Rezension/Kritik - Online seit 18.12.2016. Dieser Artikel wurde 4418 mal aufgerufen.

Mino & Tauri

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Autor: Carlo A. Rossi
Verlag: AMIGO
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 4
Dauer: 15 Minuten
Alter: ab 6 Jahren
Jahr: 2016
Bewertung: 5,3 5,3 H@LL9000
5,0 5,0 Leser
Ranking: Platz 739
Mino & Tauri

Spielziel

Gerade noch einen schönen Kornkreis ins Weizenfeld gesetzt und plötzlich stürzt das Ufo ab. Hat ja jeder schon mal erlebt. Die beiden Extraterristen Mino und Tauri schlagen sich jetzt durchs Gebüsch und suchen die Einzelteile ihres Gefährtes zusammen. Aber nicht auf dem flachen Boden, sondern hochkant. Und aufeinander magnetisch verbunden.

Ablauf

Vier Weizenfeldtafeln stehen bei Mino & Tauri zur Auswahl, jeweils beidseitig bedruckt und mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

Für die erste Partie nimmt man am besten Plan Nr. 1, steckt ihn hochkant in die Halterung der Schachtel und setzt auf jede Seite eine Spielfigur, die magnetisch haften bleiben.

12 Dinge müssen die beiden Außerirdischen pro Runde finden - oder besser: möglichst viele dieser 12 Dinge. Bei Mino & Tauri spielt man gegen die Zeit, immer im 2er-Team und vor allem: Alle spielen zusammen und holen Punkte für die ganze Gruppe.

Jeder Spieler bekommt eine Farbkarte, die oberste Suchkarte wird aufgedeckt und die zeigt nicht nur das zu suchende Teil, sondern auch, welche zwei Farben (Spieler) jetzt zusammenarbeiten müssen. Die stellen die Schachtel mit dem hochkant gesteckten Plan zwischen sich und müssen die beiden Figuren durch das Kornlabyrinth bewegen. Sechs Dinge sind auf jeder Seite zu sehen. Da heißt es zuerst suchen und Bescheid geben, auf wessen Seite das Ziel liegt. Dann wird die Sanduhr umgedreht und es geht los.

Das Wichtigste bei Mino & Tauri: Die beiden Spieler müssen sich dringend absprechen, denn es sollten nicht beide ihre Figur gleichzeitig bewegen. Sonst verlieren sie die magnetische Haftung und stürzen ab. Wenn dies das vierte Mal passiert, ist die Runde sofort vorbei.

Also immer schön abwechselnd bewegen und nur über Wege. Das sind die beiden Regeln. Man darf seinen Außerirdischen nicht über Hecken springen lassen ...

... wohl aber den anderen, denn den bewegt man ja automatisch und magnetisch mit. Wenn der über eine Hecke bewegt wird, ist das egal und noch mehr: Es ist sehr entscheidend, denn alle Wege im Kornfeld sind irgendwann Sackgassen, aus denen man nicht mehr herauskommt. Es sei denn, der Partner wählt einen Weg, der die eigene Figur dabei über eine Hecke schiebt. Dann kann man schnell Bescheid geben und die Bewegung auf seiner Seite übernehmen.

Auf diese Weise sprechen sich die Spieler unentwegt ab und schieben die Figuren über den Plan. Schafft es einer, auf das gesuchte Ding zu kommen, wird die nächste Suchkarte aufgedeckt und das Team wechselt eventuell - aber schnell, denn der Sand rinnt unerbittlich.

Regulär ist die Runde vorbei, wenn die Sanduhr abgelaufen ist. Dann werden die gefundenen Karten gezählt und noch zwei weitere Runden gespielt.

Bis zu 36 Punkte kann die Gruppe maximal erreichen (was sehr anspruchsvoll ist) und man versucht bei jeder Partie von Mino & Tauri besser zu sein, als bei der zuvor ... weil die kleinen außerirdischen Trottel natürlich jedes Mal abstürzen und jedes Mal die Hilfe der Spieler brauchen. Wie viel Punkte die beiden wohl im galaktischen Flensburg mittlerweile gesammelt haben?

Fazit

Einen hochkanten Spielplan, bei dem auf beiden Seiten agiert wird, gab es zuletzt bei bei Fluch der Mumie (also meines Wissens, ich lasse mich auch gerne belehren). Dabei ist die Idee doch eigentlich toll und macht auf dem Tisch unbedingt etwas her.

Mino & Tauri ist also dadurch schon etwas Besonderes. Aber nicht nur dadurch. Was das Spiel ganz automatisch schafft: Die Kinder unterhalten sich angeregt. Ist der Groschen gefallen, wie man hier miteinander reden muss, sieht man von Runde zu Runde eine immer steiler werdende Lernkurve.

Manche Kinder beantworten anfangs die Frage ihres Gegenübers "Wohin muss ich?" mit einem Zeigen in die Richtung - aber schön hinter dem Plan, so dass der andere nichts sieht. Das wird ein paar Mal angemahnt und schon wandern die Hände über den Plan und zeigen in die richtige Richtung.

Die Halterungen, in die der Plan gesteckt wird, wirken zuerst sehr instabil und tatsächlich kann bei manchen Spielen der Plan beim Schieben hochgehoben werden. Dass er ganz rausfällt, hab ich noch nicht erlebt, aber dass er sich so leicht heben lässt, stört eigentlich den Spielfluss ... Kinder sind da aber locker. Die legen intuitiv die Hand auf den Plan und schieben weiter. Problem gelöst.

