Rezension/Kritik - Online seit 30.09.2007. Dieser Artikel wurde 6102 mal aufgerufen.

Balam

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Autor: Patrice Vernet
Verlag: Neuroludic
Rezension: Monika Harke
Spieler: 2 - 4
Dauer: 60 - 150 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2006
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
2,0 2,0 Leser
Ranking: Platz 4342
Balam

Spielziel

BALAM bedeutet in der Sprache der Maya "Jaguar", welcher als Beschützer von Feldern und Ernte galt. Wir werden also in die Welt der Maya versetzt, genauer gesagt ins VIII. Jahrhundert, als die Halbinsel Yucatan noch ein dichter, unbesiedelter Wald war. Die Spieler schlüpfen in die Rolle konkurrierender Könige und versuchen, dort mit Hilfe der Maya eine Zivilisation zu errichten, die ihnen größtmögliches Ansehen verleiht. Dies gestaltet sich als wahre Herausforderung, denn es reicht nicht aus, nur Reichtümer zu produzieren und in Gebietserweiterungen zu investieren. Auch die Götter forden Opfer, ertragreiche und katastrophale Katun (Zeitraum von 20 Jahren) sind zu überstehen und nicht selten müssen Konflikte mit anderen Zivilisationen ausgetragen werden.

Ablauf

Vor uns erstreckt sich die Halbinsel Yucatan mit ihren Vulkanen, Cenoten (Wasserlcher, in denen geopfert wird), Kstenregionen und Gebieten, die verschiedene Reichtmer produzieren knnen. Die Knige wetteifern um den Aufbau mglichst prestigetrchtiger Zivilisationen, um ihrem Ziel, alleiniger Herrscher von Yucatan zu werden, nher zu kommen.

Jeder Knig legt den Grundstein fr seine Zivilisation, indem er auf einem fruchtbaren Gebiet die ersten Gebude errichtet. Zunchst werden Drfer gebaut, da nur diese eine Produktion ermglichen, und natrlich ein Palast, denn dort mssen die Maya Steuern in Form von produzierten Reichtmern zahlen. Sobald der Knig nun ber eine feste Einkommensquelle verfgt, hat er die Mglichkeit, in neue Gebude zu investieren und die Entwicklung seiner Zivilisation voranzutreiben. Nach und nach knnen seine Maya somit weitere Gebiete im Wald erschlieen. Ein ruhiges, beschauliches Leben, vorausschaubar und ohne nennenswerte Hhepunkte. Dem ist aber nicht so ...

Das Schicksal der Maya wird zu einem nicht unbedeutenden Teil durch die Gunst der Gtter bestimmt, die ihnen sowohl ertragreiche Jahre als auch Naturkatastrophen mit verheerenden Auswirkungen bescheren knnen. Auch hngt ihr Schicksal vom Geschick des Knigs ab, in den einzelnen Gebieten die richtige Gebudewahl zu treffen. Lagerhusern kommt eine besondere Bedeutung zu, denn sie ermglichen den Maya, sich vor Katastrophen zu schtzen. Die dort gelagerten Reichtmer knnen den Gttern geopfert werden, was diese wieder vershnlich stimmt. Ebenso spielen Tempel eine entscheidende Rolle, da durch regelmige Opfer das Ansehen der Knige wchst. Eine weitere Mglichkeit des Prestigegewinns besteht in der Errichtung von Pelote-Pltzen, da dieses Ballspiel bei den Maya sehr beliebt ist.

Die Konkurrenz der Knige und das begrenzte Terrain sorgen fr reichlich Konfliktpotenzial. Dies fhrt dazu, dass zwischen den einzelnen Zivilisationen hufig Kriege gefhrt werden, die oft schmerzliche Gebudeverluste nach sich ziehen. Frhzeitiges Aufrsten mit Garnisonen kann das Schicksal zwar positiv beeinflussen, letztendlich entscheiden aber die Gtter bzw. Wrfel ber den Ausgang des Konfliktes. Meistens sind die Gtter dem Angreifer wohlgesonnen und ermglichen ihm einen erfolgreichen Angriff. Nur auf diese Art und Weise knnen Gefangene gemacht werden, die spter ein von den Gttern gern gesehenes Menschenopfer darstellen, welches dem Knig wiederum viel Prestige einbringt.

