt werden darf:

  • Der Bonus im ersten Bereich erlaubt es, die Summe der beiden Würfel um +/- 1 zu verändern.
  • Der Bonus im zweiten Bereich erlaubt es, einen der beiden Wasserwürfel zu ignorieren. So muss beispielsweise bei einer gewürfelten 2 und 6 keine 8 eingetragen werden, stattdessen kann entweder nur eine 2 oder eine 6 notiert werden.
  • Der Bonus im dritten Bereich erlaubt es, den hellblauen Wasserwürfel noch einmal neu zu werfen.

Neben den drei oberen Bereichen gibt es zusätzlich noch den durstigen Glücksklee sowie den pieksenden Kaktus, der möglichst wenig Wasser abbekommen möchte. Anders als in den oberen Bereichen muss hier kein genauer Wert getroffen werden, stattdessen geht es beim Glücksklee darum in die drei zusammenzuaddierenden Felder möglichst große Werte einzutragen, da das Gesamtergebnis als Pluspunkte in das Ergebnisfeld eingetragen werden darf, während es beim Kaktus darum geht möglichst niedrige Werte einzutragen, da dessen Summe als Minuspunkte verbucht wird.

Wird anstatt mit der A- mit der B-Seite gespielt, fällt der zweite Bereich weg und wird stattdessen durch sogenannte Ranken ersetzt. Während die obere Ranke es eher trocken mag und die Summe der vier auszufüllenden Tropfenfelder möglichst unter oder gleich 20 ergeben sollte, mag es die untere Ranke eher nass und möchte Tropfen im Wert von mindestens 36 Punkten als Summe ihrer ebenfalls vier Felder haben. Etwas gemein: Beide Ranken teilen sich ein Feld, in das ein möglichst „neutraler“ Wert eingetragen werden sollte, der zum Einhalten beider Bedingungen funktioniert.

Das Spiel endet, wenn jeder Spieler alle Tropfenfelder ausgefüllt hat. Anschließend geht es an die Endwertung. Dazu werden zunächst die Punkte aus den einzelnen Bereichen zusammengezählt und in der Ergebnisleiste eingetragen, bevor im letzten Schritt alle Bereiche addiert werden, sodass die Gesamtpunktzahl feststeht. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt!

Solovariante:

Sind gerade keine Mitspieler verfügbar, lässt sich Volle Kanne auch solo spielen. Die Regeln dazu unterscheiden sich kaum vom Mehrspieler-Modus, abgesehen davon, dass man im Solo-Spiel dauerhaft aktiver Spieler ist und beide Würfel würfelt. Anders als in der Mehrspieler-Variante darf insgesamt im ganzen Spiel jedoch nur dreimal einer der beiden Würfel neu gewürfelt werden. Anschließend wird jedes Mal einer der drei Würfel im Solo-Bereich abgekreuzt, um den Überblick über die Neuwürfe zu behalten. Wurde ein Würfel-Bonus freigeschaltet, darf er in einem beliebigen Zug verwendet werden.

Ob man einen grünen Daumen hat oder mit seinen Gärtner-Fähigkeiten wirklich keinen Blumentopf gewinnen kann, lässt sich anschließend in der Punktetabelle zum Solo-Spiel ablesen.

Fazit

Bei Volle Kanne handelt es sich um ein kleines Roll & Write-Spiel, das sich an ein bis vier Spieler ab 8 Jahren und etwa 20 Minuten dauert. Auch wenn es bereits von Kindern im Grundschulalter spielbar ist, richtet es sich optisch und thematisch eher an Erwachsene, wobei es eigentlich eher als Kinderspiel punktet, worauf ich später noch einmal genauer eingehen werde.

Dank der kurzen und übersichtlich gestalteten Anleitung und der wenigen Regeln kommt man schnell ins Spiel, sodass sich Volle Kanne schnell lernen lässt und sich gut als Aufwärmspiel oder Absacker eignet und auch Wenig-Spieler abholt, die sich nur ungern durch komplizierte Anleitungen kämpfen. Da sich die Vorbereitungen auf das Verteilen der Blätter und Würfel und das Bereitstellen von Stiften beschränkt, kann man direkt starten, sodass sich das Spiel auch gut für eine schnelle Runde zwischendurch eignet.

Qualitativ kann das Spiel überzeugen. Die stabile Pappschachtel passt gut zur Größe von Block und Würfeln und kommt ohne ungenutzte Lufträume aus, die im Regal nur unnötig Platz kosten. Die Spielblätter vom Abreißblock sind doppelt bedruckt, sodass das Papier effizient ausgenutzt wird. Die Blätter hätten nach unserem Geschmack jedoch etwas größer ausfallen dürfen, da Zahlen und Felder schon recht klein sind und man einen spitzen Bleistift braucht, um die Zahlen gut in die kleinen Kästchen eintragen zu können. Stifte sind nicht enthalten, sollten also extra eingepackt werden, will man das Spiel unterwegs spielen. Schön sind die in den hellblauen Wasserwürfeln enthaltenen Tropfen, die ein gelungenes Detail zum Spielthema darstellen.

