Rezension/Kritik - Online seit 10.07.2017. Dieser Artikel wurde 2006 mal aufgerufen.

Captain Silver

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Autor: Wolfgang Dirscherl
Manfred Reindl
Verlag: Queen Games
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 6 Jahren
Jahr: 2017
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
6,0 6,0 Leser
Ranking: Platz 626
Captain Silver

Spielziel

Wieder schippern Piraten los, um sich mit von der See gerauten Händen, Schatztruhen und Goldmünzen abzugreifen. Abzugreifen muss man bei Captain Silver allerdings wörtlich nehmen, denn hier kommt nur der/die weiter, der/die gut fühlen und aufpassen kann. Und dazu noch schnell ist. Piratenleben ... auch nicht einfach ...

Ablauf

Damit ordentlich und piratenmäßig gewühlt werden kann, wird das Spielbrett vorbereitet und zusammengepuzzelt. Unten die Vulkaninsel, darüber die Reihen mit Meeres- und Symbolfeldern (je nach Spieleranzahl und Schwierigkeit auch mal weniger) und ans Ende die Schatzinsel mit den Schatztruhen, um die die Piratenschiffe fahren.

Jeder Pirat bekommt einen Beutel mit den Spielteilen. Alles natürlich im Piratenthema: Steuerräder, Papageien, Musketen, Säbel und, und, und ... jeweils in zweifacher Ausführung, als dicke Pappplättchen.

Aufs Startsignal greifen alle in ihre Beutel und müssen jetzt die richtigen Teile erfühlen und schneller auf den Plan legen als die Mitspieler.

Der Plan ist in vier Reihen aufgeteilt, die jeweils unten bei der Vulkaninsel anfangen und dann nach oben zur Schatzinsel gehen. Und jede Reihe muss von unten nach oben aufsteigend befüllt werden, jedes Feld mit dem passenden Gegenstand, immer schön nacheinander, man darf kein Feld überspringen. Es sind also immer nur vier Motive zur Auswahl, die man im Beutel blind suchen muss - und dabei sollte man eben schneller sein als die Mitspieler.

Es darf auch immer nur ein Teil aus dem Beutel gezogen werden und einmal draußen, darf es nicht wieder zurück. Heißt: Man wartet entweder, bis das passende Feld belegt werden darf oder man legt es auf die Vulkaninsel und wühlt dann schnell weiter.

Die Runde endet, sobald eine Reihe komplett befüllt ist. Dann werden die Reihen nach einem Zufallsprinzip gewertet, wieder von unten (Vulkaninsel) nach oben (Schatzinsel).

Liegt das falsche Teil auf dem Feld, muss der Spieler einen Taler Strafe zahlen. Ist es richtig, bekommt der Spieler eine Belohnung in Form von Münzen und/oder Bewegungspunkte für das eigene Schiff. Das fährt immer im Kreis um die Schatzinsel, bekommt dabei auf einem der Felder eine Münze und darf sich auf einem anderen Feld eine Schatzkiste aus einem der beiden Stapel heraussuchen. Natürlich nimmt man sich die mit den meisten Punkten.

Nachdem alle vier Reihen auf diese Weise gewertet wurden, blicken alle leicht bange zur Vulkaninsel. Liegen da Teile der Spieler, könnten sie eventuell Minuspunkte bringen, wenn sie auf dem Vulkanplättchen abgebildet sind, das jetzt aufgedeckt wird. Pro abgebildetem Teil muss der betreffende Spieler eine Goldmünze blechen.

Danach wandern alle Teile zurück in die Beutel, und die nächste Runde beginnt. Nach drei Runden ist Schluss mit der Piratenwühlerei. Wer jetzt die meisten Punkte (Münzen + Schatzkisten) hat, wird neuer Piratenobermotz.

Fazit

Fühlen, beobachten, schnell sein, abschätzen, wann es sinnvoll ist, ein Plättchen zu legen ... Captain Silver hat viel zu bieten für ein Kinderspiel. Die einzelnen Elemente sind zwar nicht neu, aber die Kombination dieser Elemente hebt das Spiel aus der Masse heraus.

Spielt man zu dritt oder viert, ist der Spielplan suuuuuperlang, das allein interessiert die Kinder bereits. Dazu hat alles eine ansprechende Optik, nicht zu verspielt, nicht zu nüchtern, irgendwie macht alles neugierig. Und alles ist übersichtlich.

Die allererste Runde ist für die Zielgruppe noch ungewöhnlich. Welche Felder dürfen wir jetzt belegen? Da werden gerne mal unerlaubterweise Felder übersprungen, und es wandern haufenweise Plättchen auf die Vulkaninsel.

Ab der zweiten Runde sieht das aber schon anders aus. Und das ist das Schöne an Captain Silver. Hat es KLICK! gemacht, braucht man beim nächsten Mal eigentlich nicht mehr viel erklären. Der Plan erklärt sich von selbst. Auspacken, aufbauen, loslegen. Manche Testkinder sind sogar ganz heiß darauf, es Neulingen selbst zu erklären. Was überraschend gut funktioniert.