Der Knig, der alle Herausforderungen am besten meistert und das grte Ansehen geniet, darf sich zum Schluss Erster Kaiser von Yucatan nennen.

Fazit

BALAM ist die berarbeitete Version von DIX-HUIT LAPINS, welches 2005 Finalist beim Internationalen Spieleautorenwettbewerb von Boulogne-Billancourt (Frankreich) war. Das Originalspiel steht weiterhin als kostenloser Download auf der Homepage von Neuroludic zur Verfgung.

Das Spielmaterial ist reichhaltig und ansprechend. Die Gre der Gebietsplttchen variiert minimal, da sie nicht aus einer Stanzvorlage stammen, sondern manuell zugeschnitten wurden. Dies fllt bei der Zusammensetzung des Spielfeldes aber nicht ins Gewicht. Die Grafik ist im Gegensatz zu deutschen Spielen erfrischend anders. Als Grundlage dienten Originalzeichnungen der Maya, die dem Spiel eine gewisse Authentizitt verleihen.

Die Spielanleitung ist keine leichte Kost. Sie ist zwar gut verstndlich und mit Beispielen versehen, fhrt aber durch viele Verweise, verbunden mit stndigem Hin- und Herblttern, zu keinem schnellen Spieleinstieg. Man kennt nach dem Durchlesen zwar alle Details, wei aber nicht genau, worauf es anfangs ankommt und wie man am besten beginnt. Gerade bei einem Spiel dieser Komplexitt wre es wnschenswert gewesen, wenn man einen mglichen Spielfeldaufbau und strategische Tipps beigelegt htte. Leider muss man dazu erst einen Blick auf die Homepage des Verlages werfen. Hat man diese Einstiegshrde jedoch genommen, gestaltet sich der Spielablauf deutlich einfacher als erwartet. Zudem erhlt jeder Spieler mit der Knigskarte, auf der er seine Reichtmer vor sich lagert, eine Komplettbersicht ber Spielablauf, Katun-Karten, Gebudearten und -kosten.

Das Spielfeld wird aus bis zu 33 Gebietsplttchen zusammen gesetzt, wobei Gre, Form und Anordnung der Plttchen frei gewhlt werden knnen. An dieser Stelle entscheidet sich oft schon, ob das Spiel einen eher friedlichen oder sehr aggressiven Verlauf nehmen wird. Je enger es auf dem Spielfeld wird, desto frher setzt der Kampf um begehrte Gebiete ein, da Reichtmer nur in beschrnktem Mae zur Verfgung stehen. Hat man den Kampf um diese Gebiete verloren, sind Kriege oft der einzige, mitunter risikoreiche Ausweg, da Gefangene eine willkommene Alternative zu den Reichtmern darstellen.

Eine entscheidende Rolle spielen die Katun-Karten. Abhngig von der Spielerzahl werden zu Beginn jeder Runde 3 bis 5 Karten verdeckt ausgelegt. Sobald ein Spieler aufgrund fehlender Reichtmer keine Mglichkeit mehr hat, Gebude zu bauen oder anzugreifen, ist er gezwungen, eine Karte aufzudecken. Wenn er Glck hat, erhlt er Reichtmer. Bei ca. 50 % der Karten muss er sich jedoch auf katastrophale Ereignisse einstellen, die er nur durch die Abgabe von Reichtmern oder Gefangenen abwehren kann. Hat er keine Vorsorge getroffen und steht mit leeren Lagerhusern bzw. Gefngnissen da, wird das Schicksal zuschlagen und er verliert Gebude oder sogar ganze Stdte. Dies kann problematisch werden, wenn ein Spieler z. B. seinen letzten Palast und damit seine einzige Einnahmequelle verliert. Dieser Verlust ist in der Regel nur sehr schwer zu kompensieren und erfordert viel Frusttoleranz. Eine Reduktion der Anzahl und Hrte der negativen Karten htte dem Spiel gut getan.

