Rezension/Kritik - Online seit 18.09.2009. Dieser Artikel wurde 5538 mal aufgerufen.

Burg der 1000 Spiegel

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Autor: Inka Brand
Markus Brand
Illustration: Damon S. Brown
Michaela Kienle
Michael Menzel
Verlag: KOSMOS
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 2 - 4
Alter: ab 6 Jahren
Jahr: 2009
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 2951
Burg der 1000 Spiegel

Spielziel

Der kleine, freundliche Vampir Victor haust auf einer riesigen Vampirburg. Doch die „Burg der 1000 Spiegel“ hat so viele Zimmer, dass er sich kaum zurechtfindet! Wie soll er da nur sein Lexikon der grusligsten Vampire wieder finden, in welchem Raum steht noch mal die Schatztruhe und wo verflixt hat sich sein Hund Vampi wieder versteckt? Helft Victor, alles wieder zu finden! Späht dazu durch das offene Fenster in die Burg und nutzt die Spiegel, die in den Korridoren hängen. So könnt ihr ganz einfach in jede Ecke schauen und sehen, was dort versteckt ist ...

Ablauf

Der Spielplan wird in das Schachtelunterteil gelegt, welches wiederum auf den Schachteldeckel gestellt wird. Nun fehlen der dadurch entstandenen Burg nur noch die Zinnen, welche in die dafür vorgesehenen Schlitze gesteckt werden. Auf jeder dieser Zinnen ist ein Bild zu sehen, dessen Platzierung sich die Spieler gut einprägen sollten. Auf den Rückseiten dieser Plättchen sind Fenster abgebildet. Lediglich eine Zinne hat anstelle des Motivs bzw. des geschlossenen Fensters ein Guckloch. Abschließend wird noch die Spielfigur auf eines der Bewegungsfelder gestellt, die vier Spiegel in beliebige Schlitze gesteckt und an jeden Spieler ein Ja- sowie ein Nein-Plättchen verteilt.

Wer an der Reihe ist, vertauscht die Guckloch-Fensterkarte mit einer beliebigen anderen Zinne, wobei alle Spieler das darauf abgebildete Motiv sehen dürfen. Danach wird gewürfelt und Victor entsprechend weit gezogen. Das auf seinem Zielfeld angezeigte Bild gilt es nun zu finden. Dazu muss der Spieler die Spiegel so stecken, dass er das gesuchte Motiv sehen kann, wenn er durch das offene Fenster schaut. Bevor überprüft wird, ob das Bild tatsächlich zu sehen ist, müssen die Mitspieler mithilfe ihrer Ja- und Nein-Plättchen verdeckt einen Tipp abgeben, ob der Spieler die Spiegel tatsächlich richtig positioniert hat.

Sieht man das gesuchte Bild, erhält der Spieler als Belohnung einen Vampirdrop. Danach darf der Spieler noch versuchen, die richtige Motivkarte aus ihrem Schlitz zu ziehen. Gelingt ihm auch das, gibt's noch einen weiteren "Blutstropfen". Die Mitspieler erhalten jeweils einen Vampirdrop, wenn sie mit ihrer Erfolgseinschätzung des aktiven Spielers richtig lagen.

Leer geht man natürlich aus, wenn man falsch geraten hat. Ganz schlimm wird's jedoch, wenn man durch das Guckloch den Knoblauch sieht. Dessen Geruch mögen Vampire nämlich bekanntermaßen nicht, so dass man in diesem Fall sogar einen Drop aus dem eigenen Vorrat zurückgeben muss.


In diesem Sinne wird reihum weiter gespielt, bis einer eine mitspielerabhängige Anzahl von Vampirdrops sammeln konnte und zum "Meister der 1000 Spiegel" ernannt wird.

