Rezension/Kritik - Online seit 15.06.2012. Dieser Artikel wurde 4445 mal aufgerufen.

Der Hobbit

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Autor: Reiner Knizia
Illustration: John Howe
Michaela Kienle
Andrew Navaro
Verlag: KOSMOS
Rezension: Jost Schwider
Spieler: 2 - 5
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 9 Jahren
Jahr: 2011
Bewertung: 3,8 3,8 H@LL9000
3,2 3,2 Leser
Ranking: Platz 4677
Der Hobbit

Spielziel

Bei diesem semi-kooperativen Familienspiel geht es wie im berühmten Buch darum, eine Reise quer durch Mittelerde in Richtung Seestadt zu machen, um dort den bösartigen Drachen Smaug zu erlegen und dabei dessen großen Schatz zu heben.

Auf dem langen Weg müssen nach und nach vier Würfelabenteuer bestanden werden. Vor jedem Abenteuer gilt es aber, erstmal zum jeweiligen Schauplatz zu kommen. Dabei sammelt man Erfahrung sowie Nahrung und findet manchmal auch den "Einen Ring".

Ein wirklich nett gemachtes Video zum Spiel gibt es übrigens hier: www.youtube.com/watch?v=5V1EZ4oq73o

Ablauf

Das Spielmaterial kann sich wirklich sehen lassen: Ein riesiger und stimmungsvoller Spielplan mit dem Laufweg und den Schauplätzen der Abenteuer breitet sich vor uns aus. Darauf steht an einem Ende die Hobbit-Spielfigur, welche die derzeitige Position unserer Gemeinschaft anzeigt, und am anderen Ende die Drachen-Spielfigur, welche das Spielende andeutet. Diese Figuren sind wirklich sehr schön modelliert! Weiterhin gibt es 60 durchnummerierte Zwergkarten, 38 Ereignis- und 31 Abenteuerkarten (in vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden), alle mit ebenfalls stimmungsvollen Illustrationen, Edelsteinen, Würfel, Proviant und schließlich 5 Charaktertafeln für die Statuswerte der Spieler.

Hobbit und Drache (c)2012 Jost aus Soest

Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler 5 Zwergkarten und 3 Proviant. Die Ereignis- und Abenteuerkarten werden nach Schwierigkeitsgrad getrennt gemischt und bereit gehalten. Das Spiel gliedert sich in vier Reisephasen, welche jeweils mit einem großen Abenteuer beendet werden:

Während der Reisephase werden nach und nach die Ereigniskarten aufgedeckt, bis die Hobbit-Spielfigur beim nächsten Abenteuerort angekommen ist. Es gibt drei verschiedene Arten von Ereigniskarten:
1. Ausrüstung, um welche die Mitspieler mit ihren Handkarten bieten und welche einem später beim Abenteuer genau einmal helfen.
2. Allgemeine Belohnung, welche die Statuswerte aller Spieler (Mut, Schlauheit, Stärke) erhöhen.
3. Bewegung ("Die Reise geht weiter!"), also auf dem Spielplan vorwärts ziehen.

Der Mechanismus der Vorwärtsbewegung wird durch Karten gesteuert: Alle Spieler decken gleichzeitig eine ihrer Handkarten auf: Der Spieler mit der niedrigsten Nummer macht mit der Hobbit-Spielfigur den ersten Schritt und erhält die auf dem Spielfeld angegebene Belohnung. Der Spieler mit der zweitniedrigsten Nummer macht dann den nächsten Schritt (inkl. Belohnung), etc.

Die Abenteuer bestehen jeweils aus mehreren Aufgaben, welche von den Spielern reihum gelöst werden müssen. Dabei dürfen sich nur jene Spieler beteiligen, welche noch mindestens zwei Proviant besitzen.

