Rezension/Kritik - Online seit 15.02.2003. Dieser Artikel wurde 9013 mal aufgerufen.

Quattro Schach

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Autor: Werner Böhme
Verlag: Meteor
Rezension: Frank Gartner
Spieler: 2 - 4
Dauer: 60 - 120 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2002
Bewertung: 4,3 4,3 H@LL9000
Ranking: Platz 2619
Quattro Schach

Spielziel

Bis zu 4 Spieler treten in einem der ältesten Zweipersonenspiele gegeneinander an, versuchen sich gegenseitig die Figuren zu rauben, um sich damit zu schwächen und letztendlich Matt zu setzen. In dieser 4-Personen-Schach-Variante gibt es allerdings noch eine weitere Möglichkeit das Spiel zu gewinnen, in dem man den eigenen König in das Zentrum des Spielfelds bewegt, ohne auf dem Weg dorthin matt gesetzt zu werden. Wie dies bei drei starken Gegnern und den eingeschränkten Zug-Möglichkeiten eines doch sehr verletzlichen Königs möglich ist, wird im Spielablauf näher beschrieben.

Ablauf

Das Spielfeld entspricht im wesentlich dem vieler anderer 4-Personen-Schachversionen.Das Schachbrett wurde an den vier Kanten um jeweils drei Zeilen erweitert, so dass dort jeweils eine Startaufstellung vorgenommen werden kann, ohne sofort eine Schlagmöglichkeiten durch die äußeren Bauern zu haben.

Gespielt wird im Uhrzeigersinn. Die Schachfiguren ziehen entsprechend den bekannten Schachregeln.

Folgende Regelbesonderheiten bietet Quattro Schach:

Sobald ein Spieler von jedem der drei Gegner jeweils drei Spielsteine (wahlweise reichen auch schon zwei Spielsteine je Gegner) geschlagen hat, "Full House" genannt, erhöht er damit die Zugweite seines Königs um ein Feld, d.h. der König kann sich von nun an wie eine "kleine Dame" zwei Felder pro Zug bewegen und nach dem zweiten Full House sogar drei Felder pro Zug (mehr als drei Felder ist nicht möglich). Dies soll die Chance erhöhen den König in das Zentrum zu bringen ohne auf diesen Weg matt gesetzt zu werden.

Eine weitere Möglichkeit seinen König zu beschleunigen ist das Mattsetzen eines Gegners.

Ein Spieler gilt erst als mattgesetzt, wenn er am Spielzug ist und nicht mehr einer Schachstellung des eigenen Königs entrinnen kann. Wurde ein Spieler matt gesetzt, bleiben seine Spielfiguren auf dem Spielfeld stehen. Diese dürfen noch geschlagen, jedoch nicht mehr bewegt werden.

Die En-Passent-Regel wurde so angepasst, dass auch ein Schlagen der linken und rechten Nachbarn nach dieser Regel möglich ist.

Spielende:

Sobald jemand

  • alle anderen Spieler matt gesetzt hat oder

  • den eigenen König auf das Feld der eigenen Farbe im Zentrum des Spielfelds gezogen hat, ohne sich hierbei ins Schach gezogen zu sein,
hat man das Spiel gewonnen.

In folgenden Varianten kann Quattro Schach gespielt werden:

Mit 2 Spielern: Jeder Spieler übernimmt jeweils zwei gegenüberliegende Farben. Gespielt wird im Uhrzeigersinn. Das Schlagen der eigenen Farben ist nicht gestattet. Für das Full House werden die Farben der beiden gegnerischen Farben benötigt. Das Spiel gilt als beendet, wenn ein König ins Zentrum gezogen wurde oder beide gegnerischen Parteien matt gesetzt wurden.

Mit 3 Spielern: Eine Farbe wird aus dem Spiel entfernt. Die fehlende Farbe wird zum Erreichen eines "Full House" natürlich nicht benötigt.

Mit 4 Spielern: Jeder spielt wie oben beschrieben gegen Jeden.

Mit 4 Spielern im Team: Wie die Variante mit zwei Spielern, allerdings übernimmt jeder Spieler jeweils eine Farbe, spielt jedoch mit dem gegenüber sitzenden Spieler zusammen.

Fazit

Material: Die Spielkarten zum Kennzeichnen der König-Geschwindigkeit müssen vor Spielbeginn aus einem Pappkarton ausgeschnitten werden. Ein akzeptabler zumal einmaliger Aufwand. Außer dem Spielbrett liegen dem Spiel auch entsprechende Schachfiguren aus Holz bei. Man hat also alles, was man für das Spiel benötigt.

