Rezension/Kritik - Online seit 07.06.2022. Dieser Artikel wurde 1077 mal aufgerufen.

Flippermania / Super-Skill Pinball: 4-Cade

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Autor: Geoff Engelstein
Illustration: Gong Studios
Verlag: Pegasus Spiele
WizKids
Frosted Games
Rezension: Ralf Sandfuchs
Spieler: 1 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2020, 2021
Bewertung: 3,5 3,5 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 4458
Flippermania / Super-Skill Pinball: 4-Cade
Auszeichnungen:2020, Golden Geek Bestes Solo-Spiel Nominierung2020, Golden Geek innovativstes Spiel Nominierung

Spielerei-Rezension

Flippern mit Würfeln

Wer wie ich in den Siebzigern und Achtzigern jung war, der kennt bestimmt noch die Flipper, die in den meisten Gaststätten und sogar einigen Imbissbuden standen. Wenn man seinen Eltern ein paar Markstücke aus der Tasche leiern konnte, konnte man dafür jeweils drei Kugeln nacheinander auf die klingende und pingende Reise durch ratternde Bumper, herunter und herauf schnellende Sonderziele und manchmal sogar Extraspiele hinter Glasscheiben und ähnliches schicken. Und wenn der Ball mal nicht so wollte, wie du es dir vorgestellt hast, gab es einen Stoß mit dem Handballen, damit er doch in die richtige Richtung ging. Nur nicht zu heftig, sonst kam das gefürchtete „TILT!“, die Anzeigen gingen aus, nichts bewegte sich mehr, und die Kugel rollte unter dem Geräusch deines gequälten Aufschreis ins Aus.

Flippermania lässt diese alte Zeit wieder aufleben, und zwar in Form eines Roll ’n’ Write, also als Spiel, bei dem man Würfelergebnisse auf einem Spielplan abstreicht.

Die Box enthält vier verschiedene Flipper mit den klangvollen Namen Carniball, Cyberhack, Drachentöter und Disco Fever, die jeweils aus zwei Spielbrettern bestehen: einem Flippertisch und einer Anzeige.

Jede Person am Tisch erhält ein Set des gleichen Flippers sowie zwei silberne Halbkugeln, die man später über den Flippertisch bewegt. Das Spiel beginnt damit, dass einmal die beiden mitgelieferten Würfel geworfen werden (von wem, ist eigentlich egal, wir haben diese Pflicht immer reihum wandern lassen). Danach wählt man eins der beiden Würfelergebnisse und bewegt die Kugel von einem Startfeld aus über den Flippertisch.

Die wichtigsten Regeln dabei: man bewegt die Kugel immer zu einem Ziel, bei dem man die entsprechend gewählte Augenzahl noch abstreichen kann, und man stürzt bei jedem Würfelwurf wenigstens einen Bereich des Flippertischs nach unten, wenn man nicht einem Pfeil auf dem Spielbrett folgen kann, der dies verhindert (so hat jeder Flippertisch im obersten Bereich mehrere Bumper, die man – die richtigen Würfelergebnisse vorausgesetzt – immer wieder nacheinander ansteuern kann).

Einige Ziele geben einfach nur Punkte, andere schalten, wenn man sie komplett freigespielt hat, Bonusfertigkeiten frei, die einem im Spiel helfen oder einfach mehr Punkte bringen. Besonders hilfreich ist dabei der Multiball, mit dem man eine zweite Kugel ins Spiel bringen kann (um diesen einzusetzen, verwendet man den zweiten, bislang nicht genutzten Würfelwurf).

Irgendwann fällt die Kugel jedoch in den untersten Bereich des Tischs, wo die beiden Flipper warten. Solange man dort noch entsprechende Würfelergebnisse ankreuzen kann, kommt die Kugel auf einem der Flipper zum Stehen und kann von dort aus wieder ins Spiel gebracht werden. Einige Ziele auf dem Tisch sind nur von diesen Flippern aus erreichbar.

Irgendwann fällt die Kugel jedoch in diesen Bereich, ohne dass noch ein passendes Würfelergebnis vorhanden ist. Dann fällt sie entweder sinnlos zwischen den Flippern hindurch oder kann wenigstens in die „Outlane“ gelenkt werden, um noch ein paar Punkte zu generieren.

Spätestens jetzt kann man den Flipper auch „stoßen“, um das Würfelergebnis zu verändern; je mehr Augen man dazuzählt oder abzieht, desto größer wird beim nächsten Würfelwurf das Risiko auf einen „TILT!“, der den ganzen Flippertisch ausschaltet.

Ist die Kugel verloren, startet man einfach beim nächsten Würfelwurf mit einer neuen Kugel, wobei einige der angekreuzten Felder wieder frei gerubbelt werden.

