Rezension/Kritik - Online seit 17.07.2018. Dieser Artikel wurde 718 mal aufgerufen.

Kobold

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Autor: Marco Ruskowski
Marcel Süßelbeck
Verlag: Queen Games
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 6 Jahren
Jahr: 2018
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
Ranking: Platz 1876
Kobold

Spielziel

Wenn Kobolde Spielzeug wollen, können sie nicht einfach ins nächste Fachgeschäft laufen und etwas kaufen. Ich hab das recherchiert, und es gibt keinen Spielzeughandel für Kobolde. Eigentlich ungerecht. Was sollen die kleinen Wichtel dann anderes machen, als sich in den Kinderzimmern dieser Welt bedienen? Mh? Was? Eben. Da MUSS man ja kriminell werden. Da sollte sich mal jemand drum kümmern. Dass Kobolde auch das Recht auf den Kauf von Spielzeug haben.

Ablauf

In Moritz' Kinderzimmer sieht es wieder aus ... halt wie in jedem Kinderzimmer irgendwie. Deshalb kommen zu Spielbeginn auch erst mal Spielsachen auf den Boden bzw. den Plan. Manche Chips liegen offen, manche verdeckt. Diese Chips müssen die Kinder mit ihren Koboldbanden klauen, denn je nachdem, was das für Spielzeug ist, gibt es Punkte am Ende des Spieles.

Edelsteine z. B. gibt es in vier Farben, und wer zuerst einen Stein jeder Farbe hat, darf die gegen einen Siegpunktorden eintauschen - solange, bis alle Orden weg sind. Aber auch normales Spielzeug hat sich in Moritz' Zimmer angehäuft.

Teddys, Kasperleboxen, Autos und Bälle können ebenfalls geschnappt werden und bringen dem Spieler Punkte, der die Mehrheit davon am Ende des Spieles gesammelt hat. Darüber hinaus können noch Chips eingesammelt werden, die eine Sofortwertung auslösen.

Der Zug jedes Spielers ist denkbar einfach: Man kann entweder einen seiner Kobolde auf ein beliebiges Feld setzen (Maximalanzahl Kobolde = Anzahl der Chips auf dem Feld) oder man kann ALLE seine Kobolde zurückholen.

Im letzteren Fall nimmt man sich für jeden Kobold einen Chip - entweder einen verdeckten oder offenen. Dadurch macht man aber Lärm und Moritz leuchtet mit seiner Taschenlampe herum. Jetzt würfelt man und schaut, in welche Richtung sich Moritz wie viele Felder dreht. Kobolde, die vom Lichtschein getroffen werden, gehen an ihren Besitzer zurück - aber ohne etwas geklaut zu haben.

Das geht solange, bis das Spielzeug auf dem Plan nicht mehr aufgefüllt werden kann oder bis alle Siegpunktorden für die Edelsteine vergeben sind. Und wer die meisten Punkte hat, kann jetzt ein Spielfachgeschäft für Kobolde aufmachen. Wäre ja nur fair.

Fazit

Wenn man etwas klar sagen kann, dann das: Kinderspiele werden anspruchsvoller. Das erlebe ich seit ein paar Jahren und das bestätigt sich auch wieder mit einem Spiel wie z. B. Kobold.

Der Anspruch, den Kobold hat, liegt nicht in einer Regelfülle, sondern in Mechanismen, die in Kinderspielen bis jetzt äußerst selten bis gar nicht vorkamen. Zum einen abschätzen, wann man seine Kobolde aus dem Zimmer holt und zum anderen, was man selber und die anderen sammelt und ob man sich die Mehrheiten sichern kann.

Das fühlt sich schon fast wie ein Familienspiel an, aber das ist es nicht. Es ist ein Kinderspiel und ein sehr spannendes dazu. Die Zielgruppe der 6-Jährigen braucht aber meist ein Spiel, um zu begreifen, was die Kobolde da alles machen und wieso sie was sammeln. Die ersten Runden verlaufen auch eher schleppend (vielleicht sogar die ganze erste Partie), weil die Kinder noch nicht erkennen, wie nützlich es sein kann, mehrere Kobolde ins Spiel zu bringen. Sie setzen einen rein und beim nächsten Zug holen sie ihn wieder raus und klauen etwas. Dadurch füllen sich die Chips nur spärlich auf, was ja eine der beiden Endbedingungen ist.

Was Kobold aber so reizvoll macht, ist zu beobachten, wie Kinder dieses Spiel langsam begreifen. Sie wollen auch, denn was sie an Kobold von Anfang an fasziniert: die Geschichte. Die ist schon toll, ein kleiner Junge im Kinderzimmer leuchtet mit seiner Taschenlampe rum und die Kobolde müssen flüchten. Versteht jeder sofort. Die grafische Umsetzung spielt da eine große Rolle, denn alles ist extrem kindlich und lädt zum Entdecken ein, wenn man nicht gerade am Zug ist. Ich persönlich bin ein Fan der Koboldfiguren. Die sehen aus, als würden sie ganz unschuldig pfeifend durch die Gegend laufen.

Warum der kleine Moritz in seinem Zimmer allerdings Edelsteine hortet, ist da weniger schlüssig. Wenn man sie wenigstens hätte aussehen lassen, wie die typischen Plastikklunker. Oder man hätte Murmeln genommen ... Egal, es stört so richtig nur die Erwachsenen, Kinder wundern sich äußert selten darüber. Was die Zielgruppe aber fast ausnahmslos stört ist, dass man Moritz selber nicht drehen kann, sondern nur seinen Lichtstrahl. Aber auch damit finden sie sich ab.

An Kobold kann man nur diese Kleinigkeiten aussetzen, ansonsten gibt es hier nichts zu meckern. Es kombiniert auf sehr einfache Weise ein bisschen zocken, das Beobachten der Mitspieler und das Sammeln von Mehrheiten. Dazu hat es ein - für ein Kinderspiel - ungewöhnliches Arbeiter einsetzen und wegnehmen. Fast ein bisschen wir Tzolkin - Der Maya Kalender. Mit Kobold ist den Autoren und dem Verlag ein anspruchsvolles Kinderspiel gelungen, das sich die Kinder zwar erarbeiten müssen, dass sie danach aber umso lieber noch mal spielen. Für mich ein Kinderspielhighlight dieses Jahrgangs.

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Kobold: 5,0 5,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.04.18 von Christoph Schlewinski - Durchaus anspruchsvoll, aber dafür sehr spannend, sehr viel Atmosphäre und ein Thema, das jedes Kind sofort kennt: Unordentliche Kinderzimmer.

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