Rezension/Kritik - Online seit 28.02.2013. Dieser Artikel wurde 5230 mal aufgerufen.

Das letzte Bankett

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Autor: Michael Nietzer
Oliver Wolf
Illustration: Simon Eckert
Verlag: Gameheads
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 6 - 25
Dauer: 30 - 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2010
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
3,3 3,3 Leser
Ranking: Platz 3845
Das letzte Bankett
Das letzte Bankett
Auszeichnungen:2012, Spiel der Spiele Hit für Experten Empfehlungsliste

Spielziel

6 bis 25 Spieler versammeln sich als König und Hofstaat für einen großen Schmaus an der Tafel. Aber anders als in so manch friedlichem Königreich trachten in diesem fast alle nach des Königs Leben. Die einen wollen ihn erdolchen, die anderen vergiften. Zum Glück hat er eine treue Königin, die ergeben zu ihm hält!

Ablauf

Die Teilnehmer entscheiden sich, wer bei kleinen Runden mit ungerader Spielerzahl in die Königsrolle schlüpft. Bei gerader Spielerzahl wird der König lediglich durch die entsprechende Charakterkarte dargestellt. Danach wird der Rest der Mitspieler in zwei gleich große Fraktionen aufgeteilt, wobei die Parteizugehörigkeit durch ein umzuhängendes Medaillon angezeigt wird. In größeren Runden kann der König Unterstützung durch die Königin sowie die Prinzessin und den Ersten Ritter erhalten.

Zu Spielbeginn wird jeder Spieler mit einer Charakterkarte ausgestattet. Es handelt sich dabei um die typischen Figuren eines mittelalterlichen Hofes: Graf, Baron und Herzog als Vertreter des Adels, Zauberer und Geist stehen für die übersinnlichen Gesellen, Zofe, Kaufmann, Seneschall und Abt dürfen auch mitwirken. Für einige der Charaktere gibt es auch das weibliche Gegenstück.

Bevor es losgeht, ziehen sich die beiden Gruppen zur Diskussion zurück. Es wird beratschlagt, wie man am besten vorgehen könnte und wer der Meuchler ist. Dieser steckt als Beweis das Gift- bzw. Dolchplättchen ein.

Nachdem alle wieder im Raum versammelt sind, wählt jeder einen Platz. Zuletzt macht dies der König, wobei er nicht unbedingt den frei gebliebenen Platz wählen muss, sondern auch den Platz eines Untertanen fordern darf. Der König startet die Runde, indem er sein Zepter weitergibt – wahlweise im oder gegen den Uhrzeigersinn. Wer das Zepter erhält, macht seine Aktion, die im Wesentlichen darin besteht, Personen ihre Plätze tauschen zu lassen.

Dies geschieht allerdings nicht willenlos, sondern die entsprechenden Vorgaben finden sich auf den jeweiligen Charakterkarten, z. B. "Ich weise zwei Personen an, die Plätze zu tauschen" oder "Ich setze mich neben eine Person meiner Fraktion". Während im Einsteigerspiel jeder nur eine Möglichkeit hat, kann er im Profispiel aus zwei Vorgaben wählen. Außerdem kann man sich hier auch noch für die so genannte Gunst entscheiden, die der König jedoch genehmigen muss. Verweigert er diese, muss er dafür einen seiner begrenzten Vetomarker abgeben. Mit diesen kann er aber nicht allzu großzügig umgehen, denn er braucht sie auch noch, um damit einen vermeintlichen Verräter zu markieren – genau einen aus jeder Gruppe darf er jedoch nur verdächtigen.

Das Spiel geht über drei Runden. Damit eine Gruppe gewinnt, muss ihr Meuchler am Ende der Runde direkt neben dem König platziert sein, um Gift bzw. Dolch zum Einsatz bringen zu können. Der König gewinnt, wenn diese Tat keiner der beiden Gruppen gelingt. Er gewinnt auch, wenn der Meuchler neben ihm sitzt, aber zuvor vom König einen Vetomarker erhalten hat, der König ihn also schon während des Spiel als Verräter verdächtigt hatte.

