Rezension/Kritik - Online seit 24.06.2013. Dieser Artikel wurde 2157 mal aufgerufen.

Big Badaboom

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Autor: Christoffer Krämer
Johan Salomonsson
Illustration: Jesper Moberg
Peter Svärd
Verlag: Gigantoskop
Rezension: André Beautemps
Spieler: 3 - 5
Dauer: 45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2012
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
Ranking: Platz 3082
Big Badaboom

Spielziel

"Halt das mal eben ...", sprach der Mitspieler. "Was soll denn dieses Ticken?" fragte ich. "Kommt das aus diesem ...Gerät?" Das musste ich mir näher anschauen ... aha, eine klassische Zwergenbombe und scharf war sie auch noch. Da baute ich doch schnell eine Apparatur ein, damit ich beim Explodieren sicher war und dafür der liebe Mitspieler den Schaden abkriegte und dann .... Badaboom!

Ablauf

Wir sind Kobolde. Alle. Und wir haben dem Obersten Totenbeschwörer einen Besuch abgestattet. Was uns ein Freiticket für sein Gefängnis eingebracht hat. Gott sei Dank gibt es gegen den dort herrschenden tristen Alltagstrott die Möglichkeit, Explosivkörper intensiv zu untersuchen. Sehr intensiv. Um genau zu sein, inklusive ihrer Wirkung. Das ist nicht schön und kein erstrebenswerter Dauerjob. Es gilt also, eine bestimmte Summe Geld verdient zu haben, um aus dieser Mixtur von Gefängnis und Versuchslabor zu entkommen. Als Erster und Einziger. Aber wie?

Zunächst einmal erhält man eine bestimmte Anzahl von Aktions- und Apparatekarten, wobei deren Verhältnis zufallsbedingt je Spieler unterschiedlich ist. Es existieren deutlich weniger Apparaturen als Aktionen, so dass man hier unter Umständen schon mal ganz ohne diese dasteht.

Darüber hinaus erhält der Startkobold eine Bombenkarte, die er mit einer vorgegebenen Anzahl von Mechanismuskarten bestückt. Reihum können nun bestimmte Aktionskarten gespielt werden, danach darf der aktuelle Bombenhalter ein bisschen "basteln". Das bedeutet, man darf einen Mechanismus aus- und dafür eine Apparatur oder auch eine Aktion einbauen. Oder auch umgekehrt.

Sind alle Mechanismen bereits ausgebaut, ist die Bombe scharf. Befinden sich auch nach der Bastelstunde sowie einer anschließenden weiteren Möglichkeit des Spielens von Aktionskarten (wieder für alle Spieler) keine Mechanismen mehr in der Bombe, entfaltet diese beim Weiterreichen ihre volle Wirkung.

Dadurch entsteht zumeist beim aktuellen Bastelfreak ein Schaden, der hier glücklicherweise nur rein virtuell ist und dessen Finalität durch sofortige Wiederbelebung getilgt wird, jedoch etwaige Einnahmemöglichkeiten blockiert. Ansonsten können die Apparaturen in der Bombe bestimmen, wer unter Umständen auch noch oder stattdessen der Wiederbelebung bedarf. Nach dieser Auswertung können einige der Aktionskarten eingesetzt werden, um neben dem Überleben einer Explosion weitere Boni in Form von Münzchips einzusacken.

Hat dadurch noch kein Spieler die Endbedingung einer bestimmten Anzahl Münzen erreicht, wird eine neue Bombe in die Runde zur nächsten Untersuchung gebracht. Ansonsten hören die nicht rechtzeitig die Summe aufgebracht habenden Spieler nur noch das höhnische Lachen des Siegers, der sich dank seines Reichtums nun aus dem Gefängnis herausbestechen kann.

Fazit

Und es hat Badaboom gemacht! Die Kaufentscheidung für dieses Spiel wird durch sein äußeres Erscheinungsbild enorm gepusht. Bisher ist mir jedenfalls noch kein Spiel vor die Nase gepurzelt, dessen Verpackung die Form einer klassischen Rundbombe hat. Dies und der Umstand einer guten Erläuterung des Spiels am letztjährigen Messestand in Essen haben mich dazu bewogen, mich dem Objekt auf Intimdistanz zu nähern.