Fazit

Die Aufmachung dieses Spiels ist zweifelsfrei sehr gut gelungen. Nur bei wenigen anderen Spielen dieses Jahrgangs war der Aufforderungscharakter so hoch wie bei Burg der 1000 Spiegel. Selbst Erwachsene kamen meistens ganz neugierig anmarschiert, wenn sie die Burg erblickten. Sämtliche Teile der Burg sind jedoch nicht nur optisch gut gelungen, sondern unterstützen auch wunderbar den gesamten Spielablauf.

Am Material kann es also nicht liegen, dass es mir derartig schwer fällt, dieses Spiel zu bewerten. Denn gerne würde ich ihm auch im spielerischen Bereich die Höchstnote aussprechen, aber das ist leider nicht möglich. Zwar ist die Idee des Spiels, mit Spiegeln zu arbeiten, eine ganz ausgezeichnete und sehr innovativ. Auch kann man nicht bemängeln, dass das Spiel nicht funktionieren würde, denn alles klappt reibungslos, selbst wenn ein Bild tatsächlich über vier Spiegel zum Guckloch weitergeleitet wird – und das alles bei Tageslicht oder normaler Zimmerbeleuchtung.

Es liegt vielmehr an der Kombination von Memo und Physik, die spielerisch bei vielen Kindern langfristig nicht hält, was sie verspricht. Viele Kinder verstehen sehr schnell, wie die Sache mit dem Lichtstrahl funktioniert und brauchen oft die Spielplanseite mit den Hilfsseiten von Anfang an nicht. Für sie wird das Spiel schon nach wenigen Runden – wenn also der Charme des Neuen etwas verflogen ist – zu einem aufgemotzten Memospiel. Das es zwar ganz schön in sich hat, denn durch das ständige Umstecken der Burgzinnen wechseln die Bilder immer wieder ihre Plätze. Aber schön verpackte Memospiele gab es schon öfter, das allein wäre also nichts Neues.

Andere Kinder wiederum (und auch einige Erwachsene, wie ich hinzufügen möchte) verstehen auch nach unzähligen Runden noch nicht, wie sie die Spiegel zu stecken haben, damit der Lichtstrahl ohne Unterbrechung vom gesuchten Bild zum Guckloch fällt. Spielt man nun in gemischten Gruppen, ist das Desaster vorprogrammiert: Der Frust bei jenen Kindern, welche die Logik der Physik einfach nicht begreifen, gewinnt sehr stark die Oberhand. Wenn es sich bei diesen Kindern zusätzlich noch um solche handelt, die auch bei Memospielen immer verlieren, dann sieht man ihren Gesichtern förmlich an, dass sie die vor ihnen aufragende Burg – wie schön sie auch immer sein mag – am liebsten dem Erdboden gleich machen würden. Mit genau demselben Problem sieht man sich auch fast immer beim Spiel mit unterschiedlich alten Kindern konfrontiert.

Lediglich bei einer Partie aus Memomuffeln auf der einen und Physikversagern auf der anderen Seite bleibt die Frustgrenze auf beiden Seiten in etwa gleich hoch und damit im erträglichen Rahmen. Richtiger Spielspaß kam in unseren Runden aber nur dann auf, wenn die Kinder Memospiele prinzipiell mochten und sich der Logik der Physik nicht ganz entzogen. Dies war jedoch in noch nicht einmal der Hälfte meiner Testpartien der Fall.

Aus diesem Grund kam ich auch nicht allzu oft dazu, die Fortgeschrittenen-Varianten auszuprobieren. Soweit ich sie getestet habe, kann ich aber beurteilen, dass sie funktionieren, aber auch wieder nur dann gut ankommen, wenn die Partie aus einer einigermaßen ausgewogenen Gruppe besteht.

Die Wertung im Spiel bewirkt zweierlei. Erstens sind jene Spieler, die gerade nicht am Zug sind, trotzdem ins Spielgeschehen involviert, was ich fast immer für eine gute Sache halte. Andererseits bewirkt sie in diesem Spiel auch, dass man unter Umständen schneller als andere gewinnt, weil man die Mitspieler öfter richtig einschätzen konnte. Dies kam bei den Kindern oft nicht besonders gut an. Auf der anderen Seite wurde dadurch aber in manchen Partien, in denen es kein Vorwärtskommen gab, weil die Kinder entweder memo –oder spiegelmäßig nicht in der Lage waren, richtige Aktionen durchzuführen, ein Ende herbeigeführt, das so manchen zu einem erleichterten Aufatmen brachte, egal, ob er gewonnen hatte oder nicht.

