Rezension/Kritik - Online seit 12.08.2026. Dieser Artikel wurde 698 mal aufgerufen.
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Wie bitte?! Irrlichter - magische Lichter aus alten Legenden - hätten meine Katze in den Wald gelockt? Und nun soll der Stubentiger die Wünsche der Irrlichter erfüllen und so den sich ständig ändernden Wald erleuchten? Häh?! Warum auch immer meine Katze genau dies tun sollte, darüber hüllt sich die Spielanleitung in Schweigen.
Ich will da kein Spielverderber sein, aber derart an den Haaren herbeigezogene Hintergrundgeschichten sind für mich ein "No go", weshalb ich mich lieber auf das Wesentliche beschränke: Bei Wispwood - Wald der Lichter, der Neuheit aus dem Hause "Czech Games Edition" wähle ich von einem zentralen Spielplan ein offenes Farbplättchen, bilde zusammen mit verdeckten (neutralen) Plättchen eine der beiden benachbarten Formen und baue diese in meine Auslage ein, mit dem Ziel, möglichst viele Punkte anhand der anfangs ausgelegten Aufgabenkarten zu erzielen.
Der Großteil des Spiels besteht aus 160 Plättchen, die auf ihrer dunklen Rückseite einen Baum repräsentieren ("Baumplättchen") und auf ihrer bunten Vorderseite ein Irrlicht ("Irrlichtplättchen") zeigen. Von jeder der vier Sorten "Kürbisse" (orange), "Hüte" (grün), "Herzen" (rot) und "Kugeln" (blau) gibt es 40 Stück.
Für den Aufbau heißt es nun: "Die Irrlichter versammeln sich um einen mysteriösen Teich". Das soll heißen, dass ich - nachdem ich den Teich aus modularen Tafeln zusammengebaut habe - auf jedes der 8 Felder offen ein Irrlichtplättchen platziere. Die restlichen Plättchen bilden verdeckt und gemischt einen Vorrat an Baumplättchen.
Schließlich werden noch Zielkarten ausgelegt, und zwar von jeder der fünf Sorten - neben den Zielkarten für die Irrlichter gibt es auch noch welche für die Bäume - genau 1 Karte. Dabei kann ich gezielt bestimmte Zielkarten wählen oder den Zufall bestimmen lassen. Jene Zielkarten, welche 2 Pfoten (statt bloß einer) aufweisen, sind dabei etwas anspruchsvoller zu erfüllen.
Nachdem ich dann ein Baumplättchen vom Vorrat gezogen und meine Katze daraufgelegt habe, kann die Partie mit dem Startspieler losgehen.
Mein Spielzug ist recht simpel. Ich wähle eines der Irrlichtplättchen um den Teich und lege es zusammen mit der fehlenden Anzahl an Baumplättchen so in meine persönliche Auslage, dass eine der beiden dem Irrlicht benachbarten Formen entsteht.
Dabei muss ich jedoch ein paar einfache Legeregeln einhalten. Ich darf die gewählte Form beliebig drehen oder spiegeln, allerdings muss sie an mindestens einer Kante an meine Katze oder ein bereits liegendes Plättchen angrenzen. Außerdem muss ich auf die Größe des Rasters achten. In der ersten Runde soll ein 4 x 4 Raster entstehen, in der zweiten Runde ein 5 x 5 Raster, und in der dritten und letzten Runden darf das Raster die Ausmaße von 6 x 6 nicht überschreiten.
Die Teichauslage wird übrigens nicht automatisch wieder aufgefüllt. Dies passiert nur dann, wenn sie komplett leer ist, oder wenn ich nur mehr Irrlichter derselben Art vorfinde und mich dafür entscheide, diese abzuwerfen und alles neu zu befüllen.
Meine Katze hat diesbezüglich eine wichtige Funktion: Ich kann sie nämlich in meinem Zug auf ihre Rückseite wenden (sie versteckt sich dann in einem hohlen Baumstamm), um die Teichauslage vorzeitig auszutauschen, wodurch ich hoffentlich passendere Irrlichter vorfinde. Alternativ kann ich meine Katze auch dazu einsetzen, um mit einem gewählten Irrlicht eine beliebige Form zu bilden, unabhängig von dessen Teichfeld. Solange meine Katze versteckt ist, kann ich jedoch keine weitere Katzenaktion nutzen.