Die Optik entfaltete auch ihre Wirkung auf potenzielle Mitspieler. Wer das Ding sieht, will schon mal gerne wissen, was da so drin steckt. Wird dieses Geheimnis gelüftet, erhält man eine Magdeburger Halbkugel (nämlich ein gähnend leeres Halbrund) und einen Plastikeinsatz mit einer Spielregel, einem Satz Karten und ein paar Münzen sowie zwei Markern in der anderen Hälfte. Grundsätzlich hätte das Material in eine klassische Kartenspielbox gepasst, dann jedoch wäre der erwünschte Ersteffekt nicht gegeben. Aufgrund der besonderen Erscheinung verzeiht man diesem Spiel vielleicht etwas eher den enthaltenen Luftstauraum.

Weniger verzeihlich ist das Regelwerk: Hier wird schon einiges an Konzentration verlangt, hat man bisher keinerlei Vorerfahrung beim Erststudium desselben. Die Möglichkeit, dass während der Aktionskartenphasen eines Spielzugs alle Spieler aktiv sein dürfen, während die Bastelphase exklusiv dem Spieler am Zug vorbehalten ist, hätte man sicher etwas einfacher ausdrücken und vor allem darstellen können. Die hierfür verwendete Grafik hilft im ersten Moment nicht wirklich weiter. Die Rettung: Die Rückseite der Regel enthält für alle Spielsituationen Beispiele, bei denen dann die Korrespondenz zwischen Text und Grafik deutlich stimmiger ist und man die Systematik besser durchschaut. Hier ist man also gerade noch der Regelschelte entkommen.

Trotzdem beginnt das Spiel holprig. Die unterschiedlichen Aktionen - hier Tricks genannt - sind leider etwas zu textlastig und zusammen mit den Apparaturbeschreibungen für Beginner zu vielfältig, um schnell sichere Entscheidungen treffen zu können. Erst nach und nach entwickelt sich das gewünschte Spielgefühl, wenn mehr und mehr Möglichkeiten und deren Auswirkungen bekannt werden. Zum Spielende kann in geeigneten Einsteigerrunden schon ein richtig koboldhaftes Verhalten beobachtet werden. Hinterlistig und spitzbübisch dreinschauend belauert man sich gegenseitig, wer zu welchem Zeitpunkt welche Tricks ausspielt und verliert dabei manchmal sogar die Bombe und deren Explosionszeitpunkt ein wenig aus den Augen.

Doch wer ist geeignet für dieses Spiel? Beziehungsweise umgekehrt. Das Thema scheint trotz der Erfolgsverfilmungen von Herrn Jackson im Fantasygenre immer noch nicht genügend Ausstrahlungskraft für familiäre Spielrunden zu besitzen. So sehr auch die Verpackung in Bezug auf die Neugierde keine Unterschiede zwischen Generationen und Spielaffinitäten erkennen lässt, ändert sich dies bereits bei der Einstimmung auf das Setup. Der zuvor beschriebene Spieleinstieg trägt sein Übriges dazu bei, dass die Einlassung auf die Rolle eines Kobolds im Bombenexperimentierstatus mit hoher Wiederbelebungsnotwendigkeit nur wenigen auf Anhieb gelingt.

Jüngeren und daher auch körpergrößentechnisch geeigneteren Koboldkandidaten fällt dies in der Regel bestimmt leichter. Leider werden diese bereits verlagsseitig und dies völlig zu Recht vom Spielgeschehen ausgeschlossen. Die Spielmöglichkeiten und das notwendige Textstudium insbesondere zu Beginn würden dieser Altersklasse zumeist den Garaus machen. Die angegebene Spieldauer hingegen von einer halben bis zu einer Stunde können Wiederholungstäter ungefähr einhalten. Unter einer knappen Dreiviertelstunde ging selbst in der kleinstmöglichen Dreierbesetzung nichts.

Mir selbst macht dieses Kleinod nicht nur optisch Spaß, denn neben der nun aber letztmalig erwähnten originellen Verpackung sprechen mich auch die Grafik sowie der Stil der Kartentexte an. Durch persönlichen Stichprobenvergleich der englischen und der deutschen Textangaben konnte ich mich davon überzeugen, dass der leicht morbide Witz des anglikanischen Sprachraums gut in die mitteleuropäische Dialektik transferiert wurde. Wem es ebenso ergeht und dabei die Chance hat, Gleichgesinnte zu kennen, dem sei hiermit eine lohnenswerte und unterhaltsame Aufenthaltsdauer im explosionssicheren Verlies garantiert.

Rezension André Beautemps

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Big Badaboom: 4,0 4,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.04.13 von André Beautemps

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