Rezension/Kritik - Online seit 13.01.2017. Dieser Artikel wurde 5352 mal aufgerufen.

HMS Dolores

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Autor: Bruno Faidutti
Eric M. Lang
Illustration: Vincent Dutrait
Verlag: Asmodee
Lui-même
Granna
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 2 - 4
Dauer: 10 - 20 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2016
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
Ranking: Platz 3426
HMS Dolores

Spielziel

Wie sagt es Johnny Depp in seiner Paraderolle als Captain Jack Sparrow so schön: "Pi-ra-hat!" Und meint damit die Tatsache, dass trotz gemeinsamen Interesses an Beutestücken immer damit zu rechnen ist, dass man übers Ohr gehauen wird. Unter Piraten gibt es keine Abmachungen, die man unbedingt einhalten muss. Was in diesem Bluffspiel selbstverständlich bei nächstbester Gelegenheit mit gleicher Münze heimgezahlt wird.

Ablauf

Sieben verschiedene Arten von Beutestücken werden vom untergehenden Schiff an den Strand gespült: Wein, Waffen, Geschmeide, Stoffe, Porzellan, Musikinstrumente und Goldbarren. Zu Beginn erhält jeder Spieler 2 bis 4 Beutestücke für seine persönliche Auslage. Danach läuft das Spiel wie folgt ab:

Der aktive Spieler deckt vier Karten auf. Die ersten beiden sind für den nachfolgenden Spieler gedacht, die letzten beiden für ihn selbst. Nun müssen die beiden Kontrahenten überlegen und gemeinsam besprechen, welche Beutestücke sie gerne hätten. Anschließend wird auf Kommando durch Handzeichen angezeigt, wie man sich entschieden hat. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Verhalten sich beide friedlich, erhält jeder die beiden ihm zugedachten Karten. Entscheidet sich jedoch einer für den Kampf, so bekommt er alle Karten, während der andere leer ausgeht. Wollen beide kämpfen, bekommt keiner etwas.

Außerdem gibt es noch die Entscheidung der ersten Wahl. Kommt man damit durch, darf man sich genau eine Karte aussuchen. Der Mitspieler bekommt den Rest, wenn er sich kämpferisch verhält und beide gehen wieder leer aus, wenn sie dasselbe wollen. Die gleichzeitige Entscheidung für die erste Wahl hat sogar noch einen bitteren Beigeschmack: Jeder muss zusätzlich ein komplettes Set aus seiner Auslage entfernen.

Gewonnene Karten sammelt man nämlich nach Warensorten getrennt vor sich. Jedoch zählen am Ende nicht alle Karten, sondern nur jene Sets, die die meisten bzw. die wenigsten Punkte bringen. Das Spiel ist übrigens dann sofort zu Ende, wenn unter den Beutekarten der Sonnenaufgang auftaucht.

Fazit

Was wäre, wenn man beim Schnick-Schnack-Schnuck-Spielen vorher darüber diskutieren würde, wer welches Zeichen gibt? Und was wäre außerdem, wenn man sich an diese Absprachen nicht halten würde? Genauso muss man sich das Spielprinzip von H.M.S. Dolores vorstellen: Es darf diskutiert, gefeilscht, geschimpft und gebettelt werden – und letztendlich kann alles nur ein Bluff sein, denn man muss sich an keine der Absprachen halten!

Die Schlussfolgerung, dass dieses Prinzip nicht jedem gefällt, liegt auf der Hand. Es ist schon eine gewisse Art von Humor erforderlich, um Gefallen an diesem Spiel zu finden.

Während man zu Beginn noch denkt, dass es völlig belanglos ist, für welche Karten man sich entscheidet, merkt man nach der Hälfte des Spiels, dass dies nicht (mehr) zutrifft. Dann ist es schon wesentlich, die ausliegenden Karten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wenn man es am Ende geschafft hat, mehrere Warensorten mit den wenigsten oder den meisten Punkten zu haben, so zählen sie alle. Das kann den Punktepegel kräftig nach oben treiben. Und da die Karten der Mitspieler immer zu sehen sind, kann man genau nachrechnen, welche Karten ihnen gut ins Konzept passen würden. Dann ist es plötzlich gar nicht mehr so einfach, den Gegner übers Ohr zu hauen und es kommt (leider erst relativ spät) Spannung ins Spiel.

Abwechslung bringen die Flaschenpostkarten ins Spiel. Auch sie tauchen unter den vier ausliegenden Karten aus und bringen dem, der sie erwirbt, diverse Vorteile.

H.M.S. Dolores funktioniert zwar in jeder Besetzung gut. Zu viert kann es aber zu längeren Wartezeiten für die passiven Spieler kommen, wenn die beiden Aktiven lange herumfeilschen. Zu zweit wiederum fehlt die aufhetzende Stimme aus dem Hintergrund, was die Sache relativ langweilig macht. Am unterhaltsamsten fand ich Partien zu dritt, wohlgemerkt aber nur dann, wenn sich der jeweils unbeteiligte Spieler rege an den Feilschereien beteiligte.

Zusammengefasst handelt es sich bei H.M.S. Dolores um ein schön aufgemachtes, einfach zu erlernendes Bluffspiel, das den Geschmack einer kleinen Zielgruppe trifft, die dann johlend und feixend am Tisch sitzt. Der Großteil meiner Mitspieler (und auch ich selbst) widmet sich aber lieber solchen Spielen, die steuerbarer sind.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung HMS Dolores: 3,0 3,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.12.16 von Sandra Lemberger

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