Spielermaterial (c)2012 Jost aus Soest

Eine Aufgabe gibt genau vor, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um das Problem zu lösen und dafür Siegpunkte zu bekommen, zum Beispiel "5 Äxte und 2 Schilde". Abhängig von seinen Statuswerten kann der Spieler schon bis zu 2 Schilder (durch seinen Mut) und 4 Äxte (durch seine Stärke) haben. Die fehlenden Elemente muss man sich mit den 5 Würfeln besorgen, wobei mit so vielen Würfeln nachgewürfelt werden darf, wie wiederum die Schlauheit vorgibt. Wer gerade den "Einen Ring" besitzt, darf zusätzlich nach dem Würfeln einen Würfel auf eine beliebige Seite drehen.

Gelingt es nun dem aktiven Spieler, die Voraussetzungen zu erfüllen, so erhält er die auf der Aufgabe abgebildete Anzahl Siegpunkte in Form von Edelsteinen. Schafft der Spieler das aber nicht, so verliert er zumeist Nahrung und der Drache Smaug nähert sich Seestadt. Da die Voraussetzungen teilweise ganz schön happig werden können, darf man auch passen, so dass nun der nächste Spieler vor das gleiche Problem gestellt wird. Sollte aber am Ende eine Aufgabe von keinem Spieler gelöst werden, dann wandert der Drachen automatisch einen weiteren Schritt vor; natürlich bekommt dann niemand Siegpunkte!

Das Spielende wird spätestens nach der vierten Reisephase eingeleitet:

Erreicht der Drache Seestadt, so ist das Spiel sofort beendet und für alle Spieler verloren! :o(
Erreicht die Hobbit-Spielfigur jedoch den Berg Erebor (die Heimat des Drachens), und können dort alle Aufgaben dieses letzten Abenteuers gelöst werden, bevor der Drache doch noch Seestadt erreicht, so endet das Spiel mit einem Sieg! :o)
Jeder Spieler erhält noch einmal so viele Siegpunkte, wie sein niedrigster Statuswert vorgibt. Natürlich gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten!

Fazit

Zur Aufmachung

Spielplan und Material (c)2012 Jost aus Soest

Die Spieler erwartet beim Öffnen der Schachtel ein riesiger und stimmungsvoll gezeichneter Spielplan, der den gefahrvollen Weg der Zwerge und des Hobbits klar aufzeigt: Es geht vom heiteren Auenland zum düsteren Berg des Drachens.

Auch das restliche Spielmaterial passt ins Bild: Die Zwergkarten enthalten unterschiedliche Charaktere, die Qualität von Karten, Spielbrettern und Spielplan ist sehr gut, allein das Anfassen des Materials macht schon Spaß!

Insbesondere die beiden wunderschön modellierten und colorierten Spielfiguren lassen nicht nur die Augen der jüngeren Mitspieler leuchten.

Resumee: Super Aufmachung!

Zur Spielbarkeit

Die Spielregeln führen die Spieler gut an das Spiel heran; sie ist verständlich geschrieben, übersichtlich und gut strukturiert. Als Familienspiel bietet es keine schwer zu merkenden Sonderregeln, das Spielmaterial ist größtenteils selbsterklärend. Spätestens nach dem ersten Abenteuer haben alle Mitspieler den Spielablauf verstanden.

Da es sich hier im Kern um ein kooperatives Spiel handelt, können erfahrene Spieler Neulinge problemlos nach Mittelerde mitnehmen. Schade nur, dass die Anzahl der Edelsteine manchmal nicht ausreicht, um alle Siegpunkte zählen zu können.

Resumee: Gut. Das Spiel spielt sich größtenteils flüssig.

Zur Interaktion

Bei voll-kooperativer Spielweise gibt es genügend Anlass, sich abzusprechen und zu helfen, um die Abenteuer überhaupt bestehen zu können.

