Rezension/Kritik - Online seit 15.10.2016. Dieser Artikel wurde 5163 mal aufgerufen.

A Game of Gnomes

Direktlinks zu den Rezensionsblöcken
Autor: Fraser Lamont
Gordon Lamont
Verlag: Fragor Games
Rezension: Ferdinand Köther
Spieler: 2 - 4
Dauer: 90 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2015
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 2356
A Game of Gnomes

Spielerei-Rezension

Die beiden immer gut gelaunten Gebrüder Lamont sind auf jeder Spielemesse in Essen nicht nur wegen ihrer Schottenröcke ein Hingucker, sondern auch ihre Spiele verdienen diesen Titel immer wieder.

Dabei geizen sie nie mit Ideen und dabei, das darf man sagen, trat auch schon mal der Spielwert in den Hintergrund, allerdings ist das, und das muss man sagen, seit einigen Jahren nicht mehr der Fall. So regelmäßig, wie die Essener Messe stattfindet, so regelmäßig gibt es dort seit mehr als 10 Jahren jedes Mal ein neues Spiel von Fraser und Gordon, und so regelmäßig schreibe ich erst etwa ein Jahr später darüber - was nicht weiter schlimm ist, denn ebenso regelmäßig ist es dann längst ausverkauft (meist schon während oder kurz nach der Messe), trotzdem wert, vorgestellt zu werden.
Die letztjährige Messe brachte doch eine Änderung: A Game of Gnomes (nein, kein Tippfehler, und kein Game of Thrones) ist so voluminös, dass jede Schachtel einzeln in einem Umkarton verpackt ist! Die Schachtel ist länger, ein wenig breiter und ungefähr zweieinhalb Mal so hoch wie die handelsübliche Quadratschachtel! Ein echter Brocken, und darin ist auch ein "echter" Berg, wenn auch nicht der Brocken … aber fast. Dieser Spiel-)Berg (nein, nicht der Regisseur!) ist sogar mit einer Aufhängevorrichtung versehen, um ihn als Wandschmuck aufzuhängen.

Nicht nur der Berg ist beeindruckend, sondern auch die Gnome, tolle Figuren, wie mittlerweile von Fragor Games gewohnt, einige niedliche (Fliegen-)Pilze, viele weitere als Holzpilze; Plastikkristalle als "Geld", Plättchen und Karten vervollständigen das üppige Spielmaterial, ein Spielbrett und eine ausführliche Spielregel gibt es natürlich auch.

Nach erstem Lesen der relativ umfangreichen Regel dachte ich: "Aha, ein einfaches Laufspiel - Pilze sammeln, verkaufen und dabei reich werden." Vielleicht doch mal wieder mehr "Gimmick" als Spielwert?

Zum Glück kann ich diese Frage mit "nein" beantworten. Auch wenn das Prinzip so stimmt, wie ich gedacht hatte, ist es mit manchen Finessen versehen, die Platz für taktische Überlegungen bieten, für Interaktion und auch Schadenfreude. Pilze pflücken, verkaufen, von einem Dorf zum andern laufen, durch Wiesen, Wälder, Berge - (fast) alles verbraucht Zeit, die auf einer kleinen gesonderten Leiste abgetragen wird. Jedes Dorf kauft andere Pilze, natürlich nicht die, die dort wachsen, das wäre zu einfach. Und jedes Dorf kauft maximal drei Pilze, die mit dort zu Spielbeginn platzierten Kristallen bezahlt werden, jeweils von jeder Wertigkeit einer! Also heißt es schnell sein, denn wer zuerst in einem Dorf einen Pilz verkauft, nimmt sich den wertvollsten Kristall, ist doch klar!

In drei Geschäften, mit Karten neben dem Spielplan repräsentiert, lässt sich manch nützliches Zeug kaufen, unter anderem auch Landkarten, die unerlässlich sind, um den Berg zu besteigen und die dort platzierten "goldenen" (Fliegen-)Pilze zu pflücken. Die Kletterei ist für einen kleinen Gnom recht mühsam, aber bringt im Erfolgsfall auch besonders viele Siegpunkte.

