Rezension/Kritik - Online seit 09.12.2018. Dieser Artikel wurde 594 mal aufgerufen.

Agentenjagd

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Autor: Forrest-Pruzan Creative
Verlag: Schmidt Spiele
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2018
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
Ranking: Platz 3942
Agentenjagd

Spielziel

Ist er ein gemeiner Verräter? Ein Überläufer? Oder gar ein gefährlicher Doppelagent? Wir wissen es nicht, er muss aber ein ganz übler Zeitgenosse sein, wenn bis zu vier Agenten kreuz und quer durch alle Kontinente hinter ihm her sind. Aber wer von ihnen kann den Spion schließlich als Erster aufspüren und zur Strecke bringen?

Ablauf

Der Spielplan zeigt an die 50 Städte auf sechs Kontinenten, welche über ein verzweigtes Wegenetz miteinander verbunden sind. Die Farbe der Verbindungslinien zeigt an, welches der vier Fortbewegungsmittel - Jet, Hubschrauber, Sportwagen oder Motorrad - dafür genutzt wird.

Der Aufenthaltsort des Spions bleibt über die gesamte Partie gleich. Nur eine (kostenlose) App kennt die Stadt, in der er sich versteckt hält. Diese App legt auch fest, wo die an der Agentenjagd teilnehmenden Spieler starten. Auf jedem Kontinent hält sich zudem ein Informant auf, der wertvolle Hinweise geben und für Spezialaktionen sorgen kann. In welcher Stadt sich der jeweilige Informant aufhält, wird ebenfalls anfangs zufällig - und geheim - von der App bestimmt.

Wer an der Reihe ist, führt bis zu 2 Aktionen in seinem Zug durch. Als Aktionen stehen dabei folgende Möglichkeiten zur Auswahl:

A) Agenten bewegen (vom aktuellen Ort zu einem mit einer farbigen Linie verbundenen Ort)
B) Aktionskarte ausspielen (erst möglich, wenn man bereits welche erhalten hat)
C) Aktion überspringen (wenn man nur eine oder gar keine Aktion nutzen will)
D) Spion fangen (erst im vermuteten Aufenthaltsort des Spions sinnvoll).

Vorrangiges Ziel in der Anfangsphase ist es, einen Kontaktagenten aufzuspüren, denn dieser beschert einem die wichtigen Aktionskarten, allerdings erst nach Verlassen des Kontinents. Die meisten Karten erlauben, die möglichen Positionen des Spions einzugrenzen. So wird etwa mit der Karte "Suche nach dem Spion" die Entfernung zum Spion angegeben, auf dem kürzest möglichen Weg. Die Karte "Hinweis auf den Spion" verrät, in welche Richtung man ziehen muss, um sich diesem zu nähern. Und mit "Abhören" erfährt man den Abstand eines Mitspielers zum Spion.

Andere Karten sind zwar weniger informativ, aber nichtdestotrotz - situationsabhängig - nicht weniger hilfreich. Mit einem "Fallschirmsprung" kann man schnell einen (zufällig bestimmten) Ort auf der anderen Hälfte des Spielplans erreichen. Die Karten "Flughäfen schließen" und "Straßen sperren" helfen, die Mitspieler für eine Runde zu blockieren. Mit der Karte "Sabotage" kann ein (zufälliges) Verkehrsmittel sabotiert werden, um von jenem Mitspieler, der dieses als Erster benutzt, zwei Karten zu ziehen. Die Karte "Weiterer Zug" wiederum kann bei diesem Wettlauf um die Gefangennahme des Agenten den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Sobald ein Spieler glaubt, sich auf dem Aufenthaltsort des Spions zu befinden, kann er versuchen, diesen zu fangen, indem er diese Funktion der App auslöst. Liegt er richtig, hat er gewonnen, was mit einem Konfetti-Regen auf dem Display quittiert wird, anderenfalls muss er eine Runde aussetzen. Es gewinnt, wem es schließlich als Erstem gelingt, den gesuchten Spion zu schnappen.,

Fazit

Agentenjagd ist ein sogenanntes "Hybrid"-Spiel, also ein Spiel, welches ein herkömmliches Brettspiel mit einem digital gesteuerten Spiel verbindet. Puristen mögen vielleicht daran Anstoß nehmen, und auch ich muss zugeben, dass ich solchen "Experimenten" eher skeptisch gegenüberstehe. Andererseits habe ich schon ein paar Spiele erlebt, bei denen diese Kombination ausgezeichnet gelungen ist, wie etwa beim Escape-Room-Spiel Unlock! (Space Cowboys 2016) oder bei Die Alchemisten (Czech Games Edition 2014).

