Rezension/Kritik - Online seit 27.01.2013. Dieser Artikel wurde 2511 mal aufgerufen.

Sei Stark. Sag Nein!

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Autor: Andreas Büdeker
Illustration: Hans-Georg Schneider
Haus des guten Geschmacks
Verlag: Nürnberger Spielkartenverlag
Rezension: Sandra Lemberger
Alter: ab 5 Jahren
Jahr: 2012
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 2500
Sei Stark. Sag Nein!

Spielziel

Dieses Präventionsspiel soll auf spielerische Art und Weise Kindern ab 5 Jahren beibringen, ihre Umgebung aktiv wahrzunehmen, auf wichtige Details zu achten und mögliche Gefahren rechtzeitig zu erkennen.

Ablauf

Die Karten liegen als Nachziehstapel auf dem Tisch. Wer an der Reihe ist, zieht die oberste und gibt sie dem erwachsenen Moderator. Dieser erklärt dem Kind, was es zu tun hat bzw. liest ihm Fragen vor. Die Karten sind farblich in drei Kategorien eingeteilt:

  • Grüne Karten zeigen sportliche Übungen, die das Kind durchführen muss.
  • Blaue Karten darf sich das Kind zwanzig Sekunden lang betrachten. Danach wird mit der nächsten Aufgabe weitergemacht und erst danach wird dem Kind eine Frage zu dem Bild gestellt – zum Beispiel, was der Mann in der Hand hält oder welche Farbe seine Jacke hat.
  • Auf roten Karten wird eine Situation vorgelesen, die zu dem Bild auf der Rückseite passt. Danach werden dem Kind vier mögliche Lösungsvorschläge vorgelesen, aus denen es einen (meistens gibt es mehrere) richtigen auswählen soll.

Jede Karte, deren Aufgabe korrekt gelöst wurde, erhält das Kind als Belohnung.

Fazit

Die Anzahl der Straftaten und Misshandlungen an Kindern ist eine Dunkelziffer. Man geht davon aus, dass jährlich ca. 300 000 Kinder in Deutschland missbraucht werden - jedes dritte Mädchen und jeder siebte Junge. Nur jeder 20. Fall wird aufgedeckt. Aus diesem Grund hat sich Andreas Büdeker in enger Abstimmung mit Pädagogen, Psychologen, Kindergärten und Grundschulen dieses Präventionsspiel ausgedacht. Ziel ist es, das Selbstvertrauen der Kinder sowie das Verständnis für diese Sache zu stärken.

Insgesamt soll das spielerische Training die Kinder also vor Gewalt und Missbrauch schützen. Auf der einen Seite geschieht dies durch die sportlichen Übungen, die die Kinder "stark" machen sollen, andererseits durch die Konfrontation mit möglichen Situationen. Das ständige Durchspielen dieser Sachlagen hilft den Kindern, richtig zu reagieren. Wichtig ist hier vor allem das Verständnis dafür, dass man ohne die Erlaubnis der Eltern auch mit Bekannten und Verwandten nicht einfach mitgeht, denn die meisten Missbräuche werden nicht von Unbekannten verübt.

Dass man sich vor Fremden hüten muss, wissen mittlerweile fast alle Kinder. Aber die Karten zeigen, dass die Situationen auch dann, wenn ein Unbekannter im Spiel ist, für die Kinder nicht immer eindeutig sind. So beschreibt eine Karte zum Beispiel, dass ein Fremder die Kinder um Hilfe bittet, weil sein Sohn verletzt sei. Da merkt man im Spiel schon, dass die Kinder sehr lange überlegen, ehe sie eine Antwort geben. Und dann ist es nicht immer die richtige. Spielt man Sei stark, sag Nein! öfter, bekommen die Kinder jedoch Routine und wissen bald ganz genau, welches Verhalten ratsam ist und welches nicht.

