Rezension/Kritik - Online seit 24.09.2002. Dieser Artikel wurde 4302 mal aufgerufen.

Kunststücke

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Autor: Karl-Heinz Schmiel
Verlag: Moskito
Rezension: Rolf Wichmann
Spieler: 2 - 5
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 1995
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
5,0 5,0 Leser
Ranking: Platz 3010
Kunststücke

Spielerei-Rezension

Schiebereien im Quadrat

Eines muss man Ober-Moskito Karl Heinz Schmiel lassen: er weiß jedes Jahr mit völlig neuen Spielideen zu überraschen! Nicht immer hat er dabei meinen persönlichen Geschmack getroffen (Packen wir’s und auch A la Carte gingen mir zu sehr in Richtung Geschicklichkeitstest), andere hatten z.B. Probleme mit Das regeln wir schon. Ungewöhnlich und neu waren die Titel aber allemal.

Dieses Jahr hieß die Neuheit im Moskito-Standardformat (nur Was sticht? weicht davon ab) Kunststücke und es handelt sich trotz der aufgesetzten Geschichte (2-5 Künstler schaffen gemeinsam ein Kunstwerk, haben aber unterschiedliche Vorstellungen vom Gesamtbild) um ein abstraktes Spiel, um „Schiebereien im Quadrat“.

Das Geschehen spielt sich auf einem Brett mit 18x18 Feldern ab, nachdem 60 Farbstücke (5 Farben, je 12 verschiedene Formen: Quadrate, Rechtecke, L, T, Treppe etc.) gleichmäßig durch Ziehen auf die 2-5 Teilnehmer verteilt wurden, wobei ein kleiner Rest übrig bleibt. Die verdeckt gezogenen Stücke werden dann aufgedeckt, so daß jeder sieht, wer welche Formen und Farben zur Verfügung hat.

Wie schon bei Was sticht? gibt es Aufgaben zu lösen, die man sich selbst stellt. Es gibt dafür insgesamt 30 Wertungs-Plättchen, alle verschieden. Jedes zeigt einen Zahlenwert von 1 bis 6 (+) in einer der 5 Farben und gibt an, wieviele Spielstücke einer Farbe in einer Gruppe auf dem Spielbrett zusammenhängen müssen. Eine rote 4 bedeutet z.B., dass exakt 4 rote (nicht mehr, nicht weniger) Spielstücke eine Gruppe auf dem Brett bilden müssen. Es spielt dabei keine Rolle, ob sich noch weitere rote Gruppen im „Bild“ befinden.

Das Legen eines Farbstückes ist eine von 3 Aktionen, die ein Spieler vornehmen kann. Es gibt dabei nur wenige Beschränkungen: gelegt werden die Stücke in die punktierten Felder, völlig frei oder an andere Stücke angelegt. Berührt es andere Farbstücke, so muss mindestens eines der Stücke die gleiche Farbe haben. Als Berührung gilt nur eine Überschneidung an Seitenkanten, diagonal Spitze an Spitze ist keine Berührung. In jedem Zug muss jeder Spieler 1 Farbstück legen. Kann oder will er dies nicht tun, muss er stattdessen 1 Stück von seinem Vorrat aus dem Spiel nehmen.

Zusätzlich zu den 11-26 Farbstücken pro Person (je nach Teilnehmerzahl) erhält jeder 10 Plastik-Chips. Mit Hilfe dieser können Spielstücke auf dem Brett verschoben werden, 1 pro Chip. Die Zahl der „Schiebungen“ pro Spielzug ist nicht begrenzt (nur durch die Gesamtzahl 10, denn man kann keinen Chip zurückbekommen), es ist auch egal, ob vor oder nach dem Legen geschoben wird, selbst beides ist in einem Zug möglich. Wie weit ein Farbstück geschoben wird, spielt ebenfalls keine Rolle, es dürfen nur keine anderen Stücke durch die Bewegung verschoben werden, auch das Drehen des Stücks ist verboten. Farbstücke, die bereits an einem gleichfarbigen Stück liegen, müssen auch am Ende des Zuges mindestens an einem Stück gleicher Farbe plaziert sein.

