Rezension/Kritik - Online seit 14.11.2017. Dieser Artikel wurde 727 mal aufgerufen.

Die Legende des Wendigo

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Autor: Christian Lemay
Illustration: Nikao
Verlag: Asmodee
Le Scorpion Masqué
IELLO
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 6
Dauer: 10 Minuten
Alter: ab 6 Jahren
Jahr: 2017
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
Ranking: Platz 2665
Die Legende des Wendigo

Spielziel

Feriencamp. Was da für Bilder im Kopf entstehen: Mehrbettzimmer mit flatulierenden Kindern an der Schwelle zur Pubertät. Giggelnde Mädchen, streng riechende Jungs, gemeinsames Lagerfeuer mit Stockbrot und Kräuterbutter und dabei natürlich: gruselige Geschichten. Wenn es dann noch im Wald knackt und knarzt und alle vor Schreck zusammenfahren, ist es ein voller Erfolg. Aber was wäre, wenn alle plötzlich merken: Der dicke Kevin ist weg. Und der kleine Moritz. Und der große Kai. Wo sind die hin? Wer hat sich die geschnappt? Und besteht der Rest hier wirklich noch aus echten Kindern? Oder hat sich der böse Wendigo als Kind verkleidet und ins Camp geschlichen?

Ablauf

32 Pfadfinder der Eichhörnchen-Sippe wollen im Waldcamp Ferien machen, und die großen, runden Plättchen mit ihren Abbildungen kommen wild verteilt in die Tischmitte. Einer der Spieler wird zum Wendigo, den die anderen schnappen müssen.

Der Wendigo-Spieler bittet alle Kinder, die Augen zu schließen und sucht sich ein Kinderplättchen aus, das er aus dem Spiel nimmt und gegen eines seiner eigenen Plättchen austauscht. Das zeigt auf der Vorderseite genau dasselbe Kind, aber auf der Rückseite den Wendigo. Zur besseren Übersicht sind alle Pfadfinder- und alle Wendigo-Plättchen nummeriert.

Jetzt dürfen alle Kinder wieder gucken und versuchen, sich die Lage der einzelnen Kinder zu merken. Diese haben verschiedene Merkmale. Manche sind dick, manche dünn. Manche groß, manche klein. Manche haben verschiedenfarbige Halstücher, manche ein Instrument. Es gibt also alle möglichen Unterscheidungsmerkmale.

Dann müssen wieder alle Kinder die Augen zumachen und der Wendigo nimmt ein Plättchen vom Tisch. An dessen Stelle bewegt er sein eigenes.

Augen wieder auf und Sanduhr umgedreht. Alle Kinder müssen jetzt gemeinsam versuchen, herauszufinden, welches der Plättchen auf dem Tisch der Wendigo ist. Und dabei sollte viel diskutiert werden und man sollte schnell sein, denn die Sanduhr läuft natürlich nicht ewig. Im Idealfall merken die Kinder: Es gibt eine Lücke auf dem Tisch. Da, wo vorher der Wendigo gelegen hat. Aber hat sich jemand gemerkt, wie dieses Kind aussah?

Haben sich alle auf ein Kind geeinigt, hinter dem sie den Wendigo vermuten, wird das entsprechende Plättchen umgedreht. Haben sie den bösen Geist geschnappt, haben alle gewonnen (und die entführten Kinder sind natürlich wieder frei). Ansonsten geht es in die nächste Runde.

Fünf Runden muss der Wendigo überstehen, um zu gewinnen und um den Pfadfindern zu zeigen, wer hier die gruseligsten Geschichten am Lagerfeuer erzählt.

Fazit

Alle müssen die Augen zumachen, etwas passiert, alle Augen auf und dann diskutieren ... kennt man irgendwo her. Richtig: Die Werwölfe vom Düsterwald. Und deren unzählige Varianten und Nachfolger.

In alle möglichen Bereiche und Genres ist dieses Prinzip schon geschwappt - nur nicht an den Tisch mit Kindern. Was sich aber mit Die Legende des Wendigo ändert.