BALAM verfgt zwar ber einen einfachen Spielablauf, weist aber eine hohe Spieltiefe auf. Permanent stellen sich folgende Fragen:

  • Ist die Produktion ausreichend und das Einkommen des Knigs gesichert?
  • Sind die Maya ausreichend geschtzt vor feindlichen bergriffen und Katastrophen?
  • Knnen gengend Opfer erbracht werden?
  • Ist die Anzahl der Pelote-Pltze ausreichend?
  • Welche Mglichkeiten habe ich, mit meinem Einkommen auf die Spielweise der Gegner zu reagieren? usw.

Und genau das macht den Spielreiz aus. Man muss den berblick behalten, vorausschauend spielen, flexibel reagieren und versuchen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dies ist eine wahre Kunst, denn es gibt keine Siegesstrategie. Kleinste Fehler werden sofort bestraft. Ist ein Spieler erst einmal geschwcht, wird es sehr schwer fr ihn, den Anschluss zu behalten. Daher kann der Spielspa bei Neulingen und Spielgruppen mit unterschiedlichem Niveau schnell Richtung Nullpunkt tendieren. Dies ist auch der grte Kritikpunkt bei BALAM. Ein Spiel mit BALAM-erfahrenen Spielern ist dagegen ein strategisches Highlight.

Die Spieldauer richtet sich nach der Anzahl der Pelote-Spiele. Die 5 Pelote-Karten werden in gleichmigen Abstnden in den Katunstapel eingemischt. Im Rahmen der Spielvorbereitung wird dann festgelegt, ob das Spiel mit dem Aufdecken der zweiten, dritten oder einer weiteren Pelote-Karte endet. Empfohlen wird, die Anzahl der Pelote-Spiele an die Spielerzahl anzupassen. Im 2-Personen-Spiel mit zwei Pelote-Spielen kommt man somit auf eine Spielzeit von ca. 60 Minuten, zu dritt muss man bei drei Pelote-Spielen schon mit 90 bis 120 Minuten rechnen. Entsprechend steigert sich die Spielzeit bei vier Spielern. Diese Zeiten sind aus unserer Erfahrung heraus Mindestzeiten, die voraussetzen, dass alle Spieler mit dem Spiel vertraut sind und keine Grbler am Tisch sitzen.

BALAM funktioniert unabhngig von der Spielerzahl. Zu zweit entwickelt sich ein packender Zweikampf, bei dem alle taktischen Mglichkeiten ausgereizt werden knnen. Bei 3 Spielern gestaltet sich das Spiel etwas anders, da man es mit zwei Konkurrenten zu tun bekommt. Sobald ein Spieler Schwchen zeigt oder Fehler macht, wird er schnell zur Zielscheibe. Bei vier Spielern wird das Spielfeld schnell eng. Das Spiel wird aggressiver, da der Kampf um die Reichtmer und ums berleben frh beginnt. Die Idealbesetzung liegt unserer Erfahrung nach bei 2 oder 3 Spielern.

Die thematische Umsetzung ist sehr gut gelungen. Die Spielmechanismen passen zum Thema. Selbst der Glcksfaktor ist nicht strend, denn schlielich gehrten pltzliche Schicksalsschlge und Kriege zum Leben der Maya dazu. Man identifiziert sich regelrecht mit der Rolle des Knigs, freut sich ber das Wohlwollen der Gtter und leidet mit den Maya, wenn ihnen eine Katastrophe hart zusetzt. Durch diesen hohen Identifikationsfaktor merkt man, dass viel Hintergrundwissen in dieses Spiel eingeflossen ist und sich der Autor mit dem Leben der Maya auseinandergesetzt hat.

Will man BALAM zusammenfassend mit wenigen Worten charakterisieren, treffen es folgende Begriffe wohl am besten: Komplexes Aufbau- und Entwicklungsspiel, viel Spielatmosphre, nicht zu leugnender Glcksfaktor, sehr geringe Fehlertoleranz. Als Zielgruppe kann man Familien- und Gelegenheitsspieler definitiv ausschlieen. Ebenso werden zartbesaitete Spieler und solche, die nicht frustresistent sind, keinen Spa an BALAM finden. Ist der Funke jedoch erst mal bergesprungen, ist man gerne wieder dabei, wenn es heit: Lasst uns den Wald Yucatans ergrnden!

