Rezension/Kritik zu Spiel: Land in Sicht!

Eingestellt Samstag 13. Juni 2009 - Dieser Artikel wurde 3799 mal aufgerufen.

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Spielinfo
Autor: Stefan Dorra
Verlag: Ravensburger
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 2 - 4
Dauer: 20 - 40 Minuten
Alter: ab 6 Jahren
Jahr: 2009
Bewertung: 3,5 3,5 H@LL9000
3,0 3,0 Leser
Spielecover
Land in Sicht!

Spielziel

„Tonga“ steht auf der Inselkarte, die Svenja gerade aufgedeckt hat. Mit ihrem grünen Holzschiffchen steuert sie darauf zu – doch oh weh: Die eingezeichnete Seeroute, auf der sie entlangfährt, geht haarscharf am angepeilten Inselhafen vorbei und führt zur linken Nachbarkarte. Klapp, schnell aufgedeckt, liegt das nächste Eiland offen da. Dort gibt es Perlen. Die Seeroute führt schnurstracks auf den Hafen der Insel. Doch nun die spannende Frage: Braucht Svenja noch Perlen? Ja, tut sie, weshalb sie ihr Schiff mit einer Perle beladen darf.

Ablauf

Der Spielplan wird zusammen gepuzzelt und jeder Spieler stellt sein Schiff auf ein beliebiges Randfeld, das er zuvor ausklappt. Weiters erhält jeder Spieler ein Segelschiff in Form einer Tafel. Bevor das Spiel beginnt, müssen sich die Spieler erstens auf eine von vier Zielinseln einigen und außerdem entscheiden, was ein Segelschiff geladen haben muss, um diese Zielinsel am Ende anlaufen zu dürfen. Als mögliches Frachtgut stehen Perle, Papagei, Schatzkiste und Ananas zur Verfügung. Aus mindestens 5 und maximal 10 Frachtstücken sollte die Frachtvorgabe bestehen. Damit alle während des Spiels immer wieder überprüfen können, was ihnen noch fehlt, werden diese Vereinbarungen auf einer Tafel festgehalten.

Wer am Zug ist, steuert sein Schiff auf einem der vom Hafen wegführenden Meereswege bis zum Rand seines Standortfeldes, klappt dort die angrenzende Meereskarte auf und fährt auf der gewählten Route weiter. Dieser Vorgang wird fortgesetzt, bis das Schiff in einem Hafen landet. Sofern es sich um keine der Zielinseln handelt, ist auf jeder Insel eine Kostbarkeit abgebildet, die man in sein Schiff laden darf, sofern man diese laut Zielvorgabe noch benötigt und sofern man genau auf dieser Insel noch nichts verladen hat. Ob dies auch nicht der Fall ist, erkennt man an den Farben der Inselschätze. So gibt es jede der vier Kostbarkeiten jeweils fünfmal in unterschiedlichen Farben, die man beim Beladen seines Schiffes durch das Setzen von Holzklötzen an den jeweiligen Stellen markiert.

Gelangt das Schiff in einen Hafen mit Taverne, darf es – sofern man keinen der Inselschätze mitnehmen möchte, weiter ziehen. Erreicht das Schiff einen Hafen ohne Taverne, muss es hier seinen Zug auf jeden Fall beenden.

Anschließend klappt ein Spieler alle Inselkarten, auf denen sich kein Schiff befindet, wieder zu und der nächste Spieler ist an der Reihe. Sobald ein Spieler über die erforderliche Ladung verfügt, ruft er "Land in Sicht!", hisst die Flagge auf seinem Boot und steuert die Zielinsel an. Wer diese zuerst mit der entsprechenden Ladung erreicht, hat gewonnen. Auf Wunsch können noch weitere Platzierungen ermittelt werden, indem das Spiel danach fortgesetzt wird.

Fazit

Ganz einfach gestaltet sich der Einstieg ins Spiel nicht, denn in der Regel spricht man zwar von Tavernen und bildet diese auch ab, jedoch zeigt man die Taverne nicht im direkten Vergleich mit Eingeborenenhütten, die man auch immer wieder auf den Inseln entdecken kann, welchen jedoch keine weitere Bedeutung zu kommt. Als Neuling kommt man jedoch leicht in Versuchung, diese Hütten mit Tavernen zu verwechseln.

Auch erklärt die Regel zuerst, was passiert, wenn man in einem Hafen mit Taverne landet, bevor allgemein erläutert wird, dass man auf den Inseln Kostbarkeiten findet und diese grundsätzlich laden darf, sofern sie noch den Zielvorgaben entsprechen. Liest man die Regel zum ersten Mal, denkt man anfangs, man könne nur dann laden, wenn man bei einer Taverne ankommt, denn erst auf der nächsten Seite wird erklärt, wie und wann man Fracht aufnehmen darf. Es wird also zuerst der Sonder- und dann der Regelfall erläutert - eine solche Vorgehensweise führt meistens zu Verwirrungen.

Hat man diese Einstiegshürde jedoch geschafft, wird man mit relativ reibungslosem Spielgeschehen belohnt. Relativ deshalb, weil manche Kinder anfangs nicht gleich 100%ig verstehen, an welchen Stellen der Seewege man abbiegen darf und an welchen nicht. Grundsätzlich darf man bei Gabelungen abzweigen, bei Kreuzungen muss man geradeaus weiterfahren. Leichter wird es für die Kinder, wenn man ihnen die Sache anhand der Fahrmöglichkeiten einer Eisenbahn verdeutlicht – diese kann schließlich auch nicht einfach rechtwinkelig abbiegen. Nach ein bis zwei Partien haben die Kinder aber meistens verstanden, wie sie fahren dürfen.

