Rezension/Kritik - Online seit 03.07.2004. Dieser Artikel wurde 5269 mal aufgerufen.

Big Shot

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Autor: Alex Randolph
Illustration: Atelier Wilinski
Klaus Wilinski
Verlag: Ravensburger Spieleverlag GmbH
Rezension: Michael Schramm
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2001
Bewertung: 3,4 3,4 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 3973
Big Shot

Spielerei-Rezension

Die große Macht des kleinen Patt oder: Nicht immer bringt viel Einsatz auch viel Kapital!

Mit BIG SHOT erschien im Jahr 2001 bei den Ravensburgern mal wieder ein großes neues Spiel des Altmeisters Alex Randolph. Seine Erfolge hier an dieser Stelle alle anführen zu wollen, würde wahrscheinlich mehr Platz benötigen, als mir gewöhnlicherweise für eine Rezension zusteht, daher sei nur erinnert an SAGALAND, TWIXT, GEISTER und INKOGNITO. Zuletzt stand sein neues Kinderspiel RÜSSELBANDE auf der Auswahlliste für den 2001 erstmals vergebenen Titel "Kinderspiel des Jahres", Alex Randolph zeigt auch hier einmal wieder, dass er nicht nur hochkomplexe Spiele, sondern eben auch einfache Spiele für Kinder entwickeln kann.

BIG SHOT – eigentlich sollte der Titel BIG DEAL lauten, aber unter diesem Namen kam bereits ein neues Amigo-Spiel heraus! – führt die Spieler in eine Stadt in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es geht um Bauvorhaben in verschiedenen Stadtvierteln, Sieger ist der Spieler mit dem größten Barvermögen, der außerdem mindestens zwei Stadtviertel besitzt. Gespielt wird auf einem Spielplan, auf dem insgesamt 11 Stadtviertel und zwei Parks abgebildet sind. Die Stadtviertel sind mit einer Nummer markiert, die ihren Wert in Millionen Dollar angeben. Die beiden Parks haben den Vermerk "x2", sie bringen zwar selbst keinen Profit ein, verdoppeln aber den Wert benachbarter eigener Grundstücke. Begrenzt wird der Spielplan durch eine Laufbahn mit insgesamt 18 sogenannten "Auktionsfeldern", auf denen jeweils 4 Holzklötzchen in mindestens 2 verschiedenen Farben zu Spielanfang zufällig platziert werden. Auf diese Laufbahn wird die Figur des Maklers bewegt, ihr Standort gibt an, wo eine Auktion stattfindet.

Jeder Spieler besitzt zu Beginn des Spiels 10 Millionen $ und eine Spielerfarbe. Der Spielablauf gliedert sich in jeder Runde in zwei Phasen: Der Startspieler würfelt und setzt die Maklerfigur um die gewürfelte Augenzahl vorwärts. Danach werden die vier Steine dieses Feldes en bloc versteigert. Die Versteigerung endet, wenn alle Spieler bis auf einen ausgestiegen sind. Der Sieger der Auktion kann nun die Holzklötzchen beliebig auf Felder seiner Wahl verteilen, aber es dürfen in keinem Stadtteil mehr als sieben Klötzchen liegen. Bei Erreichen dieser Zahl wird der Stadtteil abgerechnet und der Wert an den Spieler ausgezahlt, der die Mehrheit an Steinen in diesem Feld besitz. Bei Gleichheit mehrerer Spieler gewinnt allerdings der Nächstplatzierte, so dass es ohne weiteres geschehen kann, dass bei der Verteilung 3 x rot, 3 x gelb und 1 x weiß zwei Spieler recht dumm aus der Wäsche gucken, während der weiße Spieler zufrieden das Geld einstreicht. Bei den Auktionen ist es möglich, für den Erwerb der Steine Kredite einzuholen. Pro Runde kann jeder Spieler einen Kredit über 10 Millionen $ erhalten, für den im Gegenzug sofort heftige Zinsen gezahlt werden müssen. So werden beim ersten Kredit noch 9 Mio.$ ausgezahlt, beim zweiten nur noch 8 Mio.$ usw. Und bei Spielende müssen die Kredite in voller Höhe zurückgezahlt werden, eine recht teure Angelegenheit!

