Rezension/Kritik - Online seit 16.11.2004. Dieser Artikel wurde 3670 mal aufgerufen.

Ruhe in Frieden

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Autor: Henning Poehl
Illustration: Matthias Catrein
Verlag: Sphinx Spieleverlag
Rezension: Jochen Traub
Spieler: 2 - 5
Alter: ab 16 Jahren
Jahr: 2003
Bewertung: 2,2 2,2 H@LL9000
Ranking: Platz 5143
Ruhe in Frieden

Spielziel

Das Spiel entstand nach einer Idee zum Film "Rosanna's letzter Wille". Der Platz auf dem Dorffriedhof ist eng geworden. Es geht darum, für seine Familie die besten Plätze auf dem Friedhof zu ergattern. Dabei gilt es, dem Wunsch der Familienangehörigen zu entsprechen. Dafür ist jedes Mittel recht. Mit aller Art von "Medizin" wird versucht, die eigene Familie zum richtigen Zeitpunkt ins richtige Grab zu bringen. Wer am Ende die meisten Punkte durch die beste Wahl der Gräber ergattern konnte, gewinnt das Spiel.

Ablauf

Spielaufbau:

Der Friedhof mit den 5 Grabsteinen wird in der Tischmitte aufgebaut. Die Grabanspruchskarten werden entsprechend den Nummern der Karten den Gräbern zugeordnet und bereit gelegt. Der "Neue" Friedhof wird etwas abseits hingelegt. Jeder Spieler erhält den Kartensatz einer Familie, bestehend aus 5 Familienangehörigen, deren Kartenrückseite jeweils den bevorzugten Sarg anzeigt. Die Karten zeigen auf den 4 Kanten den jeweiligen Gesundheitszustand der Familienangehörigen (topfit, etwas unwohl, schwach, dem Tode nahe). Zu Beginn wird die Karte immer mit "etwas unwohl" zur Tischmitte zeigend vor dem Spieler ausgelegt. Links neben dem Kopf ist die Wunschzahl des Grabes zu sehen, in dem das Familienmitglied gerne begraben werden will.

Jeder Spieler erhält 5000 Mäuse Startkapital aus der Bank. Es beginnt der Spieler, der am ältesten aussieht. Er bekommt die Pillendose.

Spielablauf:

Ein Spieler, der am Zug ist, führt folgende Schritte aus:

  1. Pillendose auffüllen,
  2. Pillen austeilen,
  3. zusätzliche Pillen kaufen (optional),
  4. Grabansprüche kaufen (optional),
  5. Gesundheitszustand ändern,
  6. Pillendose weiterreichen.

Pillen auffüllen:

Zu Beginn seines Zuges muss der aktive Spieler die Pillendose des Hausarztes Dr. Tutnichtgut auffüllen. Je nach Anzahl noch lebender Familienangehöriger bekommt der Spieler Pillen (Plazebos, Pillen und bittere Pillen). Dr. Tutnichtgut wird nur durch eine Pillenschachtel im Spiel repräsentiert.

Pillen austeilen:

Der Arzt verteilt die Präparate der Pillendose unter den Familienangehörigen. Jedes Mitglied muss dabei eine Pille erhalten, welche auf der Karte abgelegt wird. Die Pillen kosten nichts, da die Krankenkasse diese Kosten (noch) übernimmt. Eine Pille hat zur Folge, dass das Familienmitglied sich am Ende des Zuges besser fühlt. Wenn ein Spieler das nicht will, kann er den Arzt bestechen und dafür sorgen, dass dem Familienmitglied Plazebos oder gar bittere Pillen verabreicht werden. So kann der Gesundheitszustand der Familie reguliert werden.

Zusätzliche Pillen kaufen:

In dieser Phase kann ein Spieler noch in der Pillenschachtel verbliebene Präparate kaufen und an andere Familien verteilen. Damit kann Einfluss auf andere Familienangehörige im Dorf genommen werden. Diese Aktion ist optional und muss nicht ausgeführt werden.

Grabansprüche kaufen:

Grabrechtskarten können von der Gemeinde (Bank) gekauft werden. Sie kosten 1000 - 3000 Mäuse und werden benötigt, um Familienangehörige zu begraben oder anders auf die Belegung der Gräber Einfluss zu nehmen. Es handelt sich im weitesten Sinn um Aktionskarten.

Gesundheitszustand ändern:

Durch Pillen verbessert sich der Zustand des Familienmitgliedes und der Spieler dreht die Karte 90° gegen den Uhrzeigersinn. Der jetzt oben stehende Betrag wird dem Spieler ausbezahlt.

Durch Plazebos und bittere Pillen verschlechtert sich der Zustand der Familenangehörigen. Die Karten werden im Uhrzeigersinn weiter gedreht. Sollten die Karten über "dem Tode nahe" gedreht werden, sterben die Familienangehörigen. Die Karte wird umgedreht und der Spieler erbt 2000 Mäuse aus dem Vermögen des Verstorbenen. Die verstorbenen Angehörigen müssen danach sofort beerdigt werden. Es gibt zwei Arten von Beerdigungen: Die reguläre und die irreguläre. Regulär bedeutet Beerdigung in einem leeren Grab. Eine irreguläre Beerdigung wird mit Hilfe von Aktionskarten durchgeführt. Dabei wird ein schon belegtes Grab benutzt. Es kann in einem Zug zu mehreren Todesfällen kommen. Auch unter den anderen Mitspieler kann es dazu kommen. Es werden alle Todesfälle im Uhrzeigersinn abgehandelt.

