Rezension/Kritik - Online seit 17.01.2020. Dieser Artikel wurde 770 mal aufgerufen.

Kensington

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Autor: Cielo d´Oro
Verlag: Piatnik
Rezension: Stefan Ducksch
Spieler: 2 - 5
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2019
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
Ranking: Platz 3238
Kensington

Spielerei-Rezension

Hausbau mit Überraschungen

Kensington ist eines der Spiele, denen man eine bessere Optik wünscht. Das Cover mit dem als Architekten gedachten Herrn mit Hut vor Backsteingebäuden sieht fast schon ein bisschen bieder aus. Dazu kommt auf der Rückseite bei der Sichtung des abgebildeten Spielmaterials die Erkenntnis, dass es sich auch hierbei mal wieder um eines der derzeit so in Mode befindlichen Puzzlebauspiele handelt. Nichts Besonderes also? Falsch! Denn Kensington ist ein gelungenes Familienspiel, das ob seiner Unscheinbarkeit bei vielen leider unter dem Radar bleiben dürfte.

Oder vielleicht wegen seiner Ungewöhnlichkeit? Denn die fragenden Blicke der Mitspieler, wenn man Kensington auspackt, gibt es immer wieder aufs Neue. Da werden die Bauteile allesamt auf einen großen Haufen gekippt – verdeckt, versteht sich – und dann wählen wir reihum von den verdeckten Teilen immer eines aus. Herumwühlen verboten, es gilt: berührt – gebaut. Was manchmal durchaus zu Entsetzensrufen führt, wenn das gewählte kleine Bauteil plötzlich deutlich länger ist, wenn man es dann aus dem Stapel herauszieht.

Sparen wir uns an dieser Stelle angesichts anstehender historischer Ereignisse Bemerkungen zum Bauwesen und insbesondere zu Eigenarten unserer britischen Nachbarn. Kensington ist ebenfalls eigenartig – in einem positiven Sinn. Jeder Spieler baut, beginnend an der eigenen Haustür, ein Gebäude mit mehreren Stockwerken. Jedes Fenster und jede Tür, die bei Spielende unter einem Dach sind, bringen Punkte. Vor allem die Bauregeln sind eigenwillig. Erleuchtete Fenster müssen an ebenso erleuchtete angelegt werden, dunkle Fenster gehören neben dunkle. Aneinander dürfen beide Sorten dann, wenn sie eine Tür, Mauerwerk oder eben auch ein weiteres Plättchen berühren, dass die Vorgabe hell/dunkel erfüllt.

So bauen wir in die Höhe und werden langsam wagemutiger. Die schwieriger zu verbauenden Teile, die größer sind und mehr Punkte versprechen, sind auf ihrer Rückseite eigens mit einem Symbol gekennzeichnet. Das kann Information und Warnung zugleich sein: Während die Basisteile immer passen, kann es beim Einbau der besseren Puzzlestücke haken: Nicht immer passen sie. Falls sie nicht angelegt werden können, weil zum Beispiel kein Fenster ohne Unterbau frei in der Luft schweben darf, müssen sie eingelagert werden. Wozu jedem Spieler zwei Eingangstüren eines Lagers zur Verfügung stehen. Von hier aus können wir sie später noch verbauen – wenn sie dann dort noch liegen. Denn die Mitspieler dürfen uns das eingelagerte Teil gegen einen Bonuschip abkaufen, ob wir das wollen oder nicht.

Die Bonuschips erhalten wir, wenn wir ein schwierigeres Teil einbauen. Und wir brauchen sie, wenn wir schließlich ein Dachteil nehmen wollen. Diese haben eine dunkelbraune Rückseite, schließen eine oder mehrere Spalten unseres Gebäudes nach oben ab und bringen so Punkte – vorausgesetzt, auch sie passen. Auf den Dachteilen befinden sich an einigen Stellen kleine Vögel: Wird das siebte Teil mit einem Vogel verbaut, endet eine Partie sofort. Nun zählen die überbauten Fenster und Türen, herumspringende Katzen bringen Extrapunkte, und je mehr Dächer auf verschiedenen Ebenen am Haus verbaut wurden, umso mehr Boni gibt es.

Es ist das Spielende und die Schlussabrechnung, die Kensington für ein Familienspiel unnötig kompliziert machen. Dazu gehört einerseits die umständliche Formulierung zur Punkteberechnung in der Regel. Zum zweiten ist das Nachhalten, wie viele Vögel aufgedeckt wurden, immer wieder eine Fehlerquelle. Kensington benötigte lediglich einen Wertungsblock, auf dem übersichtlich zu sehen ist, wofür es Punkte gibt. Auf dem könnte man auch gleich die aufgedeckten Vögel abstreichen. Dann bekäme dieses schöne Spiel von mir eine glatte 2. Die Regel, dass es Sonderpunkte gibt, wenn man bei Spielende alle Fensterspalten überdacht hat, passt von der Balance her dagegen nicht so gut.

„Und was ist jetzt das Besondere?“, wird so mancher fragen, dem diese Rezension ebenso wie die Regellektüre nicht vermitteln konnte, warum man Kensington spielen sollte? Das Spiel kombiniert viele Elemente sehr gelungen: den Puzzlefaktor, das Zockerelement mit dem ungewöhnlichen Ziehen der Bauteile aus dem Haufen, die Option, anderen etwas wegzunehmen oder abzukaufen. Das sorgt für abwechslungsreiche Verläufe, eine überraschende Spieltiefe und für reichlich Spannung. Für mich das beste Piatnik-Spiel seit langem.

Rezension Volker Sitzler

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Kensington: 4,0 4,0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.10.19 von Stefan Ducksch
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.01.20 von Sandra Lemberger - Schöne Spielidee, was dabei entsteht, finde ich optisch auch sehr spannend und sogar fast ein wenig spektakulär. Und obwohl die Idee des zufälligen Ziehens aus dem Haufen originell wirkt, stört mich langfristig der enorme Glücksfaktor beim Ziehen der Teile sehr, auch wenn versucht wurde, diesen durch das Markieren der Rückseiten von Türen und reinen Mauerstücken abzuschwächen. Das reicht jedoch nicht aus.

Leserbewertungen

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