Rezension/Kritik - Online seit 15.07.2019. Dieser Artikel wurde 636 mal aufgerufen.

Hempels Sofa

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Autor: Marco Teubner
Verlag: HABA
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 5 Jahren
Jahr: 2019
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
Ranking: Platz 1929
Hempels Sofa
Auszeichnungen:2019, Spiel der Spiele Hit für Kinder Empfehlungsliste

Spielziel

Seine direkte Umgebung zuzumüllen ist eine ganz leichte Sache. Man muss einfach alles fallen lassen und nix mehr aufheben. Oder Kinderspiele testen und mit Kartons und Spielen zugeschüttet werden. Meine Beine sind leider nicht lang und dünn (eher das Gegenteil), weswegen ich hier nicht stakse, sondern elegant schlingere. Aber manchmal wünschte ich mir lange Beine, wie die vom Hempel. Da käm ich schneller zur Tür, wenn wieder ein Paket ankommt.

Ablauf

Genauso, wie man durch ein vermülltest Zimmer stakst, bewegt man Hugo Hempel in Hempels Sofa über den Plan. Schön langbeinig über den Unrat hinweg - mit einem Ziel: Einen Gegenstand zu erreichen, der vorher durch Zufall bestimmt und mit der Laterne markiert wird.

dreht ihn wie einen Zirkel immer weiter, Schritt für Schritt, bis er zum gesuchten Gegenstand kommt. Das wäre alles keine Herausforderung, wenn nicht alle Spieler Karten hätten und jetzt adleräugig schauen, ob Hugo vielleicht das Feld mit einem Gegenstand betritt, von dem sie die Karte haben. In diesem Fall ruft man "STOPP!", der Spieler am Zug muss sofort aufhören und der Nächste versucht sein Glück ... solange, bis es ein Spieler geschafft hat. Der darf die Karte behalten und muss jetzt eine seiner anderen Karten offen ablegen. Dieser Unrat ist jetzt für alle Spieler gesperrt ... wenn jemand "Stopp!" ruft. Sollte keiner mitkriegen, dass Hempel auf den Gegenstand einer offenen Karte gezogen wurde, passiert nichts. Und sobald ein Spieler die vierte offene Karte vor sich liegen hat, gewinnt er und darf sich aufs Sofa setzen.

Fazit

Sich selber zu zitieren ist keine Schande, finde ich. Und auch Ideen zu recyceln. Wie bei Hempels Sofa. Zwerg Riese hieß vor ein paar Jahren ein Spiel von Marco Teubner, und da zirkelte sich der Riese ähnlich wie hier über den Plan. Macht aber alles nix, sonst haben die beiden Spiele wenig bis gar nichts miteinander zu tun.

Bei Hempels Sofa greift Marco Teubner eine der Urängste aller Eltern auf: im alltäglichen Unrat ihrer Zöglinge schlichtweg zu ersticken - auch, wenn das Cover etwas anderes suggeriert. Für den Grad der Vermüllung, der um sie herum herrscht, sind die Protagonisten (fast) alle sehr entspannt. Aber zu viel Realismus wäre bei diesem Thema vielleicht auch nicht gut.

Der Realismus, der im Spiel vorherrscht, reicht, denn das Stolpern durch das vermüllte Zimmer hat jeder "in echt" schon mal gemacht, besonders Kinder. Aber während man im echten Leben befreit herumstakst, kommt Hempels Sofa leider ins Stocken, wenn man sich an die Altersangabe hält. Und die ist mit "ab 5 Jahren" viel zu niedrig. Von den über 30 verschiedenen Kindern in diesem Altersrahmen, mit denen ich das getestet habe, waren lediglich vier in der Lage, Hempels Sofa einigermaßen problemlos zu spielen.

Der Knackpunkt ist nicht die Gedächtnisleistung, die ist super gemacht. Es ist das Handling von Hugo. Die zirkelartige Bewegung so hinzubekommen, dass Hugo nicht permanent verrutscht. ist für 5-Jährige eine harte Nuss. Dazu kommen noch die Planaufbauten, die eigentlich klasse aussehen, Kindern am Tisch aber die Sicht auf die Bilder dahinter nehmen. Gerade bei einem Merkspiel ab 5 ist es wichtig, nicht nur das Wort zu hören, sondern auch das Bild zu sehen. Und besonders hier, weil die Kinder ständig zwischen ihren Karten und dem Plan hin- und herschauen müssen. Für diese Altersgruppe alles too much.

Geht man ein Jahr höher (oder 1,5 bis 2), hat Hempels Sofa mehr Chancen auf Begeisterung. Dann gehen die Runden auch wesentlich schneller, weil sich die 5-Jährigen natürlich Zeit lassen ... müssen. Ältere Kinder staksen den Hugo fluffiger. Die Merkleistung, die erbracht werden muss, ist auch für ältere Kinder noch happig, und selbst reine Erwachsenenrunden hatten schon Spaß an Hempels Sofa.

Kein Wunder, denn aufgebaut erzeugt es eine starke Anziehungskraft. Es ist ausgezeichnet verarbeitet, erste Sahne gestaltet, alles cool, locker, zeitgemäß. Hugo sieht aus, als könnte er nebenbei nen lässigen Youtubekanal am Start haben. Deshalb ist es auch nicht schlimm, dass Alter anzuheben. Das Spiel kommt durch seine Gesamtheit bei älteren Kindern gut an.

Und dann kann man endlich drüber reden, wie gut Hempels Sofa eigentlich ist. Wie knallhart die Merkleistung, die durch die gesammelten und die offenen Karten immer heftiger wird. Mit wie wenig Erkläraufwand man hier direkt starten kann. Dass "Versagen" nicht durch Abgabe von Zeug bestraft wird, sondern nur, indem man aufhören muss und der Nächste dran ist. Viel Frust, der sich die Waage mit Erfolg hält, viel Schadenfreude, viel Befriedigung, "STOPP!" gerufen zu haben, und dazu noch der ungewöhnliche Hugo, der durch die vermüllte Butze stolpert ... in Summe alles, was ein gutes Kinderspiel ausmachen sollte. Aber bloß nicht mit dem Alter, das auf der Packung steht. Mindestens sechs Jahre, älter wäre besser.

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Hempels Sofa: 5,0 5,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.06.19 von Christoph Schlewinski - Note fünf für Kinder ab sechs (besser noch sieben). Da wird es ein spannendes Ding. Für Kinder ab fünf sehr frustrierend und schwer zu spielen.

Leserbewertungen

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