Das Spiel endet nach drei verlorenen Kugeln, und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Die erste Reaktion der Spielenden, wenn man Flippermania auf den Tisch bringt, ist zunächst einmal Verwunderung bis Entsetzen. Die Flippertische samt Anzeige sind sehr bunt und mit vielen Symbolen, Texten und Ankreuzfeldern versehen, die auf den ersten Blick vor allem verwirren. Noch dazu hat jeder der vier Flipper besondere Regeln, die nur für ihn gelten. Doch nach kurzer Eingewöhnung zeigt sich, dass die Grundregeln recht eingängig sind und man nur noch gelegentlich die verschiedenen Boni in den Regeln nachschlagen muss („Was war noch mal der Flipper-Joker? Was ist der So-Hot-Bonus?“). Die vom Verlag getroffene Einstufung als Kennerspiel erscheint mir trotzdem eher fraglich.

Faszinierend ist jedoch, wie hervorragend das Spielgefühl eines echten Flippers eingefangen wird. Das Hochtreiben des Balls über den Spieltisch, das Auslösen und Löschen von Bonus-Feldern, das Stoßen mit der Gefahr des „TILT!“, die zusätzlichen Mini-Spiele ... all dies und noch mehr findet sich in den sehr unterschiedlichen Flippern wieder.

Carniball ist ein solider Einstieg, Cyberhack bietet mit dem Hackerangriff das erste Minispiel, Drachentöter mit seinen Silbermünzen und Zaubersprüchen als Bonus ist sicherlich der komplexeste Flipper, bevor Disco Fever das Grauen der Siebziger schon rein optisch wieder Realität werden lässt.

Ebenfalls interessant zu sehen, wie unterschiedlich sich das Geschehen bei verschiedenen Spielenden trotz gleicher Würfelwürfe und gleicher Flipper nach kurzer Zeit entwickelt. Da hat der eine bereits die dritte Kugel am Start, während die andere noch mit der ersten Kugel um Punkte kämpft. Und damit kommen wir zu den Problemen des Spiels.

Da alle für sich allein auf ihrem Spielbrett um Punkte kämpfen und das Spiel solange läuft, bis auch die letzte Person in der Runde die dritte Kugel verloren hat, kann es dazu kommen, dass man plötzlich tatenlos zusehen muss, wie alle anderen noch spielen und Punkte sammeln, während man selbst genügend Zeit hat, um auf dem Handy die neuesten Nachrichten zu checken.

Mindestens genauso schlimm ist, dass man immer für sich allein spielt, es also keinerlei Interaktion zwischen den Spielenden gibt (wenn man mal von gehässigem Gelächter der einen und gequälten Aufschreien der anderen absieht).

Dieses Manko lässt Flippermania leider als Mehr-Personen-Spiel um mindestens eine Note abstürzen. Wenn einem das Thema liegt und man die grafische Gestaltung mag, kann man sich jedoch als Einzelperson jederzeit ein bisschen des guten alten Flipper-Feelings auf den heimischen Spieltisch holen, und das noch dazu mit bemerkenswerter Wiederspielfähigkeit bei vier vorhandenen Optionen.

Rezension Ralf Sandfuchs

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Flippermania / Super-Skill Pinball: 4-Cade: 3,5 3,5, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.05.22 von Ralf Sandfuchs - In der Einzelspielerversion die höhere Note. In der Mehrspielerversion werte ich eine Note schlechter.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.12.21 von Michael Kahrmann - Oh je. Ich tue mich sehr schwer mit der Bewertung. In meinen Augen ein reines Solitärspiel bis max. 2 Personen. Thematisch kommt das Flippern echt gut rüber aber das wars dann auch schon mit dem guten. Das Spiel kommt mit sehr kleinteiligen Regeln und die Spielregel hilft nicht wirklich Unklarheiten zu beseitigen. Wie oft haben wir über die Definition "Ziele" und "Gruppen" diskutiert. Also wie diese Regel durch die Redaktion kam ist mir echt ein Rätsel (Stichwort: Heft umdrehen und von hinten weiterlesen). Es dauert mir auch schlicht zu lange für das gebotene. 3 Bälle zu spielen kann sich extrem ziehen. 2 Spielreiz Punkte wegen der guten thematischen Umsetzung. Mehr ist von mir aber wirklich nicht drin.

Leserbewertungen

Leserwertung Flippermania / Super-Skill Pinball: 4-Cade: 4,0 4.0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.01.22 von Hans Huehnchen - Flippermania setzt mit seinen 4 Abwechslungsreichen Tischen das Flipper-Thema zwar sehr gut um, trifft aber leider keinen Nerv bei mir. zu hoch ist der Glücksfaktor, zu wenig manipulierbar das Würfelergebnis. Hat man sich erst einmal durch die viel zu redundant verfasste Regel gewurschtelt, spielt sich ein Spielzug zwar sehr flott, aber insgesamt zieht sich das Spiel zu sehr.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.01.22 von Dorette - Wer keinen Glücksfaktor im Spiel mag: Ganz klar Finger weg. FlipperMania macht solo sehr viel Spaß. Ich habe mehr als bei anderen Roll and Write Spielen mitgefiebert, ob ich jetzt den Wurf bekomme um bestimmte Spielelemente wieder frei zu spielen, oder ob meine Kugel zwischen den Flipperfingern verschwindet. Das Thema ist liebevoll umgesetzt und man bekommt auch Lust mal wieder zu Flippern (habe gleich mal gegoogelt wo es noch Flipperautomaten gibt)

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