Rezension/Kritik - Online seit 09.04.2015. Dieser Artikel wurde 5275 mal aufgerufen.

Zieh Leine, Flynn

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Autor: Stefan Dorra
Manfred Reindl
Verlag: moses. Verlag GmbH
Rezension: Stefanie Marckwardt
Spieler: 2 - 5
Dauer: 15 Minuten
Alter: ab 6 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
Ranking: Platz 1582
Zieh Leine, Flynn

Spielziel

Die Pirateneule Flynn hat sich alles unter die Krallen gerissen, was wertvoll erschien: goldene Trinkbecher, Schatztruhen, Schmuck, Säbel und sogar die Schiffsmäuse! Nun bunkert Flynn alles in seinem Krähennest. Eure Aufgabe ist es, den richtigen Gegenstand zur richtigen Zeit unter Flynns Hinterteil wegzuziehen, ohne dass er es merkt. Und da sein Nest bis obenhin voll und wackelig ist, ist das gar nicht so einfach! Ahoy!

Ablauf

20 Schnurkarten werden nach Motiven (Säbel, Trinkbecher, Schmuck, Schatztruhe und Mäuse) sortiert gestapelt. Dabei muss man darauf achten, dass die Schnüre komplett raushängen und auf die vier Seiten verteilt sind. Auf diesen Stapel kommen die Krähennest-Karte und die Holzeule Flynn. Nun erhält noch jeder Mitspieler sieben Goldmünzen und dann kann losgewürfelt werden.

Das gewürfelte Motiv, Piratenflagge ist ein Joker, muss aus dem Stapel herausgezogen werden. Dies geschieht wie bei dem alten Tischtuchtrick - mit gestraffter Schnur und Schwung versucht man, die passende Karte herauszuziehen. Gelingt es, dann darf man eine seiner Goldmünzen umdrehen oder sogar zwei, wenn es sich um die vierte und somit letzte Karte eines Motives handelt. Zieht man ein falsches Motiv oder mehrere Karten aus dem Stapel, dann darf man nichts umdrehen.

Die herausgezogenen Schnurkarten werden nach Motiven sortiert und neben dem Stapel gesammelt. Sobald alle vier gleichen Gegenstände herausgezogen wurden, werden sie wieder auf den Stapel direkt unter das Krähennest gelegt. Sollte aber der Stapel kippen oder sogar Flynn herunterpurzeln, muss man alle Goldmünzen wieder auf die Vorderseite drehen, und alle Mitspieler dürfen eine umgedrehte Goldmünze in die Schachtel zurücklegen. Der Stapel wird nun wieder wie am Anfang aufgebaut.

Sobald ein Spieler seine letzte Goldmünze umdrehen konnte und die Runde beendet ist, steht der Gewinner fest.

Fazit

Als Erstes fällt bei Zieh Leine, Flynn das ungewöhnliche Material auf. Hochwertig und durch die Schnüre neuartig macht es sehr neugierig auf das Spiel (ab ca. 17 Euro). Auch die niedliche Holzeule Flynn ist bei den Kids sehr beliebt. Die Spielanleitung ist schön gestaltet und lässt keine Frage offen. Der Aufbau kostet anfangs ein wenig Zeit, denn man muss sich erst ins "Schnüresortieren" einfädeln und auch nach Motiven sortieren. Spielt man das erste Mal, sollte man den Stapel ungeachtet der Motive aufbauen, damit man das Ziehen in einer Trainingsrunde erproben kann, um ein Gefühl für Zieh Leine, Flynn zu bekommen.

Zieh Leine, Flynn ist eine interessante Mischung aus Memo und Geschicklichkeit. Der Aufforderungscharakter des aufgebauten Stapels ist enorm, und trotzdem hat man erst einmal Hemmungen an einer Schnur zu ziehen.