Fazit

Das letzte Bankett ist ein Gruppenspiel für 6 bis 25 Spieler. Das Spiel versetzt euch an den königlichen Hof. Ein Ort der höfischen Festivitäten, aber auch der Macht, der Ränke und Intrigen, denn die verschiedensten Fraktionen versuchen im Geheimen ihre eigenen Ziele zu erreichen. Leidtragender dabei ist stets der König, denn ihm soll es an den Kragen gehen!

Der Ton macht die Musik – dieser Spruch gilt für dieses Spiel ganz besonders. Die Teilnehmer werden sich vermutlich ziemlich langweilen, wenn hier nicht auch ein bisschen Theater gespielt wird und jeder versucht, seinem Charakter Leben einzuhauchen. Dies beginnt schon zu Beginn der Runde, wenn sich jeder vorstellt. Dabei kann man seiner Kreativität durchaus freien Lauf lassen. Für die weniger Einfallsreichen ist aber auch gesorgt, denn die Karten beinhalten auch zwei mögliche Vorstellungssprüche, einen netten und einen mit leicht drohendem oder sarkastischem Unterton. Entsprechend der eigenen Wahl kann man die Vorstellung also schmeichelnd, lächelnd, schleimig, verächtlich, abwertend oder, oder, oder … vorbringen.

Die Möglichkeiten der Planung sind relativ begrenzt, denn wenn man auch weiß, was die eigenen Personen können, so weiß man doch nie, welche Möglichkeiten des Umsetzens die Gegenpartei hat. Und selbst wenn man es weiß, so kann man nicht vorhersehen, wie die Leute sitzen werden und in welche Richtung der König sein Zepter weiterreicht. Es sind hier also sehr viele Unwägbarkeiten im Spiel.

Natürlich will trotzdem jeder das Spiel irgendwie zu seinen Gunsten zu steuern. So versucht der König, seine Getreuen möglichst um sich zu scharen, damit ihm keiner etwas antun kann. Denn zum Glück kann er in diesem Spiel tatsächlich sicher sein, dass seine Gemahlin, seine Tochter und der Erste Ritter auch wirklich treu zu ihm stehen. Die Gegenspieler versuchen wiederum, ihre Fraktionsmitglieder möglichst so anzuordnen, dass sie nach dem König an der Reihe sind, damit dieser sich nicht noch umsetzt und ihnen dadurch die Suppe versalzt. Denn der König hat die Eigenschaft, sich selbst auf einen beliebigen Platz zu setzen, wenn er an der Reihe ist. Wer dort sitzt, muss dann weichen – außer, es handelt sich um den Geist, denn dieser tauscht nie mit jemandem seinen Platz, sondern nimmt die Anwärter auf seinen Stuhl einfach auf seinen Schoß, sofern er schon sitzt. Was ich nämlich noch nicht erwähnt habe: Wer bereits an der Reihe war, setzt sich, alle anderen stehen. So kann man immer erkennen, wer seinen Zug schon ausgeführt hat und wer nicht.

Abschreckend sind für viele bestimmt die zwei Begleithefte mit insgesamt 28 Seiten. Allerdings liest sich das Regelheft ziemlich flüssig, das andere Heft enthält ausschließlich verschiedene Szenarien. Zu empfehlen ist auch, dass man das erste Spiel nach der Menüregel spiel. Hier hat jeder Spieler nur eine einzige Möglichkeit, so dass man nicht erst groß überlegen muss, was man macht, wenn man an der Reihe ist. Zum Kennenlernen ist das somit die ideale Einstiegshilfe.

Manchmal kommt es vor, dass ein Spiel bereits nach einem Durchgang entschieden ist. Dies mutet dann etwas seltsam an, denn ein einzelner Durchgang dauert eigentlich nicht besonders lang. Spannender ist es, wenn tatsächlich zwei bis drei Runden gespielt werden müssen, ehe eine Fraktion gewinnt. Natürlich könnte man an eine kurze Partie gleich eine weitere anhängen, aber seltsamerweise wollte das nie jemand, auch jene nicht, denen das Spiel gut gefällt.

