Rezension/Kritik - Online seit 30.10.2009. Dieser Artikel wurde 2556 mal aufgerufen.

Kimaloé

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Autor: Dominique Ehrhard
Sébastien Pauchon
Malcolm Braff
Illustration: Denis Kormann
Verlag: Asmodee
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 3 - 4
Dauer: 30 - 40 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2009
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
Ranking: Platz 2833
Kimaloé

Spielziel

Die Spieler reisen rund um den Globus und helfen dort gemeinsam, die Probleme der Kinder zu bekämpfen und deren Rechte durchzusetzen. Dafür gibt es dann Punkte, mit denen sowohl die eigene Kinder- als auch die Erwachsenenfigur langsam die Leiter in eine bessere Welt aufsteigen. Dabei muss man aber beachten, dass sich Groß und Klein nicht zu weit voreinander entfernen dürfen. Ein Spiel ohne den moralischen Zeigefinger, aber als Anregung gedacht, um über die weltweiten Rechte der Kinder nachzudenken.

Ablauf

Vor dem Spielbeginn wird ein seltsam anmutendes Konstrukt von Spielplan aufgebaut. Von einem runden Erdball gehen ein Spielplanteil mit vier Erfolgsleitern sowie fünf Kinderkarten ab, was insgesamt ein sternförmiges Gebilde entstehen lässt. Schon beim Anlegen dieser Kinderkarten sollte man die Namen der darauf abgebildeten Kinder vorlesen und gemeinsam besprechen, welche Rechte diesen Kindern vorenthalten bleiben (Recht auf Bildung, medizinische Versorgung, Spielen usw.). Jeder Spieler setzt seinen Lastwagen mit einer Kiste auf den Startkontinent, stellt seine beiden Spielfiguren (Kind und Erwachsener) an den Anfang der Erfolgsleiter und erhält seinen Handkartenstapel, aus dem er nach gründlichem Mischen sieben Karten auf die Hand nimmt.

Wer an der Reihe ist, würfelt und zieht seine Figur entsprechend viele Felder weiter. Auf dem Zielkontinent kann er auf der dort liegenden Kinderkarte passende Handkarten ausspielen. Zudem erlaubt jeder Erdteil gewisse Sondermöglichkeiten. So darf man auf diese Weise Handkarten einer bestimmten Farbe auf jeder beliebigen Kinderkarte (auch auf einem anderen Kontinent) platzieren oder seine Handkarten wieder auf sieben auffüllen, erhält Siegpunkte oder Sonderkarten.

Wenn alle Bedürfnisse eines Kindes gestillt sind, also alle erforderlichen Karten darauf abgelegt wurden, wird abgerechnet. Wer die letzte Karte abgelegt hatte, erhält zwei Siegpunkte, die er beliebig auf seine beiden Figuren verteilen darf. Ansonsten darf jener Spieler, der die meisten Punkte auf dieser Kinderkarte erzielen konnte (die Summe ergibt sich aus der Punktzahl der abgelegten Handkarten), seine Summe mit dem Erwachsenenpöppel vorziehen, alle anderen dürfen ihre erreichten Punkte mit der Kinderfigur ziehen. Zu beachten ist dabei, dass sich die beiden Figuren nie weiter als vier Felder voneinander entfernen dürfen, so dass auch Punkte verfallen können. Sobald eine Kinderkarte abgerechnet wurde, wird sie zur Seite gelegt und durch eine neue ersetzt.

Eine besondere Rolle kommt dem Lastwagen zu, der nicht nur als Lauffigur dient, sondern zu Beginn auch eine Hilfslieferung für die bedürftigen Kinder mit sich führt. Lädt man diese Hilfsgüter auf seinem Zielfeld ab, darf man den Lkw ein Feld vor oder zurück bewegen. Hat man das Glück, mit einem leeren Lastwagen auf einem Kontinent mit einer herrenlosen Hilfsladung zu landen, darf man diese auf seinen Lkw laden und bei Bedarf wieder nutzen.

Das Spiel endet, wenn eine Spielfigur das Ziel erreicht. Da der laufende Zug zu Ende gebracht wird und damit verbundene Wertungen ebenfalls durchgeführt werden, kann eventuell auch jemand gewinnen, dessen Figur ebenfalls im selben Zug das Ziel erreicht – nämlich dann, wenn seine zweite Figur weiter vorne liegt als die des Mitspielers.

Fazit

Eine ungewöhnlich ernste Thematik liegt diesem Spiel zugrunde, nämlich die Beschäftigung mit dem Leid anderer Kinder und der Möglichkeit, diesen zu helfen. So zumindest der Grundgedanke des Spiels. Dieser kommt auch in der ersten Partie wunderbar zum Tragen, und zwar dann, wenn alle Kinderkarten genau angeschaut werden und man sich über das Los jener Kinder unterhält. Ein Thema, mit dem sich die meisten Kinder sehr interessiert und einfühlsam beschäftigen und das viel Potenzial für Erklärungen und Gespräche bietet. Vor allem versucht das Spiel nicht vorzugaukeln, dass jedem Kind geholfen werden kann, denn die mitspielenden Kinder merken sehr schnell, dass nach dem Spiel noch Kinderkarten übrig sind, denen keine oder zu wenig Unterstützung zuteil wurde.

