Rezension/Kritik - Online seit 07.09.2011. Dieser Artikel wurde 2675 mal aufgerufen.

Meschugge

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Autor: Thomas Pauli
Illustration: Barbara Spelger
Markus Wagner
Verlag: AMIGO
Rezension: André Beautemps
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2009
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
Ranking: Platz 2084
Meschugge

Spielziel

Oi weh, wos is des? A jiddisches Spielchen? Na, ma misst verrickt sein, wenn mans nicht amal probieren würd. Oder aber vielleicht auch genau anders herum: Man muss a bisserl verrickt sein, wenn mans spielen will. Herrschele!

Ablauf

Jeder Spieler bekommt einen kompletten, mit denen der anderen Spieler übereinstimmenden Kartensatz und vier Siegpunkte. Sogenannte Kommandokarten werden als verdeckter Stapel in die Mitte gelegt, die oberste Karte wird aufgedeckt. Ein Spieler - ab Runde 2 der Gewinner der letzten Runde - erwürfelt eine von zwei möglichen Vorgaben und deckt anschließend die oberste Karte auf:

  • Farbe - alle Spieler suchen gleichzeitig eine Karte aus Ihrer Hand, deren Farbe dem Wort der ausliegenden Karte entspricht und legen diese schnellstmöglich verdeckt in die Mitte oder
  • Wort - alle Spieler suchen gleichzeitig eine Karte aus Ihrer Hand, auf der die Farbe der ausliegenden Karte als Wort aufgedruckt ist und verfahren mit dieser ebenso.

Dabei ist zu beachten, dass es so genannte Kontrakarten gibt, d. h. die genau die umgekehrte Zusammenstellung von Wort und Farbe ggü. der ausliegenden Karte als Eigenschaft besitzen. Diese Karten dürfen bei der Ablage nicht benutzt werden, sonst muss ein Siegpunkt abgegeben werden. Liegt z. B. eine blaue Karte mit dem Wort "Gelb" aus, ist die Kontrakarte die gelbe mit dem Wort "Blau".

Darüber hinaus existieren vier "Meschugge"-Karten, deren Farbe und Wort übereinstimmen. Liegt eine solche Karte als Kommandokarte aus, darf keine Karte in die Mitte gelegt werden. Tut man es dennoch, ist ebenfalls ein Siegpunkt futsch.

Zwei Pluspunkte hingegen gibt es für denjenigen, der eine korrekte Karte als Erstes ausgespielt hat, was über die Rückseite der Karten leicht identifiziert werden kann. Nachdem der Stapel der Kommandokarten durchgespielt wurde, endet das Spiel. Die Endplatzierung wird über die Anzahl der errungenen Siegpunkte ermittelt.

Fazit

Ich kann es mir nicht merken: Trotz sehr kurzer und dennoch allumfassender Spielregel musste ich selbst zum Verfassen dieses Textes wieder nachschlagen, was jetzt bei Farbe und was bei Wort gesucht wird. Das ging mir in allen Testrunden nicht anders. Wie das Spiel grundsätzlich funktioniert, ist sofort klar, nur die Bedeutung der Würfelvorgabe will sich zumindest mir einfach nicht einprägen.

Genau dies transportiert bereits das Spielgefühl. Meine Güte, eine Auswahl von 16 Karten, von denen zwei Karten als passend zu identifizieren und eine davon schneller als die der Mitspieler in die Tischmitte zu bringen ist. Man sollte meinen, diesem Anspruch müssten auch schlichte Gemüter wie meines locker gerecht werden. Und doch verknotet sich das Hirn aufgrund der Beteiligung von Farben.

Wie lange es dauern kann, bis man die Bedeutung des Wortes einer Grundfarbe (bitte jetzt keine Vorträge zum Thema "Grün ist doch gar keine Grundfarbe") erschlossen hat, wenn eine völlig andere Farbe als greller Hintergrund zu sehen ist! Und erst dann können die Synapsen überleiten zur Reflektion, welche Aktion jetzt vorgegeben und durchgeführt werden muss. In der Zwischenzeit hat meine Oma schon mal das Haus geputzt und den Wochenendeinkauf erledigt, so kommt einem die eigene Bedenkzeit machmal vor.

Gründlich getäuscht habe ich mich in der Annahme, dass auf diesen billigen Trick mit den "Meschugge"-Karten, bei denen gar nichts gelegt werden darf, doch ohnehin keiner reinfällt. Selbst zu den Pionieren bei dieser Selbstaustricksung gehörend, habe ich mittlerweile wenigstens hierfür einen guten Blick entwickelt, was mir sehr hilft, hektische Betriebsamkeit bei der Kartensuche vorzugaukeln, um somit andere Spieler dazu zu bringen, tatsächlich eine "passende" Karte zu suchen und in die Mitte zu legen.

Ähnlich anderer zeitlich simultaner Stresskonkurrenzsimulationen ist der Zeitbedarf und der damit verbundene Erfolg schwankend. Bisher hat sich noch nirgendwo im persönlichen Umfeld ein Meister herauskristallisiert, der jede Spielegruppe in Grund und Boden reagiert. Das wiederum bedeutet, dass ein Spielausgang immer ungewiss und dadurch stets spannend erscheint. Ein klares Plus für ein solches Spiel.

Warum bei 64 Karten, einigen Chips und einem Würfel (der auch z. B. durch einen Los-Chip hätte ersetzt werden können) eine Abweichung zum mittlerweile sehr bekannten Standardkartenspielformat der Verpackung vorliegt, erschließt sich hingegen nicht. Die großzügig beigegebene Gratisfrischluft im Schachtelinneren wird zwar noch durch ein Tiefziehteil ein wenig kaschiert, schafft aber dennoch den Ersteindruck, dass hier ein Spiel mit sanfter Gewalt in einen anderen Verkaufspreisbereich gedrückt wurde.

Die angegebene Zeitdauer von einer halben Stunde ist bei aller Hirnakrobtik sehr großzügig ausgelegt. Allerhöchstens zwischen den Nettospielzeiten durchgeführte Diskussionen, Erklärungsversuche usw. können diese Zeitspanne füllen. Der reine Zeitbedarf liegt eher bei zwei Dritteln der Vorgabe, sprich 20 Minuten. Eine sehr angenehme Spieldauer im Verhältnis zu Spieltiefe und -gefühl. Zu kurz für die Gefahr der Entstehung echter Seemannsknoten in den gedanklichen Signalgebern und lang genug, um auch windkraftbetriebene Hirnkraftwerke auf Betriebstemperatur zu bringen.

Aufgrund der Tatsache, dass dieses Spiel derart rasch erklärt und gespielt ist, sind selbst bekennende Antistress-Spieler, denen zeitbezogener Wettkampf verhasst ist, nicht in wirkliches Unwohlsein verfallen. Zeitgenossen, denen diese Art von Herausforderung ohnehin liegt, werden jauchzen, lechzen, grunzen, wenn ihnen immer meschugger wird bei Meschugge.

Rezension André Beautemps

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Meschugge: 5,0 5,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.07.11 von André Beautemps - Das Material ist ok und grafisch nicht zu beanstanden. Die Aufmachungsnote wird durch das Missverhältnis zwischen Verpackungsgröße und -inhalt gedrückt.

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