Überhaupt kam das Spiel in meinen Vielspielerrunden unterschiedlich an. Während es die einen mochten, lehnten es die anderen wegen seiner Zufälligkeit total ab. Viele waren auch enttäuscht davon, weil sie sich ein Spiel erhofft hatten, das mit Die Werwölfe vom Düsterwald vergleichbar ist. Die beiden Spiele könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein, außer, dass sie sich beide für Großgruppen eignen. Die Enttäuschung war für diese Gruppe daher schon vorprogrammiert.

Spaß hatte ich vor allem mit Kindern bzw. Jugendlichen. Sie gingen sehr unvoreingenommen an die Sache heran und fanden die Idee witzig, vor dem Essen ein Spiel zu spielen, bei dem sie am Ende ganz woanders saßen als zu Beginn. Auch das Bluffen gefiel ihnen, denn schließlich muss jede Gruppe so lange wie möglich geheim halten, wer ihr Meuchler ist. Die damit einhergehenden Spekulationen und Verdächtigungen verleihen dem Spiel die nötige Würze.

Empfehlen würde ich das Spiel jedoch nur Gruppen ab 11 Personen. Bei weniger Teilnehmern muss nämlich jeder Spieler zwei Charaktere übernehmen, was in der Profiversion aufgrund von sechs Möglichkeiten pro Spieler irgendwann in zu viel Denkarbeit ausartet. Weniger gut kam es auch an, wenn der König nicht real war, sondern nur von seiner Charakterkarte verkörpert wurde.

Wer also mal etwas anderes für große Gruppen sucht, sich vor dem Lesen einiger Seiten nicht scheut und kein Problem damit hat, dass das Spiel sehr vom Zufall gesteuert wird, sollte dieses Spiel mit seinen wunderschön illustrierten Karten aus dicker Pappe auf alle Fälle einmal ausprobieren.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Das letzte Bankett: 5,0 5,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.02.13 von Sandra Lemberger

Leserbewertungen

Leserwertung Das letzte Bankett: 3,3 3.3, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.09.12 von Vasco D. - Nach einigen Runden bin ich echt begeistert! Endlich ein Spiel für große Runden, dass einen ähnlichen Reiz wie die Werwölfe von Düsterwald aufbauen kann. Dabei bleiben aber alle Spieler bis zum Ende im Spiel und es geht nicht nur um Menschenkenntnis und Manipulation wie bei den Wölfen, sondern auch um taktisches Denken. Das Spiel ist aber auch wie (wie bei den Wölfen) erweiterbar und in der komplexität deutlich steigerbar, so dass auch über viele Runden der Spass erhalten bleibt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.08.13 von Peter - Leider konnte mich das Spiel nicht überzeugen. Wo bei Werwölfe zumindest nach längerer Spieldauer etwas Strategie möglich ist, bleibt beim Bankett vieles dem Zufall überlassen. Zudem sind die Regeln extrem schlecht erklärt, da sehr viele Fragen offen bleiben, so dass man sich während des Spiels ständig auf irgendwelche Hausregeln einigen muss, was den Spielfluss zumindest bei den ersten Versuchen extrem hemmt. Das ist insofern problematisch als dass man >= 11 Mitspieler benötigt, so dass davon ausgegangen werden muss, dass immer Neulinge dabei sind. Letzter Krikikpunkt: warum sind bei einem Spiel dieser Preisklasse standardmäßig zu wenig Schnüre beigelegt, um die Wappen anzufertigen?
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.10.13 von docholz - Bin wie Peter sehr enttäuscht. Bei uns lief es eigentlich immer total chaotisch ab und irgendwann hatten Mitspieler einfach keine Lust mehr und damit war das Spiel dann OUT

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