Aber auch bei semi-kooperativem Spiel sollte man aufpassen, wer welche Karten spielt, wem man welche Ausrüstung überlässt und wem man welche Aufgabe zuschiebt. Wenn der Führende etwa nur noch die einfachen, aber wenig Siegpunkt-trächtigen Aufgaben erhält, ist er durchaus noch aufzuhalten, ohne dass die ganze Partie verloren gehen muss.

Resumee: Das Spiel lässt noch gut Spielraum für Interaktion.

Zum Einfluss auf das Spiel

Wer zieht und wählt dann welche Zwergenkarte, wer kommt auf welches Feld, wer bekommt welche Belohnung und wer muss welche Aufgabe bestehen? All das sind Fragen, die nur wenig planbar sind. Aber da manchmal niedrige Zwergenkarten, ein andermal hohe Zwergenkarten günstiger sind, kann durch entsprechendes Haushalten (und ggf. sogar Mitzählen) durchaus die Wahrscheinlichkeit für den eigenen Erfolg erhöht werden.

Die Würfelaufgaben können für die Spieler natürlich auch sehr unterschiedlich verlaufen: Manches kann man durch entsprechende Ausrüstung oder gehorteten Proviant ausgleichen, aber wenn nunmal ein Schild benötigt wird und auf Teufel heraus keines gewürfelt wird, dann rückt der Drache eben ein weiteres Feld vor, ohne dass die Gruppe etwas dagegen machen kann. Allerdings gilt auch hier, dass durch Beachtung der Ausrüstung der Mitspieler und entsprechendes kooperatives Weiterschieben der Aufgabenkarte die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich erhöht werden kann.

Es lässt sich ganz allgemein feststellen, dass Der Hobbit bei kooperativem Spiel einfacher zu gewinnen ist als bei semi-kooperativem Spiel, wo das eigennützige Denken eher zu risikoreicheren Entscheidungen führt.

Die Planbarkeit ist also in gewissem Maße vorhanden und einem Familienspiel angemessen: Wer einfach blind vorwärts stürmt, wird keine Lorbeeren ernten (und schon gar nicht von den lieben Mitspielern)! ;o)

Resumee: Etwas mehr Glück als Strategie.

Zum Spielreiz

Das Spiel macht großen Spaß und ist durchgängig spannend, auch wenn der Glücksanteil ziemlich hoch und die Planbarkeit relativ gering ist. Die thematische Einbindung ist wunderbar gelungen, so dass es leicht ist, in Mittelerde einzutauchen. Daher versucht man immer wieder, das eigentlich einfache Familienspiel zu schlagen. Meistens geht es um das gemeinsame Erlebnis. Wer letztendlich Sieger wird, ist dann nicht so wichtig.

Das schöne und stimmige Material motiviert ebenfalls dazu, dass Spiel immer mal wieder hervorzuholen, insbesondere da der Schwierigkeitsgrad auch noch erhöht werden kann.

In jeder Besetzung funktioniert Der Hobbit gut: Die Ereigniskarten etwa bieten entsprechende Fallunterscheidungen, so dass die Spieler auch zu viert oder fünft an genügend Ausrüstung gelangen können (eben ein "typischer Knizia"!).

Die Spieldauer ist mit typischerweise 60 Minuten angemessen. Für die erste Partie muss man zwecks Lektüre der verschiedenen Ereignis- und Aufgabenkarten natürlich mit etwas mehr Zeit rechnen.

Die Zeit vergeht wie im Fluge, da man ständig mitfiebert, ob denn etwa die nächste Aufgabe erfolgreich gelöst werden kann. Weil es aus diesem Grund keine Wartezeiten gibt und die Spannung stetig steigt ("Der Drache nähert sich schon wieder Seestadt!"), sind auch jüngere Mitspieler nicht gelangweilt.

Wie kann man also besser mit einem Familienspiel die Wartezeit bis zu dem Kinoereignis des Jahres überbrücken? ;o)

Apropos: Der Film "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" kommt am 13. Dezember in die Kinos!
Hier ein kleiner Vorgeschmack: www.youtube.com/watch?v=yBubg0Ri_wA

Resumee: Das Spiel gefällt mir wirklich gut.