Das Spielprinzip selbst ist relativ simpel. Der aktive Spieler würfelt, eventuell entscheidet er sich einen seiner Würfel noch einmal zu werfen, bevor anschließend alle Spieler den Wert ihres hellblauen Wasserwürfel zum dunkelblauen Wasserwürfel hinzuaddieren und entscheiden, in welches Tropfenfeld sie das Ergebnis eintragen. Dabei sollte das Ergebnis bestenfalls zur Zahl in der Gießkanne passen und bei mehreren Zahlen dem Erreichen der Zielzahl nicht im Weg stehen, sodass die Auswahl schon relativ vorgegeben ist. Nach wenigen Partien kam bei uns bereits das Gefühl auf alles gesehen zu haben, sodass die Lust auf eine weitere Runde merkbar nachließ und kein Langzeitspielspaß aufkam.

Wie bereits oben angedeutet, zeigt das Spiel seine Qualitäten eher als Kinder- oder Familienspiel, auch wenn es nicht explizit als solches deklariert ist. Aus pädagogischer Sicht ist Volle Kanne ein schönes Spiel, um spielerisch mathematische Basisfähigkeiten ab etwa der zweiten Klasse zu fördern:

Bei jedem Zug müssen die beiden Wasserwürfel addiert werden, in den verschiedenen Bereichen müssen anschließend niedrige zweistellige Werte im Zahlenraum bis etwa 50 zusammengerechnet werden, wobei nicht nur Addition sondern auch Subtraktion trainiert wird, wenn der Wert nicht genau getroffen wurde und Minuspunkte eingetragen werden mussten. Gleichzeitig entwickelt sich ein Gefühl für Zahlen, da die jungen Spieler schnell merken, welche Werte häufiger gewürfelt werden und welche seltener und es daher sinnvoll sein kann, zwei gewürfelte Einsen direkt bei der Gießkanne mit der zwei einzutragen, da die Wahrscheinlichkeit einer weiteren zwei nicht sehr hoch ist.

Da Kinder anders als Erwachsene auch oft nichts gegen ein immer gleiches Spielprinzip ohne neue Herausforderungen haben und die gemeinsam verbrachte Zeit sowie der allgemeine Spaß am Spiel häufig ausreichen, um ein Spiel zu mögen, punktet Volle Kanne bei uns eher als Familien- beziehungsweise Kinderspiel mit etwas veränderter Zielgruppe. Gut vorstellen können wir uns das Spiel auch für Lern- oder Ergotherapien, um Mathe, Frustrationstoleranz oder Konzentration auf spielerische Weise zu fördern.

Da es sich um ein Würfelspiel handelt, basiert ein großer Teil des Spiels auf Zufall. Zwar hat man durch geschicktes Auswählen des Tropfenfeldes, das Schicksal etwas in der Hand, doch gerade am Ende bleiben oft nur wenig Möglichkeiten übrig, einen ziemlich unpassenden Wurf unterzubringen, woran auch die eventuell gegen Ende des Spiels freigeschalteten Boni manchmal nur wenig ausrichten.

Dadurch, dass jeder Spieler bei jedem Zug aktiv ist, kommt das Spiel ohne Downtime aus, was gerade ungeduldigen Spielern entgegenkommt, die nur ungern warten. Auch wenn gemeinsam gespielt wird und der Startspieler im Uhrzeigersinn wechselt, besteht kaum Interaktion zwischen den Mitspielern. Das Spielgefühl in der Mehrspielervariante unterscheidet sich daher unserem Empfinden nach nur gering vom Solo-Modus.

Alles in allem handelt es sich bei Volle Kanne um ein einfaches Roll & Write-Spiel, das sich dank seiner wenigen Regeln und seines simplen Spielprinzips schnell erklären lässt, sodass Neulinge direkt einsteigen können. Auch wenn sich das Spielprinzip schnell erschöpft und Volle Kanne nach wenigen Runden gefühlt nichts Neues mehr zu bieten hat, kann das Spiel aus pädagogischer Sicht punkten. Ganz ohne Druck und Schulgefühl lassen sich spielerisch mathematische Kompetenzen trainieren und Basisfähigkeiten im Bereich Addition und Subtraktion festigen. Eventuell wäre eine kindlichere Optik und eine etwas andere Ausrichtung des Spiels diesbezüglich sinnvoll gewesen, um diesem Bereich mehr Aufmerksamkeit zu schenken und eine andere Zielgruppe anzusprechen.

Rezension Kathrin Walther

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.

'Volle Kanne!' online bestellen

Kaufen bei Idealo Kaufen bei Spiele-Offensive Kaufen bei Meeple-Box 

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Volle Kanne!: 3,0 3,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.04.26 von Kathrin Walther - Ein einfaches Roll & Write-Spiel, das sich schnell lernen lässt und sich gut für unterwegs oder eine schnelle Runde zwischendurch eignet. Auch wenn sich das Spielprinzip schnell erschöpft, hat es als Familienspiel oder zur spielerischen Mathe-Förderung durchaus seine Qualitäten.

Leserbewertungen

Es sind noch keine Leserbewertungen abgegeben worden.