Rezension/Kritik - Online seit 26.02.2004. Dieser Artikel wurde 5547 mal aufgerufen.

Kardinal & König (PC-Spiel)

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Autor: Michael Schacht
Verlag: Dartmoor Games
Rezension: Steffen Stroh
Spieler: 1 - 5
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2003
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
Ranking: Platz 4121
Kardinal & König (PC-Spiel)

Spielziel

Das vorliegende PC-Spiel ist eine Umsetzung von Michael Schacht´s Brettspiels „Kardinal & König“, das im Jahr 2000 von Goldsieber aufgelegt wurde, und mittlerweile (leider) out of print ist. Wie immer, so sei auch hier zur Beschreibung des Spielablaufes selbst auf die Brettspielrezension verwiesen.

Ablauf

Eine der erfreulichsten Neuerungen dieser Dartmoor-Umsetzung erblicken wir gleich beim ersten Spielstart. Wir dürfen die Bildschirmauflösung nebst Farbtiefe frei wählen, von biederstem VGA (640*480) bis hinauf zu 1280*1024 ist alles lückenlos abgedeckt – vorbildlich. Die Einstellungen im Hauptmenü beschränken sich daraufhin auf ein Minimum: Mann kann zwischen einfacher Klötzchengrafik und modellierten Figuren wählen, die Abrechnungsgeschwindigkeit regulieren und die eher nervtötende Sounduntermalung abschalten. Das eigentliche Spiel lässt sich natürlich sowohl gegen PC-Gegner, als auch Peer-to-Peer über das Internet spielen. Einen zentralen Server verspricht Dartmoor schon länger, bleibt ihn bisher aber noch schuldig.

Wer noch eine Regeleinführung benötigt, erhält diese in einem ausführlichen (und fehlerfreien) Tutorial.

Ich entschied mich für das Spiel gegen mehrere PC-Gegner. Vor Spielstart geht es daran, Spielerfarbe und Spielgruppenzusammensetzung zu wählen. Bis zu 5 Spieler sind möglich, die maximal 4 PC-Gegner lassen sich in stolzen 5 Schwierigkeitsstufen optimal dem eigenen Können anpassen. Einschränkend sei erwähnt, dass die PC-Spieler in der höchsten Spielstufe „Meister“ kaum stärker agieren als in der Stufe darunter („Profi“), allerdings ein vielfaches mehr an Überlegungszeit in Anspruch nehmen. Es empfiehlt sich daher, maximal auf „Profis“ zurückzugreifen. Außerdem können die Varianten „Vatikan“ und „Handelsstraßen“ auf Wunsch zugeschaltet werden, dazu später mehr.

Präsentation: Die Spielgrafik präsentiert sich bekannt frei dreh- und zoombar. Zwei Dinge fallen gegenüber früheren Umsetzungen von Dartmoor sofort auf: Zum einen die jetzt hohe Auflösung, zum anderen die schlichte Eleganz. Endlich hat man auf unnötigen Zierrat gänzlich verzichtet. Siegpunkte und Figurenvorrat der PC-Spieler wird am oberen Bildschirmrand in mit schlichten, aber sehr übersichtlichen Zahlen angegeben. Gleiches gilt für die Karten und den Vorrat des Spielers am unteren Bildschirmrand. Ein separates Fenster am zentralen unteren Bildrand protokolliert sämtliche Spielzüge. Dank Scrollfunktion lässt sich dort jederzeit nachvollziehen, was in den letzten Runden geschehen ist.

Die Spielgrafik selbst weicht vom Originalbrettspiel ab. Die Landschaft wird in Grün, Bergketten in Graustufen dargestellt. Das sieht sehr hübsch aus. Zuerst wollte ich die Übersicht bemängeln, musste jedoch eingestehen: Wären die Länder farbig wie im Brettspiel, würden die notwendigen Kontraste zu den Spielerfarben wohl zu gering ausfallen. Die gefundene Lösung ist definitiv besser. Einzig die Ländergrenzen gehen etwas unter – hier hätte man vielleicht den Kompromiss eingehen sollen, wenigstens diese farbig zu umfahren. Hat man zudem anfangs die hübscheren, modellierten Spielfiguren gewählt, so fallen die Rätefiguren arg mickrig aus – vor allem wenn man die Perspektive fast auf Draufsicht kippt, sind von den Räten nur noch stecknadelkopfgroße Punkte übrig. Dennoch – grafisch wirkt die Umsetzung ab einer Auflösung von 1024*768 ansprechend.