Ganz wichtig ist es, im Anschluss immer über die Antworten zu sprechen. Die gemeinsame Diskussion, warum etwas falsch oder richtig ist, hilft den Kindern, die Lösungen besser zu verstehen, womit sie auch besser im Gedächtnis bleiben. Auch das Aussprechen von Lob und Anerkennung bei erfüllten Aufgaben ist sehr wichtig, damit sich die Kinder besonders gut einprägen, was sie richtig gemacht haben.

Die Kartentexte sind manchmal sehr lang. Bei vier möglichen Antworten fällt es den Kindern schwer, sich alle zu merken. Deshalb sollte man bei jüngeren Kindern nur eine mögliche richtige und falsche auswählen, damit die Kinder leichter den Überblick bewahren.

Die Gestaltung der Karten ist gut gelungen. Der Fremde wirkt nicht gleich auf den ersten Blick wie ein Bösewicht, wie das in manchen Büchern zu diesem Thema dargestellt wird, denn da lacht ja jedes Kind und erklärt auch ganz selbstverständlich, dass es mit einem solchen Mann ohnehin nie mitgehen würde.

Grundsätzlich kann man das Spiel auch noch mit Erst- oder Zweitklässlern spielen, dann allerdings ohne die Beobachtungskarten. Auf ihnen steht nämlich direkt neben dem Bild die dazugehörige Frage, so dass Kinder, die schon lesen können, diese gleichzeitig auch im Auge haben und damit sofort wissen, auf was sie bei der Bildbetrachtung achten müssen. Überhaupt sind diese blauen Karten meistens nach einmaliger Verwendung uninteressant, weil die Kinder dann schon genau wissen, welche Frage zum Bild gestellt wird. Leider sind gerade von diesen Karten sehr wenig im Spiel – hier hätte ich mir mehr ein paar mehr gewünscht.

Die Regel gibt übrigens nicht vor, wann das Spiel zu Ende ist. Am besten hört man dann auf, wenn man merkt, dass die Kinder zu zappeln beginnen, weil es ihnen zu lange wird. In meinen Testrunden war das meistens nach etwa 15 bis 20 Karten der Fall.

Insgesamt macht ist Sei stark, sag Nein! ein gut gelungenes Spiel, das die Kinder auch gerne mitspielen. Es vermittelt auf spielerische Art viel Wissenswertes zum Thema, ohne die Kinder zu ängstigen, und eignet sich sowohl für das Spiel mit einem Kind als auch mit mehreren gleich gut. Wer den Autor übrigens gerne selbst über sein Spiel sprechen hören/sehen will, kann dies im folgenden RTL-Beitrag tun: http://www.rtl.de/cms/news/punkt-12/kartenspiel-warnt-kinder-vor-sextaetern-273a6-9851-82-1272288.html

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Sei Stark. Sag Nein!: 5,0 5,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.12.12 von Sandra Lemberger

Leserbewertungen

Leserwertung Sei Stark. Sag Nein!: 4,0 4.0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.01.13 von Oliver S. - Das Themna verbietet eigentlich jegliche schlechte Kritik!
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.01.13 von Susanne - Dass das Thema jegliche schlechte Kritik verbietet, kann ich nicht nachvollziehen - auch wenn es natürlich toll ist, dass sich ein Spiel dieses Themas annimmt. Es war ein Zufallskauf in Essen, weil ich beruflich mit diesem Thema in der Grundschule konfrontiert werde. Man muss jedoch kritisch anmerken, dass die Bildkarten z.T. etwas einfallslos sind, ebenso wirken die Turnübungen aufgesetzt. Der spielerische Wert ist doch eher zweifelhaft, da gibt es viele pädagogische Spiele, die verschiedene Thematiken viel spaßiger vermitteln. Ich habe keine Ahnung, wie man dieses sensibele Thema adäquakt spielerisch umsetzen kann, aber das vorliegende Spiel schwächelt da merklich. Aber besser als nichts. Wobei die schwarze Schachtel dann doch das Angstgefühl umkreist. Auch fragwürdig.

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