Der Vergleich mit der Eisenbahn ist zwar sehr hilfreich, wenn es um die Verdeutlichung der Fahrmöglichkeiten geht, stört aber grafisch auch den ein oder anderen, weil die Seewege Eisenbahnschienen tatsächlich sehr ähnlich sehen. Und was haben Schienen im Meer zu suchen? Um der Wahrheit alle Ehre zu machen, sei jedoch vermerkt, dass dieser Umstand eher die Erwachsenen stört als die Kinder. Letztere fragen dafür spätestens am Ende des Spiels nach, wofür denn nun eigentlich der Schlitz in der Schiffskarte ist, den man doch für nichts nutzen kann. Dieser war wohl in der Grundidee dafür gedacht, die Fahne hineinzustecken, wenn man sich auf den Weg zur Zielinsel machte, leider hat dann die Umsetzung nicht ganz funktioniert. Laut Verlag soll dieser kleine Schönheitsfehler jedoch in der nächsten Auflage behoben sein.

Abgesehen von diesen grafischen Fehltritten, die das Spielgeschehen jedoch in keiner Weise stören, ist die Aufmachung von Land in Sicht! sehr gelungen. Vor allem der Klappmechanismus der Wasserfelder beeindruckt Jung und Alt, stellt er doch eine erfrischend neue Idee dar.

Land in Sicht! wird für Kinder ab 6 Jahren empfohlen. Sofern es sich nicht um sehr spielerfahrene Kinder handelt, sollten die Kinder auch nicht jünger sein, um vollwertig mitmischen zu können. Außerdem ist während der ersten ein bis zwei Spiele die Unterstützung eines Erwachsenen schon erforderlich, damit immer wieder ein Auge auf die korrekte Nutzung der Weggabelungen und –kreuzungen geworfen werden kann.

Die taktischen Möglichkeiten der Tavernen verstehen Kinder meistens erst ab 7 Jahren oder wenn sie bereits einige Partien hinter sich gebracht haben und öfter zuschauen konnten, wie sich die älteren Mitspieler mit Hilfe der Tavernen schneller vorwärts bewegen. In den ersten Spielen kann man auf diese Regel auch verzichten, um den Spieleinstieg einfacher zu gestalten.

Die Spieldauer entspricht den Angaben auf der Packung und kann erfreulicherweise selbst gesteuert werden, indem man die erforderliche Schiffsladung entweder näher am Minimum oder Maximum ansetzt. Hier kann man den Durchhalte-Erfordernissen der einzelnen Familien wunderbar Rechnung tragen. Meistens vergeht die Zeit während des Spiels wie im Fluge. Selbst zu viert empfindet man die Wartezeiten bis zum eigenen Zug nicht als zu lange, kann man doch während der Mitspielerzüge Informationen über die Inseln und Wege für die eigenen Züge sammeln.

Neben der kleinen Prise Taktik in Form der Tavernen ist das Spiel zu Beginn sehr glücksbetont. Erst nach und nach kann man sich den einen oder anderen Seeweg bzw. die ein oder andere Insel merken und dieses Wissen zu gezielterem Vorwärtskommen nutzen. Leute mit gutem Gedächtnis können ab diesem Zeitpunkt einen Vorteil für sich verbuchen. Seltsamerweise übertrifft die Gedächtnisleistung der Kinder in diesem Spiel jene der Erwachsenen nicht um einiges, sondern lässt im Gegenteil etwas zu wünschen übrig, was die Kinder jedoch keineswegs stört. Der Klappmechanismus zieht sie dermaßen in Bann, dass ihnen diese Tatsache oft gar nicht richtig bewusst wird.

Neben dem originellen Klappmechanismus finde ich die Idee der gemeinsamen Festlegung der Zielvorgaben sehr gelungen. Hier wird in kleinem Rahmen zielorientiertes Diskutieren im Team praktiziert.

Land in Sicht! ist ein rundum gelungenes Familienspiel, das sowohl Jung als auch Alt kurzweilige Zeit am Spieltisch beschert. Bei uns zu Hause ist der Bann jedenfalls auch nach vielen, vielen Testpartien ungebrochen und wir sind alle vier gerne wieder mit an Bord, wenn es gilt, das Meer nach verborgenen Schätzen abzusuchen.

Rezension Sandra Lemberger

Regelvarianten

Bei der Hafenvariante darf sich in jedem Hafen nur ein Schiff befinden, ansonsten wird gemäß Grundregel gespielt. In der Sammlervariante wird die Zielinsel für alle festgelegt, jedoch gibt jeder für sich an, welche der Kostbarkeiten er sammeln will. Von dieser muss er alle fünf vorhandenen einsammeln und danach die Zielinsel ansteuern.

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H@LL9000-Bewertungen

Land in Sicht!: 2 H@LL9000-Bewertungen, Durchschnitt: 3,5 3,5

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.06.09 von Sandra Lemberger
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.07.09 von Randolph Betten - Nachdem das Spiel eine Nominierung erhalten hat, habe ich es gespielt. Nicht nur ich, auch meine Kinder waren maßlos enttäuscht. Tongiaki lässt grüssen. Kinder können nicht immer den dünnen Linien folgen. Der "Spaß" hielt sich leider auch in Grenzen.

Leserbewertungen

1 Leserbewertung

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.06.09 von Iglika Tzekova

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