Steuerung: Spielzüge werden nach dem Prinzip „Klick & Point“ abgearbeitet. Zuerst wählt man die 1-2 eigenen Karten aus, die man spielen möchte, wählt danach die Einsatzorte (2 Klöster, Kloster+Rat oder 2 Räte) und klickt danach die Karte(n) vom Nachziehbereich unten rechts an, die man gerne haben möchte. Ist der Zug so komplettiert, wird er mit einer sehr kurzen Animation ausgeführt. Der aus früheren Umsetzungen bekannte Undo-Button fehlt hier, man sollte sich vor Zugabschluss also vergewissern, dass alle Figuren dort stehen, wo man sie auch wirklich hin haben will.

Die Varianten: In dieser PC-Umsetzung ist neben der bereits bekannten Variante „Vatikan“ (hierzu sei erneut auf die entsprechende Brettspielrezension verwiesen) eine Variante mit dem Titel „Handelsstraßen“ enthalten. In dieser entfällt die Zwischenwertung. Dafür sind einige Bauplätze der Kloster mit einem sofort kassierbaren Bonuspunkt aufgewertet, gleiches gilt für einige Straßenverbindungen (Kutschensymbol), so man sie in ein eigenes Netz einbindet. Die Rätebündnisse sind, um in Anbetracht der fehlenden Zwischenwertung nicht zu mächtig zu werden, in ihrer Zahl stark reduziert und teilweise lageverändert. Diese Variante führt zu einem etwas flotteren, direkteren Spielverlauf nach dem Motto „catch what you can“.

Künstliche Intelligenz: Einer der wichtigsten Punkte bei PC-Umsetzungen ist die Stärke der Computergegner, schließlich sollen diese das Fehlen menschlicher Mitspieler kompensieren. In Kardinal & König agieren die Gegner ab der dritten Stufe (Amateur) weitgehend fehlerfrei. Dumme Züge des menschlichen Spielers werden konsequent bestraft. Dass die KI dennoch nicht die allergrößte Herausforderung darstellt, liegt v.a. an ihrem sparsamen Umgang mit den Räten. Einmal angefangene Länder werden blitzschnell mit Klostern verstellt, während Rätemehrheiten oft auf dem Silbertablett verschenkt werden. Das gleicht sich punktemäßig dann oft wieder aus – es sei denn, man spiel mit der Variante „Vatikan“. Diese scheint der Computer überhaupt nicht zu beherrschen, während die Handelsstraßen seiner Spielweise entgegenkommen. Insgesamt sind die PC-Gegner (ohne Vatikan-Variante) in Kardinal & König aber anständig gelungen, und verlangen vom Spieler konzentriertes Agieren.

Fazit

Die vorliegende Umsetzung zeigt, dass Dartmoor aus vergangenen Fehlern viel gelernt zu haben scheint. Endlich hochauflösende Grafik ohne kontraproduktive Schnörkel, endlich eine gute Übersicht (kleine Einschränkungen bei Grenzen und Räten). Positiv auch, dass man sich mit den Handelsstraßen um eine Zugabe bemüht hat, die das PC-Spiel vom Brettvorbild abhebt. Wie bei einem Spiel dieser absehbaren Spieltiefe auch erwartet werden darf, sind die (als „Meister“ leider zu trägen) PC-Gegner kein Kanonenfutter, allerdings auch keine unüberwindbaren Hürden. Regelfehler oder Bugs konnte ich während meiner Testphase nicht entdecken. Wer also gerne zwischendurch am heimischen PC - oder auf dem Notebook während der Zugfahrt - die ein oder andere Parte Kardinal & König spielen möchte, leistet sich mit dieser Umsetzung keinen Fehlgriff. Für Profis und Fans der Vatikan-Variante ist der PC sicher keine langfristig ausreichende Herausforderung; für diese bleibt zu hoffen, dass Dartmoor sein Versprechen mit einem zentralen Server möglichst bald wahr macht.

Rezension Steffen Stroh

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Kardinal & König (PC-Spiel): 4,0 4,0, 2 Bewertung(en)

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