Kann oder will ich kein Irrlicht in meinen Wald platzieren, führe ich einen sogenannten "Baumzug" aus. Dazu nehme ich mir aus dem Vorrat 1 bis 3 Baumplättchen, die ich an beliebige freie Stellen meiner Auslage legen darf, ideal zum Schließen von Lücken und zum Vervollständigen meines Rasters. Als angenehmen Nebeneffekt darf ich meine Katze "bereit" machen, also aus ihrem Versteck holen, wodurch sie mir fortan wieder für eine "Katzenaktion" zur Verfügung steht.
Sobald eine Person ein volles Raster hat, wird die Runde nur mehr zu Ende gespielt. In der anschließenden Wertung erhalte ich Punkte für meinen Wald. Auf den ausliegenden Zielkarten ist genau angegeben, wie viele Punkte ich für meine Irrlichter (Kürbisse, Hüte, Kugeln und Herzen), sowie für meine Bäume bekomme. Auch ein lückenloses Raster bringt mir noch willkommene Punkte auf dem Wertungszettel.
Bevor die nächste Runde beginnt (außer nach der dritten Runde), darf ich noch meine Katze auf ein anderes Baumplättchen bewegen, danach entferne ich alle Bäume aus meinem Raster, während die Irrlichter genau dort liegen bleiben, wo sie sind.
Nach der dritten Wertung ist Schluss, und wenn ich insgesamt die meisten Siegpunkte erzielen konnte, habe ich den Wald mit meinen Irrlichtern am besten erleuchtet, oder so. Zumindest habe ich in diesem Fall gewonnen.
Wispwood ist - unschwer zu erkennen - ein Vertreter des beliebten Genres der Legespiele. Ich puzzle verschiedene Formen in meine eigene Auslage, um auf die eine oder andere Weise Punkte zu erhalten.
Bevor der werte Leser allerdings gelangweilt gähnend aussteigt und sich einem anderen Spiel zuwendet, sei erwähnt, dass Wispwood doch ein paar Besonderheiten aufweist, die es aus der Masse der üblichen Legespiele herausheben. Obwohl ich unterschiedliche Formen in meine Auslage einbauen soll, finde ich dennoch keine sogenannten "Polyominos" vor, sondern lediglich quadratische Plättchen mit der einheitlichen Größe von genau 1 Feld. Die Erklärung für dieses Paradoxon liegt darin, dass ich die gewählte Form aus mehreren Plättchen bilde, und dies sogar beliebig gedreht, gewendet oder gespiegelt. Das genommene Irrlicht darf dabei eine beliebige Position innerhalb der Form einnehmen.
Ein weiterer Twist geschieht am Rundenende. Während die Irrlichter liegen bleiben und somit später wieder für Wertungen herangezogen werden können, werden alle Baumplättchen ausnahmslos weggeräumt. In den nächsten Runden bin ich dann gefordert, die entstandenen Lücken zu füllen. Durch die gleichzeitige Vergrößerung des Rasters steigt auch die Punkteausbeute ständig. Während in der 1. Runde bloß etwas über 30 Punkte erzielt werden können, sind in der zweiten Runde die doppelte Punktezahl, in der dritten Runde sogar drei Mal so viele Punkte möglich.
Apropos Punkte: Hier hat sich Spieleautor Reed Ambrose ebenfalls etwas einfallen lassen. Für jedes Irrlicht, sowie für die Bäume gibt es eine eigene Zielkarte, die beschreibt, auf welche Weise ich dafür wie viele Punkte erhalte. Je fünf verschiedene Zielkarten - und diese sogar in zwei Schwierigkeitsstufen - sorgen für Abwechslung. Die zufällige Zusammenstellung der Karten stellt die Spieler jedes Mal vor eine neue Herausforderung, was dem Langspielreiz förderlich ist.
