Rezension/Kritik - Online seit 18.04.2003. Dieser Artikel wurde 6389 mal aufgerufen.

Schwimmende Inseln

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Autor: Martin Kastenholz
Verlag: Hans im Glck
Rezension: Wieland Herold
Spieler: 2 - 4
Dauer: 120 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2002
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
Ranking: Platz 4649
Schwimmende Inseln

Spielerei-Rezension

Haben Sie auch so einige alte Spiele auf Ihrer Wunschliste? Ich meine nicht Jati oder Crude, sondern durchaus Erreichbares, wie die Schwimmende(n) Inseln, die Edgar Forschbach euphorisch vor ber 20 Jahren in der spielbox (4/1982, S. 30/31) besprochen hat. Fr ihn war es ein dynamisches Spielerlebnis, das dem Idealtyp von Spiel auerordentlich nahe kommt. Mit 5 Punkten (entspricht der Note 2 der Spielerei-Wertung) war das Spiel auch gut bewertet. Nicht nur die Besprechung, auch das beschriebene Spielmaterial machten Lust auf dieses Spiel. Keramiksteine, das hat was. Das hatten wir zuletzt bei der Erstausgabe von Schlings Zatre.

Den Lagerbestnden von Martin Kastenholz ist es zu verdanken, dass seine beweglichen Inseln seit der Spiel 2002 wieder erhltlich sind. Anfang der 80er Jahre hatten er und zwei Kommilitonen, allesamt Mathematiker, mhsam in Handarbeit 200 Exemplare produziert und fr preiswerte 28 DM verkauft. Fnf Kartons mit quadratischen Fliesen haben die letzten 20 Jahre im Kastenholzschen Keller berlebt. Da er sein Badezimmer nicht unbedingt kleinkariert fliesen wollte, kam die Idee mit der Neuauflage.

Schwimmende Inseln ist ein Spiel fr alle, die Spiele mit langen Spannungsbgen mgen; die Spa daran haben, wenn ein Spiel mit einfachen Regeln knifflige Situationen erzeugt; die bereit sind, sich auf ein Spiel einzulassen, es oft zu spielen und zu erforschen; und die nichts gegen eine Spieldauer von 1,5 bis 2 Stunden haben. So beschreibt Kastenholz seine Spielidee auf seiner Homepage (www.schwimmende-inseln.de). Man wei also, worauf man sich einlsst oder einlassen muss. Das, was er einfache Regeln nennt, sind immerhin 12 grafisch aufgelockerte DIN A5-Regelseiten, die durch 12 weitere Seiten mit Tipps & Tricks ergnzt werden. Es ist schon schwer verdauliche Kost, die Kastenholz bietet, da sich in seinem organischen Strategiespiel leider nichts organisch aus dem Spielthema ergibt, sondern alles nur abstraktes Konstrukt bleibt.

Da gibt es ein 400 Felder groes quadratisches Spielfeld, in diesem blauen Meer schwimmen beim Spiel zu viert 13 Inseln mit mindestens vier Inselsteinen. Zu Beginn besitzt jeder zwei Viererinseln, auf jeder Insel steht ein so genannter Lufer, eine Insel besitzt mit einem runden Keramikstein einen Motor. Weitere Motoren liegen auf acht Kraftfeldern aus, denen Ladefelder zugeordnet sind. Spielziel ist, als erster mit seinen Lufern alle Kraftfelder zu erreichen. Dabei sind drei Grundgesetze zu bercksichtigen:

Grundgesetz 1: Eine Insel ist eine Gruppe aus mindestens vier aneinander angrenzenden Inselsteinen. 2er- oder 3er-Inseln oder Inseln gibt es nicht. Allerdings kann eine Insel beliebig gro werden.

Grundgesetz 2: Auf einem Inselstein befinden sich hchstens ein Motor und/oder hchstens ein Lufer.

Grundgesetz 3: Auf einer Insel hat ein Spieler hchstens drei Motoren. Da sich aber auf einer Insel Motoren mehrerer Spieler befinden knnen, kann eine Insel deutlich mehr als drei Motoren tragen.

Schwimmende Inseln ist letztlich ein Wettrennen, bei dem die Voraussetzungen fr alle Spieler gleich sind. Hier kann sich niemand durch Wrfeln oder Kartenziehen einen besonderen Vorteil verschaffen, sondern allein durch geschickte taktische Planung beim Zusammentreffen von Inseln. Zu Beginn spielt jeder fr sich und steht vor der Entscheidung, in welche Richtung er sich bewegt, um Motoren zu gewinnen, die den Lufer beschleunigen, aber auch die Insel schneller voranbringen. Denn der Lufer bewegt sich nach der Anzahl der eigenen Motoren, genauso wie mit jedem Motor ein Inselstein verrckt werden darf. Positionsgewinne erreicht man dadurch, dass man es schafft, gegnerische Lufer zu blockieren. Deshalb wird das Spiel immer dann interessant, wenn sich Inseln verbinden. Durch Abschneiden der Wege oder Trennung von Lufer und Motoren kann man versuchen den Gegner zu rgern. Besonders tragisch kann eine Inselverbindung sein, wenn man wegen des 3. Grundgesetzes Motoren verliert. Die Mglichkeiten sind vielschichtig. Martin Kastenholz geht ausfhrlich in seinen Tipps darauf ein und ergnzt diese zustzlich auf seiner Website. Dort beschftigt er sich u. a. mit den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Erffnungsstrategien.

Das Spiel funktioniert, aber es dauert und dauert und dauert. Bei gleichstarken Spielern mag auch nach zwei Stunden die Spielspannung noch anhalten. Sind die Voraussetzungen nicht gleich, wird es fr schwchere Spieler schnell langweilig. Abstrakte Spiele haben es immer schon schwer gehabt. Je kompakter sie daher kommen, desto grer sind ihre Chancen auf Akzeptanz. Kris Burm hat zum Beispiel mit seiner Gipf-Serie Mastbe gesetzt. Roland Siegers Uisge aus der Zeit der Schwimmende(n) Inseln ist ein weiteres vorzeigbares Beispiel. Kastenholz wird es schwer haben, seine Neuauflage an den interessierten Spieler zu bringen. Es gibt inzwischen reizvollere Alternativen. Das Innovative, das 1982 galt, ist verpufft. Den Idealtyp von Spiel sehe ich wahrlich nicht. Da rettet auch das exotische Material nichts mehr. Das Spiel Trias htte vielleicht berechtigter den Namen Schwimmende Inseln verdient. Das, was dort durch Karten in Bewegung gesetzt wird, passt thematisch gut in die Erdentwicklung hinein; das, was Martin Kastenholz bewegt, sind Mosaikfliesen mit runden Mosaiksteinchen als Motoren in einem Irgendwo oder Nirgendwo.

Soviel zu den Sehnschten, die manchmal mit alten Spielen verbunden sind.

Rezension Wieland Herold

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Schwimmende Inseln: 3,0 3,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Wieland Herold

Leserbewertungen

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