Auch das anfängliche Gemecker "Ich komm hier aber nicht mehr weiter auf meiner Seite!!!" wird im Laufe der Runden immer seltener. Manchmal muss man wirklich alle Bewegungsmöglichkeiten ausschöpfen und in alle Ecken gehen, damit der Partner auf der anderen Seite über eine Hecke bewegt wird und weiterschieben kann. Auch das kriegen die Kinder schnell raus.

Auch mitspielenden Erwachsenen macht Mino & Tauri Spaß. Sprachliches Koordinieren mit dem Nachwuchs beschränkt sich ja meist darauf, wo die Jacke liegt oder wohin die dreckigen Teller oder Socken sollen. Bei diesem Spiel muss man anders miteinander reden. Das gefällt beiden Seiten bis jetzt gut.

Haben sich die Kinder (und auch manche Erwachsene) an das System und die Kommunikation gewöhnt, bleibt es auch nicht bei einer Partie. Es wird mindestens noch eine gefordert. Auch die ansteigende Schwierigkeit mit den Plänen ist gut gemacht. In den Plänen drei und vier sind die Wege viel schmaler, viel verschachtelter. Da hat man richtig was zu tun, will man möglichst viele Dinge finden. Da wird richtiges Absprechen immens wichtig. Und das lernen die Kinder hier schön Schritt für Schritt. Und vor allem mit einem Erfolgserlebnis. Durch die Sanduhr kommt auch ein schönes Element rein, das Druck und Spannung aufbaut. So etwas mag die Zielgruppe gerne.

Wer es lieber gegeneinander mag, kann im Spiel zu dritt und viert auch abwechselnd mit jedem Spieler suchen. Die Punkte, die man dabei macht, werden beiden gutgeschrieben. Wer dann am Ende die meisten hat, gewinnt. Auch eine schöne Variante.

Die einzige Kleinigkeit, die bei Mino & Tauri nicht so sehr gefällt:

Die Auswahl der zu findenden Motive. So kindgerecht wie das Spiel gemacht ist, so erwachsenengerecht sind die Bilder auf den Karten. Vielleicht hat man sich gedacht, ein paar Nerd-Eltern leichter zum Mitspielen bewegen zu können. Das Handtuch und das Buch aus "Per Anhalter durch die Galaxis", ein Fluxkompensator, ein Alien-Elvis, eine Alien-Espressomaschine ... alles irgendwie witzig, aber halt für Erwachsene. Da hätte man vielleicht auf kindlichere Motive gehen sollen.

Aber das ist bei Mino & Tauri eben nur eine Kleinigkeit. Zuerst dachte ich mir auch: "Mann, ey ... wieso SciFi? Welcher 6-Jährige weiß denn, was Kornkreise sind? Wieso nix mit Zauberern oder so?"... aber dann, nach einigen Partien, sieht man, wie sehr das Thema die Kinder anspricht. Auch, wenn sie diese Ebene Aliens und Kornkreise nicht kennen. Die sind da halt abgestürzt, so what? Wieder mal ein Zeichen dafür, dass Kinder bei weitem nicht so verkopft sind wie die Erwachsenen.

Mino & Tauri macht einfach Bock und ist im Bereich kooperatives Kinderspiel (die man aber auch gegeneinander spielen kann) eine erfrischende und bereichernde Neuerscheinung, die man sich dringend einmal angucken sollte.

Also: Antrieb reingeschraubt und zurück in die Heimat!!!

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Mino & Tauri: 5,3 5,3, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.10.16 von Christoph Schlewinski - Ein spannendes Ding, bei dem sich die Kinder gut absprechen müssen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.10.16 von Rene Puttin - Tolles Kinderspiel, bei dem auch die Erwachsenen gerne mitspielen. Absprache und Zusammenarbeit sind unerlässlich. Jeder sieht nur seine Seite und so kann keiner die vollständige Kontrolle übernehmen. Super! (Einzige Sorge meinerseits ist, dass man nach einigen Partien die Pläne im Kopf hat.)
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.12.16 von Stephan Gehres - Tolles kooperatives Spiel. Echte Kooperation, nicht nur ein Zusammen-Spielen. Die Gegenstände sind witzig, finde es auch nicht schlimm, wenn Kinder das noch nicht verstehen (ist bei vielen Animationsfilmen auch nicht anders). Man muss natürlich Spaß daran haben, sein räumliches Vorstellungsvermögen einzusetzen. Ist für mich kein Kinderspiel, klappt aber auch sehr gut mit meiner Tochter. Auf Dauer sind es wahrscheinlich zu wenige und zu einfache Pläne, da ist zu hoffen, dass es so erfolgreich ist, dass es mal eine Erweiterung gibt (was ich für unwahrscheilich halte). Die Halterung ist leider nicht perfekt, aber zur Not muss man ein wenig festhalten. Meine Wertung bezieht sich auf das 2-Personen-Spiel. Vermute mal, dass es mit mehr Spielern chaotischer wird.

Leserbewertungen

Leserwertung Mino & Tauri: 5,0 5.0, 1 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.12.16 von Merkator - Prima Spiel MIT Kindern. Ich sage bewusst nicht "Kinderspiel", denn gerade das gemeinsame Spielen mit dem Nachwuchs klappt hierbei super. Als Spiel selbst ist es klasse. Es gibt jedoch einen großen Kritikpunkt: Die einzuschiebende Platte hält nur dann, wenn man den Pappeinsatz aus dem Schachtelboden entfernt. Tut man das nicht, ist es schlicht nicht spielbar, die Platte hält einfach nicht. Eigentlich ein No-go.

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