Bereits in der zweiten Partie kann es jedoch passieren, dass das eine oder andere Kind diese ganze Prozedur, über jede einzelne Kinderkarte sprechen zu müssen, nicht noch einmal über sich ergehen lassen will. Manchen Kindern macht es nichts aus, auch ein zweites oder drittes Mal über ein- und dieselben Kinder und deren Bedürfnisse zu sprechen, manchen wird dies aber mit der Zeit zu langweilig. Schade, dass hier nicht eine etwas greifbarere Umsetzung als das Vorlesen oder Besprechen von Bildern gewählt wurde, denn so wird aus einem Spiel über Menschenrechte relativ schnell ein einfaches (?) Legespiel.

Und genau ab diesem Zeitpunkt stellt sich die Frage: Hat das Spiel trotzdem genug Potenzial, um nicht im Regal zu verstauben? Reinen Erwachsenenrunden wird die doch recht kindgerechte Aufmachung nicht gefallen, für Kinder unter 8 Jahren ist das Spiel zu komplex, aber im Familienbereich wird das Spiel seine Anhänger finden.

Nicht nur, dass die Aufmachung sehr ungewöhnlich und gelungen ist, auch solides Material motiviert zum Spielen. Nebenbei erwähnt ist es Game Works auch bei diesem Spiel wieder gelungen, die perfekte Schachtel für das gesamte Material zu kreieren. Da findet tatsächlich auch das kleinste Steinchen ein exakt passendes Plätzchen.

Hinter Kimaloé steckt nicht nur eine ungewöhnliche Thematik, auch das Spielprinzip kann sich sehen lassen. Es gibt genug taktische Möglichkeiten, die es zu überdenken gilt:

  • Wann setze ich meine Hilfsladung am besten ein, um auf einem lukrativeren Feld zu landen? Dies sollte gut überlegt werden, denn nach Abgabe der Hilfsladung ist man erst einmal dem Würfelglück hilflos ausgeliefert.
  • Wie viele Karten spiele ich aus? Lohnt es sich eher, Bonuspunkte fürs Beenden einer Karte zu kassieren und dafür Punkte zu verschenken, weil sich Kinder- und Erwachsenenpöppel zu weit voneinander entfernen? Oder macht es mehr Sinn, die Bonuspunkte einem Mitspieler zu überlassen und dafür eine optimale Punktezahl zu erzielen?
  • Weniger ist oft mehr, denn wenn man zu viele Karten auf einmal ausspielt, muss man auch öfter aussetzen, um wieder Karten nachziehen zu dürfen, sofern man es nicht schafft, öfter auf jenem Erdteil zu landen, auf dem man seine Handkarten wieder auffüllen darf.
  • Ein Blick auf die Figuren der Mitspieler kann auch nicht schaden – denn oft erkennt man dann, dass man durch das Ausspielen einer bestimmten Karte den führenden Spieler vielleicht unterstützen würde.
  • Auch muss man immer wieder für eine recht ausgewogene Punkteverteilung mithilfe der eigenen Handkarten sorgen, damit sowohl der Erwachsenen- als auch der Kinderpöppel einigermaßen gleichmäßig vorwärts kommen und nicht zu viele Punkte verschenkt werden.
  • Außerdem will wohl überlegt sein, wann man erworbene Sonderkarten am besten zum Einsatz bringt.
  • Und nicht zuletzt stellt sich auch immer wieder die Frage, wann der geeignete Zeitpunkt ist, um durch Aussetzen für Kartennachschub zu sorgen.

Genug Ansatzpunkte, um das Spiel für Familien mit Kindern nicht langweilig werden zu lassen. Dafür sorgt auch die adäquate Spieldauer von etwa 45 Minuten.

Im "Jahr der kooperativen Spiele" finde ich es ein bisschen schade, dass aus Kimaloé kein Spiel dieser Gattung geworden ist. Denn gerade zu dieser Thematik hätte es besonders gut gepasst, wenn die Spieler an dem gemeinsamen großen Ziel nicht konkurrierend, sondern kollektiv gearbeiteten hätten. Ansonsten liegt mit Kimaloé aber durchaus ein gelungenes Spiel vor, dass Familien auch noch Spaß machen kann, wenn auf das zugrunde liegende Thema nicht mehr oder nicht mehr ganz so intensiv eingegangen wird.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Kimaloé: 4,0 4,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.10.09 von Sandra Lemberger

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