Rezension/Kritik - Online seit 11.12.2004. Dieser Artikel wurde 12036 mal aufgerufen.

Abalone (PC-Spiel)

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Autor: keine Angabe
Verlag: Arc Dream Publishing
Rezension: Steffen Stroh
Spieler: 1
Jahr: 2004
Bewertung: 2,0 2,0 H@LL9000
1,0 1,0 Leser
Ranking: Platz 6301
Abalone (PC-Spiel)

Spielziel

Mit Abalone wurde nun ein weiterer Klassiker des 2-Personen-Brettspiels nach zahlreichen Share- und Freeware-Umsetzungen professionell durch Goto Games / WalkOn Media auf den PC umgesetzt. Zur Beschreibung des Grundspiels sei auf Rezensionen des Brettspiels verwiesen.

Ablauf

Nach einer kurzen Installationsroutine kann das Spiel gestartet werden. Allerdings muss sich hierbei die Original-CD im Laufwerk befinden. Diese wird durch den Kopierschutz berprft, was mit einer Orgie aus Zirp- und Kratzgeruschen, die jeder Zahnarztpraxis zur Abschreckung gereichen wrde, quittiert wird. Nach 30-60 Sekunden hat das Spiel bei mir noch immer seinen Anfang gefunden, es ist aber denkbar, dass einige der auf dem Markt befindlichen CD-Laufwerke ob des radikalen Kopierschutzes ihren Dienst versagen werden.

Einmal im Spiel, drfen vor dem Start diverse Grundeinstellungen vorgenommen werden. Die Wahl von Spielername und farbe ist dabei Routine, interessanter die Beschrnkung der Zeit fr Spielzug und Gesamtspiel, vergleichbar einer Schachuhr. Auch die Spielstrke des Computergegners kann in stolzen 10 Stufen eingestellt werden, gleiches gilt fr das Niveau der Spielhilfe. Als letztes kann aus einem groen Fundus von Startaufstellungs-Varianten fr die Spielkugeln gewhlt werden (dazu spter mehr).

Das eigentliche Spielgeschehen findet in beraus schlichter Umgebung statt. Die grafische Darstellung des Spielbretts ist auf die einfache, aber bersichtliche Draufsicht beschrnkt, die nur in einer Auflsung von 800*600 verfgbar ist. Bei grerer Bildschirmauflsung muss auf den Fenstermodus zurckgegriffen oder eine etwas verpixelte Volldarstellung in Kauf genommen werden. Zwei Konsolenfelder am linken Rand stellen den Status von menschlichem Spieler und PC-Gegner (2 Menschen knnen nicht gegeneinander spielen!) dar, wobei Spielstrke, Zahl der vom Brett geschubsten Kugeln und die Zeiten fr Spielzug und Gesamtspiel sauber wiedergegeben werden.

Eine zustzliche Bedienkonsole rechts unten erlaubt es zudem, Spielzge rckgngig zu machen bzw. wiederherzustellen (Replay-Funktion), oder sich der eingangs erwhnten Spielhilfe (Tipp fr den besten nchsten Zug) zu bedienen. Auerdem knnen das Spielbrett gedreht und die schwarzen und weien Kugeln vertauscht werden angesichts der schlichten Draufsicht zwei reichlich berflssige Optionen.

Weitere Auswahlmglichkeiten finden sich in der oberen Bildleiste: Dort knnen z.B. das aktuelle Spiel gespeichert/geladen, die Sprache eingestellt, oder eine Hilfe aufgerufen werden, die recht bieder in Schrift und Bild die Spielregeln kapitelweise wiedergibt.

Interessant klingt die Mglichkeit, das Aussehen des Spielbretts zu verndern. Allerdings kann hier auer der Grundfarbe und Textur des Spielbretts gar nichts abgendert werden erneut eine eher sinnentleerte Option.

Groe Erwartungen weckt der anwhlbare Spielvarianten-Editor. Hier kann die Ausgangskonstellation der Spielkugeln frei gewhlt werden, ebenso die Spielendbedingung (Zahl der zu entfernenden Kugeln). Das wars allerdings auch schon wieder, die in der Abalone-Gemeinde mittlerweile recht weit verbreiteten Varianten mit bunten Kugeln, nicht betretbaren Feldern oder Team- bzw. Mehrpersonenspiel sind nicht in die Umsetzung eingegangen.

Die Steuerung der Spielzge erfolgt, indem man mit dem Mauszeiger die gewnschten Kugeln bei gedrckter Maustaste abfhrt, und nach der so getroffenen Auswahl die Richtung des Zuges durch seitliches Abweichen des Zeigers vorgibt, und die Maustaste dann loslsst. Hrt sich hakelig an? Ist es auch. Wer das Spiel einmal bei bewegtem Untergrund (z.B. auf dem Notebook im Zug) ausprobiert, wird nach krzester Zeit vor Wut ins Display beien. Eine Steuerung ber Touchpad sollte gar nicht erst erwogen werden.

Bei Spielende wird das Ergebnis in eine ausfhrliche Statistik eingetragen, die die Erfolgsquote des betreffenden menschlichen Spielers relativ zur gewhlten Gegnerstrke (und der Tatsache, ob Tipps in Anspruch genommen wurden) wiedergibt. Eine nette Option, den eigenen Spielfortschritt nachzuvollziehen, auch wenn die Darstellung wie eigentlich das gesamte Spiel den Charme einer Excel-Tabelle nie berschreitet.