Generell halten sich alle Irrlichter einer Art an bestimmte Grundprinzipien. So gilt etwa für Kürbisse, dass es zwar strikte Regeln gibt, welche Kürbisse überhaupt gewertet werden dürfen (Paare, Gruppen, isolierte Kürbisse, u. ä.), sie dafür aber umso mehr Punkte bringen, je mehr Kürbisse ich werten kann. Kugeln wiederum bringen immer Punkte für unterschiedliche Irrlicht-Arten. Bei Herzen zählen hingegen Bäume, je nach Zielkarte entweder benachbarte Bäume, Reihen oder Spalten, etc.
Etwas differenzierter sind die Hüte zu betrachten, denn während die Wertungsbedingung bei jeder Hut-Zielkarte gleich ist (18 Punkte für je 3 Stück, 10 bzw. 4 Punkte für 2 bzw. 1 übrige), zeigt die aktuelle Zielkarte, wohin ich einen Hut überhaupt legen darf, in allen Fällen in Bezug zu meiner Katze. Und für Baum-Zielkarten schließlich werden (möglichst große) Gruppen von Bäumen gewertet.
Bei alldem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass ein gewisser Glücksfaktor durchaus gegeben ist. Ich muss mich stets danach richten, was sich momentan in der Teichauslage im Angebot befindet. Mein Katzenplättchen erlaubt mir ein wenig mehr Einfluss, indem ich die strengen Regeln brechen kann. Natürlich nur in eingeschränktem Maße, denn nach einer "Katzenaktion" muss ich erst wieder einen "Baumzug" durchführen, um meine Katze erneut zur Verfügung zu haben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich so einen Baumzug aber ohnehin das eine oder andere Mal benötigen, um entstandene Lücken aufzufüllen.
Wie in letzter Zeit üblich, wird auch für Wispwood ein eigener Solo-Modus angeboten. Dabei versuche ich, mehr Punkte zu sammeln als ein vom Spiel gesteuerter Geist. Glühwürmchenplättchen bestimmen, wie weit sich die Katze des Geistes im Uhrzeigersinn um den Teich bewegt und dabei Irrlichter einsammelt, die ihm laut gewählter Punkte-Hilfe (in vier Schwierigkeitsstufen) am Ende Punkte einbringen. Eine recht gut funktionierende Variante, wenn ich mal keinen Spielpartner auftreiben kann.
Das Spielmaterial selbst ist recht ordentlich, auch wenn es zum Großteil aus Baum- bzw. Irrlichtplättchen besteht. Ich hätte mir allerdings einen großen Beutel gewünscht, aus dem ich die Plättchen grapschen könnte. Es nervt nämlich ziemlich, zu Beginn alle Plättchen auf die richtige Seite zu drehen und in verschiedene Stapel aufzuteilen. Die Rasterhilfen, die mich bei der Überprüfung der richtigen Rastergröße unterstützen sollen, finde ich dafür eher unnötig, und in ihrer Verwendung sogar teils verwirrend.
Auch wenn ich das Thema bescheuert finde, sind die vorhandenen Spielmechanismen, insbesondere die raffinierte Verbindung eines Legespiels mit unterschiedlichen Aufgabenkarten originell und sehr reizvoll, weshalb ich Wispwood - trotz recht dürftiger Interaktion - uneingeschränkt empfehlen kann.
Rezension Franky Bayer
Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.
H@LL9000 Wertung Wispwood: Wald der Lichter:
5,0, 4 Bewertung(en)
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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16.06.26 von Franky Bayer - Legespiel, das auf raffinierte Weise mit Zielkarten verbunden ist. Gefällt mir gut. |
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31.01.26 von Michael Kahrmann - Eine echte Überraschung. Für mich ein schönes Kennerspiel, fordert und bietet viel Variabilität. Klasse. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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10.05.26 von Roland Winner - Schöne Knobelei. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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10.08.26 von Frank Gartner - Spannendes und sehr variables Legespiel mit interessanten Elementen. Gefällt mir wirklich gut! |
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