Die Wege sind weit im Gnomenland, alles dauert Wochen - nach spätestens sieben Wochen auf der Zeitleiste endet eine Spielrunde, und wer das Ende der Leiste noch nicht erreicht hat, kann noch etwas "träumen" (offiziell "schlafen") und offen liegende Wegekarten nehmen.
Denn - das habe ich verschwiegen - alle Wege (Wiese, Wald, Berge) erfordern bestimmte Karten, mit unterschiedlichen Zeiten. Über die Zeitleiste wird auf clevere Weise auch die Spielerreihenfolge gesteuert, die ist wichtig, und das Spielende.

Nach 52 Wochen (also mindestens acht Spielrunden, meist etwa neun bis zehn) endet das Jahr auch im Gnomenland, und damit das Spiel. In diesem Zeitraum wachsen diverse Pilzsorten, andere verderben, und im Winter sind auch zugefrorene Flüsse und ein See als Abkürzung nutzbar.
Der Zufall in Form der Karten (Gegenstände), die in den Geschäften zu kaufen sind, spielt eine Rolle, aber nicht übermäßig und für alle Gnome gleichermaßen. A Game of Gnomes ist sicher kein Hirnverzwirner, aber ebenso sicher auch nicht nur ein einfaches, niedliches "Boah, ey, guck mal!"-Spielchen.

Der reichste Gnom gewinnt, vereinfacht ausgedrückt, und der Weg dahin ist mit mancher Mühsal gepflastert, man hat nicht die richtigen Karten für die richtigen Wege, andere kommen einem beim Pilzverkauf (oder -pflücken) zuvor und kaufen die besten Sachen im Geschäft weg - aber da kommt Nachschub, haha, noch besserer sogar! Planungen werden über den Haufen geworfen und müssen kurzfristig umgestellt werden, aber irgendetwas Vernünftiges gibt es für einen pfiffigen Gnom immer zu tun, naja, fast immer. Es gibt ja auch noch den Zauberer und den Tunnelgang … und den Froschhüpfer.

Auftrag erfüllt - A Game of Gnomes ist ein nicht nur optisch, designtechnisch und haptisch gelungenes Familienspiel auf gehobenem Niveau, sondern kann auch nicht zu engstirnigen Vielspielern Spaß machen, ob sie sich den Berg nun an die Wand hängen oder nicht. Das Problem wird sein, den Berg, pardon, dieses Spiel überhaupt noch irgendwo zu bekommen. Wer eine kleine Wohnung hat, wird sich vielleicht wieder davon trennen wollen - und sich wundern, wie viel Platz er auf einmal wieder hat!

Rezension Ferdinand Köther

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

'A Game of Gnomes' online bestellen

Kaufen bei Idealo Kaufen bei Spiele-Offensive Kaufen bei PlayMe 

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung A Game of Gnomes: 5,0 5,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.10.16 von Ferdinand Köther

Leserbewertungen

Leserwertung A Game of Gnomes: 4,0 4.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.05.19 von Andreas Freye - Die Resinteile sind top! Da kann der Rest nicht mithalten. Gerade die zwerge haben einen hohen Aufforderungscharakter mit ihnen zu spielen. Der Berg sieht auch toll aus, ist aber Käse. Er ist so groß, dass man zu viert nicht um den Tisch sitzen kann, da er die Sicht verdeckt. Das er ferner zu einen Riesenschachtel führt, kommt noch erschwerend dazu. Das Spiel ist tatsächlich recht fordernd, eines der besseren Pick up and deliver Spiele. Gerade die Haltwertzeit der Pilze ist recht interessant. Für 60 Euro hätte ich das Spiel nicht gekauft, aber da es momentan im Ausverrramsch ist, passt hier alles (bis auf den Berg). :-)

Weitere Informationen zu 'A Game of Gnomes' auf unseren Partnerseiten