Rezension/Kritik - Online seit 12.07.2021. Dieser Artikel wurde 716 mal aufgerufen.

Dinner for One

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Autor: Inka Brand
Markus Brand
Verlag: Ravensburger
Rezension: Wieland Herold
Spieler: 2 - 7
Dauer: 30 - 45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2020
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
Ranking: Platz 3359
Dinner for One
Tags:Partyspiel

Spielerei-Rezension

The same procedure as every year, James – nun auch am Spieltisch

Kein Geburtstag wurde so häufig gefeiert wie der 90. von Miss Sophie mit ihrem Butler James. Der NDR-Klassiker mit Freddie Frinton als Butler wird 2021 60 Jahre alt und er läuft und läuft, schenkt ein und springt über das Tigerfell und die Leute lachen immer noch über seine Servierfähigkeiten und Trinkfestigkeit, “Well, I’ll do my very best!”. Ursprünglich war Frintons Sketch gar nicht als Silvesterunterhaltung geplant, beim ersten Mal lief er am 9. Dezember 1961 in einer Livesendung der ARD. Seit 1972 gehört er ins Silvesterprogramm zuerst des NDR inzwischen in allen dritten Programmen: „Happy New Year, Miss Sophie“.

Bisher war noch niemand auf die Idee gekommen, diesen Klassiker spielerisch aufzuarbeiten. Noris wäre eigentlich in den 70ern prädestiniert dafür gewesen, alle Fernsehklassiker landeten damals beim Fürther Verlag von Fury über Lassie bis zu Hätten Sie’s gewusst? und Dalli Dalli. Vielleicht war der Jahresrhythmus bei der Wiederholung Noris dann doch zu wenig, obwohl Dinner for One schon seit 1988 im Guinness Buch der Rekorde als am häufigsten wiederholte TV-Produktion steht.

Nun hat sich Ravensburger des Kultfilms angenommen und keine geringeren als Inka und Markus Brand an die Bearbeitung des Themas gesetzt. Das, was sie abliefern, ist typische Auftragskost, solide Bearbeitung, die Wiedererkennungswert besitzt, der aber die Genialität der Exit-Varianzen abgeht.

Das Ambiente ist jedenfalls stimmig, schwarz-weiß wie der Film, mit allen Getränken und Speisen und natürlich allen Beteiligten von Miss Sophie über James zu Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom, Sir Toby und Admiral von Schneider. Tigerkopf und Blumenvase spielen natürlich auch mit, nur die Treppe, die in Miss Sophies Gemächer führt, fehlt. Jugendfreiheit ist also garantiert. Spieltechnisch lehnen sich die Brands ans klassische Kofferpacken an. Memorieren ist angesagt, was die einzelnen Herrschaften so sagen und tun, neben den Servieraufgaben des Butlers. Verloren geht dabei der Spaß bei den Einschenkrunden von James, die fallen unter den Tisch. Ersatztechnisch kommen dafür Handicap-Regeln ins Spiel, die dafür sorgen, dass die jeweiligen Flaschen in die Handfläche kommen oder irgendwo zwischen Armbeuge, Schulter und Wange und Oberschenkel festgeklemmt werden müssen, sodass man am Ende auch ohne Alkohol ganz schön ins Straucheln kommt.

Im Ablauf beginnt jeder der vier Gänge mit einem solchen Handicap, das später erhalten bleibt und ergänzt wird. Dann folgen die typischen Spruchkarten der Gäste, wie die des stets bewundernden Mr. Winterbottom mit seinem: „You look younger than ever, love! Younger than ever!“, das Ganze wird ergänzt mit der Speisenservierung und dem Sprung über den Tigerkopf. Die Spieler übernehmen dabei keine festen Rollen, sondern arbeiten die umgedrehten Karten aus der Erinnerung reihum ab. Eine Butler-Figur wird dazu auf jede folgende Karte gestellt. Wer Fehler macht, wird mit einem Schwips-Chip bestraft. Und auf Fehler warten alle, denn diese erleichtern die Merkaufgaben. Alle abgearbeiteten Karten vor James werden in einem solchen Fall entfernt.

Das Spiel endet, wenn 20 Karten innerhalb der vier Gänge aufgebraucht sind und der Butler einmal am Ende der Kartenreihe angelangt ist. Falls zu viele Fehler gemacht wurden, wobei die wachsenden Handicaps das Servieren von Speisen fast unmöglich machen, kann Dinner for One auch vorher enden, wenn nämlich alle 15 Schwips-Chips verteilt sind. Wer die wenigsten davon hat, gewinnt in beiden Fällen das Spiel. Für eine schnellere Variante wird empfohlen, nur mit acht Chips zu spielen oder solange, bis ein Beteiligter dreimal beschwipst ist.

Eine gehörige Portion Memo, eine Prise Geschicklichkeit, ansonsten viel Kult-Ambiente für Kenner des Films. Spielerisch ist das weniger als Hausmannskost, aber wer immer noch regelmäßig Freddie Frinton auf seinem Silvester-Plan stehen hat, ergänzt diesen sicherlich gerne durch das Spiel. Fans werden es mögen, Abstinenzler eher nicht. Trotzdem wird es demnächst Jahr für Jahr auch auf den Spieltischen am 31. Dezember heißen: „The same procedure as every year, James!“

Rezension Wieland Herold

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Dinner for One: 4,0 4,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.07.21 von Wieland Herold

Leserbewertungen

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