Rezension/Kritik - Online seit 28.02.2010. Dieser Artikel wurde 2226 mal aufgerufen.

Eine gegen Eine

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Autor: Weilburger Sieben
Verlag: Edition Erlkönig
Sphinx Spieleverlag
Rezension: André Beautemps
Spieler: 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2009
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
Ranking: Platz 2291
Eine gegen Eine

Spielziel

Hier ist endlich mal die gleiche Aufgabe für alle Spieler gestellt, die sonst immer den Redaktionen und hinterher den Rezensenten vorbehalten ist: Findet heraus, wie das Spiel funktioniert. Und ich habe dafür eine ganz neue Aufgabe: Beschreibe das Spiel, ohne es zu beschreiben. Oder zumindest ohne etwas Wesentliches zu verraten. Je nun, auf ins textliche Abenteuer!

Ablauf

An dieser Stelle sei gleich ein Geheimnis verraten, welches mir den Zorn aller Autoren auf ewig sichert: In dem Umschlag, den das Spiel anstelle einer Schachtel umgibt, befinden sich weitere Umschläge, in welchen das Spielmaterial enthalten ist. Zunächst hat es den Anschein, als hätten alle Spieler identisches Material, aber dem ist nur bedingt so.

Wer den Umschlag des Spiels genau studiert, wird auch im Innenteil einiges wiedererkennen. Ist das Spiel geöffnet und die Einzelumschläge (noch ein Geheimnis: es sind vier Stück!) verteilt, beginnt eine kurze Phase der persönlichen Auseinandersetzung mit dem erhaltenen Material, die dann schnell in Kommunikation umgewandelt wird, sobald jemand die erste Frage in den Raum wirft. Schon wird wild darüber diskutiert, was wie zu handhaben sei. Damit befindet man sich aus Sicht der Autoren schon im Spiel, da die Erarbeitung der Funktionsweisen eine bereits im Untertitel gestellte Aufgabe ist.

Nach kurzer Zeit wird damit begonnen, Spielmechanismen auszuprobieren und einen geregelten Zugablauf auszubaldowern. Mehr noch, schlimmer als bei Spielen mit vorhandenen bzw. schriftlich vorgegebenen Regeln ist man darauf bedacht, keinen Fehler zu machen. Unterschwellig ist bei jedem Spieler eine kleine Grundangst vorhanden, man könnte durch eigene Fehler das gemeinsame Erarbeiten des Spielablaufs derart stören und beeinträchtigen, dass die gesamte Gruppe diesem nicht mehr auf die Schliche kommt.

Da es sich bei diesem Werk nicht um einen Einstellungstest des Förderzentrums für Höchstbegabte handelt, ist diese Angst unbegründet. Tatsächlich sind kleine spieltechnische Fehler oder Ungenauigkeiten nicht relevant und gefährden keineswegs die Lösung des großen Ganzen. Daher ist die angegebene Dauer von zwanzig Minuten als Maximum zu interpretieren. Bisher habe ich keine Testrunde gehabt, die einen höheren Zeitbedarf hatte, bevor jemand sich als Sieger des Spiels outete und dies nach allgemeiner Kontrolle auch war.

Fazit

Es hat was. Zweifelsohne. Nämlich einen Haken: Hat man es einmal gespielt, kann man es bei vorhandenem Interesse eigentlich ab diesem Zeitpunkt nur noch zusammen mit Leuten spielen, die das gleiche Königswissen um des Spieles Lösung haben. Und ist dadurch des Hauptfaktors dieses Spiels beraubt: Der gemeinsamen Erarbeitung des Spielmechanismus.

Die Phase, in der alle Spieler erst einmal die visuellen Eindrücke in kommunikative umwandeln, ist in der Tat als Höhepunkt zu betrachten. Es gab niemanden, der unzufrieden aus dem Erlebnis, sich das Spiel selbst erarbeitet zu haben, herausgegangen ist. Die Interpretationsmöglichkeiten, wie im Spiel zu verfahren sei, sind sicher nicht nebeneinander durch ein Nadelöhr zu manövrieren, haben aber auch nicht galaktische Dimensionen. Die Mechanismen und das eigentliche Spielziel (wie das Spiel zu gewinnen ist) sind grundsätzlich zügig erkannt und angewendet worden. Durch die zwangsläufig entstehende Kommunikation wurden vor allem der Spielspaß und die Konzentration hoch gehalten.

Interessant ist die Reaktion der nach einer Partie Eingeweihten auf die Frage nach dem Reiz des Wiederspielens. Zeigte sich hierbei die geneigte Spielerschar eher zurückhaltend, wurde die Resonanz ins Positive vervielfacht, als die Frage nach einem Weiterleiten des Spiels an andere Unwissende und der Möglichkeit des Zuschauens aufkam. Dieses Vergnügen sahen die meisten als wesentlich höher an als die reine Wiederholung der jetzt bekannten Mechanismen.

Für wen ist solch ein Spiel geeignet oder zumindest gedacht? Das einmalige Erleben des Premierenspiels ohne Regelkenntnis wird am ehesten spielaffine Persönlichkeiten locken. Wobei der nicht unberechtigte Einwand vorgebracht wird, dass es sich bei dem heutigen Überangebot des Marktes nicht erschließt, warum man sich käuflich ein Spiel erwerben sollte, von dem man vorher überhaupt nichts weiß. Multiplikatoren in pädagogischen Arbeitsbereichen können an diesem Produkt durchaus den Vorteil erkennen, mit spielerischer Methodik einer Arbeitsgruppe Gruppendynamik und -kommunikation "aufzuzwingen", ohne die eine Lösung der Aufgabe nicht funktioniert.

Spaß hat es mir und meinen Mitspielern sowie Testrunden allesamt gemacht, eine Kaufempfehlung für jedermann kann ich nicht aussprechen. Diese gilt sicher für Personen, die für Hilfsmittel zur Förderung von Kommunikation dankbar sind. Wer jedoch aus welchen Gründen auch immer die Gelegenheit erhält, einer Neulingsrunde selbst beiwohnen zu können, dem möchte ich dies anraten. Vielleicht knackt ja einer den bisherigen 10-Minuten-Rekord zur Lösung und zum Gewinn des Spiels?

Rezension André Beautemps

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Eine gegen Eine: 4,5 4,5, 2 Bewertung(en)

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