Pillendose weiterreichen:

Als letzte Aktion reicht der Mitspieler die Pillendose an seinen linken Nachbarn.

Spielende und Wertung:

Das Spiel endet, sobald alle Gräber belegt oder alle Familienangehörigen eines Mitspielers gestorben sind.

Gewertet wird nach folgender Tabelle:

Ein Familienmitglied liegt.....

in dem Grab seiner Wahl

+ 5 Punkte

in einem Nachbargrab vom Grab seiner Wahl

+ 4 Punkte

in einem anderen Grab auf dem Friedhof

+ 3 Punkte

auf dem neuen Friedhof

+ 2 Punkte

Familienangehörige die noch nicht gestorben sind und offen auf dem Tisch liegen

- 2 Punkte

Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Punkte sammeln konnte.

Fazit

Das Spiel von Henning Poehl beruht auf einem sehr heiklen Thema und ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Seine Familienangehörigen ins Grab zu bringen als Ziel eines Spiels erfordert eine große Toleranz bei den Mitspielern. Das makabre Thema mag in manchen Spielerunden aufstoßen und in anderen unter schwarzem Humor laufen.

Das Spielmaterial ist liebevoll gefertigt. Die Pillendose mit dem Aufdruck der Verlagstelefonnummer gibt dem Spiel ein schönes Flair, ist aber für das Spiel ohne Bedeutung, da es nur unnötiger Zeitaufwand ist, die Pillen in die Dose zu stecken um sie daraufhin sofort wieder zu verteilen. Die Geldscheine erscheinen wie billiges Spielgeld aus einem Kaufladen im Vergleich zu den sehr gut gestalteten Spielkarten. Durch die Fülle der Spielkarteninformationen mit ihren vielen bunten Farben und kleinen Aufdrucken mit dem Gesundheitszustand der Angehörigen ist es nur sehr schwer möglich, den Stand bei den Mitspielern zu verfolgen. Den Mechanismus mit dem Drehen der Karten und dem damit simulierten Gesundheitszustand der Familienangehörigen empfand ich als sehr umständlich und unübersichtlich.

Die Spielanleitung ist mit 4 Seiten sicherlich sehr umfangreich, lässt aber an sehr vielen Stellen Raum für Diskussionen. Zum Beispiel wird nicht geklärt was mit der Grabrechtskarte "Schock" passiert, wenn sie nach einer erfolgten Beerdigung auf die Hand eines Spielers gelangt. Darf sie nach der Beerdigung noch gespielt werden, oder ist sie quasi wertlos? Was passiert wenn jemand sich so verspielt, dass alle Familienmitglieder top gesund sind, aber kein Geld mehr für Bestechung auf der Hand ist? Ist für diesen Spieler das Spiel dann wirklich vorbei? Die Anleitung ist viel zu lang im Verhältnis zum Spiel. Ich denke auch von einem Kleinverlag kann eine gute redaktionelle Arbeit erwartet werden, zumal das Spiel mit 11.- € sicherlich nicht gerade zu den billigen Kartenspielen zählt. Wer eine neuere Auflage des Spieles findet, hat damit laut Aussage des Verlages weniger Probleme, da die Regel überarbeitet wurde (man beachte die unten genannten Links). Dagegen ist die Kurzanleitung auf den Karten sehr hilfreich.

Da ein Spieler fast nur ins Spiel eingreifen kann, wenn er auch am Zug ist, besteht das Spiel zum großen Teil aus Warten bis zum nächsten Zug. Die Einflussmöglichkeiten halten sich eher in Grenzen und je mehr Spieler teilnehmen, umso mehr wird das Spiel zum Glücks- und Wartespiel. Bei unseren Spielen war das Geld immer knapp, so dass ein aktives Eingreifen auf die Mitspieler nie möglich war. Dadurch kommt es meistens darauf an, welche Grabrechtskarten man nachzieht.

Die Altersangabe ab 16 Jahren ist nur zu gut verständlich. Wenn man das Spiel nicht unter dem Gesichtspunkt des Humors betrachtet, dann reden wir hier über Mord bzw. Totschlag. Es sollte bei allen Spielern also klar das Bewusstsein vorhanden sein, dass es sich "nur" um ein Spiel handelt.

Alles in allem ist es ein Spiel für Leute mit einem Faible für makabre und skurrile Themen. Leider konnte das Spielthema nicht darüber hinweg helfen, dass der Spielspass auch nach mehreren Spielen bei uns nicht aufkommen wollte. "Ruhe in Frieden" ist damit ein Spiel, das sich an Sammler und Liebhaber richtet, aber für die breite Masse sicherlich keine Anwendung finden wird.

Rezension Jochen Traub

Links

Auf der Verlagsseite http://www.sphinxspiele.de/ findet sich eine neuere Version der Regeln.

Regeln: http://www.sphinxspiele.de/kartenspiele/sphinx/rip/rip-k.pdf

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Ruhe in Frieden: 2,2 2,2, 5 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.08.04 von Jochen Traub
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.08.04 von Sandra Lemberger - Viel zu lange Spielregel, die dann doch nicht alle Fragen klärt.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.08.04 von Clemens Schollenberger
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.08.04 von Nicole Biedinger
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.09.04 von Frank Gartner - Ich gehöre zur Fraktion, die skurile Themen mögen. Die Schachtel in Sargform, die Pillendose, all das machen das Spiel recht interessant. Durch die kleinen Grafiken wirkt das Spiel jedoch sehr unübersichtlich. Mit 5 Spielern entstehen auch bei flottem Spiel, recht lange Wartezeiten.

Leserbewertungen

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