Die Spielregel setzt voraus, dass die Spieler die Schachregeln komplett beherrschen, was wohl auch sinnvoll ist, ansonsten wird die Partie zu unausgewogen. Da nicht jeder Spieler die "En Passant"-Regel kennt, wäre allerdings ein kleiner Ausflug in die Original-Schachregeln sinnvoll gewesen. Nach sehr kurzem Regelstudium kann sofort mit dem Spiel losgelegt werden.

Der generelle Spielreiz von Vier-Personen-Schachvarianten:

Im Gegensatz zum gewöhnlichen Schach, gestaltet sich das Schachspiel für 4 Personen weitaus komplexer und zumindest für Gelegenheits-Schachspieler als wesentlich interessanter. Man muss stets die Augen offen halten, um ja kein Schlupfloch zu übersehen. Wer hier kurz unaufmerksam ist, kann schnell eine wertvolle Figur verlieren. Die Anwendung bewährter Zugkombinationen funktioniert hier nicht. Man muss ein ganzes Stück umdenken. Der Läufer stellte sich z.B. im Spiel zu viert als äußerst mächtig heraus, da man mit ihm schnell einen Weg durch die Mauern der linken und rechten Gegner finden kann. Die Türme kommen erst zur Geltung, wenn das Spielfeld ein wenig aufgeräumt wurde.

Im Spiel zu viert ist man vom guten oder bösen Willen der anderen 3 Spieler ein ganzes Stück abhängig. Sobald ein Spieler etwas geschwächt dasteht, geht dieser schnell Gefahr, von den drei Gegnern geplündert zu werden.

Heftig wird´s wenn ein Spieler ins Schach gesetzt wird, aber nicht sofort am Zuge ist. In diesem Fall können die anderen Spieler plündern. Verteidigen kann sich der im Schach befindliche Spieler erst dann wieder, wenn er sich aus der Schachsituation gerettet hat.

Wo liegt der Unterschied zu den anderen Vier-Personen-Schachvarianten?

Der Unterschied und das Ziel von Quattro-Schach wird im Regelheft sehr gut beschrieben. Hier trifft der Autor den Nagel auf den Kopf. Im normalen Vier-Personen-Schach wird in aller Regel sehr defensiv gespielt, um sich nicht all zu sehr schwächen zu lassen. Durch die Full-House-Regel und die Möglichkeit den eigenen König beschleunigen zu können, entsteht eine zusätzliche Motivation, die anderen Spieler anzugreifen und Figuren zu schlagen.

Ist ein Spieler richtig geschwächt, so dass er eigentlich keine Chance mehr hat, kann dieser schnell unterschätzt werden. Auch wenn er niemanden mehr bedrohen kann, liegt seine Chance darin, seinen König möglichst unbemerkt ins Zentrum zu bringen. Ein Fehler und das Spiel kann komplett kippen.

Zusammengefasst: Quattro Schach ist ein anspruchsvolles, hochtaktisches Brettspiel, bei der sich die Willkür und Fehler der anderen 3 Spieler aber dennoch nicht immer vorausplanen lassen.

Die Idee der Königbeschleunigung funktioniert sehr gut und gibt dem Spiel das, was wohl vielen anderen Varianten gefehlt hat.

Ich empfehle zumindest bei der ersten Partie das erste Full House bereits mit einer Figur je Farbe zu definieren und das zweite Full House mit weiteren zwei.

Das eigentliche Problem von Quattro-Schach liegt wahrscheinlich im Schach-Thema selbst und der damit verbundenen Hemmschwelle. Echte Schachfans wollen meist zu jedem Moment das Geschehen kontrollieren. Andere Spieler werden durch das Schach-Thema oft schon abgeschreckt. So fiel es auch mir nicht leicht entsprechende Spielpartner für Testpartien zu finden. Schade eigentlich, denn es zeigte sich im Spiel, dass Quattro-Schach für ordentlich Spannung sorgen kann.

Wer dem Schach-Thema nicht abgeneigt ist bzw. sogar ein gut funktionierendes Schach für 4 Personen sucht, dürfte bei Quattro-Schach hingegen fündig werden.

Rezension Frank Gartner

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Quattro Schach: 4,3 4,3, 4 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Frank Gartner
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Steffen Stroh
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Doris Hahn
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Florian Zimmermann

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