Nach 18 Runden endet das Spiel, jetzt werden auch noch die Stadtteile abgerechnet, in denen weniger als sieben Steine liegen. Das Verfahren ist ansonsten gleich mit dem normalen Abrechnungsmodus: Die Mehrheit siegt und bei Gleichheit freut sich ein Dritter. Wenn nur zwei Farben gleichrangig vertreten sind, bekommt in diesem Fall keiner etwas, die Freude hält sich bei den Beteiligten sicher in Grenzen!

Das A und O dieses Spiels ist der interessante Mechanismus, mit dem die "Machtsteine" in die Stadtviertel gebracht werden bzw. dann dort die Abrechnung geschieht. Es ist wirklich sehr häufig der Fall, dass drei oder sogar alle vier Spieler mit dem Gewinn der Auktion Stadtteile für sich gewinnen können, ohne dort die Mehrheit zu besitzen - die Pattregel macht's möglich! Das sorgt für spannende und leider auch teure Versteigerungen. Denn hat man einmal ziemliche viel Geld investiert, um in einem Stadtteil eine gute Ausgangsposition zu haben, dann gibt man sie natürlich nicht kampflos aus der Hand. Manchmal bemerkt man zu spät, dass der Erlös des Viertels die aufgewandten Kosten nicht wieder einspielt – Pech gehabt! Wenn nicht ausdrücklich der Besitz von zwei Stadtteilen verpflichtend wäre, könnte man in einigen Spielen mit der "Nichts-Bieten-Taktik" am besten fahren, denn sehr oft hat beim Spielende kein Spieler mehr schwarze Zahlen, da die Rückzahlung der Kredite das Barvermögen locker übersteigt. Wer also nichts setzt, hat zum Schluss immerhin 10 Millionen in der Hand – aber wahrscheinlich keinen Stadtteil erobert. Diese kleine aber feine Regel macht das Spiel also für den klassischen "Mitläufer", der überwiegend von Aktionen der anderen Spieler profitiert, fast ungewinnbar – und das ist gut so. BIG SHOT ist nicht der große spielerische Überflieger, aber ein durchaus empfehlenswertes Versteigerungs- und Taktikspiel für zwischendurch. In 45–60 Minuten lässt sich ein Durchgang locker abspielen, große Pausen wegen des Nachdenkens einiger Spieler sind in der Regel nicht zu befürchten. Die Variante für drei und zwei Spieler machen den Spielablauf sogar noch ein wenig taktischer, sie sind keine Notlösungen für kleinere Runden. Zu loben auch die Spielregel, kurz und knapp aber sehr verständlich und ohne Lücken. Leider hat auch bei ihr der Sparkommissar aus Ravensburg zugeschlagen: Statt Farbe ist alles nur in Schwarz / Weiß gedruckt, schade!

Die Vielzahl überdurchschnittlicher – nicht unbedingt überragender! – Spiele in diesem Jahr macht es vielen Spielen nicht leicht, eine Nische bei potenziellen Käufern zu finden. BIG SHOT hat aufgrund seiner interessanten Abrechnungsvariante und seiner simplen Regel hier sicher eine Chance. Bei unseren Testrunden kam BIG SHOT oft zu Ende eines Spielabends sozusagen als "Rausschmeißer" nochmal auf den Tisch, ein durchaus positives Zeichen!

Rezension Michael Schramm

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Big Shot: 3,4 3,4, 7 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.04.04 von Michael Schramm
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Michael Andersch
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Bernd Eisenstein
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.05.04 von Rolf Braun - Eigentlich ein abstraktes Mehrheiten-Versteigerungsspiel, das wohl nicht jedermanns Sache ist. Bei den richtigen Mitspielern muß kanllhart kallkuliert und auch schonmal geblufft werden.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.05.04 von Alexander Broglin
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.06.05 von Carsten Pinnow
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.05.07 von Peter Nos

Leserbewertungen

Leserwertung Big Shot: 4,0 4.0, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.07.04 von Sarah Kestering - Es gibt wirklich bessere Versteigerungsspiele. Big Shot finde ich ziemlich langweilig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.02.05 von Anny - Meiner Meinung nach ein unterbewertetes Spiel von Altmeister Randolph.

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