Rezension Jost Schwider

Regelvarianten

Proviantmangel:
Frustrierend kann es manchmal sein, wenn man unverschuldet im Abenteuer nur zuschauen kann, wie die lieben Mitspieler durch gelöste Aufgaben Siegpunkte scheffeln. Hier kann durch eine kleine Variante nachgebessert werden:
Jedesmal, wenn man wegen Proviantmangel übersprungen wird, bekommt man 1 Proviant (man sammelt sozusagen Pilze im Wald).

Ausbildung beendet:
Ärgerlich kann es auch sein, wenn man seine Attributwerte alle schon maximiert hat und dann ständig auf genau solche Felder kommt. Daher empfehle ich:
Hat ein Spieler alle seine Statuswerte auf Maximum, bekommt er jedesmal einen zusätzlichen Siegpunkt, wenn er einen seiner Statuswerte erhöhen dürfte.

Weitere Infos

Fehlende Edelsteine:
Je nach Spielverlauf kann es schon passieren, dass die Edelsteine nicht ausreichen. In so einem Fall können auch einfach die Abenteueraufgaben selbst gesammelt werden, welche ja die entsprechende Siegpunktzahl aufgedruckt haben.

Alle sind Sieger:
Man kann den Hobbit auch sehr gut als voll-kooperatives Spiel spielen. Dann sollte man den Schwierigkeitsgrad aber auch etwas anheben.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Der Hobbit: 3,8 3,8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.03.12 von Jost Schwider - Das familienfreundlichste Brettspiel zum Thema - immer wieder spannend!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.04.12 von Rene Puttin - Es ist sehr glücksabhängig, ob man die richtigen Karten auf der Hand hat, wenn Gegenstände auftauchen. Und der Bestitz dieser ist letzendlich spielentscheidend. Schade, der eigentliche Spielmechanismus ist schön.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.05.12 von Sandra Lemberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.06.12 von Frank Gartner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.06.12 von Steffen Wallraff
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.11.12 von Roland Winner

Leserbewertungen

Leserwertung Der Hobbit: 3,2 3.2, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.04.12 von Michael - Von allen mir bekannten Spielen zum "kleinen Hobbit" (und ich kenne fast alle) sicherlich das gelungenste (warten wir ab, was Wallace demnächst abliefern wird), thematisch ausreichend nah dran an der tolkienschen Abenteuer-Nummernrevue (die, nebenbei bemerkt, ein überraschend reifes Ende und viele Klammersätze hat) und spielerisch für Familien- oder Gelegenheitsspieler nicht zu banal. Ohne das Thema (das gebe ich gerne zu) wäre meine Note für den Spielreiz jedoch nur eine 2 bis 3.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.04.12 von AlexHeintze - Ein gutes Thema macht noch kein gutes Spiel. Zu zufällig und eintönig sind die Abläufe. Meine Kinder und ich einigten uns auf einen vorzeitigen Abbruch wegen akuter Langeweile.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.06.12 von Stefan - Schade, Thema und Ausstattung sind toll, das Spiel selbst aber ist ziemlich öde. 3x gespielt in verschiedenen Runden, aber niemand hatte Bedarf an einer Wiederholung. Aus dem Thema hätte man m.E. mehr machen können, als ein belangloses Würfelspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.06.12 von Jörg L. - Das Spiel ist schnell verstanden und spielt sich auch flüssig. Vermute aber, dass das Spiel irgendwann mal neue Zug- und Abenteuerkarten gebrauchen könnte um mehr Variation ins Spiel zu bekommen
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.10.12 von florian hullmann - Super Aufmachung, tolle Graphik, großer Autorenname - Spielspaß mäßig. Erinnert mich ingendwie alles an Beowulf von 2005.

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