Last but not least sollte jeder Spieler im Laufe der Partie 5 der Wertungsplättchen an sich nehmen. Die 30 Plättchen werden zu 5 Stapel à 6 Stück aufgebaut. Wer sich entschließt, ein Plättchen zu nehmen, guckt sich einen der 5 Stapel an und entscheidet sich dann für eines dieser Plättchen (nicht mehr, aber auch nicht weniger). Dieses Plättchen legt er dann ebenfalls verdeckt (er selbst darf es sich natürlich jederzeit ansehen) auf sein Wertungstableau. Dieses zeigt 2 x die 5, 2 x die 10 und 1 x die 15. Und damit kommen wir zur Wertung: Wer eine Aufgabe richtig gelöst hat, erhält den Wert des Wertungsplättchens (z.B. Rot 4) + Bonuspunkte gemäß Wertungstableau (z.B. Feld 15, in diesem Fall wären es 4 + 15 = 19 Punkte). Die Wertung für eine richtig gelöste Aufgabe schwankt zwischen 6 (zB. Blau 1 auf Feld 5) und 21 (z.B. Grün 6 + auf Feld 15). Es gewinnt die Person mit der größten Punktsumme am Ende der Partie.

Bis dahin ist es aber ein weiter Weg! Wie schon gesagt, sind alle 30 Wertungsplättchen unterschiedlich. Das bedeutet auch, daß zumindest in den meisten Partien die Interessen der Spieler stark abweichen.

Konflikte sind vorprogrammiert, wenn ein Spieler versucht, Grün 5 zu erfüllen, ein anderer jedoch Grün 6 + (6 oder mehr Grüne zusammenhängend). Bei Maximalbesetzung von 5 ist es am schwierigsten, seine Aufgaben zu lösen, denn dann sind immerhin 25 von 30 Wertungsplättchen im Einsatz. Auch der Zeitpunkt, wann man Plättchen zieht, ist problematisch: zieht man zu früh, merken die Mitspieler eventuell, was man anstrebt und versuchen es gezielt zu verhindern. Wartet man zu lange, um einen besseren Überblick über lösbare Aufgaben zu bekommen, riskiert man, dass gerade diese Aufgabe nicht mehr zur Verfügung steht.

Ein weiter Knackpunkt ist der Einsatz der Chips. In der ersten Partie habe ich weitestgehend auf Chips verzichtet, das hat sich aber inzwischen radikal geändert. Die Kunst besteht darin, störende Farbstücke zu verschieben bzw. gewünschte Konstellationen zu erstellen, dann ein neues Farbstück zu legen (möglicherweise als Blockade) und dann abschließend weitere Schiebungen vorzunehmen, so daß die Konkurrenz nicht wieder alles zurücknehmen kann. Trotzdem staunt man immer wieder, welch radikale Schiebereien selbst auf einem fast vollen Brett noch möglich sind! Ich habe mich schon mal kurz vor Schluss (wenn alle Farbstücke auf dem Brett oder aus dem Spiel sind) als sicherer Sieger gefühlt und stand letztlich dann doch ohne jede gelöste Aufgabe da.

Kunststücke setzt die gute Moskito-Tradition würdig fort: ungewöhnliche Spielidee, gut umgesetzt, mit ansprechendem Material, klare Regel, annehmbarer Preis! Was will man mehr? Kunststücke wird sicherlich nicht allen gefallen, Freunde spannender,taktischer Spiele werden aber begeistert sein!

Rezension Rolf Wichmann

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Kunststücke: 4,0 4,0, 6 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Rolf Wichmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Alexander Broglin
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Sandra Lemberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Bernd Eisenstein

Leserbewertungen

Leserwertung Kunststücke: 5,0 5.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Peter Stein - Ich bevorzuge nun mal Legespiele, und das hier gefällt mir sehr gut

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