Rezension Monika Harke

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

Regelvarianten

Laut Homepage:

KEIN WRFEL BEI KONFLIKTEN

Bei Konflikten kann ganz auf Wrfel verzichtet werden. Man nimmt einfach an, dass jeder Wrfel, den man einsetzen wrde, den Wert 1 hat. Die Lsung des Konfliktes erfolgt dann mittels einer einfachen Subtraktion zwischen Angriffs- und Verteidigungsstrke. Alle beim Angriff eingesetzten Garnisonen sind verloren (und nicht die der Verteidigung). Die Kriege werden dadurch effizienter, aber teurer.

MRKTE

Zustzlich zu ihren Grundeigenschaften oder an deren Stelle knnen die Mrkte die Baukosten der Stdte in ihrem Einflussbereich reduzieren bzw. erhhen.

+ 1 Reichtum fr jede gegnerische kleine Pyramide, die sich auf diesem Gebiet befindet

- 1 Reichtum fr jede eigene kleine Pyramide, die sich auf diesem Gebiet befindet

(Der Erwerb kann also kostenlos sein).

Mrkte knnen auch dazu dienen, Reichtmer in den Gebieten, die unter ihrem Einfluss stehen zu "stehlen" (1 Reichtum pro Runde). In diesem Fall muss der Diebstahl nach der Produktion und vor der Verteilung erfolgen.

Mrkte knnen zum Tausch von Rohstoffen benutzt werden. Getauscht werden knnen Rohstoffe, die man ber die Mrkte hinweg transportiert hat (z. B. bekommt man fr zwei ber den Markt transportierte Rohstoffe einen anderen Rohstoff seiner Wahl).

Strategische Tipps und Varianten: http://www.neuroludic.com/deutsch/

Spielfeldaufbau: http://www.neuroludic.com/balam/balam-e.html

Reportage

Im September 2007 verffentlichten wir ein Interview mit dem Autor Partrice Vernet.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Balam: 4,5 4,5, 4 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.08.07 von Monika Harke
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.01.07 von Uta Weinkauf
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.09.07 von Frank Gartner - Hervorragende Grundidee und sehr anspruchsvoll, allerdings auch mit sehr destruktiven Elementen. Die Spieler sollten Frusterprobt sein. :-) Aus meiner Sicht knnte das Spiel noch optimiert werden, weshalb ich mich freuen wrde, wenn sich ein grerer Verlag diesem Spiel einmal annehmen wrde.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.10.07 von Ralph Bruhn

Leserbewertungen

Leserwertung Balam: 2,0 2.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.09.07 von Braz - Wieso gebe ich dem SPiel nur 2 Punkte?! Grund: Wenn ich bei dem Spiel als 2-Personenspiel lediglich einen kleinen strategischen Fehler mache, den ich aber im Laufe des Spiels nicht mehr gut machen kann und bei dem ich dann nach der Hlfte des SPiels sehr, dass ich eigentlich aufhren kann, da sich der Abstand immer mehr vergrert und das Spiel dann am Ende 6:80 Punkte ausgeht, dann muss ich sagen, dass das Spiel -frusterprobt hin oder her- definitiv nichts fr mich ist. Ich war voller Erwartungen und freute mich riesig als das SPiel endlich bei mir mit der Post ankam, wurde aber bitter enttuscht. Als 2 Personen-Spiel sage ich daher, dass es komplett unbrauchbar ist. Vielleicht gleicht sich das im Mehrpersonenspiel dann aus, da es mehrerer Parteien gibt, welche gegen den Fhrenden in den Kampf ziehen knnen.....als 2 Personenspiel hat man da aber wenig Chance. Belegt jnd strategisch wichtige Punkte, kommt man nur sehr schwer wieder an diese heran, das Spiel ist schon nach 60 Minuten entschieden....man spielt jedoch nochmal 60 Minuten weiter, damit das Ende endlich kommt. Ich htte dem Spiel wirklich gerne mehr Punkte gegeben, aber so -> never again, sorry!

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