Interaktion gibt es in dem Spiel kaum. Der Memoteil des Spieles wird nicht im zeitlichen Wettstreit mit den Mitspielern abgehalten, so dass der aktive Spieler mehr oder weniger agiert, ohne von den anderen beeinflusst zu werden. Nur wenn er die Spielfigur auf das Feld mit dem Fragezeichen zieht, darf ein Mitspieler bestimmen, welches Bild er suchen muss und kann somit direkten Einfluss auf den Spieler nehmen.

Hinsichtlich der Altersfreigabe wäre es meines Erachtens sinnvoller gewesen, das Spiel als Familienspiel zu konzipieren, denn 8 oder 9-Jährige verstanden das Prinzip der ein- bzw. ausfallenden Strahlen wesentlich besser als Erst- und Zweitklässler, was wiederum mit sich brachte, dass sie länger Spaß an dem Spiegelspiel hatten. Wobei sich dann natürlich wieder die Frage stellt, ob sich ein Memospiel als Familienspiel verkaufen lässt.

Alles in allem handelt es sich bei diesem Spiel - wie schon eingangs erwähnt - um eine etwas unglückliche Verbindung, die vermutlich dazu führt, dass dieses Spiel wohl viele Erwartungen, die es geweckt hatte, leider nicht erfüllt. Entsprechend gespalten war auch die Meinung der Kinder: Während es manche sehr gerne spielten, waren manche schon nach einer Runde nicht mehr dazu zu bewegen, das Spiel zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auszuprobieren. Aber wer weiß? Vielleicht sollte sich Kosmos mit diesem Spiel einmal im Bereich "Unterrichtsmaterial für Grundschulen" versuchen, denn zum Erklären und Erarbeiten von Lichtstrahlen und ihrem Verhalten gibt es optisch jedenfalls sicher kein schöneres Material als die Burg der 1000 Spiegel!

Rezension Sandra Lemberger

Regelvarianten

Kniffligeres Spiel:
Der Spielplan ist beidseitig bedruckt. Auf einer Seite sind Hilfslinien eingezeichnet, welche anzeigen, wie sich das Licht in den Spiegeln bricht und "um die Ecke" weitergestrahlt wird. Die andere Seite bietet diese Hilfestellung nicht. Wer das Spiegelprinzip also verstanden hat, kann mit der Seite ohne Linien spielen.

Noch kniffligeres Spiel:

Dem Spiel liegt auch eine Tür bei. Diese kann ein Mitspieler vor dem Umstecken der Spiegel platzieren, so dass der aktive Spieler aufpassen muss, dass die Tür seinem Lichtstrahl nicht im Wege ist.

Meistervariante:

Wem dies immer noch zu leicht ist, kann nach dem Umstecken der Fensterkarten und/oder nach dem Hineinschauen die Burg drehen.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Burg der 1000 Spiegel: 4,0 4,0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.08.09 von Sandra Lemberger
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.05.09 von Jochen Traub - Das Spiel ist super aufgemacht. Für Erwachsene ist es meiner Ansicht nach nicht schwer nachzuvollziehen, wo der Strahl hingelenkt wird, daher ist es für mich ein reines Memoryspiel, aber mal was ganz anderes und bei den Kids kam es gut an.

Leserbewertungen

Leserwertung Burg der 1000 Spiegel: 4,0 4.0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.09.09 von Oliver S.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.11.09 von Timber - Super Material, wunderschöne Aufmachung, faszinierendes Thema für Kinder. ABER: Das Spiel an sich ist ziemlich lahm. Verliert sehr schnell seinen Reiz.

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