Rezension/Kritik - Online seit 04.09.2026. Dieser Artikel wurde 302 mal aufgerufen.
Direktlinks zu den Rezensionsblöcken |
|
|
An der Ruine fühl ich mich sicher!
In der Mitte des kleinen, durch aneinandergelegte Karten gebildeten Spielplans, steht die Ruine und neben der fühlen wir uns alle am sichersten. Wer hat schon Lust nach links oder rechts in den finsteren Wald zu marschieren? Und dazu noch bei Nacht??? Da ist man ja irre!!! Überall lugen bösartige Augen zwischen den Ästen, man hört es knacken, knarzen, hecheln … nein, nein, nein! Lieber um die Ruine herum bleiben, da brennt ein Lagerfeuer, da gibt es Marshmallows und Würstchen, da ist es schön. Aber nicht in der Ruine bleiben, denn da spukt es schließlich auch.
Genau das ist das Ideal, das man beim Stichspiel Furchtlos erreichen will: Sich durch die Stiche möglichst wenig oder ausgewogen bewegen, sodass man am Ende der Runde möglichst nah an der Ruine steht und damit wenig Furchtpunkte bekommt. Denn wer bei Spielende am wenigstens davon hat, gewinnt.
Furchtlos hat als Stichspiel denkbar einfache Regeln: Man muss die ausgespielte Farbe bedienen und wenn man das nicht kann, kann man abwerfen. Es gibt keinen Trumpf und eine null kann man immer spielen, egal ob man bedienen könnte oder nicht.
Das Besondere an Furchtlos sind die Kartenwerte, denn die reichen von +6 bis -6, deshalb sagt man mit jeder gespielten Karte, wie viele „Gruselpunkte“ der Stich gerade wert ist. Wer die höchste Karte der ausgespielten Farbe gespielt hat, bekommt den Stich und geht den Gruselpunktwert des Stiches entweder in Richtung vom Plus- oder Minusbereich des Waldes.
Das „+“ oder „-“ ist am Ende, wenn alle Stiche gespielt sind, egal, denn man bekommt den Wert des Feldes, auf dem man steht, als Furchtpunkte gutgeschrieben. Und nur noch mal zur Erinnerung: Man will wenig Furchtpunkte haben. Je weiter man sich also in den Plus- oder Minusbereich des Waldes jagen lässt, desto schlechter. Aber wenn man eine gute Mischung hinbekommt, mit dem einen Stich mal dicke Minuspunkte sammelt, mit dem nächsten aber dicke Pluspunkte, dann schleicht man immer wieder um die sichere Ruine rum.
Furchtlos ist ein ungewöhnliches Stichspiel, denn es zwingt die Stechenden umzudenken. Es geht nicht darum, einfach nur Stiche zu bekommen. Es geht darum, Stiche zu bekommen, die einen Wert haben, der einem gerade gelegen kommt. Eine Farbe nicht zu haben und fröhlich Karten abwerfen oder einstechen funktioniert in klassischen Stichspielen gut. Aber bei Furchtlos ist es vielleicht gar nicht gut, eine Farbe nicht zu haben, denn man will ja reagieren können und einen Stich bekommen, wenn der einen Wert hat, den man gebrauchen kann. Hohe Karten zu haben ist nicht unbedingt gut, niedrige Karten zu haben nicht unbedingt schlecht, es hängt alles vom Verlauf einer Stichrunde ab. Das heißt aber auch, dass man wenig planen kann, weil man nicht weiß, welche Gemeinheiten einem die anderen in den Stich werfen. Man muss, wie der Name schon sagt, Furchtlos an einen Stich herangehen und sich überraschen lassen.
Gar keine Stiche zu machen ist auch keine Lösung, denn wer am Ende einer Runde, wenn alle Stiche gespielt sind, noch in der Ruine steht, wird von den Geistern dort erschreckt und bekommt dicke Furchtpunkte aufgeschrieben. Man muss sich also bewegen, man muss mindestens einen Stich machen.
Furchtlos ist so speziell, wie es einfach ist. Ich wusste nach dem Regelstudium bereits, wie das manche meiner Mitspieler auffassen würden und so war es dann auch. Einige hatten Spaß daran, wie unvorhersehbar die Stiche laufen, wie man manchmal gezwungen ist, jemandem etwas Gutes zu tun und wie viel Spaß es machen kann, jemandem richtig einen reinzuwürgen. Andere hingegen fanden all diese Dinge anstrengend und teilweise auch schlimm. Ihnen fehlte die Sicherheit von anderen Stichspielen, die z. B. eine Trumpffarbe bietet.
Furchtlos ist unvorhersehbar und chaotisch, man kann nicht abschätzen, in welche Richtung es sich entwickelt, obwohl immer alle Karten im Spiel sind. Ich bin nicht inselbegabt genug dafür, um mir zu merken, was bereits raus ist und was nicht. Aber: Man könnte es wissen und darauf reagieren.
Der große Vorteil von Furchtlos ist, dass man es super schnell erklären und dass dadurch fast jeder mitspielen kann. Auch jemand, der noch keine Stichspiele kennt. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass Wenigspieler mit Furchtlos besser klarkommen als Stichspielfans, weil letztere andere Dinge von Stichspielen gewohnt sind und erstere sich neugierig auf alles einlassen.
Hier ist ein wenig Chaos also vorprogrammiert. Die Frage ist nur: Mag man das oder nicht? Das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Es ist kein Überflieger, aber ich persönlich mag‘s und für eine flotte Runde zwischendurch ist Furchtlos eine gute Wahl.
Rezension Christoph Schlewinski
In Kooperation mit der Spielezeitschrift
H@LL9000 Wertung Furchtlos:
4,0, 1 Bewertung(en)
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
|
|
|
|
|
05.07.26 von Christoph Schlewinski |
Es sind noch keine Leserbewertungen abgegeben worden.