Es ist zwar streng genommen keine richtige Werwolf-Variante, hat aber dennoch etwas von der Atmosphäre. Ein unsichtbarer Feind, der Runde um Runde gemeinsam gefangen werden muss.

Die Legende des Wendigo ist natürlich umso spannender, umso länger eine Runde dauert. Wird der Wendigo bereits nach der ersten Nacht gefunden, herrscht am Tisch erst mal ein ernüchterndes "Och ja ...". Aber kein ablehnendes. Immerhin hatten die Kinder vorher schon etwas zu tun. Sie mussten sich die Pfadfinder merken. Und da eine Runde nur ein paar Minuten dauert, kann man sie immer zu einer Wiederholung überreden. Wenn der Wendigo erst nach Runde drei oder später (oder gar nicht) gefunden wurde, wollen fast alle Kinder noch eine zweite Partie. Manchmal auch eine dritte. Aber das war es dann auch schon. Danach muss man das Spiel für kurze Zeit beiseitelegen, damit sich die Lust danach wieder aufbaut.

Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet aber nicht nur die Merkfähigkeit der Kinder. Es kann natürlich sein, dass sich ein Kind zufällig genau den Pfadfinder eingeprägt hat, den sich der Wendigo-Spieler aussuchte und deshalb genau weiß, wer da vorher in der Lücke lag. Es kann auch sein, dass sich der Wendigo ein bisschen doof anstellt, sich einen großen, schlanken Jungen ausgesucht hat und den gegen einen kleinen Dicken austauscht. Das macht es den Spielern natürlich leichter, den Geist zu schnappen. Aus dem letzteren Fehler kann der Wendigo-Spieler lernen, indem er immer einen Pfadfinder austauscht, der seinem in irgendeiner Weise sehr ähnlich sieht. Gegen das zufällige Merken des richtigen Pfadfinders kann man jedoch leider nix machen.

Ein kleiner Punkt, der an Die Legende des Wendigo nicht so gefällt:

Die Regel: Die Kinder haben eine Sanduhr lang Zeit, zu diskutieren, wer der Wendigo ist. Aber was, wenn die Zeit vorbei ist und man sich immer noch nicht einigen konnte? Davon steht leider nichts in den Regeln. Hier machen wir das so: Die Kinder haben dann eben Pech gehabt und der Wendigo macht eine Runde weiter. Wäre aber schöner, man hätte es klarer formuliert.

Die Legende des Wendigo bringt für Kinder ab sechs reichlich Spannung auf den Tisch - wenn nicht der oben genannte Zufall oder ein unüberlegter Wendigo das Spiel vorzeitig beendet. Hier halten sich die Gewinnchancen von Pfadfindern und Wendigo ungefähr die Waage. Ich habe aber auch schon von Gruppen gehört, die den Wendigo immer fangen und welche, die ihn noch nie gefangen haben. Ich kann mir vorstellen, dass unter solchen Umständen das Spiel zu uninteressant wird, weil es entweder keine Schwierigkeit oder zu viel davon bietet.

So, wie es in meinen Testrunden läuft, kann ich das Spiel empfehlen. Es ist rasend schnell erklärt, spielt sich flott, sieht gut aus, ist spannend und hat mal etwas Neues für die Zielgruppe zu bieten. Und es gibt sogar noch eine Variante für jüngere Mitspieler, in der der Wendigo nach jeder Nacht ein Detail seines "Kindes" preisgeben muss.

Also: Ab ans Lagerfeuer und sich ängstlich umgucken!

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Die Legende des Wendigo: 4,0 4,0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.10.17 von Christoph Schlewinski - Starke vier für eine schöne Werwolf-Variante für Kinder ab sechs.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.10.17 von Sandra Lemberger - Jugendliche und Erwachsene finden meist recht schnell Strategien, um sich gemeinsam möglichst viel von der Auslage zu merken. Die Trefferquote wird dann recht hoch, so dass das Spiel recht schnell seinen Reiz verliert. In reinen Kinderrunden macht "Die Legende des Wendigo" jedoch Spaß.

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