Spiele, in denen alle in einem Beutel etwas blind ertasten, bieten einen gewaltigen Raum zum Mogeln. Das ist auch bei Captain Silver so. Natürlich können die Kinder in ihren Beutel schielen und das passende Teil herausfischen. Aber dann passiert etwas, von dem ich nicht weiß, ob es von Anfang an bei der Spielentwicklung so beabsichtigt war, oder sich zufällig ergeben hat: Mogeln bringt einen nicht weiter. Sobald man in seinen Beutel guckt und das passende Teil sucht, lässt man den Plan aus den Augen. Dann hat man das richtige Teil gefunden, aber nicht mitbekommen, dass das Feld bereits belegt wurde. Und dann steht man doof da.

Kinder verstehen sehr schnell, dass es unglaublich wichtig ist, den Plan genau zu beobachten, u. a. auch, weil nicht jedes Feld gleich lohnenswert ist. Man kann sehr gezielt versuchen, sich ertragreiche Gold- oder Bewegungsfelder zu sichern - man muss halt schneller sein als die anderen Piraten.

So entwickelt sich Captain Silver von den ersten Partien, in denen einfach wild draufgelegt wird, zu einem Spiel, bei dem man sich gegenseitig belauert und versucht, auszutricksen. Und das alles passiert ganz natürlich, man muss es den Kindern nicht erklären. Drei bis vier Partien genügen, und sie finden eine neue, sehr interessante Ebene. Ein tolles Gefühl für die Zielgruppe.

Auch der zweite Spielplan mit den Schiffen, der im Grunde ein Wettrennen ist, ist eine hervorragende Idee. Plötzlich kommt Ruhe ins Spiel, der Schauplatz wird gewechselt, und eine neue Spannung entsteht: Bin ich vor den anderen Spielern bei den Schatztruhen? Welche sind noch übrig?

Und dann wechselt das Spiel wieder den Schauplatz, geht zur Vulkaninsel und noch eine neue Spannungskurve entsteht: Werde ich für meine Fehler bestraft oder hab ich Glück und komme noch mal mit einem blauen Auge davon?

Drei Orte, die jeweils ein ganz eigenes Kribbeln aufbauen. Das ist super gemacht.

Aber was gefällt an Captain Silver nicht so gut?

Die Regeln: Die sind eigentlich top, aber: Bei verschiedenen Testrunden kamen immer wieder zwei Fragen auf: Wenn ein gezogenes Teil nicht passt, darf man es dann so lange in der Hand halten, bis es passt? Oder muss man es sofort auf die Vulkaninsel legen? Wir spielen erstere Variante, aber die Regel ist da nicht sehr klar. Und dann noch: Was passiert, wenn alle Beutel leer sind und noch keine Reihe voll ist? Das ist bis jetzt noch nicht passiert, aber dennoch ... man wüsste gerne eine Antwort.

Wirklich ins Gewicht fällt das aber nicht (außer die Sache mit den leeren Beuteln ... wenn sie denn mal passieren sollte). Captain Silver punktet außerdem noch mit seiner Variabilität. Jedes Meer-/Symbolfeld ist doppelseitig bedruckt, der Plan ändert sich also bei jeder Partie. Und auch die Schatzinsel hat zwei Seiten. Da gibt es plötzlich eine kürzere Strecke, die schneller zu einem Truhenstapel führt, und eine längere Strecke, auf deren Weg man aber einen Taler zusätzlich abgreifen kann.

Und es funktioniert gut in allen Besetzungen (tatsächlich auch zu zweit), Erwachsene haben höchstens bei den ersten Partien einen minimalen Vorteil und selbst reinen Erwachsenenrunden machte es Spaß. Bei Kindern unter sechs sollte man aber vorsichtig sein, da kann Captain Silver leicht frustig werden.

Ansonsten ist das hier ein wirklich tolles Kinderspiel, das man Kindern und Familien, die Spaß am Wühlen haben, dringendst empfehlen kann.

Also: Auf sie, Männer, mit Gewühl!!!

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

1 H@LL9000-Bewertung.

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.05.17 von Christoph Schlewinski - Super Fühl- und Schnelligkeitsspiel für Kinder ab 6. Mit einfachen Mitteln ungewöhnlich viel Varianz und Spannung.

Leserbewertungen

Captain Silver: 2 Leserbewertungen, Durchschnitt: 6,0 6.0

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.06.17 von Peter Lange - Meine beiden Kinder und auch ich als Papa finden dieses Spiel einfach nur genial. Super Spielspaß, jedes Mal ein neuer Aufbau und Spannung bis zum Ende. Wow - so muss ein Kinderspiel sein!
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.07.17 von Jürgen - Cooles Spiel

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