Rezension/Kritik - Online seit 05.06.2016. Dieser Artikel wurde 4242 mal aufgerufen.

Zum Kuckuck!

Direktlinks zu den Rezensionsblöcken
Autor: Josep M. Allué
Víktor Bautista i Roca
Illustration: Gabriela Silveira
Verlag: HABA - Habermaaß GmbH
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 6
Dauer: 10 - 15 Minuten
Alter: ab 4 Jahren
Jahr: 2016
Bewertung: 2,0 2,0 H@LL9000
Ranking: Platz 4398
Zum Kuckuck!
Auszeichnungen:2017, As d'Or - Jeu de l'Année Kinderspiel Gewinner2017, As d'Or - Jeu de l'Année Kinderspiel Nominierung

Spielziel

Fräulein Kiki hat ein großes Problem. Sie konnte die Eier nicht in andere Nester legen. Aber es wird Zeit zum Brüten. Also muss sie selber ran und ihr Nest bauen. Da sie das aber noch nie gemacht hat, wird das eine kniffelige Angelegenheit für sie - und die Spieler. Denn schließlich muss Kiki ganz zum Schluss noch auf den Eierberg.

Ablauf

Der untere Teil der Metallröhrenverpackung ist auch gleichzeitig unser Nest, in das wir die Stäbe mit den bunten Enden reinstellen, wie Spaghetti in einen Topf: schön im Kreis aufgefächert.

Wer sich als Nestbauarbeiter versuchen will, zieht einen Stab aus dem Nest und schaut, ob der auf beiden Seiten die gleiche Farbe hat.

  1. Ja? Dann schiebt man ihn waagerecht über die Kante der Metallröhre durch die anderen Stäbe durch. Auf diese Weise entsteht hier das Nest. Aber damit nicht genug. Jetzt muss man ein Ei aus seinem Vorrat ins Nest legen. Und bitte so, dass es liegen bleibt und weder ins Nest noch auf den Tisch fällt. Schafft man das nicht, muss man sich von dem Spieler ein Ei nehmen, der noch die meisten vor sich liegen hat.
  2. Nein, nicht zwei gleiche Farben? Macht nichts, man hat noch einen Versuch, muss aber jetzt einen Stab mit der Farbe herausziehen, die beim ersten Stab unten zu sehen ist. Das war wieder nichts? Egal, man hat noch eine letzte Chance. Kann man jetzt einen Stab mit 2x der gleichen Farbe ziehen, verbaut man zuerst alle Stäbe und legt dann ein Ei ins Nest. Sollte aber auch der dritte Versuch zwei verschiedene Farben am Stab zeigen, verbaut man die Stäbe einfach so ... aber ein Ei wird man nicht los.

Das geht so lange weiter, bis jemand sein letztes Ei erfolgreich ins Nest legen konnte. Ist er jetzt wieder an der Reihe, muss er Kiki ebenfalls vorsichtig ins Nest setzen. Auch hier darf natürlich kein Ei rein- oder rausfallen. Wem das gelingt, der darf sich "Supernestbaumeistereierleger" nennen und ein Liedchen trällern.

Fazit

Kinderspiele testen ist manchmal keine schöne Sache. Da freut man sich auf eine tolle Zeit und tolle Reaktionen der Kinder und was bleibt aus? Genau ... eben all das. Stattdessen macht sich Frust, Langeweile und Ärger am Tisch breit ... wie bei Zum Kuckuck.

Was genau läuft falsch bei diesem Spiel? Folgendes:

  • Das Alter: Zum Kuckuck soll ab 4 Jahre sein. Aber ich behaupte: Niemals im Leben hat das jemand ausreichend mit 4-Jährigen getestet. Hier reichten zwei Runden im Kindergarten um zu sehen: Die motorischen Fähigkeiten von 4-Jährigen reichen bei weitem nicht aus, um dieses Spiel zu spielen. Der Mikado-Gedanke ist ja eine tolle Idee, aber wenn die Eier ins Straucheln kommen können, indem man Stäbchen aus dem Nest zieht und auch gleichzeitig, wenn man sie zwischen die anderen Stäbe steckt, dann ist das mindestens ein Level zu viel und zu schwer. Aber selbst mit Kindern ab fünf oder sechs ist Zum Kuckuck oft noch eine große Herausforderung. Die einzige Konstellation, in der dieses Spiel bis jetzt einigermaßen funktioniert hat, sind Erwachsenenrunden.
  • Das Material: Es sind nicht nur die motorischen Fähigkeiten, die hier in die Quere kommen können. Auch das Material trägt seinen Teil dazu bei. Die Eier sind einfach zu glatt, als dass sie ordentlich liegen bleiben. Und die Stäbe sind zu dünn. Beides in Kombination führt manchmal schon bei leichten Erschütterungen am Tisch zum Fall von Eiern. Und da wir hier von einem Spiel für Kinder ab 4 reden, muss man einfach damit rechnen, dass Kinder zappeln und unruhig werden. Außerdem bleiben die Eier im eigenen Vorrat auch nicht einfach nur vor sich liegen. Es sind halt Eier ... also hat man ebenfalls damit zu tun, die vor sich im Schach zu halten, damit man sie nicht ständig vom Boden aufsammeln muss.
  • Die Geschichte: Ein Kuckuck baut sein eigenes Nest, legt seine eigenen Eier hinein und brütet sie selber aus? Das wäre eine biologische Sensation. Zwar steht in der Spielgeschichte, dass alle Nester schon voll sind und Kiki nie gelernt hat, ein eigenes zu bauen, aber dennoch: Sollte man das Kindern wirklich vermitteln? In den Kindergärten hier waren die Pädagogen adäquat erstaunt.
  • Die Spieldauer: Wenn Kinder sich die Zeit nehmen, die Stäbe vorsichtig ins Nest zu schieben, dann nehmen sie sich auch die Zeit. Besonders wenn sie merken, wie schnell die Eier ins Nest fallen können. Und dann dauert Zum Kuckuck wesentlich länger als 15 Minuten. In dieser Zeit wurde das Spiel hier noch nie fertig gespielt - zumindest nicht mit Kindern. 30 Minuten Minimum stellten wir hier fest. Und nicht jede Partie wurde auf Wunsch der Kinder zu Ende gespielt.
  • Die Regeln: Hat man Glück und zieht bereits beim ersten Versuch einen Stab mit zwei gleichen Farben aus dem Nest, hat man im Grunde kein Glück, denn dann darf man ja nur einen Stab verbauen. Wesentlich besser ist es, man zieht den richtigen Stab erst beim dritten Versuch und kann dann mit drei Stäben eine wesentlich stabilere Unterlagen für das eigene Ei bauen.

Wirklich schade daran ist, dass Zum Kuckuck eigentlich viele tolle Ansätze hat. Geschicklichkeit gepaart mit ein bisschen zocken, eine ruhige Hand haben ... dazu noch das Nest. Das sieht immer toller aus, je mehr Stäbe verbaut wurden, und es kommt wirklich ein Nestbaugefühl am Tisch auf. Das ist eigentlich genau das, was ein gutes Kinderspiel ausmacht. Aber, wie oben schon erwähnt: Für Kinder in diesem Alter ist das nicht zu beherrschen. Und selbst für ältere Kinder.

Wenn Kinder sich mit Zum Kuckuck beschäftigen, dann benutzen sie es als Spielzeug. Aber auch nur, wenn sie vorher noch nicht viele oder gar keine Partie gespielt haben. Dann geht die Erfahrung hier eher dahin, dass sie von dem Spiel gar nichts mehr wissen wollen.

Was eigentlich schade ist ... aber irgendwie auch verständlich. Ich als Kind in diesem Alter hätte daran auch keinen Spaß mehr gefunden.

Zum Kuckuck sollte man also nur in Runden mit Mitspielern ab 10-12 oder reinen Erwachsenenrunden spielen. Da Zum Kuckuck aber eindeutig für die Zielgruppe 4+ aufgemacht ist, wird das wohl selten passieren. Was auch wieder schade wäre, denn damit hätte Zum Kuckuck vielleicht noch eine interessierte Zielgruppe aufgemacht.

Aber da ist die Konkurrenz im Geschicklichkeits-Familienspielsegment zu groß. Deshalb kann man abschließend nur sagen: Zum Kuckuck sollte man sich nicht als Kinderspiel zulegen. Höchstens als Familienspiel ... wenn einem die Beschreibung zugesagt hat.

Rezension Christoph Schlewinski

'Zum Kuckuck!' online bestellen

Kaufen bei Idealo Kaufen bei Spiele-Offensive Kaufen bei PlayMe 

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Zum Kuckuck!: 2,0 2,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.04.16 von Christoph Schlewinski - Note eins als Kinderspiel und Note drei als Familienspiel. Macht im Schnitt Note zwei.

Leserbewertungen

Es sind noch keine Leserbewertungen abgegeben worden.

Weitere Informationen zu 'Zum Kuckuck!' auf unseren Partnerseiten