Auch bei Agentenjagd kann man die Unterstützung durch die kostenlose App durchaus als gelungen betrachten. Sie übernimmt die Rolle des Spielleiters, legt die Positionen des Spions und aller Informanten fest, fungiert als Zufallsgenerator für bestimmte Karten, informiert diskret (über "geheime Nachrichten") die jeweiligen Entfernungen, etc. Dies alles müsste ansonsten von einer am Spiel selbst unbeteiligten Person übernommen werden, mit dem Risiko fehlerhafter Angaben oder verräterischer Mitteilungen.

Die Bedienung der App ist im Großen und Ganzen einfach zu verstehen. Sie kündigt den nächsten Spieler an und fordert diesen auf, eine Aktion durchzuführen. Ein einfaches Drücken auf das entsprechende Symbol öffnet daraufhin die weiteren Optionen. Bei einer Bewegung werden die zur Verfügung stehenden Fortbewegungsmittel (sogar mit Berücksichtigung eventueller Sperren!) angezeigt, welche dann bloß angeklickt werden brauchen. Bei einer Aktionskarte öffnet sich ein Fenster mit vier Positionen, die - entsprechend der ausgespielten Karte - mit den Symbolen X und O ausgefüllt werden müssen.

Wichtig ist in allen Fällen, jede gewünschte Aktion mit der Betätigung des Feldes "Ausführen" zu bestätigen. In unseren Partien wurde dies manchmal vergessen, weshalb man schließlich woanders landete, als man eigentlich hinwollte. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die beinhalteten Kontrollfunktionen der App (z. B. Standortanzeige am Ende des Zuges) auch wirklich zu nutzen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Eine nachträgliche Änderung (d h. nach dem Drücken von "Ausführen") ist aus verständlichen Gründen nicht möglich. Man muss eben konzentriert zu Werke gehen, als Geheimagent darf man sich schließlich auch keine Fehler erlauben. Eine kleine Schwäche offenbart das System, wenn man seine noch nicht bestätigte Eingabe ändern will, also ein anderes Fortbewegungsmittel benutzen will, oder sich zum Beispiel beim Code einer Aktionskarte vertippt. Man kann es schon irgendwie noch korrigieren, es ist aber zum Teil knifflig. Auch das Lesen der geheimen Nachricht, sowie der Umgang mit gleich mehreren Mitteilungen am Ende des Zugs brauchen etwas Übung, wie ich bei nicht so Technik-affinen Spielern feststellen musste. Insgesamt kann ich der Programmierung jedoch ein gutes Funktionieren bescheinigen.

Das Spiel selbst baut zwar größtenteils auf Deduktion, der Zufall spielt dennoch eine große Rolle. Es kann passieren, dass ein Spieler relativ früh verräterische Hinweise erhält, in einer Partie gipfelte dies gleich bei der ersten Karte "Suche nach dem Spion" mit der Information: "Entfernung zum Spion 0 Felder"! Auch welche Aktionskarten man wann erhält, kann mehr oder weniger glücklich ausfallen. Zudem wird der Effekt einiger Karten zufällig bestimmt, so landet man beispielsweise mit einem "Fallschirmsprung" irgendwo auf der anderen Seite der Weltkugel. Sabotierte Fortbewegungsmittel und abgehörte Mitspieler werden ebenfalls mit Zufallsgenerator ermittelt. Der vorhandene Glücksfaktor ist allerdings - gemessen an der kurzen Spieldauer - absolut vertretbar.

Mit zunehmender Spielerfahrung kann man auch abseits der von der App erhaltenen Informationen und Hinweise einiges aus den Aktionen und Reaktionen der Mitspieler herauslesen. Wo bleiben sie mit ihrer Spielfigur stehen? Wie kann man ihre Mienen beim Lesen der geheimen Nachrichten deuten? Auch der Einsatz der Aktionskarten wird zielorientierter, effizienter. In so mancher Partie kommt dann fast so etwas wie Agentenstimmung auf, ein Hauch von James Bond inklusive tarnen, täuschen und In-die-Irre-führen.

Ich will da aber gar nicht so viel hineininterpretieren. Agentenjagd ist ganz einfach ein kurzweiliges, spannendes Spiel, welches geschickt die technischen Annehmlichkeiten eines Smartphones mit dem Vergnügen eines Mehrpersonen-Brettspiels verknüpft. Es macht Spaß, und sowohl im Familienkreis als auch im Spieleklub wird immer wieder gerne Jagd auf diesen mysteriösen Mr. Y gemacht ...

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Agentenjagd: 3,0 3,0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.10.18 von Franky Bayer - Gelungenes Hybrid-Spiel, bei dem eine (kostenlose) App die Funktion des Spielleiters übernimmt. Flottes Deduktionsspiel mit Agenten-Feeling. Knapp an der 5.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.02.19 von Jürgen Henrich

Leserbewertungen

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