Fazit

Der erste Blick auf die Umsetzung erinnert etwas an das berhmte Schachprogramm Fritz: Viele Tabellen und Zahlen, kombiniert mit einer puritanischen Darstellung in Graustufen. Den Eindruck scheinbarer Professionalitt unterstreichen die zahlreichen Einstellungsmglichkeiten, die sich bei genauerem Blick jedoch fast durch die Bank als Rohrkrepierer entpuppen. Auf der Haben-Seite steht dabei sicher die statistische Komponente und die 10-stufige Einstellung des starken PC-Gegners.

Aber genau hier fangen auch die Probleme an: Der PC agiert zwar in den oberen Stufen stark, aber durch die Bank sehr monoton. Im Grunde verfolgt er immer die selbe Taktik, nur eben mit wachsender Perfektion: In die Mitte drngen und auf den entscheidenden Fehler des Menschen warten. Das ist zwar erfolgreich, aber derart passiv, dass manche Niederlage eher aus der Ungeduld des Menschen denn aus minderer Spielfertigkeit resultiert. Statt nur die Spielstrke einzustellen, wre es auch wichtig gewesen, die Spielweise justieren zu knnen zwischen defensiv und aggressiv.

Das rgernis der hakeligen Steuerung wurde bereits geschildert, in Kombination mit dem PC-Gegner hherer Stufe wird es richtig bitter. Denn der PC grbelt gerne bis zu 1 Minute (!) ber seinen Spielzug nach. Das ist richtig zh, und wenn ich einen falschen Zug berichtigen mchte, kann ich das auch erst nach Abwarten des nchsten PC-Zuges tun frhliches Herumsitzen

So weit, so nicht perfekt, jedoch verschmerzbar. Die richtigen Hammer warten aber noch. Da ist zum einen der Spielvarianten-Editor. Nachdem die Gestaltung des Spielbrettes (von wegen beliebig anpassbar, wie auf der Packung beworben wird!) schon eine Lachnummer war, ist der Varianten-Editor eine weitere. Es ist ja durchaus nett, dass ich neue Konstellationen erstellen kann. Aber da reichen mir die 14 vorhandenen eigentlich aus. Wo hingegen sind die farbigen Kugeln geblieben, die seit Jahren lngst Einzug in die wirklich innovativen Varianten des Spiels gefunden haben? Auf der Abalone-Homepage, die im Spiel sogar verlinkt ist (s. Internetspiel), werden diese ausfhrlich dargelegt aber nachbasteln kann ich sie nicht. Auch ein Mehrspieler- oder Teamspiel ist so nicht mglich, noch nicht einmal das Spiel zweier menschlicher Gegner gegeneinander ist in der Umsetzung enthalten!

Moment, wird jetzt ein Kritiker nach dem ersten Blick auf die Bildschirmleiste sagen, da steht doch aber Internetspiel? Eine Mogelpackung, denn die Auswahl der Option Internetspiel fhrt lediglich dazu, dass sich im Hintergrund der Internet Explorer ffnet, und in diesem die Seite Abalonegames. Diese ist eine frei und fr jedermann VLLIG UNABHNGIG von der hier vorliegenden Software zugngliche Webseite, auf der Abalone gespielt werden kann. Die Umsetzung beinhaltet also, entgegen dem ersten Eindruck, KEIN Internetspiel, sondern linkt lediglich auf eine Seite, wo derartiges Spiel mglich ist. Man mge mir verzeihen, wenn ich ob so viel Dreistigkeit sage: Da komme ich mir wirklich fr dumm verkauft vor.

Was bleibt, ist eine Umsetzung, die eine Menge schuldig bleibt. Der PC-Gegner stark, aber monoton und langsam, die zahlreichen guten Anstze bestenfalls halbgar ausgefhrt, Mehrspielermglichkeiten gnzlich Fehlanzeige. Wre das Spiel die erste Umsetzung des Klassikers, wrde ich Fans vielleicht noch einen Blick empfehlen. Allerdings gibt es auf dem Markt lngst dutzende Shareware- und Freeware-Umsetzungen, die solide PC-Gegner nebst innovativen Varianten (mit farbigen Kugeln) bieten und das fr wenig oder gar kein Geld, und ohne nervttenden Kopierschutz. Die Goto-Umsetzung kostet im Laden stolze (um nicht zu sagen freche) 25 Euro und ist damit die teuerste bisher bei HALL9000 getestete Brettspiel-Umsetzung. Fr diesen Preis derartig unfertig hingeschluderte Editoren zu bieten und LAN, Internet und Hotseat-Modi komplett zu ignorieren, ist vllig inakzeptabel. Deshalb: Finger weg!

Rezension Steffen Stroh

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Abalone (PC-Spiel): 2,0 2,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.12.04 von Steffen Stroh

Leserbewertungen

Leserwertung Abalone (PC-Spiel): 1,0 1.0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.09.07 von Ruprecht Knlle - eINFACH NUR DUMM
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.09.07 von Joschi der Br - das Spiel erinnert an die "guten-alten-C64-Zeiten"... Pfui bh!