Am erfolgreichesten gelingt das Herausziehen, wenn man sowohl schnell - am besten ohne zu zögern - als auch gerade herauszieht. Sobald man zu langsam oder zu schräg zieht, gerät der Turm ganz schnell gewaltig ins Wanken. Solange er nicht kippt, wird mit einem verschobenen oder schiefen Stapel weitergespielt. Es ist jedoch erlaubt, den Stapel zu drehen, indem man die zwei unteren Karten anfasst - sicherer ist es aber, seine "Ziehposition" am Tisch zu ändern. Kippt der Turm dann doch, wird man ziemlich hart bestraft, denn man muss alle Goldmünzen wieder aufdecken, während die Mitspieler sogar die "erledigten" Münzen weglegen dürfen. Hat man mehrmals hintereinander Pech beim Ziehen, kann man den Vorsprung der Mitspieler meist nicht mehr einholen. Am häufigsten habe ich aber Spielrunden erlebt, in denen der Stapel gut verteilt bei verschiedenen Mitspielern kippte, so dass es zum Ende hin immer sehr spannend wurde.

Das Merken kommt ebenfalls bei Zieh Leine, Flynn nicht zu kurz. Bei jüngeren Mitspielern hat es sich als sehr hilfreich erwiesen, den Stapelaufbau in eine kleine Geschichte zu verpacken (In der SCHATZTRUHE liegen wertvolle SCHMUCKstücke und goldene TRINKBECHER, die von MÄUSEN mit SÄBELN bewacht werden). Diese wird meist sehr gut behalten. Und da die schon herausgezogenen Plättchen offen gesammelt werden, kann man dann durch Abzählen nachvollziehen, wo sich der gewürfelte Gegenstand aktuell im Stapel versteckt. Nun muss man nur noch geschickt sein, denn nur wenn man sich die Lage der Dinge gut merken kann UND geschickt beim Herausziehen ist, darf man eine seiner sieben Goldmünzen umdrehen. Der Joker auf dem Würfel kann besonders wertvoll sein, wenn von einem Motiv nur noch eine Karte im Stapel ist, denn dann kann man nach erfolgreichem Herausziehen gleich zwei Münzen umdrehen.

Ganz erstaunlich finde ich, dass es in einer altershomogenen Spielegruppe immer sehr unterschiedliche "Begabungen" gibt: von Kindern, die sofort und nahezu immer den richtigen "Zieh" raus haben, über Kinder, die es nach ein bisschen Übung oft schaffen, bis zu Kindern, die es so gut wie nie schaffen. Trotzdem waren immer alle Kinder mit Feuereifer und Ausdauer beim Ziehen dabei und ließen sich auch von mehreren Fehlversuchen nicht entmutigen. Und auch bei Zieh Leine, Flynn macht Übung oft den Meister.

Je nachdem wie geschickt das Kind beim Ziehen ist, kann man auch gut altersgemischt spielen; häufig haben Kinder dann den Erwachsenen gegenüber einen Merkvorteil. Sollte jemand doch Profi-Pirat sein, kann man einen Rechtshänder mit links und umgekehrt spielen lassen - dann kommt keine Langeweile auf! Die habe ich bei Zieh Leine, Flynn sowieso bisher nie erlebt, denn hier ist für einige Kinder schon das Zuschauen sehr spannend.

Alles in allem ist Zieh Leine, Flynn eins der innovativsten Kinderspiele seines Jahrganges, das immer wieder gerne auf den Spieletisch kommt.

Rezension Stefanie Marckwardt

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Zieh Leine, Flynn: 5,0 5,0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.15 von Stefanie Marckwardt - Schön innovativ und spannend - sogar für Zuschauer!
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.03.15 von Christoph Schlewinski - Eine tolle, wenn auch leider unausgereifte Idee. Hat man den "Ziehen-Mechanismus" drauf, fällt ca. 30% des Spannungsbogens weg. Dann wird es leider ein Stapel-Gedächtnisspiel. Dazu noch die ultraharte Bestrafung bei Fehlern, die Kinder stark frustrieren kann. Verarbeitung, Aufforderungscharakter und Geschichte sind allerdings Bombe (auch, wenn man sich fragt, was eine Eule auf einem Piratenschiff zu suchen hat).

Leserbewertungen

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